Samstag, 18. August 2018

Der Auflösungsprozess des Protestantismus: Ein Lösungsvorschlag


Anhand zwei Texten aus dem Galaterbrief möchte ich einen Lösungsvorschlag gegen den Auflösungprozess des Protestantismus zeigen.
Zusammenfassend könnte man sagen: Hören wir auf mit moralisierenden Predigten und predigen wieder das Evangelium. 
Preidger: Befreit die Christen zum mündigen Christentum!

Wie das genau zu verstehen sind: s.u. Zuerst die Bibelstellen und dann die Auslegung mit weiteren Bibelstellen.

Galater 4,1 – 7

1 Ich sage aber, Solange der Erbe unmündig ist, besteht zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr aller Güter ist;
2 sondern er steht unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Zeit.
3 Ebenso waren auch wir, als wir noch unmündig waren, den Grundsätzen der Welt als Knechte unterworfen.
4. Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,
5 damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen.
6 Weil  ihr nun Söhne seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt, der ruft: Abba, Vater!
7 So bist du also nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, dann auch Erbe Gottes durch Christus.

Galater 3,10 Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: ‚Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, es zu tun.‘
11 Dass aber durch  das Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn ‚der Gerechte wird aus Glauben leben.‘
12 Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: „Der Mensch, der diese Dinge tut, wird durch sie leben.“
13Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns wurde (denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der am Kreuz hängt‘),

Was bedeutet dies?

Heutige moderne – oder auch postmoderne – Predigten betonen gerne die Moral: Wir sollen lieb miteinander sein und helfen. Seid dabei Tolerant und freundlich. Manchmal wird sogar die Nächstenliebe eingefordert.

Doch darum kam Jesus Christus nicht!

Natürlich sind das alles gute Dinge. Auch das Gesetz Gottes ist wirklich gut und heilig. Doch in unserem Text steht, dass auf dem allem ein Fluch liegt!!!!! „Denn alle, die aus Werken des Gesetzes sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, es zu tun.“ (Galater 3,10) Warum wird das bei allen Moralpredigten nie erwähnt? Wir stehen unter einem Fluch, WENN wir nicht alles halten, was die Liebe zu Gott und den Nächsten verlangt.

Das ist das grösste Problem vor dem wir alle stehen!

Da wir das alle nicht können, haben wir alle ein sehr grosses Problem. Vor den Menschen? Natürlich nicht. Da tut es (oft) gut, wenn wir lieb zueinander sind. ABER vor Gott haben wir ein Problem.

Warum? Weil wir alle eigentlich wissen, wie wir uns zu verhalten hätten. Gott hat uns sein Gesetz ins Herz geschrieben. So führt Paulus in Römer 1 einige unserer Sünden auf, um dann in Römer 2,1 festzustellen:
„Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer due auch seist, der du richtest! Denn indem du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst; denn du verübst ja dasselbe, was du richtest!“

Paulus wirft uns also vor, dass wir andere auf der Basis unserer Wertvorstellungen richten, die wir selber nicht einhalten. Und dann fährt er fort: „wir wissen aber, dass das Gericht Gottes der Wahrheit entsprechend über die ergeht, welche solche Dinge verüben. Oder denkst du, o Mensch, der du die richtest, welche solche Dinge verüben, und doch das gleiche tust, dass due dem Gericht Gottes entrinnen wirst?“ (Römer 2,3)

Könnte es sein, dass die Moralprediger ihre eigene Moral nicht ausleben? Ich weiss es nicht. Aber es wäre sicherlich gesund für sie, sich in dieser Sache vor Gott zu prüfen. Vielleicht werden sie dann auch erkennen, wie wir alle – auch ich – vor einem grossen Problem stehen.

Jesus Christus ist die Lösung dieses Problems! Wie wir auch in unserem Text sehen. Es ist das Evangelium von Jesus Christus. Für das ist Jesus Christus als Mensch auf diese Erde gekommen.

Worin besteht diese Lösung?

Galater 4,4. „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,“

Zu einer ganz bestimmten Zeit, die Gott selber festgelegt hat, sandte Gott seinen Sohn. Laut Galater 4,3 sind wir ohne Christus wie unmündige Kinder: Im ersten Moment unterscheidet uns als unmündige Kinder nichts von den Hausangestellten und Mitarbeitern unserer Eltern. Doch als Kinder gehört uns alles. Das kommt aber erst zum Ausdruck, wenn wir mündig geworden sind. Wie werden wir nun mündige Christen? Wann benötigen wir keine Vormünder mit? Wann sind wir nicht mehr den Grundsätzen dieser Welt als Knechte unterworfen? (Galater 4,3)

Wir werden zu mündigen Christen: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn“!
Der Vater hat die Geburt von Jesus und seine Kreuzigung festgelegt: „Denn ich sage euch: Auch dies muss noch an mir erfüllt werden, was geschrieben steht: ‚Und er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden.‘ Denn was von mir (geschrieben steht), das geht in Erfüllung!‘“ (Lukas 22,37)

Wer Gottes Kind ist, kann sicher sein, dass alles zu seinem Besten dienen muss.:
„Wir wissen aber, dass denen, die Gott leiben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.“ (Römer 8,28)

Das ist DIE Sicherheit, die wir haben, wenn wir zu Jesus Christus gehen und ihn als Herrn für unser Leben haben: Gott hat alles in seinen Händen, auch wenn es manchmal nicht so aussehen mag. Wir dürfen uns immer zu Jesus flüchten und Jesus wird alles gut machen.

Das ist noch nicht die ganze Mündigkeit. Aber sie ist ein wichtiger Teil: Unsere Heilsgewissheit liegt im Vertrauen, auf das, was uns Jesus versprochen hat.
Jesu hat ein perfektes und heiliges Leben als Mensch geführt, denn er war Gott und litt nicht unter der Perversion des Guten, wie wir es tun. Oder anders gesagt: Jesus ist kein Sünder im Gegensatz zu uns. Denn wir sündigen, weil wir Sünder sind. Jesus sündigte nie, weil er kein Sünder ist. Dieses perfekte Leben schenkt er uns. Es gibt Bibelstellen, die gebrauchen dazu das Bild eines Kleides der Gerechtigkeit, das wir anziehen sollen. Oder sie spricht von der geistlichen Wiedergeburt. Von einem neuen Herzen: Das Herz aus Stein wird mit einem fleischernen Herz, einem lebendigen, liebevollen, warmherzigen Herz ausgetauscht. Die Bibel spricht von der Rechtsprechung. D.h., obwohl wir Sünder sind, darf uns Gott gerecht sprechen, weil Christus für unsere Sünden geopfert wurde. Jesus hat dafür bezahlt. Darum darf uns Gott vergeben, ohne dass er dadurch ungerecht würde. Denn die Gerechtigkeit ist in Christus erfüllt. Christus ist die Gerechtigkeit.
Nun darf uns Gott auch zu seinen Kindern adoptieren: So werden wir Gotteskindern.

Aber selbst als Gotteskinder unterscheiden wir uns nicht von anderen, solange wir noch unmündig sind. Und doch ist alles anderes: Nun gehört uns das Himmelreich. Wir sind die Herren! (Natürlich sind wir nicht Gott. Aber nach der Demütigung durch die Erkenntnis unserer Sündhaftigkeit, erhöht uns Gott in die Perichorese, in die Liebe unseres Dreieinigen Gottes.)

Diese Wiedergeburt ist ein Geschenk und Wunder Gottes. Danach  folgt ein weiteres Geschenk: Dass der Heiligung. Im gewissen Massen geht die Wiedergeburt weiter, bis Jesus wiederkommt und wir einen neuen Leib bekommen. Dann werden wir schauen. Hier glauben und hoffen wir. Hier leben wir in einer Zwischenzeit, indem wir geistlich schon im Himmelreich sind. Manchmal kommt es uns auch mehr wie einzelne Vorschüsse des zukünftigen Reich Gottes vor. Dann aber, werden alle Jesus sehen und alles wird wieder hergestellt und wohl noch viel besser werden. Unsere Tränen werden abgewischt.

Das gehört sicherlich alles zu diesem Reifungsprozess, zu diesem Mündig im Glauben werden.

Jesus kam also nicht, um uns Moralpredigten zu halten, sondern uns vom Fluch des Gesetzes zu erlösen! Wahre Moralpredigten müssten uns auch zeigen, dass wir es nie aus eigener Kraft können. Natürlich sehen wir die Sünden anderer viel besser, als die eigenen. Trotzdem sind wir Sünder. Warum wird das so selten gepredigt? Das löst unser schlimmstes Problem! Es befreit uns von Gesetzlosigkeit und Gesetzlichkeit! Es befreit uns auch vor Leistungsdenken. Denn wir werden geliebt, weil uns Gott freiwillig liebt. Er müsste uns nicht lieben, weil nichts in uns besteht, das ihn dazu zwingen würde. Es zwingt Gott auch nichts, uns zu vergeben. Er tat dies alles freiwillig und aus uneigennütziger und wertschätzender Liebe. Aber diese Wertschätzung beruht nicht auf unserem Sein, sondern im Sein von Gott selber!

Zur Mündigkeit gehört auch, dass wir Gott mehr fürchten, als die Menschen.

Doch der wichtigste Unterschied liegt: ob wir unter dem Gesetz leben oder unter der Gnade Gottes? Christus selber lebte als Mensch auch unter dem Gesetz, dass uns verflucht. Dieses Gesetz fordert von allen Menschen: Juden, Christen und alle anderen Mensch Gerechtigkeit. Jene, welche das Gesetz, die Bibel nicht haben, sind dabei sich selber ein Gesetz. Das sehen wir, indem die Menschen eigentlich wissen, was gut und schlecht ist. (Man beachte nur, wie man Andere verurteilen kann.) Christus stellte sich als Mensch nun unter das Gesetz und trug den Fluch des Gesetzes. Das bedeutet nicht, dass das Gesetz schlecht wäre. Ganz im Gegenteil: Das Gesetz ist gut und heilig. Aber jeder, der es nicht befolgt, wird vom Gesetz mit einem Fluch verurteilt. Darum ist jeder Mensch ein Sünder und damit vom Gesetz verflucht, da wir nicht alles halten. Man kann es auch mit der Erbsünde erklären. Seit Adam hat sich die Menschheit dem Misstrauen gegen Gott Raum gegeben und damit wandten wir uns der Perversion des Guten zu (= sündigen).

Indem Jesus zum Fluch wurde, müssen wir nicht mehr unter dem Gesetz leben, sondern unter der Freiheit von Jesus Christus.

Dies bedeutet: Wir benötigen keinen Zauberer, der uns verflucht, um verflucht zu werden. Wir sind es schon von der Geburt an unter dem Fluch des Gesetzes. Dazu gehört auch, dass wir alles pervertieren, sogar auch das Gesetz Gottes.

Christus erlöst uns von dem allem. Nun müssen wir nicht mehr moralisierend leben, sondern wir dürfen als Sünder zu Christus, der uns rein wäscht. Es ist auch Jesus, der aus unseren schlechten und guten Werken etwas wirklich Gutes macht. Jesus befreit uns vom Druck des Gesetzes. Denn nun dürfen wir zu Jesus gehen und mit seiner Kraft leben. Dadurch werden wir reifer und reifer und damit mündiger und mündiger. Nun braucht es niemand mehr, der mit der Peitsche uns zum Guten anhält. Wenn wir in Christus sind, haben wir den Willen, das Gute zu tun. Es ist nun zwar immer noch ein geistlicher Kampf, weil wir es immer noch nicht aus uns können. Daher müssen wir täglich zu Jesus gehen (= Busse tun). In Christus werden wir  mündige Christen. Dann sind wir Herr über die Sünde und frei von ihr. Denn wir sind nicht mehr Sklaven oder Knechte, sondern Kinder Gottes. Es ist eine Sohnschaft. Wie eben dargelegt, ist es hier, bis Jesus wiederkommt ein dynamischer Prozess. Es kann sogar ein hin und her sein. Aber in Christus kommt alles gut.

Dies bedeutet aber auch: Christus erlöst uns von allen Flüchen. Wolfgang Wegert meint daher, dass wir einfach Busse tun müssen (d.h. zu Jesus gehen, unsere uns bewussten Sünde bekennen + auch die nichtbewussten überlassen und wissen, dass mir vergeben ist und ich rein gewaschen bin.). Dann sind auch alle anderen Flüche von Jesus weggewaschen. DENN Jesus vergibt mir und Ihnen ALLE Sünden! Das Heil liegt im Evangelium. Das Ewige Leben liebt in Jesus Christus. Denn Christus hat alle unsere Sünden und alle unsere Flüche ans Kreuz getragen!

Gott helfe uns, dass wir immer mehr die Gnade, das Geschenk Gottes verstehen. Dass wir immer mehr seine freie Gnade und Liebe zu uns erkennen und darin immer mehr uns als seine Kinder fühlen und leben. Gott helfe uns, dass wir auf Jesus schauen und zu Jesus gehen und mit ihm leben, anstelle mit unseren menschlichen Möglichkeiten.
In Christus sind wir nicht mehr Sklaven und Knechte. Wir sind Kinder Gottes und gehören dazu. Auch wenn wir zwischendurch „dumm tun“, bleiben wir Gottes Kinder. Er wird uns natürlich erziehen. Und dessen sollten wir uns unterziehen. Aber das Gesetz hat nun einen ganz anderen klang, denn es kann uns nicht mehr verdammen. Christus hat das Gesetz erfüllt. (Interessant wären hier nun auch die drei Zwecke des Gesetzes. Aber das habe ich schon bei anderen Beiträgen behandelt.)


Betrachten wir doch nur die Kinder von durchschnittlichen Eltern: Sie lieben ihre Kinder, auch wenn sie sich unmöglich benehmen. Auch wenn sie gut erzogen sind, sind die Kinder frei und fühlen sich sicher. Fremde Kinder sind da viel schüchterner. Als Kinder Gottes müssen wir nicht schüchtern sein. Das ist mit Gottesfurcht nicht gemeint. Sondern wir dürfen uns vertrauensvoll an Gott den Vater wenden, den wir nun Abba, d.h. lieber Papi, nennen dürfen. Was für eine Freiheit, wir sind nicht mehr Sklaven, sondern Sohn Gottes und Tochter Gottes!

Wolfang Wegert geht im folgenden  Vortrag auf die verändernde Kraft des Evangeliums ein:


Freitag, 17. August 2018

Der Auflösungsprozess des Protestantismus in Westeuropa

Schon lange beschäftigt mich der Auflösungprozess der evangelischen Kirchen in Westeuropa. Es tut weh, zu sehen, wie eine wichtige Stütze der Gesellschaft und Demokratie sich verflüchtigt. In der Schweiz hat nur noch der Kanton Bern eine Mehrheit von reformierten. Ansonsten sind sie heute nicht nur in den römisch-katholisch geprägten Kantonen eine Minderheit geworden. In der ganzen Schweiz machen sie noch vielleicht 25% aus. Wie konnte es soweit kommen?

Es gibt Leute, die glauben, der säkulare Staat habe dies mit den Staatskirchen erreichen können, darum müsse man auch andere Religionen verstaatlichen, um sie so kontrollieren zu können. Historisch stimmt das natürlich nicht. Die verschiedenen Schweizer Kantone waren nie von der Kirche getrennt, in dem Sinne, dass man sich nicht als eine christliche Nation verstanden hätte. Natürlich hatte Genf immer schon (bzw. ab Ende der Wirkungszeit von Johannes Calvin) eine gewisse organische Trennung zwischen Staat und Kirche. Calvin selber hat sich dafür in Genf eingesetzt. Aber hier ging es mehr darum, dass der Staat die Kirche nicht instrumenatlisiert, was dann in den USA zu einer bemerkenswerten Trennung von Kirche und Staat führte: Freiheit in wirtschaftlicher, religiöser und poltischer Weise: ABER auf der Basis des Christentums: konkreter des Puritanismus oder Calvinismus. Darin fanden sich auch viele Freidenker wie ein Benjamin Franklin wohl und konnten mitgestalten, weil ihre Aufklärung ja selber sekularisierte reformierte Theologie waren! Natürlich verlor der Sekularismus etwas an Kraft und Logik, indem es die biblischen Grundlagen teilweise verlassen hatte. (John Lock zum Beispiel war Sohn von Puritaner und glaubte an die Verbal-Insparation der Bibel.)

Armin Sierszyn, ein pensionierter Dekan der reformierten Kirche und ehemaliger Professor der Theologie hat hierzu am 7.4.2018 in Olten (Kanton Solothurn) einen interessanten Vortrag gehalten, der mir Herzschmerz auslöste, weil er wohl recht hat.

Für diesen Auflösungsprozess sind die Kirchen und ihre Theologen selber verantwortlich. 
"Europas Kirchen sind durch die Erneuerung der Reformation zu Leuchten für den Kontinent, ja für die ganze Welt geworden. Es ist das Licht des reformatorischen Evangeliums, das in Europa zuerst die Demokratie heraufführt. Durch die Revolution der Calvinisten (im weitesten Sinne) wird England 1688 zur ersten Repräsentativen) Demokratie der Welt (Glorious Revolution, Bill of Rights). die neu gewonnene Freiheit, verbunden mit dem calvinistischen Arbeitsethos, führt zu Wettbewerb, Innovation und zur westlichen Industrialisierung. Das kleine England löst das mächtige und behäbige China in Sachen Wirtschaftsleistung ab. der  Westen entwickelt sich zum Vorort der Welt."

Damit ist natürlich nicht gesagt, dass England immer alles richtig gemacht hat. Gerade das gehört natürlich auch zu einem gesunden Selbstverständnis einer christlichen - reformiert - geprägten Gesellschaft: Die Fähigkeit Fehler zu erkennen, zu Jesus zu gehen, Vergebung erfahren und wieder neu anfangen.

Leider aber entwickelte sich aus  der spätpietistsichen Fakultät in Halle die Bibelkritik. (Pietismus finde ich prinzipiell eine positive Bewegung. Aber sogar die Antichristen kommen immer aus den christlichen Kreisen ...) Daraus entwickelt sich der säkulare Neuprotestantismus. Also anstelle, dass die Christen der Gesellschaft helfen und der Welt, dem Säkularen stützen, werden sie selber säkular. "Seit über 200 Jahren denkt der Neuprotestantismus mehrheitlich säkular (F. Schleiremacher, A. v. Harnack). Er verändert und verrät das biblische Gotteswort und gleicht sich den trendigen Zeitströmungen an: platonischer Idealismus, braune Kirche. Und seit 1968 rote, grüne, ökologische, feministische Kirche in immer schnelleren Kadenzen. Im letzten Viertel des 20. Jahrunderts kommt ein neues Phänomen hinzu. Es fallen die Dämme der Tradition. Damit wir das Sterben der europäischen Kirchen sichtbar. Auf der anderen Seite ist der aktuelle säkulare Geist nicht nur omnipräsent, sondern auch aggressiv bis hinein in evangelikale Kreise und Pastorenfamilien. Die Alternativkultur von '1968 und post 68' ist auf ihre Weise auch eine bekennende Kultur. Es ist eine 'Erweckung' nicht von oben, sondern von unten, vom Menschen her. Sie hat sich während zweier Generationen in tausend Kanälen tief ins Leben der europäischen Gesellschaften eingesenkt. Sie ist eine Kultur des Egoismus, des Forderns der multioptionalen Selbstverwirklichung und der Leistungsverweigerung. Biblische Werte wie Hingabe oder selbstloses Dienen sind in den ermanzipativen Lebensmodellen verpönt."
Er geht auch auf die 5'500'000'000 Euro, die alleine die EKD erhält und damit vorallem eine Langzeit-Absicherung fürPfarrpensionen betreibt. Dazu versucht sie noch "Leuchtpunkte" zu errichten. Der Sterbeprozess wird auch in der Zürcher Landeskirche ähnlich begleitet mit ihrem "Kirchgemeinde Plus". Anstelle mit Geist Gottes will man mit ökonimischen Mitteln sanieren. Der Neuprotestantismus denkt nicht von Gott her, sondern nur immer vom Menschen her. Das erinnert mich an das Gebot: Liebe Gott den Herrn der Welt und Deinen Nächsten, wie Dich selber. Zuerst Gott, denn erst dann kann ich den sündigen Menschen lieben. Umgekehrt kommt es nie gut. "Auf diesem Weg lässt sich sterben, da stirbt auch das Land, in dieser Reihenfolge." Warum wollt ihr, dass das Land zugrunde geht? Diese Frage steigt in mir auf. Warum wollt ihr Ordnung und Freiheit mit Sklaverei und Tyrannei wechseln. Ihr seid doch klug und studiert. Warum?

Sehe ich es falsch. Ich wäre glücklich, es wäre so. 

"Nicht primär die Politiker, sondern der scheinbar immer trendige Neuprotestantismus hat die europäischen Kirchen und damit den ganzen Kontinent verraten. Statt im biblisch-reformatorischen Sinne sein Wächteramt wahrzunehmen und den politisch und kulturell Mächtigen die Suppe zu salzen, verkaufte der Neuprotestantismus die schnell wechselnden Zeitgeistideologien je und dann als Evangelium der Zeit." 

Interessant ist in diesem Sinne auch die Kritik von Thomas Hürlimann, einem Schweizer Schriftsteller: s. unter PS diesem Text angefügt.


Interssant ist nun, dass Sierszyn denkt, dass Gottes Wort trotz allem nicht aufgehalten werden kann. Selbst wenn die Kirche ihren Auftrag vergessen, bzw. um 180 Grad verdreht hat. Gott kann dann - wie im Alten Testament - auch mit Heiden sein Wort erfüllen.

Am Schluss  zitiert er dazu Zwingli, der schon vor 500 Jahren gesagt hat:

"Warlich, gottes Wort wirt alsgwüss sinen Gang haben als der Ryn; den mag man ein Zyt wol schwellen, aber nit gstellen." Auf Neuhochdeutsch: "Gottes  Wort wird so gewiss seinen Gang haben wie der Rhein; den mag man wohl eine Zeit lang stauen, aber nicht aufhalten."

PS: Interessant sind dann natürlich nicht nur das alttestemntliche Beispiel (Altes Testamen = jener Teil der Bibel, die wir Christen mit den Juden gemeinsam als Bibel akzeptieren.), sondern auch die heutigen Heiden. Er nennt drei Beispiele:

1. Gregor Gysi, Chef der europäischen Linken, wenn er sagt:
     "Ich glaube zwar nicht an den da oben, aber ich fürchte mich vor der Glaubenslosigkeit unserer Gesellschaft." Denn weder Kapitalismus noch der Sozialismus tauche dazu, verindliche allgemeine Grundwerte für die Gesellschafft zu liefern.

2. Michel Houellebecq, ein französischer Schriftsteller. 2016 erhielt er in Deutschland den Schirrmacherpreis für seinen preisgekrönten Roman Soumission (Unterwerfung).  "Der deutschen Kulturkorona in Berlin erklärte der Geehrte unumwundne, Europa begehe einen ziemlich raschen Selbstmord, indem es die eigene Reprodutkon verweigere. Nur eine neu erwachte jüdische oder christliche Spiritualität würde es Europa ermöglichen, der Herausforderung des Islams auf Augenhöhe zu begegnen."

3. Thomas Hürlimmann, ein schweizer Schriftsteller (s. Tagesanzeiger vom 20.10.2016):
"Ich möchte nicht in einer Gesellchaft leben, die sich restlos entsakralisiert und  ihre Gläubigen auf Moralismus gründet. Die heutigen Theologen versuchen, uns mit Ethik vom Glauben an Gott zu dispensieren. Aber wir werden ja trotz aller Bemühungen der Kirchen nicht zu Agnostikern. Wir glauben weiter. Und da diese Glaubensbereitschaft einen Inhalt haben muss, formiert sich die Gesellschaft in einer Sekte, die sich selbst überwacht und terrorisiert. 

Der neue Katechismus heisst:
1. Gebot: Du sollst den Abfall trennen.
2. Gebot: Du sollst dich vegan ernähren.
3. Gebot: Du sollst alles durchgendern.
4. Gebot: Du sollst tolerant sein wie Globi im neuesten Globibuch.

... In der Moralschwemme ist das Geheimnis abgesoffen. Wo früher das Kreuz hing, hängt heute ein Rauchverbot. Ist man krank und verzweifelt, fühlt man sich von einem Hiob oder einem Jesus am Kreuz verstanden. die Kreuzesverächter meinen, das Kreuz mit seinem blutigen Geschehen mache uns Angst. Gerade das Gegenteil ist der Fall! Der Gott am Kreuz versteht meine Ängste, begleitet mich, teilt mein Leid."

Man bedenket: "So sprechen heute in Europa herausragende Heiden oder aus der Kirche Ausgetretene! Ob die Kirche ihre Stimmen noch hören kann? Wo die Kirche Gottes Wort nicht mehr zu treiben vermag, kann Gott auch Heiden in seinen Dienst nehmen. Esra 1 berichtet zum Beispiel vom Perserkönig Kyrus, dessen Geist der Herr erweckte. ..."

Ich kann den Vortrag nur empfehlen zu lesen. Selbst, wenn man es ganz anders sehen sollte, ist es sehr interessant. 

Hier ist der Text:


Biblisches Bekenntnis im europäischen Horizont des Jahres 2018
Vortrag von Armin Sierszyn am 7.4.2018 in Olten

1.Jesus Christus, der HERR
Johannes Calvin schreibt 1548 an Pierre Viret in Lausanne: «Wo Wahrheit unterdrückt wird, weh uns, wenn wir so feig wären, es stillschweigend hinzunehmen»[1]. Das Bekenntnis zu Jesus Christus ist für die Gemeinde Jesu Christi zu allen Zeiten aktuell. Bereits im zweiten Jahrhundert wird die christliche Kirche ganz besonders herausgefordert durch die Säkularmacht der Gnosis, welche die Gemeinden durch ekstatische Erlebnisse und abgehobene Ideen von innen her aufzulösen und mit dem Hellenismus zu versöhnen versucht.
            Der Apostel Paulus lehrt: «Wenn man von Herzen glaubt, wo wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet» (Röm 10,10). Das Bekenntnis erscheint hier als Folge und Bestandteil des Glaubens. Es ist nicht etwas Zerquältes oder ein lästiges Müssen. Der Mund bekennt, was das Herz glaubt und wes das Herz voll ist. Erst der Glaube macht uns frei, Jesus zu bekennen, ohne die Menschen zu fürchten. Es gilt ein frei Geständnis / in dieser unsrer Zeit, / ein offenes Bekenntnis / bei allem Widerstreit, / trotz aller Feinde Toben, / trotz allem Heidentum / zu preisen und zu loben das Evangelium (K.J. Spitta). Das Bekenntnis des Glaubens ist Ausdruck der Freude, der Hoffnung und der Zuversicht.
            Die christliche Kirche trägt in ihrem Anfang und in ihrer Mitte ein Urbekenntnis. Es heisst kurz und knapp «Jesus Christus» (griech. JESOUS CHRISTOS). M.a.W.: Jesus ist der Christus, er ist der Gesalbte Gottes, der verheissene Messias. Ein zweites Urbekenntnis der christlichen Gemeinde bezeugt uns zum Beispiel Paulus in Phil. 2,11: KYRIOS JESOUS!, das heisst: Herr ist Jesus!

2. Von der Kraft des reformatorischen Bekenntnisses
Die Evangelisten bezeugen das Wort alle mit ihrem Blut oder in der Verbannung. Auch die Reformatoren Luther, Zwingli und Calvin sind allesamt Bekenner des Wortes Gottes. Bei seinem Gang nach Worms (1518) wird Luther an das Geschick von Jan Hus in Konstanz erinnert, man bedeutet ihm, auch in Worms könne man Ketzerasche in den Rhein streuen. Der deutsche Reformator geht mitten durch diese schwere Anfechtung hindurch und beruft sich dabei auf Gottes Wort. Johannes Calvin schreibt an Melanchthon zu Wittenberg: »Es ist … nicht gerade ehrenhaft für uns, die Lehre, für deren Bezeugung die meisten Heiligen ohne Zögern ihr Blut hergäben, nicht einmal mit Tinte bezeugen zu wollen»[2]. Die Reformatoren sind bereit, ihre Haut auf den Markt zu tragen. Sie rütteln alle an den Tabus ihrer Zeit und predigen entsprechend. Dadurch werden die Menschen aufmerksam und horchen auf. Besonders die Schriften und die Predigtweisen von Luther und Zwingli würden die heutigen Eliten als «populistisch» bezeichnen. Beim ganzen damaligen Ablass-Betrieb stehen «hohe Millionenbeträge» auf dem Spiel. In ihrem ganzen Kampf stehen und fallen die Reformatoren mit dem Wort Gottes wie die Propheten des Alten Testaments.
Europas Kirchen sind durch die Erneuerung der Reformation zu Leuchten für den Kontinent, ja für die ganze Welt geworden. Es ist das Licht des reformatorischen Evangeliums, das in Europa zuerst die Demokratie heraufführt. Durch die Revolution der Calvinisten (im weitesten Sinne) wird England 1688 zur ersten (repräsentativen) Demokratie der Welt (Glorious Revolution, Bill of Rights). Die neu gewonnene Freiheit, verbunden mit dem calvinistischen Arbeitsethos, führt zu Wettbewerb, Innovation und zur westlichen Industrialisierung. Das kleine England löst das mächtige und behäbige China in Sachen Wirtschaftsleistung ab. Der Westen entwickelt sich zum Vorort der Welt.
Schon vor mehr als 100 Jahren entdeckte Max Weber die protestantische Berufsethik (Luther, Calvinismus, Methodismus, Pietismus und Täufertum) als geistige Grundlage für den Aufstieg von Kapitalismus, Arbeitsmoral und Industrie. Bereits John Wesley, durch den Gott die Grosse Erweckung schenkte, hatte beobachtet, dass erweckter Christusglaube «notwendig sowohl Arbeitsamkeit (industry) als auch Sparsamkeit (frugality) erzeugen». Man müsse die Gläubigen deshalb ermahnen, «alles, was sie können, zu geben, um so in der Gnade zu wachsen und einen Schatz im Himmel zu haben»[3].
3. Falsches Bekenntnis: Wurzel des europäischen Skeptizismus-Atheismus
Es sind die grauenhaften Religionskriege – in Deutschland der 30-jährige Krieg, in Frankreich die blutigen Hugenottenkriege -, die im 17. Jahrhundert im Herzen Europas zur Quelle für Skeptizismus und Atheismus werden. Krieg und Pest trieben die Zeitgenossen in derartige Verzweiflung, dass die Menschen in ihrer Not auf die Gesundheit des Teufels anstiessen. Gerade die geistig Wachen und Regen sagten sich: wenn es sich mit den ganzen Themen wie Gott, Bibel, Heiland und Bekenntnis so verhält, dass sich die Menschen gegenseitig ins Elend stürzen, dann ist «Glaube» wohl nichts mehr für uns. So wurden im 17. Jahrhundert mitten auf dem europäischen Boden der Skeptizismus und Atheismus geboren. Was der weltweite Export dieses europäisch-säkularen «Produkts» bis heute weltweit bewirkt hat, brauche ich hier nicht auszuführen. Die schrecklichen Kriege im konfessionellen Zeitalter wurden zwar im Namen des Glaubens und mit Bekenntniseifer begonnen, sie führten aber in den Abgrund. Die Bibel sagt: «Wenn jemand auch kämpft, so wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht» (2Tim 2,5).

4. Neuprotestantismus und sterbende Kirchen
Auch die neuprotestantische Theologie und Kirche – mit Teilen des Pietismus – verfällt dem neuen Geist des Skeptizismus Im Kontext des neuzeitlichen Methodenideals, das jegliche Transzendenz ausschliesst, entsteht ab 1750 vor allem im Schoss der grossen spätpietistischen Fakultät in Halle die Bibelkritik im Namen des modernen Bewusstseins (J.S. Semler). In Halle, der grössten damaligen Fakultäten Deutschlands, steigt der säkulare Neuprotestantismus aus dem Pietismus. Seit über 200 Jahren denkt der Neuprotestantismus mehrheitlich säkular (F. Schleiermacher, A. v. Harnack). Er verändert und verrät das biblische Gotteswort und gleicht sich den trendigen Zeitströmungen an: platonischer Idealismus, braune Kirche. Und seit 1968 rote, grüne, ökologische, feministische Kirche in immer schnelleren Kadenzen.
Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts kommt ein neues Phänomen hinzu: Es fallen die Dämme der Tradition. Damit wird das Sterben der europäischen Kirchen sichtbar. Auf der anderen Seite ist der aktuelle säkulare Geist nicht nur omnipräsent, sondern auch aggressiv bis hinein in evangelikale Kreise und Pastorenfamilien. Die Alternativkultur von «1968 und post 68» ist auf ihre Weise auch eine bekennende Kultur. Es ist eine «Erweckung» nicht von oben, sondern von unten, vom Menschen her. Sie hat sich während zweier Generationen in tausend Kanälen tief ins Leben der europäischen Gesellschaften eingesenkt. Sie ist eine Kultur des Egoismus, des Forderns der multioptionalen Selbstverwirklichung und der Leistungsverweigerung. Biblische Werte wie Hingabe oder selbstloses Dienen sind in den ermanzipativen Lebensmodellen verpönt.
Weiter fällt auf, dass sich unsere neuprotestantischen Kirchen weitgehend mit Fragen der Spiritualität und der Sorge um die eigene Zukunft befassen. Allein die EKD kassiert derzeit jährliche Steuereinnahmen von 5'500'000'000 Euro. Ein beachtlicher Teil dieses Geldes dient der Langzeit-Absicherung von Pfarrpensionen in 30-40 Jahren, weil die Kirche dann vermutlich noch weiter geschrumpft sein werden. Anderes wird verwendet zur Statuierung von kirchlichen «Leuchtpunkten» am Rande der Agglomerationen. Kann aber eine ökonomisierte Kirche noch leuchten? Lassen sich mit Geld evangelische Leuchtpunkte schaffen? Das Verhältnis von Geist und Geld ist hier um 180 Grad verkehrt! Mit Geld lässt sich weder Geist noch Kirche bauen; wo aber Geist ist, da ist in der Regel auch Geld. Auch die Zürcher Landeskirche versucht einseitig, sich durch das Programm «Kirchgemeinde Plus» ökonomisch zu sanieren. Auf diesem Weg lässt sich der Sterbeprozess unserer Kirchen in der Tat nicht aufhalten. Wo aber die Kirchen sterben, da stirbt auch das Land, in dieser Reihenfolge. Dies zeigen uns anschaulich viele Geschichten im Alten Testament, zum Beispiel im 1. Buch Samuel. Während die Israeliten sich von ihrem Herrn und Gott abwenden und den Baalim zuwenden, werden sie schwach und stets aufs Neue eine Beute der Philister. Dann, «nach langer Zeit, wendet sich das ganze Haus Israel dem Herrn zu». Sie verwerfen die fremden Götter und Astarten und «richten ihr Herz zu dem Herrn und dienen ihm allein» (1. Sam. 7). Durch diesen Busstag in Mizpa mit dem Predigtwort des Propheten Samuel kann Israel wieder erstarken. «Und Israel hatte Frieden mit den Amoritern». 1. Samuel 7 zeigt uns anschaulich die tiefen ganzheitlichen Zusammenhänge zwischen der Predigt des Wortes, dem Glauben und der Stärke des Landes. So ist auch unsere Verirrung ein Ganzes: Ohne das prophetische Wort müssen Glaube und Kirche sterben. Wo aber die Kirche darben muss, verwüsten auch Kultur und Politik. Angesichts unserer kraftlosen und verweltlichten ökonomisierten Kirchen schwimmen auch betörte Politiker scheinbar selbstbewusst auf den Wogen des Zeitgeistes und treffen übermütige und selbstzerstörende Entscheidungen – etwa im Blick auf den Islam.

5. Bekenntnis im Horizont der Heiligen Schrift
Was ergibt sich nun aus der Gestalt der Heiligen Schrift für unser Thema? Das Alte Testament beginnt mit den Worten: «Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde … Und Gott sprach, es werde Licht, und es ward Licht (1. Mose 1). Ganz ähnlich eröffnet auch Lukas 2 den Weg des Neuen Testaments. Über den Fluren von Bethlehem öffnet sich mitten in der Nacht der Himmel: «Und der Engel des Herrn trat zu ihnen und sprach: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Davidstadt» (Luk 2,10f). Betrachten wir den heutigen Neuprotestantismus, so könnte man meinen, der Engel habe den Hirten verkündet: «Ich verkündige euch grosse Probleme». Woher kommt diese Verkehrung? Sie hat ihren Grund darin, dass der Neuprotestantismus immer beim Menschen beginnt und sich an menschlichen Problemen orientiert. Die Bibel zeigt uns indes, dass Gott seine Wege gerade andersherum sucht und findet. Im Alten wie im Neuen Testament macht Gott immer selbst den Anfang. Die ganze Geschichte unseres Heils beginn mit Gottes eigener Initiative. Der neuzeitliche Mensch und seine Kirche aber wollen mit aller Kraft bei sich selbst beginnen. Auch viele neuzeitlich Fromme nehmen sich selber tragisch ernst. Sie verkünden sich selbst, sie suchen ihre Spiritualität und nehmen sich ernst mit ihren Problemen.

6. Wir sind nicht die ersten: zwei biblisch-reformatorische Bekenntnisse
Die Geschichte der reformatorischen Kirchen ist auch eine Geschichte biblischer Bekenntnisse. Hans Steubing hat die wichtigsten in einem schönen Buch zusammengefasst[4]. Wir greifen zwei Bekenntnisse heraus.
1.Die erste These der Berner Reformation von 1528 lautet: «Die heilige christliche Kirche, deren einziges Haupt Christus ist, ist aus dem Worte Gottes geboren und hört nicht auf die Stimme eines Fremden»[5].
2. In der 1. These der Barmer Theologischen Erklärung (1934) gegen die braune Zeitgeistkirche lesen wir: «Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben»[6].
In diesen zwei Bekenntnissen wurde für uns gründliche Vorarbeit geleistet. Denn der braune, der rote und der grüne Säkularismus sind alle auf demselben Stamm gewachsen. Ihr Vorläufer ist das so genannte «dogmenfreie» liberal-säkulare Christentum des 19. Jahrhunderts. Nicht primär die Politiker, sondern der scheinbar immer trendige Neuprotestantismus hat die europäischen Kirchen und damit den ganzen Kontinent verraten. Statt im biblisch-reformatorischen Sinne sein Wächteramt wahrzunehmen und den politisch und kulturell Mächtigen die Suppe zu salzen, verkaufte der Neuprotestantismus die schnell wechselnden Zeitgeistideologien je und dann als Evangelium der Zeit.

7. Philipp Jacob Spener als Zeuge
Vor 360 Jahren, eine Generation nach dem 30-jährigen Krieg, verfasste Philipp Jacob Spener zuhanden einer serbelnden Kirche das epochale Büchlein «Pia desideria» (1675). Diese «frommen Wünsche» sind bis heute aktuell. Spener fasst sie zusammen in sechs Punkten:
            1.Das Wort Gottes ist reichlicher unter uns zu bringen.
            2. Jeder soll ermuntert werden, die Bibel selbst in die Hand zu nehmen.
3. Die Gemeinde soll für die Irrenden beten und ihnen in herzlicher Liebe begegnen.
4. Das Theologiestudium soll reformiert und praxistauglich gemacht werden.
5. Die Herren Professoren sollen ein (geistliches) Vorbild sein.
6. Theologie besteht nicht a.us Religionsphilosophie, sondern im Studium des Wortes Gottes[7].

Man kann sich fragen, ob derzeit eine Erweckung von Pfarrern oder vom aktuellen Pietismus ausgehen könne. Vielleicht gehören heute viele Theologen und Pfarrpersonen zu den grössten Verhinderern einer christlichen Erweckung. Und allzu viele Fromme beschäftigen sich doch eingehend mit sich selbst; dadurch werden die Pfade eng.

8. Wenn Gott den Geist von Heiden erweckt
Es könnte ja auch sein, dass der lebendige Gott, wenn er sich Europas wieder annehmen wird, völlig andere Kanäle gebrauchen will. Ich greife drei Zeitstimmen heraus.
1.Vor wenigen Wochen bekannte Gregor Gysi, Chef der europäischen Linken, offen: «Ich glaube zwar nicht an den da oben, aber ich fürchte mich vor der Glaubenslosigkeit unserer Gesellschaft». Gemäss Gysi, der sich selbst auch schon als «Heide» bezeichnete, taugen weder der Kapitalismus noch der Sozialismus dazu, für die Gesellschaft allgemein verbindliche Grundwerte zu liefern[8].
2. Im September 2016 holte der französische Schriftsteller Michel Houellebecq in Deutschland den Schirrmacherpreis für seinen preisgekrönten Roman Soumission (Unterwerfung). Der deutschen Kulturkorona in Berlin erklärte der Geehrte unumwunden, Europa begehe einen ziemlich raschen Selbstmord, indem es die eigene Reproduktion verweigere. Nur eine neu erwachte jüdische oder christliche Spiritualität würde es Europa ermöglichen, der Herausforderung des Islams auf Augenhöhe zu begegnen[9].
3. In einem ganzseitigen Interview des Tagesanzeigers vom 20.Oktober 2016 bekennt der schweizerische Schriftsteller Thomas Hürlimann: «Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, die sich restlos entsakralisiert und ihre Gläubigen auf Moralismus gründet. Die heutigen Theologen versuchen, uns mit Ethik vom Glauben an Gott zu dispensieren. Aber wir werden ja trotz aller Bemühungen der Kirchen nicht zu Agnostikern. Wir glauben weiter. Und da diese Glaubensbereitschaft einen Inhalt haben muss, formiert sich die Gesellschaft in einer Sekte, die sich selbst überwacht und terrorisiert. Der neue Katechismus heisst: 1. Gebot: Du sollst den Abfall trennen, 2. Gebot: Du sollst dich vegan ernähren, 3. Gebot: Du sollst alles durchgendern, 4. Gebot: Du sollst tolerant sein wie Globi im neuesten Globibuch. … In der Moralschwemme ist das Geheimnis abgesoffen. Wo früher das Kreuz hing, hängt heute das Rauchverbot. Ist man krank und verzweifelt, fühlt man sich von einem Hiob oder einem Jesus am Kreuz verstanden. Die Kreuzesverächter meinen, das Kreuz mit seinem blutigen Geschehen mache uns Angst. Gerade das Gegenteil ist der Fall! Der Gott am Kreuz versteht meine Ängste, begleitet mich, teilt mein Leid.
            So sprechen heute in Europa herausragende Heiden oder aus der Kirche Ausgetretene! Ob die Kirche ihre Stimmen noch hören kann? Wo die Kirche Gottes Wort nicht mehr zu treiben vermag, kann Gott auch Heiden in seinen Dienst nehmen. Esra 1 berichtet zum Beispiel vom Perserkönig Kyrus, dessen Geist der Herr erweckte. Warum geht Gott solche Wege? «Damit das Wort des Herrn erfüllt würde, das durch den Propheten Jeremia gesprochen war» (Esra 1,1). Gott steht zu seinem lebendigen Wort. Dieses wird und muss in Erfüllung gehen – als Gnade oder als Gericht. Ich schliesse mit einem Zwingli-Wort, das an die Wand des Kirchleins von Laufen am Rheinfall angebracht wurde: «Warlich, Gottes Wort wirt als gwüss sinen Gang haben als der Ryn; den mag man ein Zyt wol schwellen, aber nit gstellen»[10]. Dieses fröhliche Vertrauen Zwinglis auf die weltverwandelnde Kraft des Wortes Gottes möge uns leiten.




[1] J. Calvins Lebenswerk in seinen Briefen, Hg. R. Schwarz, II (2.A.1962) 425
[2]  Johannes Calvins Lebenswerk in seinen Briefen, I (2.A.1962) 309
[3] M. Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (1904/1920, ND 2015); R. Southey, Wesley’s Leben (1841, ND 2012) Kapitel 29. Vgl. auch N. Ferguson, Der Westen und der Rest der Welt (2013), der Webers These bestätigt. Zum Ganzen vgl. A. Sierszyn, Überwältigt durch das eine Wort. Europas Aufstieg und Niedergang im Zeichen der reformatorischen Botschaft. Kl. Schr. 14 (2017).
[4] H. Steubing, Bekenntnisse der Kirche (1985)
[5] H. Steubing, a.a.O. 122
[6] H. Steubing, a.a.O. 300
[7] Vgl. A. Sierszyn, Der europäische Säkularismus, die Sprachlosigkeit der Kirchen und die Gefährdung des Kontinents. Kl. Schr.8 (3.A.2018).
[8] Der Tagesspiegel, 28.2.2018
[9] Vgl. FAZ und NZZ vom 27.9.2016
[10] Zu neuhochdeutsch: Gottes Wort wird so gewiss seinen Gang haben wie der Rhein; den mag man wohl eine Zeit lang stauen, aber nicht aufhalten. Vgl. Z III, 488, 7f.

Samstag, 11. August 2018

Als die EVP und die EDU noch eine Fraktion in Bern bildete und als Jimmy Carter noch Weiterbildungen gab.

Beim heutigen Räumen bin ich auf eine alte Ausgabe vom 26.9.2007 gestossen. Damals bildete die EVP und die EDU noch ein Fraktion im Nationalrat in Bern. Als ich dieses Jahr im Bundeshaus war, sah ich nicht einmal mehr, wo die EVP zu sehen ist. (Die EDU ist mittlerweilen nicht mehr auf eidgenössischer Ebene vertreten.)


Zudem fand ich eine Werbung, in der u.a. Jimmy Carter, ehemaliger Präsident der USA, mit anderen christlichen Persönlichkeiten per Vorträge eine Weiterbildung anbot:



Wie sich die Zeiten ändern.


Sonntag, 20. Mai 2018

Pfarrer Ernst Sieber

Nachdem Billy Graham (ein baptistischer Prediger) in diesem Jahr gestorben ist, ist auch Pfarrer Ernst Sieber (ein evangelisch-reformierter Pfarrer) am 19.5.2018 gestorben.

Während Billy Graham ein Evangelist war, war Ernst Sieber ein Hirte und als Pfarrer ein dienender Diakon (Diakon bedeutet ja Diener), der die Liebe von Jesus Christus als die Ausbreitung des Reiches Gottes verstand. Daraus entstanden die Sozialwerke Sieber und noch vieles mehr.

Ernst Sieber war ein Bauernknecht, der nachträglich die Matur machte und dann Theologie studierte. Laut Wickipedia wurde er 1956 zum reformierten Pfarrer ordiniert. 1988 - 1992 war er Dekan. 1992 wurde er pensioniert. 1991 bis 1995 war er für die EVP (Evangelische Volkspartei) Nationalrat der Eidgenossenschaft (= Schweiz).

Frau Sonja Sieber-Vasalli war seine Ehefrau. Sie war Opernsängerin, wie ich heute erfuhr. Bisher dachte ich immer, sie sei eine Tänzerin gewesen. Sie hatten vier leibliche Kinder und vier weitere Kinder aufgenommen. Da Pfarrer Sieber sehr menschlich war, war seine Stärke. Die Buchhaltung war vermutlich weniger seine Stärke, daher hätte sein oder seine Sozialwerke Anfang des 21. Jahrhundert beinahe Konkurs anmelden sollen. Eine Anonyme Spende rettete die Werke unter gewissen Bedingungen, u.a. dass Pfarrer Sieber nicht mehr im Stirftungsrat war. Doch die Seele der Sozialwerke war Pfarrer Sieber immer noch, weil er von Christus ergriffen war. Ich hörte ihn vor vielen Jahren bei einem Anlass von Campus für Christus, an einer Explo. Es beeindruckte mich, wie er auswendig - nein vielmehr aus dem Herz wie die Franzosen sagen - 1. Korinther 13 zitierte. Er war durchdrungen von der Lieben von Christus und liebte es daher in gesunder Gemeinschaft dies auszuleben. Er selber bekam dadurch soviel. 

Er sah manchmal wie ein Hirte aus - andere sagen wie ein Clochard, die er wertschätzte. Er sprach davon, dass das Sieberchen sich auf Augenhöhe mit ihnen trifft. Zu alledem war er auch eine Einmann-Schau, der gute Unterhaltung bot. In einfachsten und klaren Worten, konnte er die Liebe von Christus klar verkünden. Der gekreuztigte, auferstandene, heute noch lebende Herr Jesus Christus. 

Lieder fand ich eine Predigt von ihm nicht im Netz. Es ist schon lange her. Da hatte er ein Stück Holz, dass er zu einem Kreuz machte...

Hier einige interessante Sendungen über ihn. Teilweise sind sie auf Züridütsch, d.h. Zürcher Deutsch (oder Schweizer Deutsch). 

Zuerst aber ein Interview von ICF auf Schriftdeutsch.

Hier Pfarrer Sieber mit seiner Frau. Er liebte sein Frau. Die Frau wegt auf diese Frage ab und bemerkt, dass jahrelang unzuverlässig zum Abendessen kam ... und sie streiten. Pfarrer Sieber: Liebe muss gezankt haben. (authentisch, firsch und echt.) 

Hier ein alter Bericht über seine soziale Einsätze. Ein Geschäftsmann berichtet, wie er sich für die Obdachlosen einsetzte. Danach spricht Pfarrer Ernst Sieber kurz und klar. Man merkt, wie konkret er in einem Punkter für 200 Obdachlose die Ausstattung organisieren will. Dazu gehört auch ein Klavier. Die Schlafgelegenheit sind sehr bescheiden. Aber trotzd der Bescheidenheit will Pfarrer Sieber eine Heimat für die Obdachlosen schaffen. Damals war er noch sehr jung.




Wheinachten - Was ist der Mensch?   

Sie suchen überall. Die Not. Verloren.

Es steht doch in der Bibel!

Wirtschaftsfüher:
Der Mensch in den Mittelpunkt.    Das wäre es, aber: 
Aber gemeint ist doch:                       
                                  Der Mensch als Mittel PUNKT.       Das muss ändern!!!!

                                                                Wie Zwingli sagte (Huldrych Zwingli, Reformator 
                                                                                               von Zürich)

          Er ist kein Zwingli. Sieber ist ein Zwengli.           Zwingli war schon vor Marx (viel) effektiver.

Luther fragte nach Gnade.   Zwingli fragte wie leben wir, das Volk, den Willen Gottes?
                                             Zwingli organisierte Nahrung für alle.

Sozial muss heissen, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

    Wir brauchen aber dazu Jesus: Ohne ihn geht der Wagen den falschen weg (dabei zitiert er Zwingli.)            Jeder sollte spüren: Ich bin angenommen. Ich bin dabei. Ich gehöre dazu.

Wheinachten!   Als Volk neue Wege gehen. Bei allen Nöten, Wirtschaftsproblemen, Umweltproblemen usw. 

Christus hat keine Hände. Er hat unsere Hände. Er hat unsere Lippen! 

Heute werden wir (Christen) gelesen, anderes lesen sie nicht.





Hier etwas zu seinem 90-sten Geburtstag.



Es ist unglaublich, wie lange Pfarrer Sieber treu seine Begagung einsetzte. 

Der Wert der Strassenreiniger
     Würdigung ihrer Arbeit

                          Danach geht er auch noch auf die Gottes Besen ein! Denn die Gottes Besen sind die besten Wesen. Sie wesen alles rein!            Vor der eigenen Türe wischen.

Selbstwertgefühl kommt, wenn man zu seinen eigenen Fehlern steht.

                   Das macht uns frei, frei um einander zu helfen.

                                Dankbar sein, dass gewischt wird: Auf unseren Strassen

                                Zur Gottes Ehre wischen. Sei das, was er ist: Ganz!!!
                                 (Ich würde noch anfgen: Zur Ehre Gottes ganz sein!)

Gerechtigkeit, Selbstverantwortung. Gottes Besen sind die besten Besen. Sie wischen alles rein. Das Böse wird verwesen. Und Gott wird alles in Allem sein.



Hier noch der "Blick" zum Tod von Ernst Sieber
https://www.blick.ch/news/schweiz/zuerich/sonja-sieber-81-ueber-den-abschied-von-ihrem-ehemann-ernst-wuerde-nicht-wollen-dass-ich-weine-id8413451.html

Hier die Schweizer Illustrierte
https://www.schweizer-illustrierte.ch/stars/schweiz/pfarrer-sieber-jetzt-spricht-sonja-sieber-spricht-ueber-den-tod-ihres-mannes

Hier die Aargauer Zeitung:
https://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/witwe-von-pfarrer-sieber-91-er-hat-immer-gesagt-ich-moechte-heim-132600434#

Hier die NZZ (Neue Zürcher Zeitung)
https://www.nzz.ch/zuerich/pfarrer-sieber-ist-verstorben-ld.1387347


Freitag, 18. Mai 2018

Jan Hus (1369 - 1415)

Ich habe einen histoirschen Roman über Jan Hus erhalten. Obwohl ich normalerweise erst nach dem Lesen meine Meinung abgeben möchte, möchte ich bereits, nachdem ich auf Seite 420 von 720 angekommen bin, meinen Eindruck wiedergeben (und allenfalls später noch hier ergänzen.)

Es ist ein Roman, welcher im Fontis - Brunnen Basel erschienen ist.Geschrieben wurde es von Frau Tania Douglas (1969 - ). Eine Frau, die in Deutschland geboren ist und in Frankreich aufwuchs. 2012 zog sie mit ihrem Mann undi hrem Sohn in die Nähe des bondesees. Damit zog sie auch in die Nähe von Konstanz, wo einst Jahn Hus wegen seinen christlichen Glauben und seinen Reformversuchen verbrannt worden ist.

Auf der Hinterseite des Buches steht:

"'Jan Hus ist Europäer der ersten Stunde und ein Brandzeichen im Fell unserer Geschichte. Und Tania Douglas  eine Meisterin der Textur!' Dominik Klenk

+ 1415
Jan Hus. 
Reformer.
Wegbereiter von Martin Luther.
Überzeugt,
dass Gott allein Gnade gewährt.
Ein unbeugsamer Liebhaber
der Wahrheit und des Lebens.
Treu bis in den Tod.
Als Ketzver verurteil
auf dem Konzil in Konstanz.
ein Feuervogel wie kein Zweiter."

Was  sicherlich stimmt: Frau Tania Douglas ist als Schriftstellerin hoch begabt. Sie hat einen gewaltigen Roman geschrieben. Die Abschnitte sind spannend und wenn sie enden, möchte man oft wissen, wie es weitergeht. Doch der nächste Abschnitt behandelt dann einen anderen Schauplatz des Romans. Zeitweise kreist der Roman mehr, um das Leben einer Frau im Umfeld von Jan Hus.

Trotz dieses enormen Talentes der Autorin bin ich über das Buch enttäuscht. Zum einen, weil es Ansätze zur Situationsethik hat. Manchmal frage ich mich, ob es denn laut diesem Roman einen Grund gibt, warum Jesus Christus für meine Sünden sterben musste, denn die Guten haben ja genüged Gründe, warum sie und so gehandelt haben. Dazu gehört auch ein Ehebruch in Israel zur Zeit der Kreuzritter. Mich erinnert die Geschichte dort, an den heutigen Zeitgeist: Es gibt ein Problem und man glaubt nur die Wahl zwischen etwas ganz Schlimmen (Selbstmord und ohne Schutz am  Jordan sein) oder Ehebruch (mit dem man den Selbstmord zu verhindern glaubt  und damit auch den Schutz am Jordan erhalten kann.) Dabei gäbe es sicherlich noch vielfälltigere Lösungsansätze. Aber auch, wenn der Ehebruch begannen wurde, kann man mit den entschuldiend aufgeführten Gründen dann logischerweise keine Busse tun: Denn man hat ja Gründe, warum es vielleicht doch keine Sünde war. So kann man keine Busse tun: d.h. zu Jesus gehen und die Sünde ihm geben und vergeben lassen. Diese Sichtweise verunmgöglicht auch, mit unseren Guten Taten zu Jesus zu tun und dadurch das unzureichende am Guten zu heiligen, d.h. Busse zu tun. 
Eigentlich wird daruch  die Gnade billig: Es ist keine Gnade mehr, die man unverdient erhält. Es ist kein Erlass der gerechtfertigten und verhältnismässigen Strafe. Und damit auch kein ewiger Freispruch und liebevolle Annahme von Gott. Vielmehr glaubt man irgendwie, man habe ein Anrecht auf Annahme, weil es alles ja nicht so schlimm ist. 
Immerhin zeigt die Geschichte und das Leben der "Hauptdarstellerin", dass sie zuwenig mit Jan Hus über ihre Probleme redet. Sie steht oft nicht offen zu Wahrheit und so entstehen schlimme Folgen.
Manchmal aber verliert sich diese Frau auch in einer selbstgewählten Opferrolle, indem sie sich in ein selbstgewähltes Martyrium begibt, dass von Selbtgerechtigkeit strotzt. Dabei erden übermenschliche Aussagen getätigt. Aber es wäre viel einfacher gewesen, biblisch zu leben. (zum Beispiel Jan Hus zu heiraten. Oder die Stadwächter zu rufen usw. Allerdings habe ich mich noch zuwenig mit Jan Hus beschäftigt, um zu wissen, wie er dazu stand. Ich weiss aber, dass 100 Jahre später im aargauischen Bremgarten Heinrich Bullinger, der Vater des späteren gleichnahmigen Nachfolgers von Zwingli (= Reformator von Zürich) als Dekan (also etwas mehr als ein Priester) zwar nicht heiraten durfte, aber tatsächlich mit seiner Geliebten und seinen Kindern zusammenlebte. Für Heinrich Bullinger waren sie wie verheiratet. Das Problem war, dass die damalige Kirche diese Möglichkeit für Priester abgeschafft hatten. Die Familie seiner Geliebten war zwar nicht besonders glücklich darüber. Aber es wurde allgmeien akzeptiert. Vermutlich musste er "nur" - wie viele andere - eine Busse nach Konstanz zum Bischof zahlen und dann ging dies. Denn die LEute wussten ja noch, dass Priester eigentlich auch Männer sind, und wenn sie keine besondere Berufung für die Ehelosoigkeit haben, heiraten sollten. So sieht es zumindest die Bibel. Heinrich Bullinger verlor übrigens erst seine Stelle, als er sich zur Reformation bekannte.... Später sollte dann die gleiche Gemeinde/Stadt Bremgarten begeistert seinen reformatorischen Sohn anstellen. So sind wir Menschen...)

Was mich aber besonders getroffen hat - und die eben erwähnten Bedenken bestätigte, ist auf Seite 420 zu lesen:

"Jans Herz weitete sich, und die Liebe, die er für diese Menschen verspürte, verlieh seiner Stimme einen weichen, tiefen Klang.

'Es ist ganz einfach', erklärte er ruhig. 'Führt ein gutes, gerechtes Leben. Richtet euren Sinn in Demut und Geduld auf Jesus Christus. Dann könnt ihr darauf vertrauen, dass Gott euch an euren Verdiensten teilhaben lässt. Und wenn ihr bis zu eurem Tode in dieser Haltung ausharrt, werdet ihr vom Schöpfer selber den vollen Nachlass eurer Sünden emfpangen.'

Jan wartete ein paar Atemzüge lang. Die Menschen unter ihm warten mucksmäuschenstill. Die Königin genauso wie die Tagelöhner. Die Adeligen wie die reichen Bürger. Egal ob alt oder jung, Frau oder Mann. Er hob die hànde und segnete sie.

'Geht in Gott, meine Kinder!'"

Diese Passage, enttäuschte mich enorm. 

Ist das Evangelium? Ist das alles? 

Da hätte JEsus nicht ans Kreuz müssen. Er hätte sich von uns MEnschen nicht verspotten lassen müssen. Kein Peitschenhieb und keine Nägel durch die Hände bohren lassen müssen. Er, als Schöpfer und Gott, hätte nicht Mensch werden müssen und als verfluchter am Kreuz hängen müssen. 

Warum hing er denn da, zwischen Himmel und Erde?

Warum erlitt er als Gottes Sohn Gottesferne und hing da als Verlfluchter?

Warum musste er, das LEben, der Logos, die Logik und Vernunt, ja alles Gute sterben?

Damit wir eingutes , gerechtes LEben führen. Unddemütig und in Gedult unseren Sinn auf Jesus Christus richten? Vermutlich müsste man genauer nachfragen, was mit diesen Worten gemeint ist. Aber wenn es dann heisst: 
".., dass Gott euch an euren Verdiensten teilahben lässt." Dann ist hier von Werkgerechtigkeit die Rede. Auch wenn ich nicht weiss, was genau Jan Hus lehrte, so müsste es doch ähnlich dem sein, was Martin Luther dann hundert Jahre gelehrt hat. UND genau das prangerte Luther an: Diese selbstverliebte Selbstgerechtigkeit. Es war das, womit Martin Luther mit Erasmus von Rotterdam stritt, als Erasmus wieder zurück "kroch" und behauptete, man müsse sich unter die Bibel UND die (sichtbare) Kirche unterordnen. Luther schrieb Erasmus ganz klar, dass dies nicht christlich ist und eine neue Lehre ist: Man muss sich nur Gottes Wort, der Bibel unterordnen. Die Kirche muss an dem Wort Gottes geprüft werden. Ja die Bibel selber fordert uns dazu auf. 
Dazu gehören auch klare Galubensüberzeugungen. Luther wirft Erasmus vor, dass er die Dogmen Luthers und der Kirche angreifft und zugleich lehre Erasmus einen blinden Glauben, wie es die Bibel nie lernt.
Und aus dem kommt dann auch die Idee, dass wir Menschen (und das ist die sichtbare ja auch: Sie besteht aus Menschen unter die man sich wie unter einem Gott nicht stellen darf) uns den Menschen unterstellen sollen, weil wir wirklich absolut Gutes tun können, dass uns zum Heil brächte. Nein, Luther bekannte in seiner schriftlichen Antwort an Erasmus (s. der unfreie (oder besser: geknechtete) Wille des Menschen): Wir können uns noch so Mühe geben, aber unser Herz können wir nicht ändern. Calvin hat dann noch später an Sadolet (einem der mächtigsten römisch-katholischen Würdenträger, der zum innersten Machtbereich gehörte) klar bekannt: Dass seit Augustinus niemand mehr  pelegranisch sein kann und sich dann noch als Christ zu bezeichnen. Aber man schafft auf umwegen doch wieder das Gleiche (zum Beispiel indem man im Konzil von Trient zwar Augustinus erwähnt, aber seine genaue Formulierung nicht erwähnt, dafür aber die Idee einnimmt, Christus habe uns erlöst und gebe uns nun soviel Kraft, um gute Werke zu tun. Das klingt nun so christlich und gandenvoll, dass ich es zuerst für die Gnadenlehre hielt. Tatsächlich aber ist damit gemeint, man bekäme als Wiedergeborener von Christus seine Kraft als Vorschuss über und man könne dann unabhängig von Christus gute Werke tun. Aber das ist nicht wahr: Wir kommen seine Kraft nur im Moment über und nur wenn wir in Christus sind. Dazu gehört auch, dass wir mit unseren besten Werke zu Jesus gehen müssen und ihm die Unzulänglichkeit der guten Werke bekennen, damit er aus diesen etwas wirklich Gutes macht. Und hier könnte die Schriftstellerin auch wieder Recht haben: Wenn eine Frau, die Ehebruch begannen hat und zu Jesus geht und um Vergebung bittet (= Busse tut), DANN kann Jesus - wie mit unseren unvollkommenen guten Werken - etwas ewig Gutes machen. In diesem Fall ein neuer Mensch, eine Tochter, die aus diesem Ehebruch hervorgeht. Aber das ist ein Wunder, das Christus wirkt, dass wir nicht machen können. Aber immerhin können wir uns darauf verlassen, dass es JEsus macht, wenn wir zu ihm gehen, weil er es versprochen und weil er dafür gestorben und auferstanden ist. ABer das ist nie eine billige Gnade, sondern eine kostbare, teuere Gnade. Und es kann für den Sünder auch im realen Leben unangenehme Folgen haben, wenn es Jesus auch zum wirklich Guten wendet. Aber das ist jetzt alles sehr komplex und sprengt wohl den Rahmen. Aber es wäre schön, wenn in der christlichen Literatur diese Thematik behandlet würde, so wie es einst C.S. Lewis tat.)

Möge Gott die Begabung von Tania Douglas inskünftig nutzen, damit Gottes Gnade verkündet wird, wie es einst C. S. Lewis (und andere) mit seinen (mit ihren) Romanen tat (taten).