Samstag, 11. Oktober 2014

4. Mose 10 - 12

4. Mose 10 -12

4. Mose oder Numeri (lateinisch: ) oder bëmidbar (hebräisch: in der Wüste), was treffender ist.

Im 10. Kapitel wird die Organisation des Volkes Gottes, Israel abgeschlossen und es wird begonnen das folgende Geschehen beschrieben. Als erstes der Aufbruch in die Wüste Paran, von wo aus das versprochene Land eingenommen hätte werden sollen.
Interessant ist, wie sich in diesem Umfeld Mose benommen hat. Im 11. Kapitel wird berichtet, wie Gottes Volk sich  bei Gott beklagt: „Als de HERR das hörte, entbrannte sein Zorn, und das Feuer des HERRN brannte unter ihnen und verzehrte das Ende des Lagers. Da schrie das Volk zu Mose. Und Mose bat den HERRN. Da erlosch das Feuer.“ (4. Mo 1b -3)

Schrecklich, wie Gott reagiert. Spüren wir diesen heiligen Schrecken über Gottes Heiligkeit, auch wenn wir Gott hier vielleicht nicht verstehen können?

Um Gottes Reaktion zu verstehen, müssen wir den Zusammenhang seiner Wut verstehen. Eigentlich benimmt sich hier Gottes Volk ziemlich töricht. Gott hat sie aus der Sklaverei befreit und sie haben jede Menge Wunder erlebt. Anstelle darin Gottes Liebe und Fürsorge zu erkennen und ihm dafür zu danken und Ehre zu geben, reagieren sie wie undankbare Nörgler.

Nun ist es einfach mit dem Finger auf sie zu zeigen. Handle ich aber manchmal nicht auch so? Bin ich mir in Schwierigkeiten immer bewusst, dass mich Gott durchträgt, wie er es immer wieder gemacht hat oder beginne ich einfach Gott undankbare Vorwürfe zu machen? Hier könnte helfen, wenn man sich bewusst machte, was Gott alles für mich tut und tat. Wenn dies auch nicht ausreicht, darf man sicherlich in seiner Not zu Gott schreien. Jesus selber sagte, dass selbst menschliche Väter ihren Kindern Gutes geben, wenn sie bitten. Aber hier ist es ja nicht nur eine Bitte der Kinder Gottes, sondern ein „Zwängele“ (Schweizerdeutsch für Trotzphase der Kinder). Gott musste etwas dagegen tun. Und Gott kann einem dabei ernsthaft erschrecken. Wir können insofern davon profitieren, dass wir uns bewusst machen, dass die Heiligkeit Gottes Furcht erregend ist. (Zum Glück ist Gott nicht nur heilig und mächtig, sondern auch voller Liebe und barmherzig.)
Gottes Barmherzigkeit zeigt sich dann ja auch sofort, als Mose ihn bittet.

Doch die Geschichte ist nicht fertig. Die Einstellung des Volkes Gottes hat sich noch nicht geändert. Und so wiederholen sie ihre undankbare Nörgelei.

Nun wird es auch Mose zuviel. Er, der sich bis jetzt für Gottes Volk eingesetzt hat, kommt an seine Grenzen. Hören wir, wie es war und denen wir daran, es geht darum, dass sie mit dem Essen, was ihnen Gott gibt nicht zufrieden waren. Sie hatten alles zu genüge (Freiheit anstelle Sklaverei, Essen, Gemeinschaft, Schutz, gute Gesetze, Kinder, Schätze aus Aegypten usw.), sie wollten aber auch noch Fleisch haben:

„Als nun Mose das Volk weinen hörte, in jeder Familie einen jeden an der Tür seiner Hütte, da entbrannte der Zorn des HERRN sehr, und es missviel auch Mose.
Und Mose sprach zum HERRN: Warum tust du so übel an deinem Knecht? Und warum finde ich nicht Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volkes auf mich legst?“ (4 Mo 11,10+11).

Es wäre doch nicht mehr lange gegangen und sie wären im verheissenen Land gewesen. Nur noch etwas Geduld + Dankbarkeit für das, as sie schon alles hatten: Freiheit, Familie, Gemeinschaft, kein Hunger sondern von allem genug, kein Stress, Reichtümer aus Aegypten usw.).

„Ich kann dieses ganze Volk nicht allein tragen; denn es ist mir zu schwer. Und so du also mit mir tun willst, so töte mich lieber, habe ich anders Gnade vor deinen Augen gefunden,  dass ich mein Unglück nicht mehr ansehen muss?“ (4. Mo 11,14+15)

Mose ist fertig. Es wird ihm alles zuviel. Er glaubt, man kann machen, was man will, es verändert sich doch nicht. In 11,11 nennt sich Mose ein Knecht von Gott und also solcher kann er nicht mehr. In dieser Not von Mose reagiert nun Gott ganz anders. Gott wird hier nicht zornig, sondern hat Verständnis. Es ist keine undankbare Nörgelei, sondern eine echte Ueberforderung. Gott hilft ihm dann auch sofort und stellt ihm 70 Aelteste zur Seite, die „so will ich herabkommen und daselbst mir dir reden, und von dem Geiste, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, dass sie samt dir die Last des Volkes tragen, dass du dieselbe nicht allein tragest.“ (4. Mo 11,17)

Das Wirken des Heiligen Geistes ist dabei herrlich, die Aeltesten „weissagten aber nicht fortgesetzt.“ (4 Mo 11,27). Selbst zwei Aelteste, die nicht mit den anderen zu Mose gingen, sondern zu Hause blieben wurden verzückt (4. Mo 11,26). Daraufhin wollte Josua diesen zweien das Sein im Heiligen Geiste verbieten. „Aber Mose sprach zu ihm: Eiferst du für mich? Ach, dass doch alles Volk des HERRN weissagte, möchte der HERR seinen Geist über sie geben!“ (4. Mo 11,29)
Mose sehnte sich danach, dass alle Gläubigen im Heiligen Geist leben könnten. Noch war es nicht diese Zeit, dass erfüllte sich an Pfingsten. In der Zeit des Bundes am Sinai sprach Gott nur mit Mose so deutlich und „Mündlich rede ich mit ihm und von Angesicht und nicht rätselhaft, und er schaut die Gestalt des HERRN.“ (4. Mo 12,8). 
Dazu Genfer Studienbibel:
„Keine andere Gestalt des Alten Testaments hatte ein so vertrautes Verhältnis zu Gott wie Mose, aber diese Beschreibung betont ihrerseits das noch grössere Vorrecht eines Menschen, der an Jesus Christus glaubt: In Jesus Christus wird die Herrlichkeit von Gottes Güte und Barmherzigkeit den Gläubigen durch den Heiligen Geist grossartig gezeigt, was selbst Mose in diesem Ausmass nicht von Gott sehen bekam (2.M o 33,19 f.; Joh 1,14; 2. Kor 3,18)… Aber auch derjenige, der an Jesus Christus glaubt, blickte nach vorne, voraus auf eine noch grössere visio Die (Anblick Gottes) – wenn er Christus ‚von Angesicht zu Angesicht‘ sehen wird (1. Kor 13,12; Offb 22,4)“ (Seite 253)

Hier sehen wir auch, wie einzigartig unsere Stellung als Gläubige in Christus ist. Mir hat schon einmal ein Aeltester gesagt, er wolle wie Mose führen. – Ich musste schwer schlucken. Denn er meinte offensichtlich damit nicht, dass er für die Menschen vor Gott eintritt, sondern dass er die einzigartige Stellung von Mose vor Gott innehabe. Eine Art Papst der Gemeinde. Nun habe ich gehört, dass es solche Meinungen immer wieder  gebe. Diese Haltung übersieht aber

1., dass Moses Amt einzigartig war.

2. Das Mose sehr demütig war (s. auch weiter unten) und sich nicht dadurch einen Wert gab.

3. Das er am liebsten alle Gläubige vertraut mit Gott gesehen hätte. Er litt an der Unselbständigkeit der Gläubigen, dass sich im Misstrauen gegenüber Gott äusserte.

4. Seit Pfingsten sind alle Gläubige Priester und Priesterinnen. Darum sollte es nun möglich sein, dass die Hirten, die Gläubigen in ein reifes Christsein begleiten. Zur Reife gehört, dass man von Gott abhängig ist und nicht von Menschen, auch nicht von den Hirten. Den Hirten soll man für ihr Dienen dankbar sein und ihnen dafür den gebührenden Respekt zollen. (Dazu gehört auch ein positiv kritisches mithelfen ohne damit ihre Funktion in Frage zu stellen. Denn auch Hirten/Leiter müssen Gelegenheit zum Fehler machen und somit Lernen haben.)

5. Alle Menschen sind gleichwertig. Unter den Erwählten (= Gläubigen) sind alle gleichwertig, nur die Funktion ist unterschiedlich. Innerhalb der von Gott gegebenen Funktion sollen wir gehorsam sein. Aber eine Ueberschreitung dieser Funktion ist ein Machtmissbrauch. Dafür ist Mose übrigens auch ein gutes Beispiel: Nur einmal führt er nicht genau aus, was Gott will und schon darf Mose nicht mehr ins verheissene Land! Ich frage mich, ob jene, die wie Mose leiten wollen, sich ebenfalls so wie Mose unter Gottes Stränge beugen wollen oder ob es nicht vielmehr eine Ausrede ist, um in den egoistischen und selbstverliebten Träumen über die von Gott geliebten Menschen zu herrschen. Calvin und Bullinger beschrieben diese Haltung mit starken Worten, denn Diener sollten Diener sein!!!

In 4. Mo 11,21 bezweifelt sogar Mose, ob Gott 600‘000 Mann Fussvolk Fleisch verschaffen kann. Gottes Antwort ist eindeutig: „Ist denn die Hand des HERRN verkürzt? Jetzt sollst du sehen, ob mein Wort eintreffen wird vor dir oder nicht!“ (4. Mo 11,23)

Vorher kann man lesen, wie sich Gott aufregt und sagt:

„und ihr sollt nicht bloss einen Tag lang essen, nicht zwei, nicht fünf, nicht zehn, nicht zwanzig Tage lang, sondern einen ganzen Monat lang, bis es euch zur Nase herausgeht und euch zum Ekel wird, darum, dass ihr den HERRN, der mitten unter euch ist, verworfen habt; weil ihr vor ihm geweint und gesagt habt: ‚Warum sind wir aus Aegypten gezogen?‘“ (4. Mo 19+ 20)

Gott scheint ziemlich wütend zu sein. Er wird ja auch sehr unfair von seinem Volk behandelt. Sie tun so, als ob sie es in er Sklaverei Aegyptens besser gehabt hätten, als unter seiner Führung. Das ist gemein und ungerecht von den Gläubigen. Gott ist verletzt und wütend. Es ist dann auch so, dass er nur einen Tag Wachteln sendet. Denn dann entbrennt Gottes Zorn:

„Als aber das Fleisch noch unter ihren Zähnen und noch nicht verzehrt war, da entbrannte der Zorn des HERRN über das Volk, und der HERR schlug sie mit einer grossen Plage. Daher hiessen sie denselben Ort Lustgräber, weil man daselbst das lüsterne Volk begrub. Von den Lustgräbern aber zog das Volk aus und blieb zu Hazerot.“ (4. Mo. 33-35).

Gott sei Dank, dass wir Christus haben, der uns vor dem Zorn Gottes beschützt. Wie oft müsste bei uns Gott so einschreiten: Danke lieber Heiland, rettest Du uns vor dem Zorn Gottes! Und wir wissen ja, Gott der Vater, er selber hat dies so geplant, damit er sich uns nicht nur mit seiner Macht und Gerechtigkeit zeigen kann, sondern auch mit seiner Liebe und Barmherzigkeit. In Christus kommst Du lieber Vater uns so weit entgegen, dass Du Dich vor uns Egoisten und Sünder beugst, auslachen und anspeien lässt, damit Du uns aus unserer Dummheit, Sündhaftigkeit und Blindheit befreist. Danke lieber Heiland!“

Später dann, Kapitel 12 muss sich Mose von seinen Geschwistern, Aaron und Mirjam in Frage stellen lassen. „Aber Mose war ein sehr sanftmütiger Mann, sanftmütiger als alle Menschen auf Erden. (4. Mo 3b). Eine erstaunliche Beschreibung für einen Leiter und von Gott eingesetzten Gesetzgeber. Danach spricht Gott „plötzlich“ zu Mose, Aaron und Mirjam. Und wieder tritt Gott Furcht erregend auf. Sofort setzt sich Mose für Mirjam ein: „Ach Gott, heile sie!“ (4. Mo 12,13b) Mose hat seine Position nicht verteidigt. Gott aber schritt fürchterlich ein. Und Mose trat dann sofort wieder für die Rebellin Mirjam ein. Was für ein Leiter war doch Mose. Hoffen wir, beten wir um solche Leiter. Leiter, die nicht um ihrer Selbstwillen leiten. Oder zumindest, dass sie merken, dass dieser Hang in ihnen Gott nicht ehrt und sie diese sündige Motivation zur Leitung immer wieder Gott hingeben, damit er etwas Gutes daraus macht. Leider sind wir ja auch als Christen gerecht und sünder zugleich. Daher ist alles was wir tun, auch die besten Werken mit etwas Sünde kontaminiert. Darum sollen wir nicht aufhören Gutes zu tun, sondern Gutes tun und die Sünde darin von Gott entkontaminieren lassen. David machte dies auch immer wieder. Und wenn er sich keiner Sünde bewusst war, bat er darum, dass Gott ihm die unerkannte und verborgene Sünde vergeben soll. Und in Christus hat uns Gott ganz fest zugesprochen, dass er uns vergibt. Täglich. So wie wir täglich 7 x 77 vergeben, vergibt uns auch Gott 7 x 77.

Benützen wir diese Gnade nicht, um unsere Sündhaftigkeit ausleben zu wollen. Paulus warnt ganz konkret in Römer 7,15 und 16 davor. Denn die Sünde wird uns versklaven. Und wie einst Israel in der Wüste sich belügt hat, dass es ihnen unter der Sklaverei Aegyptens besser gegangen sei, genau so gaukelt uns die Sünde vor, dass wir es unter der Sünde besser hatten / hätten , als in der Freiheit mit Gott. Dies ist ein alt bekanntes Problem. Bereits Adam und Eva liessen sich so verführen. Dahinter steckt ein Misstrauen gegenüber Gott, dass er für uns nicht das Beste wollte.

Darum lasst uns immer wieder zu Christus fliehen, der der Anfänger und Vollender unseres Glaubens an Gott ist. In Christus können wir so fröhliche Sünder sein, weil wir wissen, wir sind nicht aus unserem Willen, aus unseren Kräften gerettet, sondern weil Gott uns will und weil seine Kraft es schaffen wird.

Warum hat Gottes Volk in der Wüste nicht ein klein wenig mehr Geduld gehabt und warum haben sie nicht erkannt, für was sie alles danken hätten können?

Gott hilf uns, dass wir nicht den gleichen Fehler machen: Lass uns dankbar sein, für alles was Du tatest und gerade jetzt für uns tust. Gib uns Geduld und Weisheit, zu erkennen, was wirklich real ist. Was wirklich wichtig ist. Es ist nicht das „Fleisch-Essen“. Wir haben viel mehr von Dir erhalten. Danke Herr AMEN!“

Nochmals kurz zurück zu Mose. Mose verstand sich, als:

-          ein Knecht Gottes (kein Pascha, kein selbstverliebter sich umschmeichelnd wollender Tyrann sondern ein Diener Gottes und des Volkes Gottes!) (4. Mo 11,11)

-          Moses Leitung und Hirtendienst war nicht für ihn, sondern ein Dienen für die Gläubigen. Darum litt er darunter und setzte sich auch immer wieder für  sie ein (z.Bsp: 4. Mo 11,2)

-          Er hemmte die persönliche Entwicklung und Nähe der Gläubigen zu Gott nicht, damit er sie abhängig von sich machte (Machtmissbrauch?) Er hätte am liebsten gesehen, dass alle so Nahe an Gott waren, wie er es war (4. Mo 11,29).

-          Mose war sanftmütig (4. Mo 12,3) Er hat seine Position vor Gott nicht verteidigt. Vermutlich wäre er bereit gewesen, zurückzutreten. Mose war nicht machthungrig. Mose war auch nicht nachtragend. Nachdem Gott sein Amt verteidigte, setzt sich Mose sofort für seine rebellierende Schwester ein (4. Mo 12,13b:) „Ach Gott, heile sie!

11.10.14 Zur Gottes Ehre (Gott reinige, was an meiner Motivation sündig ist, als ich das schrieb. Danke lieber Heiland, hast Du das gemacht.)


Freitag, 10. Oktober 2014

Wenn Benni eine Predigt tantzt "Ich lebe und ihr sollt auch leben." (aus dem Evangelium des Johannes 14,19)

Heute Morgen berührte mich folgender Text, der in seiner Einfachheit tiefe Wahrheiten enthält:

"Wenn Benni eine Predigt tanzt.

Es war eindrücklich, ergreifend, ein Gänsehautmoment. Es geschah beim grossen Sommercamp der Apis 'SommerCity' auf dem Schönblick im August. Ich hatte soeben meine Ansprache eröffnet - mein Thema:

'Ich liebe dieses Leben'. Ich hatte davon gesprochen, was mein Leben lebenswert macht: meine Familie, mein Beruf, meine Erlebnisse mit Gott und seiner Schöpfung. Ich hatte erzählt, wie viel mir mein Leben bedeutet. Dann hatte ich die Predigt unterbrochen für zwei, drei Minuten, um ein Lied der Band 'Juli' einzuspielen, das genau diesen Titel trägt: 
'Ich liebe dieses Leben'. Und dann kam Benni.

Benni ist mit seinen Eltern ein Stammgast bei 'SummerCity', einer von über 300 Teilnehmern, den alle kennen. Denn Benni ist anders. Er geht nicht wie die meisten Menschen, er kann kaum reden. Er versteht manches nicht. Er ist ein junger Man mit mehrfachen Behinderungen. Aber Benni kann lachen. Er kann jauchzen, so laut, dass ein ganzer Saal es hört. Und Benni kann tanzen.

Als ich die Bühne verlassen hatte, damit alle das Lied hörten, stürmt Benni nach vorne. Auf allen vieren kletterte er auf die Bühne. Sein Betreuer kam ihm nur mühsam hinterher, aber da stand Benni schon direkt neben einem Lautsprecher. Er lachte wieder, er jauchzte, und er tanzte. 'Ich liebe dieses Leben', klang aus dem Lautsprecher. Ich hatte Tränen in den Augen - Benni tanzte uns allen das vor, was ich in meiner Predigt noch sagen wollte: Gott will, dass wir leben .Jesus schenkt uns neues Leben. - Wie können wir sagen, ein Leben sei nicht liebenswert, weil es behindert oder eingeschränkt ist? - Tanz, Benni, tanz, damit wir dieses Leben neu lieben lernen."

Aus "Die kleine Kanzel", Seite 31, idea Spektrum, 8. Oktober 2014 von Herrn Steffen Kern, Pfarrer und Journalist, ist Vorsitzender der Apis, des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Württemberg und Redner bei ProChrist.

Ehrlich gesagt, mir kommen die Tränen, wenn ich das lese. Es ist zutiefst wahr: Wir Menschen sind wertvoll. Punkt. Und auch wenn andere etwas anderes behaupten sollten oder wenn Christen wegen ihrem Glauben verfolgt werden, vielleicht sogar gerade wegen diesem Wissen: Wir Menschen sind wertvoll. Und Gott will, dass wir leben. Dafür hat er sein Leben nicht geschont, so sehr liebt uns Gott. Darum ist das Leben wesentlich mehr, als wir zu leisten vermögen. Dafür sollten wir Gott dankbar sein und Gott dafür ehren. Darüber dürfen wir wie Benni Freude haben.

PS: Was wird uns Benni wohl im Himmel erklären können, was er hier auf dieser Welt erlebt hat? Dann, wenn er ungehindert mit uns sprechen kann?

Samstag, 4. Oktober 2014

Gewissen und Mobbing

Gestern habe ich einen für mich schockierenden Bericht gelesen, die folgende These zu bestätigen scheint:

Wir Menschen sind seit dem Sündenfall unter die Sünde versklavt. Dadurch neigen wir dazu das von Gott geschaffene Gute zu pervertieren. Zugleich haben wir aber immer noch ein Gewissen, dass uns sehr klar sagen kann, was gut und schlecht ist. Aber wie alles, funktioniert dieses Gewissen seit dem Sündenfall nicht mehr optimal. Es muss an Gottes Wort geeicht werden. Aber selbst dann, bringen wir es fertig, innerhalb der guten Gesetze Gottes unsere Sündhaftigkeit auszuleben. Dieser Fact bringt Jesus Christus mit seinem Gleichnis vom verlorenen Sohn zum Ausdruck. Es zeugt von unserer eigenen Gefallenheit, dass wir dabei nur von einem verlorenen Sohn reden: Wir sehen nur den jüngeren Sohn, der offen gegen den Vater (und wohl auch gegen den älteren Bruder) rebellierte. Jesus stellt ausser Frage, dass der Jüngere ein Sünder ist. ABER als er zurück kommt und seine Fehler eingesehen hat, zeigt er in der Reaktion des Vaters, wie liebevoll und barmherzig Gott ist UND, und das ist der Clou, wie herzlos und selbstsüchtig der ältere Bruder ist. Dieser ist es, der es schafft mit seiner öffentlichen Redlichkeit und "Gesetzestreue" seine Sündhaftigkeit auszuleben. Damit spricht Jesus natürlich vorallem bibeltreue Gläubige an. Damals hiessen sie Pharisäer. Aber er zeigt damit auch, dass er sie liebt und gerade mit diesem Gleichnis von dieser Verlorenheit befreien will.

Damit ist auch gesagt, dass das wahre Christentum, weder das Leben des rebellierende Leben des jüngeren Sohnes ist, noch das Leben des Aelteren, dass sich in seiner Gesetzlichkeit doch noch unter der Sünde befindet.

Hier kommen wir wieder mal an die Grenzen unserer menschlichen Möglichkeiten. Denn wir können ja nur das eine oder das andere: Rebellion oder Gesetzlichkeit. 

Jesus Christus zeigt einen dritten Weg. Er erfüllt nämlich das Gesetz und ist der wahre und liebevolle ältere Bruder. Er zeigt nicht auf uns, die Sünder, sondern übernimmt unsere Schuld und trägt sie selber ans Kreuz. Nun müssen wir weder rebellieren noch uns durch Leistung einen Wert erschaffen. Wir dürfen einfach dieses Geschenk annehmen. Wer spürt, dass er das will, darf sicher sein, dass der Heilige Geist, also Gott selber, zu ihm spricht. So durchbrechen wir diesen Teufelskreis. Durch die Leistung von Jesus Christus dürfen wir mit Gott in einen Bund eintreten. Dazu gehört natürlich dann auch, zu lernen, sich wie ein Bundesgenosse Gottes zu benehmen. Ein anderes Bild spricht davon, dass wir Kinder Gottes sind, wenn wir im Bund mit Gott stehen. Es ist logisch, dass auch ein unartiges Kind ein Kind seiner Eltern ist. So sind wir auch als Ungehorame Kinder Gottes noch seine Kinder. Das erklärt manches Verhalten von wirklich bekehrten Christen. Gott wird sie erziehen, damit sie aufhört sich selber und andere zu verletzen. Dieser Prozess könnte man Heiligung nennen. Dies wird so lange dauern,  bis Jesus wieder kommt und uns verherrlicht. Dann wird diese Zwischenzeit abgetan sein und was jetzt geistlich in Christus erfüllt ist, wird vollkommen sichtbar. Es wird eine neue Erde geben, wo kein Leid und kein Geschrei, kein Unrecht mehr sein wird. Sondern wir werden in der Liebe der Dreieinigkeit für alle Ewigkeiten wertgeschätzt. Wir werden so dankbar und glücklich sein, dass wir Gott mit unserem ganzen Sein loben und ehren. Unsere ganze Kreativität wird sich dabei entfalten können. Unsere unterschiedlichsten Wesensarten werden dann Gott preisen und verehren und wir werden Gott lieben.

Hier aber haben wir das Problem, dass trotz unserer geistlichen Wiedergeburt auch noch das Alte da ist. Dazu gehört auch diese Neigung geliebt werden zu wollen, weil irgend etwas Gutes in uns sei. Doch Gott liebt uns, obwohl da nichts ist, warum er uns leiben müsste. Das ist die grösste Demütigung für uns. Und hier liegt vermutlich einer der wichtigsten Gründe, warum man sich über Jesus aufregt. Um im Gleichnis zu sprechen: der ältere Sohn möchte ja nicht liebevoll mit seinem jüngeren Sohn umgehen, weil er blind ist. Er glaubt, er habe mit seiner Leistung, seinem treuen Dienen des Vaters Rechte erlangt, die ihm nun der jüngere zum Teil streitig macht. Der Vater sagt ihm dann ganz deutlich: Sohn: Du hast das ja schon lange! Freue Dich, Dein jüngerer Sohn war verloren und nun ist er wieder da!

Der ältere merkt nicht, wie er seinem Vater weh tut. Wohl gemerkt: Es ist sein Vater und er merkt nicht, was ihm alles schon gehört! Das ist eine Warnung für uns Christen, dass wir uns nicht wieder in ein Leistungsdenken ereifern. Wir sind aus Gnade errettet und wir sollen nur auch aus Gnaden Leben! "sola gratia" nannte man dies in der Reformationszeit. Eine riesige Freiheit! Und ich habe den Eindruck, dass dies heute oft nicht in der befreienden Art gepredigt wird. Vielleicht ist dies einer der Stopfen, der das Wirken des Heiligen Geistes zurückhält? Denn wir wollen als Christen immer noch von Gott geliebt werden, weil wir etwas "bringen" können: Selbsterlösung im versteckten Rahmen. Oder es verbirgt sich die Angst, diese Freiheit könnte zur Sünde verführen. Erst wenn wir wirklich begreifen, dass uns Gott ausgewählt hat, weil er uns wie Jesus Christus liebt (s. Johannes 17), werden wir in Christus zur Ruhe kommen. Dann werden unsere Aktivitäten und unsere Ruhezeiten in ein vernünftiges Verhältnis gebracht. Da wir in einer Zwischenzeit leben, wird das nicht vollkommen erreicht. Aber wie gesagt, wir leben ja aus der Gnade und in diesem Sinne dürfen wir fröhliche Sünder sein (s. Luther). Dazu gehört auch, dass wir auch unsere besten Werke Gott hingeben, weil wir wissen, dass auch unsere besten Werke von der Kontamination der Sünde befreit werden müssen. Aber das macht alles nichts. Wir sind ja nicht durch Leistung Kinder Gottes geworden, sondern aus Gnade. Es ist ein Geschenk. Wir dürfen uns einfach von Gott lieben lassen!

Aber über das war ich gestern nicht so schockiert, sondern über den Bericht eines Menschen, der sich einer Religion angeschlossen hat, die ihm nun erlaubt einen Teil seiner Bösartigkeit ganz offiziell auszuleben. Das ist in einem gewissen Sinne noch schlimmer, als das wir eben betrachtet haben. Dieser Mann ist ein Beispiel für einen Menschen, der sein Gewissen so kalibriert hat, dass er offensichtliche Bösartigkeiten als heilige Werke auffassen kann. Das kennen wir auch von Ideologien des 20. Jahrhunderts. Es ist einer der offensichtlichen Beweise, dass wir Menschen beim Sündenfall gefallen sind: Wir sind zwar Gottes Ebenbilder und daher haben wir alle eine Würde, aber wir sind derart verwirrt, dass wir zu Bestien werden können, wenn man uns sagt, dass wir unsere Bösartigkeit als Gerechtigkeit ausleben dürfen. Dazu erklären wir irgend einen anderen Menschen oder eine andere Gruppe als die Bösen und sagen: "Da darfst Du drauf hauen!" Und in unserer blinden Selbstgerechtigkeit hauen wir drauf und bilden uns noch ein, wir seien gut. Gleichzeitig bindet dies uns zusammen. Es ist der gleiche Mechanismus, der Mobbing am Arbeitsplatz ermöglicht. Oft sind die Opfer Minderheiten, irgend jemand der sich nicht so anpasst, wie "es sich gehört". Es kann ein Politiker sein, der wirklich ein grosser Misst gebaut hat. Bei den Kommunisten waren es die Reichen, manchmal auch nur schon die armen Kleinhändler, bei den Nationalsozialisten waren es die Andersdenkenden und die Juden. Es ist einfach erschreckend, zu wieviel Ungerechtigkeit wir Menschen fähig sind. ZUM Glück leben wir aber alle diese bösartigen Möglichkeiten nicht aus. Nicht einmal dieser Anwärter für Terroraktionen, von dem ich gelesen habe.

Etwas anderes sehe ich daraus auch: Wenn wir die Welt verbessern wollen, müssen wir Acht geben, dass wir nicht genau in diese Falle treten. Vor lauter Verbesserungswillen erkennen wir nicht mehr unsere eigene negative Motivation: Wir sind von Gott gut erschaffen worden, aber seit dem Sündenfall neigen wir zur Pervertion des Guten. Erst wenn wir in Gott ruhen, können wir etwas tun, ohne dabei glauben zu müssen, etwas verdienen zu müssen. Daher brauchen wir eine Wiedergeburt in Christus. Aber selbst wenn wir diese haben, gilt dann noch: 

"Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft.
Denn ich weiss nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.
Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. 
So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde die in mir wohnt.
Denn ich weiss, dass in mir, das heisst in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt.
Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.
Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.
Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. So finde ich nun das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt.
Denn ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem  Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.

Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? (Damit ist der ganze Mensch gemeint.)
Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!
So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.
So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.
Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch geschwächt war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die Gerechtigkeit vom Gesetz gefordert, in uns erfüllt würde, die wir nun nicht nach dem Fleisch leben, sondern nach dem Geist. " (Römerbrief 9,14-25 und 8,1-4)

Ein komplexer Text von Paulus. Aber es erklärt das eben ausgeführte. Aus Fleisch, d.h. aus eigener Kraft können wir es nicht. Und gerade diese Feststellung Gott gegenüber wird es möglich machen, dass Gott wirken kann. Damit geben wir alle Ehre Gott und Befreien uns von unserem Leistungsdenken. Wir werden ohne Werke gerecht gesprochen. Jesus Christus erfüllt das Gesetz. Dadurch können wir mit Jesus immer zum Vater: Gott der Sohn ermöglicht uns den Zugang zu Gott dem Vater. Das war der grosse Plan unseres liebenden Vaters im Himmel, der Jesus Christus am Kreuz erfüllte. So wie bei einem Baum gute Früchte wachsen, wird Gutes entstehen. Das kann so weit gehen, dass wir als Christen sogar Feinde lieben können. Etwas, was ich mir zwar gerade vorstellen kann, aber ich kann es natürlich mit meinem "Fleisch", mit meinen menschlichen Möglichkeiten nicht. Aber ich muss es auch nicht können. Sondern zu seiner Zeit wird es Gott schenken und in mir tun, wenn ich in Christus bleibe. 

Komplexe Gedanken. Jawohl. Und sicher gibt es noch viel mehr dazu zu sagen. Wer kann es alles fassen? Vielleicht schliesse ich am Besten mit diesem Wort:

"Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater" (Römerbrief 8,15) So nahe kommen wir mit Jesus unserem mächtigen Gott, dass wir ihn "lieber Papi" nennen dürfen. Darüber lohnt sich nachzudenken und unserem Vater alle Ehre zu geben!!!!!


Freitag, 3. Oktober 2014

Astrophysik

Astrophsyik      

Für mich ein interessantes Thema. Leider habe ich bis jetzt kaum Zeit dafür gefunden. Ich war bis jetzt auch nur wenige Male in einer Sternwarte (Dafür genoss ich es ganz besonders.)
Gerade diesen Donnerstag hat der Astrophysiker Dr. Peter Pailer einen interessanten Vortrag gehalten, an dem ich nicht dabei sein konnte. Leider.

Auf seiner Homepage: http://www.amazingspace.de/ breitet er etwas von dieser Welt aus. Hier hat er auch verschiedene Videos. Hier eines:


Er selber schreibt über sich:

"Astrophysiker irren oft, aber zweifeln nie."

"Ich wende mich gegen Menschen, die etwas lächerlich finden, nur weil sie es nicht verstehen und es nicht in ihr Weltbild passt. Halte mich für durchaus kritisch und naturwissenschaftlich denkend - trotzdem bin ich offen für den Schöpfungsgedanken. Ich mag Astronomie, weil Gott da interessant Dinge versteckt hat."

Dabei spricht er in einem Fernsehauftritt davon, dass er von einem Virus befallen sein: Virus Astrophysik. Wer ihn hat, werde ihn ein Leben lang nicht mehr los. 

Auch David ist vom Universum tief beeindruckt: 


"Wenn ich deinen Himmel betrachte, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du gemacht hast:
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, dass du auf ihn achtest.
Du hast ihn ein wenig Gottes entbehren lassen; aber mit Ehre und Schmuck hast du ihn gekrönt; Du lässest ihn herrschen über die Werke deiner Hände; alles hast du unter seine Füsse gelegt:" (Psalm 8,4-7) 

Schon David fragte sich, was denn der Mensch angesichts dieser unfassbaren Schöpfung sein kann. Wenn die Erde im Universum schon ein Nichts ist, was kann dann der Mensch sein? Doch er erkennt sogleich, dass uns Gott mit Würde und Wert gekrönt hat und lässt uns als Menschen über seine Werke herrschen. (Ob wir das immer weise machen, ist eine andere Frage.) Luther übersetzt Vers 6:

"Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt." Danke Herr, sind wir Menschen alle wertvoll, weil wir Dein Ebenbild sind. Wir loben und danken Dir dafür. Und wir wollen uns daher nicht unseren Wert absprechen lassen. Von niemanden. Es tut uns nicht gut und es würde Dich gar nicht ehren. 

Auch im Psalm 19 singt David begeistert vom Himmelszelt:

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.
Ein Tag sagt es dem andern, und eine Nacht tut es der andern kund,
ohne Sprache und ohne Worte, und ihre Stimme wird nicht gehört.
Ihre Stimme geht aus ins ganze Land und ihre Rede bis ans Ende der Welt. Dort hat er der Sonne ein Zelt gemacht.
Und sie geht hervor wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich, wie ein Held zu laufen die Bahn."

"Was ist Raum? Was ist Kraft?" Solche Fragen nach dem "was ist?" könne er als Wissenschaftler nicht beantworten. Aber er kann beschreiben, wie die Kraft wirkt. Die Religionen geben auf diese Frage eine Antwort. 
So kann die Wissenschaft auch nicht erklären, warum ein Kunstgemälde soviel eindrücklicher ist, als eine Ansammlung von Farben oder warum Musik so schön ist oder wieso es aufopfernde Liebe gibt. Daher war es früher so selbstverständlich, das Naturwissenschaft und Glaube zusammengehörte. 

Und nach meiner Meinung war unsere westliche Wissenschaft darum so erfolgreich, weil sie zur Zeit der Reformation genau dies betonte: Die Naturwissenschaft ist das Erforschen der Werke Gottes. Das Bibelstudium das Forschen in Gottes Wort. Und übrigens wenn Materialisten und andere glauben, eine Antwort auf die Frage "Was?" oder sogar "Wozu" im Sinne von Sinn geben zu können, dann haben sie damit den Bereich der Naturwissenschaft verlassen und begeben sich logischerweise in den Bereich der Metaphysik, der Religion und der Philosophie. Sie erklären etwas, was die Naturwissenschaft gar nicht erklären kann und beginnen daher mit religiösen - oder pseudoreligiösen und ideologischen Argumenten auf diese Fragen zu antworten. Das ist nicht so schlimm, wenn man sich dessen bewusst ist. Denn mit diesem klaren Denken kann man fein säuberlich Religion und Wissenschaft auseinander halten (1). Und was erstaunlich ist, man muss es dann gar nicht absolut trennen, um Wissen und Weisheit anzueignen. Denn unser menschliches Wissen besteht ja nicht nur aus Naturwissenschaft. Ganz im Gegenteil: Die verschiedenen Zweige des menschlichen Wissens können sich gegenseitig befruchten und ergeben ein sinnvolles Ganzen, dass dann mehr als Naturwissenschaft ist, wenn beides eine vernünftige Grundlage hat. Dies beweist ja gerade, wie oben erwähnt, die Geschichte unserer Wissenschaft.

Mit diesen Vorgedanken kann man folgenden Satz von Herrn Dr. Peter Pailer positiv verstehen:

"Naturwissenschaft arbeitet nie voraussetzungslos und endet nie umfassend. Deshalb entledigt sich Wissen ohne Glauben seiner eigenen Grundlage."


Anhang:
(1) Es nimmt mich wunder, wie Jesus mal darüber richten wird. Es sind ja oft die Materialisten, die behaupten, man solle Wissenschaft und Glaube nicht mischen. Damit sprechen sie sich ihr eigenes Urteil, da sie nicht nach ihren selber definierten Massstäben gehandelt haben. Auf der anderen Seite liegt das Problem ja nach meinen Bibelkenntnissen nicht daran, dass sie einen religiösen / ideologischen Aspekt benutzt haben. Denn dieser Aspekt dient ja als Motivation zur Forschung und als Hilfe, damit man es verstehen und einordnen kann. Aber das Problem lag (und liegt) darin, dass dies nicht offen kommuniziert wurde (und wird). Damit entzogen (und entziehen) sich die Materialisten einem vernünftigen Diskurs. Denn durch diese Vereinnahmung von methaphysischen Aspekten können sie ihre naturwissenschaftlichen Ergebnisse ihrer Ideologie gemäss auslegen. Oder anders gesagt: Sie erklären religiöse / ideologische Aspekte zu naturwissenschaftlichen .Wissen, dass nicht hinterfragt werden darf. Das vermisst nicht eine grosse Ironie: Die Naturwissenschaft, die immer wieder von neuen Erkenntnissen auf den Kopf gestellt wird, wird als dogmatischer Schutz für Glaubensüberzeugungen oder ideologische Ueberzeugungen benutzt (wenn nicht sogar missbraucht)! Aber die meisten merken's gar nicht...
(Das war jetzt meine Meinung. Vermutlich ist das materialistische Weltbild, obwohl es den Westen immer mehr umfängt, auch nicht wirklich mehr haltbar. Zumindest braucht es sehr viel Glauben, zu glauben, dass alles nur durch Materie erklärt werden könne. Braucht es denn nicht auch für die Materie Information, damit es sich sinnvoll ordnet? Spricht man letztendlich der Materie nicht "über-"materielle Fähigkeiten zu, damit sie das alles leisten kann, was sie leisten sollte? Ich bin mir bewusst, wir sind wieder auf der methaphysischen Ebene! In der Naturwissenschaft kann man halt nur erklären, was man nachvollziehen kann. Aber warum es sich so verhält, für was es sich so verhält und um was es eigentlich geht, dass ist Methaphysik. Aristoteles hat dies einmal so erklärt:

„Es gibt eine Wissenschaft, welche das Seiende als Seiendes untersucht und das demselben an sich Zukommende. Diese Wissenschaft ist mit keiner der einzelnen Wissenschaften identisch; denn keine der übrigen Wissenschaften handelt allgemein vom Seienden als Seienden, sondern sie grenzen sich einen Teil des Seienden ab und untersuchen die für diesen sich ergebenden Bestimmungen, wie z. B. die mathematischen Wissenschaften. Indem wir nun die Prinzipien und höchsten Ursachen suchen, ist offenbar, dass diese notwendig Ursachen einer gewissen Natur an sich sein müssen.“ (Met. IV 1, 1003 a 21 – 28)[1]) (aus Wikipedia, 3.10.14)

Wenn Gottes Wort, Gottes Wort ist, dann finden wir da sicher auch den wahren Grund für das Seiende.

Ich glaub, ich muss diese Gedanken mal mit kritischen Stimmen teilen. Mal sehen, wie es auf die wirkt.

Freitag, 26. September 2014

Kein Missionieren im Konf-Unterricht?

Heute habe ich im Kirchenboten für die evangelisch-reformierten Kirchen Baselland, Basel-Stadt, Luzern, Obwalden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri vom 10.10.14 gelesen: "In jedem Fall dürfe man das Konf-Jahr (= Konfirmationsunterricht)  nicht zum Missionieren missbrauchen, warnt Thomas Schlag. 'Glaube könne man nicht lernen.' Jugendliche könnten jedoch durch Glaubenserfahrung ihren Horizont erweitern. Dies finde im Konfirmandenunterricht statt."

Ist Erfahrung besser als Lernen? Dies könnte geradezu ein Rezept zur Manipulation sein. Indem man das Denken ausschaltet, fängt man an sich unreflektiert zu beeinflussen. Ich weiss nicht, ob dies so gemeint ist. Vermutlich nicht. Dennoch könnte diese Gefahr dahinter liegen. Die ganze Problematik Kommt mir gerade jetzt in den Sinn. Auf jedenfall glaube ich, dass man Glauben lernen kann, auch mit dem ganzen menschlichen Ratio.

Ich wünsche mir sehr, dass die Kirche (und das sind eigentlich auch alle Mitglieder), ein Ort der sichtbaren Liebe Gottes wird. Ich wünsche mir keine hyperaktive Kirche, sondern eine in Gott ruhende, die positive Impulse der Gesellschaft gibt, die Menschen Vergebung zuspricht und Mut zuspricht für einen Neuanfang. Ja noch mehr, die auch auf schweren Wegstrecken (Gefängnis, Tod, Krankheit usw.) mittragen kann. Vorhin habe ich hierzu zwei Leserbriefe geschrieben. 
Was mir ebenfalls durch den Kopf ging (und darum habe ich die Leserbriefe heute am 28.9.14 angepasst):
In diesem Beitrag wurde die Erfahrung betont und dass man den Glauben nicht lernen könne. Ich sehe das anders. Vorallem die erste Festellung finde ich sogar gefährlich: Gott hat uns auch den Verstand gegeben und unser Glaube darf auch reflektiert sein, sonst besteht die Gefahr, dass wir einfach manipuliert werden können oder das unsere Gefühle und Erfahrungen uns hin und her werfen. Zu einem reifen Glauben gehört das Wertschätzen aller unserer von Gott gegebenen Aspekte des Menschseins: Leib, Seele und Geist (vielleicht eher ostkirchliche Betrachtungsweise, diese drei Aspekte des Menschseins. Auf jedenfall verköpert jeder Aspekt immer auch den gesamten Menschen, aber aus unterschiedlichen Blickwinkel. In gewisserweise ist es sogar eine Vereinfachung, da wir Menschen von Gott hochkomplex geschaffen wurden. Es ist ein Model damit unser Denken damit arbeiten kann.). Dazu gehört neben einem Wachsen eines Gespürs für Gottes Reden - damit wir ihn überhaupt unter den vielen Stimmen in und um uns hören können - auch das vernünftige Einorden, von dem, was wir mit Gott erleben. Dazu gehört auch eine gut durchdachte Theologie. Wobei natürlich - nach Augustin - wir in der richtigen Reihenfolge lieben sollen. Denn sobald etwas an Gottes stelle gesetzt wird - und sei es noch so gut - wird dies zu einem Götzen, der uns so versklavt, wie es Drogen tun können. Aber Gott will uns Freiheit in Christus geben!
Obwohl wir natürlich auch noch in einer Zwischenzeit leben: Inauguriert ins Reich Gottes und doch ist das Alte noch da. Geistlich Wiedergeborenen und doch ist auch der alte Mensch noch da. Oder wie Luther sagte: Gerecht und Sünder zugleich. So dürfen wir fröhliche Sünder sein. Beinahe unglaublich von Gott geliebt, obwohl wir noch nicht verherrlicht sind. (Das kommt noch, wenn Jesus wiederkommt.) In Christus gerecht gesprochen und für ein ewiges Leben in wertschätzender Liebe mit unserem Dreieinigen Gott bestimmt. Das konnte ich natürlich nicht alles im Leserbrief schreiben. Aber es gehört doch zu unserer Mission / Auftrag von Gott, wo es sich lohnt zu missionieren (d.h. seinen Auftrag uns von Gott lieben zu lassen und dies sichtbar werden zu lassen, nicht zulassen?).

Das alles hat natürlich nicht Platz in meinem Leserbrief. Aber angedeutet ist es schon. 
Das erste ist eigentlich der Versuch den Leserbrief zu kürzen. Aber das ist noch nicht ganz meine Stärke. Ich denke es ist interessant.



Leserbrief zu Ihrem interessanten Beitrag „Europäische Studie; gute Noten für Konf- Unterricht“         Kirchenboten vom 10.10.2014

„Wir sind zwar nicht sicher, dass Worte retten,
aber wir wissen, dass Schweigen tötet.“

(Zitat von Dr. James Orbinski, internationaler Präsdient von MSV bei der Entgegennahme des Nobelpreises am 10.12.1999)

Als Christen haben wir ein Buch von Gott geschenkt, das uns viel Gottes- und Selbsterkenntnis geben kann. Es sichert uns unveräusserliche Menschenrechte und Würde zu. Und was noch wichtiger ist: Wenn wir selber diese verletzen und scheitern, wenn wir erkennen, was alles mit uns nicht stimmt, dann ist es Gott selber, der alles wieder in Ordnung bringt! Dafür hat Jesus Christus am Kreuz bezahlt. Darum können wir in Christus immer wieder neu beginnen. Das ist die frohe Botschaft (= Evangelium). Und das macht Gott der Vater darum, weil er uns so sehr liebt, wie er seinen Sohn Jesus Christus liebt (Johannes 17,23). Ist die Konfirmation nicht die Bestätigung, dass wir das glauben und der Ausdruck von uns, dass wir diese liebevolle Gemeinschaft mit diesem dreieinigen Gott wollen?

In diesem Bericht wird gesagt, dass man in jedem Fall im Konfirmanden-Unterricht nicht missionieren dürfe. Was soll dann mit dieser frohen Botschaft geschehen? Wo bleibt da unser Evangelisch? „Für was braucht es eigentlich die Kirche noch? Der Staat usw. decken alles schon ab.“ Zitat einer Konfirmandin. Oder ein Pfarrer auf die Frage nach dem Mehrwert für die Hörer seiner Theologie: „Es gibt keinen. Braucht es nicht.“ (Natürlich denken nicht alle Pfarrer so. Ich habe selber als Konfirmand und auch später glaubwürdige Männer und Frauen erlebt. Die englische Landeskirche scheint mit Hilfe solcher Kräfte wieder zu wachsen.) Es würde mir sehr wehtun, wenn sich in naher Zukunft die reformiert-evangelische Landeskirche in der Belanglosigkeit verlieren würde.

Die beste Lösung wäre, wie einst vor langer Zeit George Whitefield betonte (ca.): „Man muss nicht die leere Oel-Lampe wegschmeissen, sondern Oel hineintun, damit sie wieder leuchten kann.“ Wir brauchen Inhalt, dass uns wärmt und Sinn gibt! Dazu muss der Heilige Geist Raum bekommen. Dabei ist die Bibel die Schule des Heiligen Geistes (s. Insitutio von Calvin). Darum sollten wir sie auch lesen. (Mit Geist ist nicht Alkohol oder Schwärmerei gemeint. Sondern Gott selber, der anstelle von Jesus Christus bei uns wirkt.)

Dabei muss es darum gehen, dass wir uns von Gott beschenken lassen, damit wir ihn dankbar ehren und mit seiner Hilfe uns und den Menschen helfen (s. Bergriff ἐκκλησία). Das ist etwas ganz kostbares. Besonders in einer Zeit wo das menschliche Leben selber in Frage gestellt wird. Und das geht manchmal auch mit Worten: „Wir sind zwar nicht sicher, dass Worte retten, aber wir wissen, dass Schweigen tötet.“ Jesus sagt: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3,16)

Aber vielleicht ist mit „nicht missionieren“ ja auch nur gemeint, dass man die Menschen nicht dumm belabern soll oder sie nicht ideologische zu manipulieren versucht. Dem würde ich zustimmen. Aber wie soll Gott uns als Kirchen gebrauchen, wenn wir seine Mission (= Auftrag) nicht ausführen wollen (= uns von Gott lieben zu lassen und dies sichtbar werden zu lassen)?
                                                           

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zweiter Leserbrief:

Leserbrief zu Ihrem interessanten Beitrag „Europäische Studie; gute Noten für Konf- Unterricht“         Kirchenboten vom 10.10.2014

„Wir sind zwar nicht sicher, dass Worte retten,
aber wir wissen, dass Schweigen tötet.“

(Zitat von Dr. James Orbinski, internationaler Präsdient von MSV bei der Entgegennahme des Nobelpreises am 10.12.1999)

Als Christen haben wir ein Buch von Gott geschenkt, das sehr viel über Gott und uns Menschen offenbart. Daraus lassen sich unveräusserliche Menschenrechte ableiten. Wir erkennen unsere Grenzen und auch jene Rechte, die wir für uns einfordern dürfen. Und was noch wichtiger ist: Wenn wir selber Unrecht tun und scheitern, wenn wir erkennen, was alles mit uns nicht stimmt, dann ist es Gott selber, der alles wieder in Ordnung bringt! Dafür hat Jesus Christus am Kreuz bezahlt. Wir können immer wieder neu beginnen. Das ist die frohe Botschaft (= Evangelium). Und das macht Gott der Vater darum, weil er uns so sehr liebt, wie er seinen Sohn Jesus Christus liebt (Johannes 17,23). Ist die Konfirmation nicht die Bestätigung, dass wir das glauben und diese liebevolle Gemeinschaft mit dem dreieinigen Gott wollen?

In diesem Bericht wird gesagt, dass man in jedem Fall im Konfirmanden-Unterricht nicht missionieren dürfe. Heisst dies, man darf nicht mehr das Evangelium verkündigen? Dann wäre es vielleicht besser, man würde die Bezeichnung „evangelisch“ für unsere Kirchen streichen. Oder wie eine Konfirmandin in unserer Ortschaft einmal meinte (ca.): „Für was braucht es eigentlich die Kirche? Die politische Gemeinde und die Vereine machen das ja schon?“ In die ähnliche Richtung geht die Antwort eines Pfarrers auf meine Frage, wo den der Mehrwert für die Hörer seiner Theologie sei: „Es gibt keine. Braucht es nicht.“ (Natürlich sind nicht alle Pfarrer so. Ich habe selber als Konfirmand und  auch später glaubwürdige Pfarrer erlebt und erinnere mich heute noch an sie.)
Da müssen wir nicht erstaunt sein, wenn sich in vielen reformierten Kirchen die Kirchenbänke lichten und die Orientierungslosigkeit zunimmt. Persönlich würde es mir sehr wehtun, wenn sich in naher Zukunft die reformiert-evangelische Landeskirche in der Belanglosigkeit verlieren würde. Hat sie nicht schon heute kaum noch für Aussenstehende und viele Mitglieder eine Relevanz?
Die beste Lösung wäre, wie einst vor langer Zeit George Whitefield sagte (ca.): „Man muss nicht die leere Oel-Lampe wegschmeissen, sondern Oel hineintun, damit sie wieder leuchten kann. Dass  bedeutet, der Heilige Geist muss Raum bekommen, damit Gott durch die Menschen und ihre Organisationen wirken kann. (Mit Geist ist nicht Alkohol gemeint. Sondern Gott, der anstelle von Jesus Christus bei uns wirkt.) Dabei ist die Bibel die Schule des Heiligen Geistes (s. Instiutio von Calvin).
Vielleicht könnten wir ein Beispiel an der englischen Landeskirche nehmen, die sogar wieder wächst und neue Gemeinden gründet. Dabei verstehen sie sich, obwohl sie eine Landeskirche sind, nicht exklusiv!

Dabei muss es darum gehen, dass wir uns von Gott beschenken lassen, damit wir ihn dankbar ehren und mit seiner Hilfe den Menschen helfen. So kann die Kirche (= wir, s. Begriff ἐκκλησία) etwas beitragen, was der Staat und die Vereine weniger können: Besonders in einer Zeit wo das menschliche Leben selber in Frage gestellt wird. Und das geht manchmal auch mit Worten.

„Wir sind zwar nicht sicher, dass Worte retten, aber wir wissen, dass Schweigen tötet.“
„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3,16)

Aber vielleicht ist mit „nicht missionieren“ ja auch nur gemeint, dass man die Menschen nicht dumm belabern soll oder sie nicht ideologische zu manipulieren versucht. Dem würde ich zustimmen. Aber wie soll Gott uns als Kirchen gebrauchen, wenn wir seine Mission (= Auftrag) nicht ausführen wollen (= uns von Gott lieben zu lassen und dies sichtbar werden zu lassen)?
 

Montag, 22. September 2014

Nachtrag zu 4. Mose 5,1-4

Das Abgrenzen von Unreinheit - so schockierend es ist, so gilt auch hier: Auch diese Menschen sollen wir lieben. Es ist ein Eigenschutz, der Jesus nicht nötig hatte. Darum brach er dieses Tabu und ging zu den Sündern und Zöllnern.
Und auch wenn ich nicht die Kraft habe und daher mich von gewissen Menschen distanzieren muss, gilt trotzdem, dass ich den Herrn und meinen Nächsten wie mich selber lieben soll. Und dies steht ja schon im Alten Testament. Das wir Menschen dies nicht immer machen (bezw. eigentlich gar nicht können), relativiert dies in keiner Weise. 
Ganz nebenbei: Hier sehen wir auch, wie wir als Gesellschaft mit Menschen umgehen sollen, die eine ansteckende Krankheit haben. Dies wird umso aktuelle, wenn dereinst die Antibiotika gegen bakterielle Krankheiten nicht mehr wirken sollten und es gilt auch für das aktuelle Problem der Krankheit Ebola in Afrika:
Wir müssen in diesem Fall Quarantäne Einrichtungen schaffen, um die noch nicht krank gewordenen zu schützen. ABER wir sollen sie trotzdem lieben, d.h. ganz konkret auch versorgen und ihnen Geborgenheit und Schutz besorgen.

Und diese Tatsache ist nicht nur ein unerreichbares Ideal, sondern führte auch in der Menschheit immer wieder zu liebevollen und aufopfernden Handlungen. 
Nur ein Beispiel dazu: Zwingli, der Reformator von Zürich, ging bewusst zu den Pestkranken als Seelsorger. Zu jener Zeit war es eine Forderung an den Berufsstand des Pfarrers, dass er sich auch um jene kümmerte, die man aus Krankheitsgründen von der Gemeinschaft aussondern musste. (Allerdings können die Kranken und ihre Helfer eine neue Art der Gemeinschaft bilden! Und diese soll ebenfalls liebevoll und wertvoll sein.) Zwingli ging so lange zu den Kranken, bis er selber die Pest bekam. Man mag ja von Zwingli denken, was man will. Aber diese Berufsethik beeindruckt mich sehr: Hirten, die sich für die Herde Gottes aufopfern.

Gott schenkte es, dass Zwingli die Pest überlebte und es war wohl mit ein Beitrag, dass seinen christlicher Humanismus immer mehr in den Hintergrund treten liess und dafür die Bibel mit seinem grossen Schatz in den Vordergrund kam. Wie gerne hätte sich Zwingli durch eigene Anstrengungen verbessert. Er schrieb sogar an Erasmus, er müsse ihm dazu helfen, ob er nun wolle oder nicht. Aber es gelang Zwingli nicht. Gnade war es, was er brauchte. Gott selber, der ihm half und eine geistige Wiedergeburt schenkte. Der Umgang in der Politik (Zwingli war auch politisch Tätig), seine seelsorgerliche Tätigkeit und Predigt und sicherlich auch die Pestkrankheit riefen nach mehr, als nach seinen menschlichen Möglichkeiten. Der christliche Humanismus brachte ihn dazu Altgriechisch zu lernen und u.a. die Bibel zu lesen und grosse Teile des Neuen Testaments auswendig zu lernen. In diesem Schatz konnte der Heilige Geist zu ihm reden und er konnte zur Reformation - zur Erneuerung der Kirche - beitragen. In Zürich war die Reformation Teamarbeit. Daraus entstanden die Zürcher-Bibel. Wöchentlich informierten die Gelehrten, die Gottes Wort erforschten die Bevölkerung, die mit ihren eigenen Bibeln das Entdeckte nachverfolgen konnten.

Dabei war Zwingli auch nur ein Mensch, der noch auf die Verherrlichung bei der Rückkehr von Christus wartete und hoffte. Er hat Fehler gemacht - auch nach seiner noch tieferen Hinwendung zu Christus. Aber dafür ist auch Christus gestorben. Und gerade Zwingli analysiert dies ja klar in seinen Gedanken über die göttliche und menschliche Gerechtigkeit. Die menschliche Gerechtigkeit verdient nicht einmal das Wort Gerechtigkeit im Lichte der göttlichen Gerechtigkeit. Aber das soll uns nicht hindern, uns danach auszurichten und immer wieder Busse zu tun, damit wir die Freude in der Versöhnung durch Jesus Christus leben können. (So verstehe ich Zwingli. Und ich denke, dass ist zutiefst biblisch.)

PS: Ein Pastor sagte mir mal, dass er es merkwürdig finde, wenn jemand eine griechische Bibel mitnehme. Er denkt, dass Hochmut dahinter stecke. Ich nehme manchmal eine griechische Bibel mit in den Gottesdienst, obwohl ich kaum griechisch kann. Vielleicht hat er recht und es ist etwas Hochmut dahinter (vielleicht manchmal). Aber eigentlich ist doch das bei allem, was wir tun, auch bei unseren besten Werken mischt sich etwas Unreinheit, weil wir aus Gnade errettet sind und nicht aus unserer Selbsterlösung. In Christus haben wir alles, darum dürfen wir in diesem Sinne fröhliche Sünder sein (Luther). Und dann können wir auch das positive daran sehen und Freude haben: Immerhin liest da jemand die Bibel, er versucht sogar dabei Griechisch zu lernen. Für das andere muss man beten. 
Etwas ähnliches habe ich auch einmal im Hauskreis erlebt. Jemand erzählt, wie er jemanden helfen konnte. Und prompt fragt jemand, wo da der Egoismus dahinter steckt. Das kam eindeutig aus meiner Lehre! Aber ich erschrak auch: Auch wenn Egoismus (2) dahinter steckt: Man darf doch auch Freude an guten Werken haben und davon erzählen, damit das Licht scheinen kann. Für die Unreinheit darin können wir Busse tun und gleichzeitig sehr fröhlich sein. Jesus hat natürlich auch gesagt, wir sollen Gutes tun und die einte Hand (war es die Rechte?) soll nicht wissen, das die Linke tut, dann haben wir unser Lob  bei Gott. Das ist natürlich noch eine andere Variante. Aber sie schliesst die andere nicht aus. (Gerade Calvinisten neigen dazu, die guten Werke zu verstecken. Noch heute gibt es im "Daig", d.h. bei den reichen Basler (1), der Spruch: Darüber redet man nicht. Man man macht es einfach und dafür erhalten sie sicherlich Lob von Gott. Diese Demut, selbst vielleicht von Menschen, die gar nicht ein persönlicher Bund mit Gott eingegangen sind, ist ehrenwert. Und ich habe eine hohe Achtung davor. Aber die Freude und das Licht leuchten lassen, dürfen wir auch. Etwas komplex? Das liegt daran, dass Gott komplex ist und seine Schöpfung auch etwas davon abbekommen hat. Halleluja: Gut ist es so!)

Nun wünsche ich einen guten und gesegneten Tag!

AMEN!

(1) Der Daig waren oft hugenottische Flüchtlinge, also Reformierte aus Frankreich, die sehr erfolgreich in der Geschäftswelt waren. Eine ähnliche Haltung habe ich auch in Frankreich gehört. Dort sagt man, man zeigt den Reichtum nicht. 
Uebrigens auch der Rotkreuzgründer wuchs in einem calvinistisch geprägten Hause auf. Neben der Geschäftstätigkeit war es ganz normal auch sozial tätig zu sein. Seine Mutter nahm ihn auch zu ärmeren mit, als sie ihnen halb. So war der Schritt zur Gründung des Roten Kreuzes auch bei Henry Dunant ein logische Folge. Eigentlich wollte er ja dem Kaiser von Frankreich, Napoleon dem III schmeicheln für seine geschäftliche Aktivitäten. Als er aber die Not auf dem Schlachtfeld in Norditalien sah, kümmerte er sich mit vielen anderen um die Verletzten. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen dachte Dunant nun aber weiter. Wie könnte man diese Ad hoct Hilfe professionalisieren? Dies führte zum Roten Kreuz.

(2) Egoismus ist oft negativ. Doch es gibt auch ein Egoismus, der positiv ist. Ein gesundes Sorgen für sich selber. Leider hat auch dies der Sündenfall durcheinander gebracht und so wird aus dem gesunden Sorgen für sich selber, eine pervertierte Form. Dazu kommt, dass die Selbstaufgabe eine besondere (freiwillige) Hingabe an Gott sein kann.

Samstag, 13. September 2014

4. Mose (Numeri) 5,1-4 In der Wüste

  וידבר יהוה אל־משׁה לאמר׃
 צו את־בני ישׂראל וישׁלחו מן־המחנה כל־צרוע וכל־זב וכל טמא לנפשׁ׃
   מזכר עד־נקבה תשׁלחו אל־מחוץ למחנה תשׁלחום ולא יטמאו את־מחניהם אשׁר אני שׁכן בתוכם׃ 
 ויעשׂו־כן בני ישׂראל וישׁלחו אותם אל־מחוץ למחנה כאשׁר דבר יהוה אל־משׁה כן עשׂו בני ישׂראל׃ 

Die alte Zürcher Bibel übersetzt 4. Mose 5,1-4 (Numeri in Lateinisch oder Bëmidbar (= In der Wüste) im Hebräischen):

"Und der HERR redete zu Mose und sprach:

Befiehl den Söhnen Israel, dass sie alle Aussätzigen und alle, die an einem Ausfluss leiden, und alle durch eine Leiche Verunreinigten aus dem Lager hinausschicken! Sowohl Mann als auch Frau sollt ihr hinausschicken, vor das Lager sollt ihr sie hinausschicken, damit sie nicht ihr Lager unrein machen, in deren Mitte ich wohne. Und die Söhne Israel traten so und schickten sie vor das Lager hinaus; wie der HERR zu Mose geredet hatte, so taten die Söhne Israel."
 
Was für harte Worte. Bedeutet dies, dass kranke Menschen einfach als unwerte Menschen aus der Gemeinschaft ausgeschieden werden sollen, wo sie elendlich sterben müssen, so wie es der Geist der 30-Jahre in Europa verlangt hatte und gewisse aktuelle Sozialdarwinisten es - zur Zeit noch etwas verstohlen - wieder andenken? 

Hier kann mit gutem Gewissen: "NEIN!" gesagt werden. Das ist hier sicherlich nicht gemeint. 

Wer dies so interpretiert, füllt diese Bibelstelle mit seinen eigenen Vorstellungen und/oder auch mit berechtigten Befürchtungen unserer Zeit. So etwas steht hier nicht. Es wird nur verlangt, dass für eine Zeit der religiösen Unreinheit, die durch Aussatz, Ausfluss und die Berührung von Toten herbeigeführt wird, man ausserhalb der Gemeinschaft gehen soll. Dass dies vor Ansteckungen der anderen schützt, wie auch die weiteren Ausführungen in 3. Mo 15,1 ff und 4. Mo 19,11 ff wissen wir heute. Damals war es vielleicht noch nicht so evident. Aber es ist logisch, dass Gottes Gesetze auch gesund sind. Dennoch, "es schleckt keine Gais weg" wie der Volksmund sagt: es ist hart für die Betroffenen. In 2. Könige 7,3 sieht man, dass Israel, nachdem sie sesshaft geworden waren, diese Armen aus der Stadt schickten. Dabei machte diese Forderungen auch vor Königen nicht halt: siehe 2 Könige 15,5. Aber es steht nicht, dass man wegen dem diese nicht versorgen sollte. Das würde eindeutig mit anderen Bibelstellen, zum Beispiel mit der Forderung seinen Bruder und den Fremden zu lieben, wiedersprechen. Auch in 2 Könige 15,5 wurde der König versorgt. Er war übrigens kein schlechter König (2. Könige 15,3+4) 

Es ist also eindeutig, dass man sich auch diesen Aussätzigen, Ausfluss habende und mit Toten in Kontakt gekommenen, liebevoll umgehen sollte, auch wenn man als nicht Betroffener nicht mit den Betroffenen zusammenlebte. Das sie ausserhalb der Gemeinschaft leben sollten, wir damit begründet, dass Gott Mitten in dieser Gemeinschaft von Israel wohnt. 

Daraus können wir lernen, dass Gott in seiner Heiligkeit ein heiliges Volk möchte. Dies wird hier in einem sehr deutlichen, ja aufschreckenden Bild vor unseren Augen gemalt. Gott kann keine Gemeinschaft mit Unreinen haben. 

Mit den nächsten Versen wird dann gezeigt, dass Gott auch mit Sündern keine Gemeinschaft haben kann. Wenn ein Mann oder Frau einen anderen bestohlen oder betrogen hat, dann versündigte man sich. Zuerst wird aber festgehalten, dass eine solche Tat gegen einen Menschen auch ein vergehen gegen Gott ist:

"... und sich damit am HERRN vergeht und die betreffende Seele eine Schuld auf sich lädt; so sollen sie ihre Sünde bekennen, die sie getan haben, und sollen ihre Schuld in ihrem vollen Betrag wiedererstatten und den fünften Teil dazufügen und es dem geben, dem sie es Schuldig sind." (4. Mose 5,6b-7). 

Es wird festgehalten, dass sie ihre Sünde bekennen sollen und das betrogene Gut zu 120% dem Geschädigten ersetzen müssen. In den nächsten Versen wird dann noch darauf eingegangen, wenn es nicht möglich sein sollte, dem Geschädigten das Gut zurückzuerstatten, dann solle man es den Blutsverwandten geben und wenn das auch nicht geht, dann solle man es dem Priester gegeben. Der Priester nahm es dann stellvertretend für Gott entgegen. Dies auszulegen ist einfach: Wir sollen unsere Sünden bekennen und das von uns gemachte Unrecht grosszügig wieder ersetzen.

Aber die ersten Verse aus 4. Mo 5. sind da happiger. Daher werden wir es noch genauer vornehmen, als wir es bisher taten:  

Es geht sicherlich darum, dass "Gottes Gegenwart in der Stiftshütte ... nicht Unreines im Lager" duldet. "Hier wird nun die geistliche Dimension dieser harten Bestimmung deutlich. Ebenso wie die Kp. 3 und 4 Israel zu Sorgfalt und Ehrfurcht erziehen sollten, so geht es hier um die Erziehung zur Reinheit. Israel musste bis in die Existenz hinein lernen, dass unreine Menschen nicht mit dem reinen Gott zusammen 'wohnen' und Gemeinschaft haben können. Durch eine manchmal zu billige christliche Gnadenbotschaft haben wir völlig verlernt, was rein und unrein heisst. Um wieviel mehr gilt dies von der Unreinheit durch Sünde! Umgekehrt erkennt man erst von den alttestamentlichen Reinheitsgesetzen aus, wie tief sich der Gottessohn herabgelassen hat, als er mit Sündern ass und sie in seine Jüngerschaft berief (vgl. Mt 9,9ff). Dass Jesus auch aussätzige berührte (Lk 5,13), ist voll tiefer Symbolik." (aus Seite 86 Wuppertaler Studienbibel, Gerhard Maier).

Also erst wenn wir dieses Gesetz Gottes kennen, verstehen wir erst, warum die Jünger von Jesus von den Pharisäern gefragt wurden:

"Warum isst euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern?" (Matthäus 11b)

Diese Frage war nicht nur herzlos. Sie hat auch eine gewisse Logik, auf dem nun Christus aufbauen kann: In Christus zeigte Gott seinem Volk, was seine Liebe trotz seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit tun will: Er will als guter Arzt uns kranke Menschen heilen! Zu einem guten Arzt gehört die Fähigkeit die Krankheit treffend zu diagnostizieren. Erst danach kann er sich der Heilung zu wenden. Das macht Gott auch. Dabei erklärt er uns auch, wo das eigentliche Problem liegt: Gott ist heilig. Er liebt uns. Aber er kann beim besten Willen nicht mit Unreinen und Sünder Gemeinschaft haben. Darum kam er als Jesus Christus und nahm unsere Unreinheit und unsere Sünde auf sich. Er litt unsere Schuld. Dadurch können wir immer durch das von Jesus vergossene Blut am Kreuz (oft kurz: Durch das Blut Jesus Christus) zu Gott. Wenn wir Jesus als Herrn akzeptieren, dann gilt dies, weil Gott nun nicht mehr uns mit unserer Unreinheit und unserer Sünde sieht, sondern er sieht unseren Herrn, Jesus Christus. Und wenn dann einmal Jesus wiederkommt, dann werden wir auch verherrlicht. Dann wird das jetzt beginnende Reich Gottes ganz hier sein. Jetzt sind wir Christen Sünder, die am Tisch des Heiligen Gottes von seiner Liebe und Heiligkeit lernen.

Mit dem Wissen um 4. Mose 5 lesen wir jetzt sicherlich Matthäus 9,9 -13 anders:

ἵνα δὲ εἰδῆτε ὅτι ἐξουσίαν ἔχει ὁ Υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου ἐπὶ τῆς γῆς ἀφιέναι ἁμαρτίας - τότε λέγει τῷ παραλυτικῷ· ἐγερθεὶς ἆρόν σου τὴν κλίνην καὶ ὕπαγε εἰς τὸν οἶκόν σου. 
καὶ ἐγερθεὶς ἀπῆλθεν εἰς τὸν οἶκον αὐτοῦ. 
ἰδόντες δὲ οἱ ὄχλοι ἐθαύμασαν καὶ ἐδόξασαν τὸν Θεὸν τὸν δόντα ἐξουσίαν τοιαύτην τοῖς ἀνθρώποις. 
Καὶ παράγων ὁ ᾿Ιησοῦς ἐκεῖθεν εἶδεν ἄνθρωπον καθήμενον ἐπὶ τὸ τελώνιον, Ματθαῖον λεγόμενον, καὶ λέγει αὐτῷ· ἀκολούθει μοι. καὶ ἀναστὰς ἠκολούθησεν αὐτῷ. 
Καὶ ἐγένετο αὐτοῦ ἀνακειμένου ἐν τῇ οἰκίᾳ, καὶ ἰδοὺ πολλοὶ τελῶναι καὶ ἁμαρτωλοὶ ἐλθόντες συνανέκειντο τῷ ᾿Ιησοῦ καὶ τοῖς μαθηταῖς αὐτοῦ. 
καὶ ἰδόντες οἱ Φαρισαῖοι εἶπον τοῖς μαθηταῖς αὐτοῦ· διὰ τί μετὰ τῶν τελωνῶν καὶ ἁμαρτωλῶν ἐσθίει ὁ διδάσκαλος ὑμῶν; 
ὁ δὲ ᾿Ιησοῦς ἀκούσας εἶπεν αὐτοῖς· οὐ χρείαν ἔχουσιν οἱ ἰσχύοντες ἰατροῦ, ἀλλ᾿ οἱ κακῶς ἔχοντες. 
πορευθέντες δὲ μάθετε τί ἐστιν ἔλεον θέλω καὶ οὐ θυσίαν. οὐ γὰρ ἦλθον καλέσαι δικαίους, ἀλλ᾿ ἁμαρτωλούς εἰς μετάνοιαν. 

Die alte Zürcher übersetzt dies so:

"Und als Jesus von dort weiterging, sah er einen Menschen mit Namen Mätthäus am Zollhaus sitzen, und er spricht zu ihm: folge mir nach!
Und er stand auf und folgte ihm nach. 

Und es geschah, als er in dem Haus zu Tisch lag, und siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und lagen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern. Und als die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern?

Als aber er es hörte, sprach er: Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Geht aber hin und lernt, was das ist: 'Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer. Denn ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder."

Auch Matthäus, dieser Zöllner, der damals als Verräter Steuern für die Unterdrücker des Volkes Gottes einsammelte und uns dies aufgeschrieben hat, war tief von diesem Geschehen beeindruckt. Als Jude wusste er sehr wohl, wer er war. Mit Hilfe von 4. Mose 5,1-4 verstehen wir es nun auch besser: Jesus Christus will unser Arzt sein. Und zu einem Arzt dürfen wir als Kranke und als nicht Gesunde gehen. Spurgeon hilt bei diesem Gedanken ganz klar fest: Wir dürfen sogar nur als Sünder gehen. Und auch er,Spurgeon,  obwohl er schon lange im Glauben ist, schon viele gute Predigten gehalten und viele Menschen bereichert und viele zu Gott geführt hat, auch er kommt immer noch als Sünder zu Jesus. Aber er weiss auch, dass Jesus ihn rein spricht - wie er jeden rein spricht, der zu Jesus geht - und er so immer Zugang zum Heiligtum hat. Nichts, aber auch rein gar nichts hält ihn von der Gemeinschaft mit Gott fern, wenn er in Christus ist.

"Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer gegen uns?
Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?

Wer wird gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben?
Gott ist es, der rechtfertigt.
Wer ist, der verdamme? Christus Jesus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auf für uns verwendet.

Wer wird uns Scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blösse oder Gefahr oder Schwert?" 

Dies schreibt Paulus im Römerbrief 8,31-36. Wer es nicht glaubt, hier kann er es auf griechisch nachlesen:

Τί οὖν ἐροῦμεν πρὸς ταῦτα; εἰ ὁ Θεὸς ὑπὲρ ἡμῶν, τίς καθ᾿ ἡμῶν; 
ὅς γε τοῦ ἰδίου υἱοῦ οὐκ ἐφείσατο, ἀλλὰ᾿ ὑπὲρ ἡμῶν πάντων παρέδωκεν αὐτόν, πῶς οὐχὶ καὶ σὺν αὐτῷ τὰ πάντα ἡμῖν χαρίσεται; 
τίς ἐγκαλέσει κατὰ ἐκλεκτῶν Θεοῦ; Θεὸς ὁ δικαιῶν· 
τίς ὁ κατακρίνων; Χριστὸς ὁ ἀποθανών, μᾶλλον δὲ καὶ ἐγερθείς, ὃς καί ἐστιν ἐν δεξιᾷ τοῦ Θεοῦ, ὃς καὶ ἐντυγχάνει ὑπὲρ ἡμῶν. 
τίς ἡμᾶς χωρίσει ἀπὸ τῆς ἀγάπης τοῦ Χριστοῦ; θλῖψις ἢ στενοχωρία ἢ διωγμὸς ἢ λιμὸς ἢ γυμνότης ἢ κίνδυνος ἢ μάχαιρα; 
καθὼς γέγραπται ὅτι ἕνεκά σου θανατούμεθα ὅλην τὴν ἡμέραν· ἐλογίσθημεν ὡς πρόβατα σφαγῆς. 
 
Christus segne Sie! Denn Jesus Christus macht alles wieder gut!