Freitag, 18. Mai 2018

Jan Hus (1369 - 1415)

Ich habe einen histoirschen Roman über Jan Hus erhalten. Obwohl ich normalerweise erst nach dem Lesen meine Meinung abgeben möchte, möchte ich bereits, nachdem ich auf Seite 420 von 720 angekommen bin, meinen Eindruck wiedergeben (und allenfalls später noch hier ergänzen.)

Es ist ein Roman, welcher im Fontis - Brunnen Basel erschienen ist.Geschrieben wurde es von Frau Tania Douglas (1969 - ). Eine Frau, die in Deutschland geboren ist und in Frankreich aufwuchs. 2012 zog sie mit ihrem Mann undi hrem Sohn in die Nähe des bondesees. Damit zog sie auch in die Nähe von Konstanz, wo einst Jahn Hus wegen seinen christlichen Glauben und seinen Reformversuchen verbrannt worden ist.

Auf der Hinterseite des Buches steht:

"'Jan Hus ist Europäer der ersten Stunde und ein Brandzeichen im Fell unserer Geschichte. Und Tania Douglas  eine Meisterin der Textur!' Dominik Klenk

+ 1415
Jan Hus. 
Reformer.
Wegbereiter von Martin Luther.
Überzeugt,
dass Gott allein Gnade gewährt.
Ein unbeugsamer Liebhaber
der Wahrheit und des Lebens.
Treu bis in den Tod.
Als Ketzver verurteil
auf dem Konzil in Konstanz.
ein Feuervogel wie kein Zweiter."

Was  sicherlich stimmt: Frau Tania Douglas ist als Schriftstellerin hoch begabt. Sie hat einen gewaltigen Roman geschrieben. Die Abschnitte sind spannend und wenn sie enden, möchte man oft wissen, wie es weitergeht. Doch der nächste Abschnitt behandelt dann einen anderen Schauplatz des Romans. Zeitweise kreist der Roman mehr, um das Leben einer Frau im Umfeld von Jan Hus.

Trotz dieses enormen Talentes der Autorin bin ich über das Buch enttäuscht. Zum einen, weil es Ansätze zur Situationsethik hat. Manchmal frage ich mich, ob es denn laut diesem Roman einen Grund gibt, warum Jesus Christus für meine Sünden sterben musste, denn die Guten haben ja genüged Gründe, warum sie und so gehandelt haben. Dazu gehört auch ein Ehebruch in Israel zur Zeit der Kreuzritter. Mich erinnert die Geschichte dort, an den heutigen Zeitgeist: Es gibt ein Problem und man glaubt nur die Wahl zwischen etwas ganz Schlimmen (Selbstmord und ohne Schutz am  Jordan sein) oder Ehebruch (mit dem man den Selbstmord zu verhindern glaubt  und damit auch den Schutz am Jordan erhalten kann.) Dabei gäbe es sicherlich noch vielfälltigere Lösungsansätze. Aber auch, wenn der Ehebruch begannen wurde, kann man mit den entschuldiend aufgeführten Gründen dann logischerweise keine Busse tun: Denn man hat ja Gründe, warum es vielleicht doch keine Sünde war. So kann man keine Busse tun: d.h. zu Jesus gehen und die Sünde ihm geben und vergeben lassen. Diese Sichtweise verunmgöglicht auch, mit unseren Guten Taten zu Jesus zu tun und dadurch das unzureichende am Guten zu heiligen, d.h. Busse zu tun. 
Eigentlich wird daruch  die Gnade billig: Es ist keine Gnade mehr, die man unverdient erhält. Es ist kein Erlass der gerechtfertigten und verhältnismässigen Strafe. Und damit auch kein ewiger Freispruch und liebevolle Annahme von Gott. Vielmehr glaubt man irgendwie, man habe ein Anrecht auf Annahme, weil es alles ja nicht so schlimm ist. 
Immerhin zeigt die Geschichte und das Leben der "Hauptdarstellerin", dass sie zuwenig mit Jan Hus über ihre Probleme redet. Sie steht oft nicht offen zu Wahrheit und so entstehen schlimme Folgen.
Manchmal aber verliert sich diese Frau auch in einer selbstgewählten Opferrolle, indem sie sich in ein selbstgewähltes Martyrium begibt, dass von Selbtgerechtigkeit strotzt. Dabei erden übermenschliche Aussagen getätigt. Aber es wäre viel einfacher gewesen, biblisch zu leben. (zum Beispiel Jan Hus zu heiraten. Oder die Stadwächter zu rufen usw. Allerdings habe ich mich noch zuwenig mit Jan Hus beschäftigt, um zu wissen, wie er dazu stand. Ich weiss aber, dass 100 Jahre später im aargauischen Bremgarten Heinrich Bullinger, der Vater des späteren gleichnahmigen Nachfolgers von Zwingli (= Reformator von Zürich) als Dekan (also etwas mehr als ein Priester) zwar nicht heiraten durfte, aber tatsächlich mit seiner Geliebten und seinen Kindern zusammenlebte. Für Heinrich Bullinger waren sie wie verheiratet. Das Problem war, dass die damalige Kirche diese Möglichkeit für Priester abgeschafft hatten. Die Familie seiner Geliebten war zwar nicht besonders glücklich darüber. Aber es wurde allgmeien akzeptiert. Vermutlich musste er "nur" - wie viele andere - eine Busse nach Konstanz zum Bischof zahlen und dann ging dies. Denn die LEute wussten ja noch, dass Priester eigentlich auch Männer sind, und wenn sie keine besondere Berufung für die Ehelosoigkeit haben, heiraten sollten. So sieht es zumindest die Bibel. Heinrich Bullinger verlor übrigens erst seine Stelle, als er sich zur Reformation bekannte.... Später sollte dann die gleiche Gemeinde/Stadt Bremgarten begeistert seinen reformatorischen Sohn anstellen. So sind wir Menschen...)

Was mich aber besonders getroffen hat - und die eben erwähnten Bedenken bestätigte, ist auf Seite 420 zu lesen:

"Jans Herz weitete sich, und die Liebe, die er für diese Menschen verspürte, verlieh seiner Stimme einen weichen, tiefen Klang.

'Es ist ganz einfach', erklärte er ruhig. 'Führt ein gutes, gerechtes Leben. Richtet euren Sinn in Demut und Geduld auf Jesus Christus. Dann könnt ihr darauf vertrauen, dass Gott euch an euren Verdiensten teilhaben lässt. Und wenn ihr bis zu eurem Tode in dieser Haltung ausharrt, werdet ihr vom Schöpfer selber den vollen Nachlass eurer Sünden emfpangen.'

Jan wartete ein paar Atemzüge lang. Die Menschen unter ihm warten mucksmäuschenstill. Die Königin genauso wie die Tagelöhner. Die Adeligen wie die reichen Bürger. Egal ob alt oder jung, Frau oder Mann. Er hob die hànde und segnete sie.

'Geht in Gott, meine Kinder!'"

Diese Passage, enttäuschte mich enorm. 

Ist das Evangelium? Ist das alles? 

Da hätte JEsus nicht ans Kreuz müssen. Er hätte sich von uns MEnschen nicht verspotten lassen müssen. Kein Peitschenhieb und keine Nägel durch die Hände bohren lassen müssen. Er, als Schöpfer und Gott, hätte nicht Mensch werden müssen und als verfluchter am Kreuz hängen müssen. 

Warum hing er denn da, zwischen Himmel und Erde?

Warum erlitt er als Gottes Sohn Gottesferne und hing da als Verlfluchter?

Warum musste er, das LEben, der Logos, die Logik und Vernunt, ja alles Gute sterben?

Damit wir eingutes , gerechtes LEben führen. Unddemütig und in Gedult unseren Sinn auf Jesus Christus richten? Vermutlich müsste man genauer nachfragen, was mit diesen Worten gemeint ist. Aber wenn es dann heisst: 
".., dass Gott euch an euren Verdiensten teilahben lässt." Dann ist hier von Werkgerechtigkeit die Rede. Auch wenn ich nicht weiss, was genau Jan Hus lehrte, so müsste es doch ähnlich dem sein, was Martin Luther dann hundert Jahre gelehrt hat. UND genau das prangerte Luther an: Diese selbstverliebte Selbstgerechtigkeit. Es war das, womit Martin Luther mit Erasmus von Rotterdam stritt, als Erasmus wieder zurück "kroch" und behauptete, man müsse sich unter die Bibel UND die (sichtbare) Kirche unterordnen. Luther schrieb Erasmus ganz klar, dass dies nicht christlich ist und eine neue Lehre ist: Man muss sich nur Gottes Wort, der Bibel unterordnen. Die Kirche muss an dem Wort Gottes geprüft werden. Ja die Bibel selber fordert uns dazu auf. 
Dazu gehören auch klare Galubensüberzeugungen. Luther wirft Erasmus vor, dass er die Dogmen Luthers und der Kirche angreifft und zugleich lehre Erasmus einen blinden Glauben, wie es die Bibel nie lernt.
Und aus dem kommt dann auch die Idee, dass wir Menschen (und das ist die sichtbare ja auch: Sie besteht aus Menschen unter die man sich wie unter einem Gott nicht stellen darf) uns den Menschen unterstellen sollen, weil wir wirklich absolut Gutes tun können, dass uns zum Heil brächte. Nein, Luther bekannte in seiner schriftlichen Antwort an Erasmus (s. der unfreie (oder besser: geknechtete) Wille des Menschen): Wir können uns noch so Mühe geben, aber unser Herz können wir nicht ändern. Calvin hat dann noch später an Sadolet (einem der mächtigsten römisch-katholischen Würdenträger, der zum innersten Machtbereich gehörte) klar bekannt: Dass seit Augustinus niemand mehr  pelegranisch sein kann und sich dann noch als Christ zu bezeichnen. Aber man schafft auf umwegen doch wieder das Gleiche (zum Beispiel indem man im Konzil von Trient zwar Augustinus erwähnt, aber seine genaue Formulierung nicht erwähnt, dafür aber die Idee einnimmt, Christus habe uns erlöst und gebe uns nun soviel Kraft, um gute Werke zu tun. Das klingt nun so christlich und gandenvoll, dass ich es zuerst für die Gnadenlehre hielt. Tatsächlich aber ist damit gemeint, man bekäme als Wiedergeborener von Christus seine Kraft als Vorschuss über und man könne dann unabhängig von Christus gute Werke tun. Aber das ist nicht wahr: Wir kommen seine Kraft nur im Moment über und nur wenn wir in Christus sind. Dazu gehört auch, dass wir mit unseren besten Werke zu Jesus gehen müssen und ihm die Unzulänglichkeit der guten Werke bekennen, damit er aus diesen etwas wirklich Gutes macht. Und hier könnte die Schriftstellerin auch wieder Recht haben: Wenn eine Frau, die Ehebruch begannen hat und zu Jesus geht und um Vergebung bittet (= Busse tut), DANN kann Jesus - wie mit unseren unvollkommenen guten Werken - etwas ewig Gutes machen. In diesem Fall ein neuer Mensch, eine Tochter, die aus diesem Ehebruch hervorgeht. Aber das ist ein Wunder, das Christus wirkt, dass wir nicht machen können. Aber immerhin können wir uns darauf verlassen, dass es JEsus macht, wenn wir zu ihm gehen, weil er es versprochen und weil er dafür gestorben und auferstanden ist. ABer das ist nie eine billige Gnade, sondern eine kostbare, teuere Gnade. Und es kann für den Sünder auch im realen Leben unangenehme Folgen haben, wenn es Jesus auch zum wirklich Guten wendet. Aber das ist jetzt alles sehr komplex und sprengt wohl den Rahmen. Aber es wäre schön, wenn in der christlichen Literatur diese Thematik behandlet würde, so wie es einst C.S. Lewis tat.)

Möge Gott die Begabung von Tania Douglas inskünftig nutzen, damit Gottes Gnade verkündet wird, wie es einst C. S. Lewis (und andere) mit seinen (mit ihren) Romanen tat (taten).


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen