Sonntag, 26. Juni 2022

Johannes 17 bis 20

In unseren Ferien habe ich in meinen Morgenandachten auch aus Johannes 17 bis 19 gelesen. Hierzu habe ich aufnahmen gemacht und auch meine spontanen Gedanken dazu. Die Bilder sind zeugen von der schönen Umgebung und unterstreichen die Intensität des Textes.


Hier zu sehen und zu hören:











Hier noch eine professionelle Version zu Johannes 17

Zu unserem Hauskreis vom 30.6.2022 habe ich hilfreiche Fragen zu Johannes 17 zusammengestellt, die helfen, den Text zu verstehen. Für jene Hauskreisler, die nicht kommen konnte schrieb ich folgenden Text mit den Fragen:

Guten Morgen

Wir hatten gestern einen gesegneten Hauskreis zum Hohepriesterlichen Gebet von unserem Herrn Jesus Christus.

Unter anderem gingen wir mit Fragen einem Teil des Textes durch. Dabei hätten auch Vergleiche mit unserem Leben Platz. Zugleich mussten wir auch anbeten über Gott staunen: Seine Gedanken sind viel höher als unsere. Unser Verstand muss über das Offenbarte staunen und erahnt,  wieviel grösser Gott sein muss,  als wir fassen und Begreifen können. Und dieser Gott Vater liebt uns,  wie er Jesus liebt, darum gehören wir Gott und nicht der Welt.

1.Hier einige Fragen,  die uns helfen,  die einfachen Worte,  welche zugleich so komplex sind,  besser verstehen (Johannes arbeitet mit mur 500 Worten, also ein Kleinkind-Vocabular):

1. Wem gibt Jesus Ewiges Leben? (Johannes 17,2b)

2. Was ist das ewige Leben? (Johannes 17,3)

3. Weder hat was offenbart? (Johannes 17, 6a)

4. Wem hat er es offenbart? Welche Antworten sind richtig? 

    Der Welt? 

    Jene,  die Gott gehören?

    Der Zeitung? 

     Den Getauften/Beschnittenen?

     Die Gott aus der Welt Jesus gegeben hat?

      Den Selbstgerechten?

5. Für wen betet Jesus? (Johannes 17, 9)

6. In wem ist Jesus verherrlicht? (Johannes 17, 10b)

7. Wer wird uns bewahren? (Johannes 17, 11 b)

8. Warum betet Jesus,  dass wir bewährt werden sollen? Und für was werden wir bewährt?

(Johannes 17, 11+13)

9. Vor was bewahrt uns Gott?

vor der Welt?

vor dem Bösen?

vor dem Feuer?

(Tipp: Gott bewahrt nicht vor dem Feuer.  Gott bewährt uns In dem Feuer. Johannes Calvin. Bsp.  Die Freude von Daniel im Feuerofen,  und das, ob Gott uns sichtbar rettet oder uns zu sich holt und uns so rettet )

(Johannes 17, 15+16a)

10. Für wen und was betet Jesus? (Johannes 17, 20-22)

11. Für was hat uns Jesus den Namen Gottes kundgetan? (Johannes 17, 26)

12.

Und hier kommt der Clou!

Bisher war eine klare Grenze zwischen fleischlich und geistlich gesinnt: zwischen jenen die Gott gehören und der Welt. Nun aber sehen wir,  wie die Welt glauben wird!

Wie liebt uns Gott der Vater? Wie wird die Welt glauben? Und was wird die Welt glauben?

(Johannes 17, 22b)

UNGLAUBLICH GOTT WILL UNS IN DIE PERICHORESE, IN DIE LIEBE DER DREIEINIGKEIT AUFNEHMEN. Grundlage dazu ist nicht unsere Leistung,  sondern die Gnade und seine Liebe zu uns,  weil Gott der Vater uns liebt und darum erwählt hat. Verdient haben wir es nicht.  Es ist ein Geschenk. Darum lasst in diesem Geschenk von der Liebe Gottes gestillt, leben.  Nicht aus unseren menschlichen Möglichkeiten (= Fleisch), sondern in Gottes Möglichkeiten (= Geist)

Nicht Schwärmerei, Gesetzlichkeit und Hamsterrad, sondern alles  Jesus bringen,  der uns im Feuer sicher bewährt.  AMEN

GOTT SEGNE EUCH.


Ich hoffe, Sie dies dient auch Ihnen.


Vom unfreien Willen 1525 schrieb Martin Luther diese Antwort an Erasmus von Rotterdam







 Einige Auszüge und Gedanken dazu sind hier zu hören und zu sehen:









Apostelgeschichte

Während unseren Ferien im Berner  Oberland und in Ligurien habe ich - u.a. während meiner Morgenandacht in der Apostelgeschichte gelesen. Hierzu habe ich den Text mit spontanen Gedanken aufgenommen.

Ich hoffe der Text und die Bilder tuen gut. Hier zu hören:
































Samstag, 28. Mai 2022

Der König von Deutschland

Erstaunlich: Menschen, die zutiefst von der Deutschen Gesellschaft enttäuscht sind, wählen sich einen König. Vermutlich haben sie Angst vor Enteignung und Freiheitsverlust und geben nun alles an ihren neuen König. Ist er ihr neuer Gott?

Verwirklichen sie so das, wovor sie flüchten möchten? 

In diesem Sinne ist das alles ein tiefer Ausdruck der Verunsicherung in der Gesellschaft. Mir fällt auf, dass es auch bei uns diese Reaktion gibt. 

Letztendlich ist es wohl eine denkerische Entwicklung: Auf der einen Seite die antiintellektuelle Postmoderne (Es gibt keine Wahrheit.), die zur Zunahme von Manipulation und Schamgesellschaft anstelle verantwortliches Handeln führt. Die Reduktion des Menschen auf die Materie oder zu einer Maschine führt zur Entleerung unserer Würde. Doch der Mensch braucht mehr. 

Ich habe in meinem Buch "Menschen der Reformation" die These aufgestellt, dass die klassische reformierte Theologie in der säkularisierten Form zum Liberalismus führte. Die reformierte Theologie betonte - im Gegensatz zur realexistierenden lutherischen Theologie - dass nicht nur das Volk aus Sünder besteht, sondern auch die Mächtigen. Darum muss macht kontrolliert werden, egal in welcher Staatsform. Gerade dieses Wissen vernachlässigen die Anhänger dieses neuen "Deutschen" Königs. Sie machen sich von einem Menschen abhängig. Und damit sind sie auch Kinder unserer Zeit. 

"Lex Rex" war darum ein Buch eines schottischen reformierten Pfarrers: Das Gesetz herrscht und nicht der König oder irgendwelche mächtigen Menschen. Oder anders ausgedrückt: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Die praktisch höhere Wertschätzung des Gesetzes in der reformierten Theologie führte zu Freiheit! Luther hätte wohl nie wie Zwingli sagen können, dass auch das Gesetz eine Art Evangelium, eine frohe Botschaft ist. Denn nun weiss ich, was recht ist. Ich kenne meine Rechte. Das ich Gottes Gesetz nicht einhalten kann, ist dramatisch, aber treibt mich zu Jesus Christus, denn wir sind zu 200% auf Christus und seine Gnade geworfen (das betonte natürlich auch Luther). Aber dennoch ist das Gesetz auch wichtig. Dieses Notgesetz in unserer Gesellschaft, damit wir vernünftig zusammenleben können, was auch Luther betonte. Aber was er nicht so gut ausdrücken konnte, wie die reformierte Theologie: Es hilft auch als Hausordnung für uns wahre Christen im Zusammenleben: Auch wenn es nur eine Notordnung ist, bis JEsus Christus wiederkommt, ist es in unserer Realität wichtig. Eine Richtschnur, damit wir leben können und unter einander auskommen können UND es hilft uns auch, richtig Busse zu tun.

In diesem Spannungsfeld des Unvollkommenen kann es natürlich zu einer Rebellion kommen. Aber immer im Bewusstsein des Unvollkommenen und das Rebellion eigentlich Sünde ist. Denn das Evangelium arbeitet von Ihnen und nicht wie das Gesetz mit Druck von Aussen. Das Evangelium schafft das Wunder einer neuen Gesinnung. Da es ein Wunder ist, haben wir Menschen es aber nicht unter Kontrolle. Und das wiederum ist auch unsere Freiheit: Gott muss es tun und Menschen haben es nicht in Händen. Hier beginnt auch das Thema des Unterschiedes zwischen Fleisch und Geist. Fleisch ist alles menschliche mögliche. Geist sind Gottes Möglichkeit und Freiheit. Hier gibt es auch ein Unterschied zum biblischen und zum humanistisch-christlichen Verständnis von Geist und Fleisch, zumindest wenn unter Humanismus gemeint ist, dass in unseren menschlichen Möglichkeiten, in unserem menschlichen Geist, die Macht bestände, uns aus der Sünde zu erretten. Das war ja auch der Streit zwischen Luther und Erasmus. Erasmus glaubte an die 99,9% Errettung des Evangeliums und 0,1% von uns Menschen, wie es heute viele Evangelikale tun. Luther glaubte an die 200% Errettung durch Christus. Darum wird Luther so unangenehm gegenüber Erasmus in seiner Schrift vom unfreien Willen: Denn darin hängt alles: Entweder wir sind 200% aus Gott gerettet und in Christus gesichert oder aber wir haben keine Heilsgewissheit, weil wir sie uns selber erarbeiten müssen und dies ist immer unsicher. Da aber Gott allmächtig ist und er uns erwählt hat, sind wir in Christus sicher. Das wirft uns auf Menschen anstelle auf Christus. Was wiederum an unser Thema erinnert.

Auch unter Christen merke ich diesen Hang, sich auf ein perfektes System anstelle auf Jesus verlassen zu wollen. Jemand sagte mir sogar mal, unser Staat kann sie nicht mehr ernst nehmen, weil er Fehler hat. Was für ein Wahn! Natürlich ist unser Staat unvollkommen. Das ist ja der Witz der Notstandsordnung in dieser Zwischenzeit. Darum braucht es Gebet und gesunde Kritik. ABER wenn man dann hinget und glaubt es perfekt besser machen zu können, dann wird es nur noch schlimmer. Eigentlich ist das der altbekannte Streit. Schon Zwingli stritt mit den Täufern über dieses Thema. Zwingli betonte dabei den Unterschied zwischen menschlicher und göttlicher Gerechtigkeit. In dieser Zwischenzeit herrscht in der Welt die gleiche Spannung wie in unserem HErzen als echte Christen: 

Wir sind geistlich schon im Himmelreich. Alles ist schon da. Zugleich ist es auch noch nicht da. Das ist der eschatologische "Schon-jetzt-und-noch-nicht-Aspekt". Oder Luther sagte dem: Sünder und Gerechte zugleich. Gott heuchelt mit uns, als ob wir Heilige wären. 

Und wir sind es auch, wenn wir in Christus sind. Aber der alte Adam kann schwimmen und auch Luther konnte ihn nicht ersäufen, das Biest kann schwimmen. Aber in Christus sind wir eine neue Kreatur. 

Unser Erbe in voller Weise werden wir aber erst antreten, wenn Jesus zum zweiten Mal kommt. Dann werden wir nicht mehr sündigen können und alles wird gut sein. Dann werden wir sehen, was wir nun hoffen.

Ich kenne auch Christen, die wollen sich in eine heilige und sichere Gemeinschaft zurückziehen. Und auch in mir verspüre ich dies. Vielleicht würde hier eine Diskussion mit einer Diakonissin helfen, wie ich es tat. Diese hat mir gesagt, dass jede in ihrer Gemeinschaft jederzeit austreten kann, damit die Gemeinschaft wirklich freiwillig ist. Bei einem Austritt  würde auch ein gewisser Geldbetrag ausbezahlt, damit man sich eine neue Existenz aufbauen kann. Sie erzählte mir, dass es nicht immer einfach sei so zusammen zu leben. 

Luther war mal ein Mönch und meinte, dass er in der Ehe effizienter vorankam als als Mönch. Er erkannte durch seine Ehe (die er zuerst nicht gewollt hattet, dafür umso mehr seine Frau), dass er wohl nicht für das Mönchsein berufen war. Gott führt natürlich unterschiedlich. Aber Ehe zu leben, ist eine ebenso hohe gemeinschaftliche Übung, die nicht jeder durchhalten kann, wie die Scheidungsraten zeigen. Dazu braucht es natürlich auch Gnade, Hilfe von Gott.

Und wie muss es erst in einer Gemeinschaft mit anderen sein. Eigentlich sollte unserer Familie und unser Arbeitsplatz sowie die Dorfgemeinschaft oder die Stadtgemeinschaft unser Übungsfeld sein. Wenn wir als Christen Salz sein wollen, haben wir hier genügend Betätigungsfeld, Gottes Ehre und Liebe auszudrücken. Dazu gehört auch, das sich Aufregen Jesus hinzulegen.

Der Idealismus führt zu Perfektionismus. Und dies zu einem grossen Gefängnis der Selbstgerechtigkeit, die nur mit Druck durchgesetzt werden kann. Dahinter liegt natürlich unsere Ursünde: Wir wollen der Massstab sein. wir wollen Gott sein und uns selber erlösen. Unsere Freiheit liegt aber in der Demütigung unserer Selbsterlösungsstolzes. Denn dieser führt regelmässig zu irrationalen Verhalten. Wir suchen Sicherheit und begeben uns in menschliche Abhängigkeiten.

Dies gilt für uns alle.

Ich empfehle daher nicht über diese Reichsbürger zu lachen, denn so lächerlich sind wir auch: Weil wir uns oft nicht selbst erkennen, machen wir das Gegenteil, von dem, was wir wirklich wollen und brauchen und sind dann erstaunt, dass wir es nicht erlangen.

Zugleich ist es für uns alle ein Warnzeichen: Bitte liebe Journalisten und Politiker geht in Euch, tut Busse, damit ihr diesen Schaden heilen könnt und nicht noch mehr vergrösssert. Achtet darauf, dass ihr nicht Meinung und Fakten vermischt und manipuliert. Steht zu Euren Fehlern und erlebt VErgebung und werdet so zu respektierten und glaubwürdigen Quellen unserer Gesellschaft: In all Eurer Unvollkommenheit werdet Ihr so zu stützten der Gesellschaft.

Hoffen und beten wir, dass wir noch keine Schamgesellschaft sind, welche ihre Probleme nicht mehr aufdecken können, um sie zu lösen.

Hier der interessante Spiegelbericht.



PS: Interessant ist, das Johannes Calvin Knox keine Antwort geben konnte, ob eine Revolution möglich ist. Calvin wahr sehr gehorsam. Gerade  dieser Gehorsam gegenüber Gott kann dazu führen, dass man als Christ einfach leiden muss. Aber man muss Gott mehr gehorchen und dass kann zu zivilem Ungehorsam führen. Aber nicht, um den Staat zu zerstören, sondern um ihn zu stärken. Das Ende seiner Instituo geht darauf ein. Vielleicht, ist es das Ende seines Buches, weil es führ ihn wichtig wahr?

Zwingli wie Knox hatten mit offenen Rebellion weniger Mühe. Bei Zwingli klingen die Beispiele der Richter an, die an Wilhelm Tell erinnert. 

Freitag, 13. Mai 2022

Frauen

 Ich hatte letzthin ein interessantes Gespräch. Laut diesem werden die Frauen viel zu wenig in der Geschichte berücksichtigt. Natürlich kommt einem dabei der Spruch in den Sinn: Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau.

In meinem Buch "Menschen der Reformation" habe ich zwar ein Kapital zumThema Frauen der Reformation gewidmet und auch bei den Kapiteln über die Reformatoren immer ihre Ehefrauen erwähnt, aber natürlich sind Frauen meistens nicht so prominent vertreten wie die Männer damals waren. Allerdings wenn man die Ehe von Martin Luther betrachtet, so ist seine viel jüngere Frau eine historisch wirklich wichtige Persönlichkeit: Sie waren DAS Vorbild über Jahrhunderte für die Ehen und die Arbeit von Pfarrern.

Ich stellte dabei auch die Frage, ob denn das so wichtig ist. Ich erwähnte nicht, dass ein George Whitefield obwohl er sehr berühmt wurde, nicht berühmt werden wollte, da es ihm um Jesus ging. Johannes der Täufer bezeugt sogar, dass er abnehmen muss, damit Jesus Christus zunehmen kann.

Zudem glaube ich, dass viele Menschen in unserer menschlichen Geschichtsschreibung nicht so berücksichtigt werden, wie es im jeweiligen Lebensbuch des Menschen bei Gott ist. Vor Gott und durch diese Geschichtsschreibung kann es für uns sogar etwas unangenehm werden, da dann nicht nur die glänzenden Seiten berücksichtigt werden, sondern auch jener Teil, mit dem wir ehrlich die ewige Hölle verdient hätten. Und das ist ja das interessante: Menschen, die sich immer mehr in Christus Gott nähern, erhöhen ihre Selbst- und Gotteserkenntnis. Das wiederum bedeutet, dass sie mehr von ihrer Sündhaftigkeit und der gleichzeitig der Liebe Gottes ihnen gegenüber bewusst werden. Denn je klarer uns unsere Sündhaftigkeit wird - und wir in Christus sind - umso mehr wird uns die Liebe Gottes und seine freie Erwählung bewusst. Oder wie es sinngemäss einst Whitefield sagte: "Wie kannst Du einen solchen Schuft lieben?" oder Luther sprach von einem Madensack, als man eine Kirche nach ihm benennen wollte (und es dann auch tat).

Tatsächlich haben auch in der Reformationszeit Frauen Wichtiges beigetragen und geschrieben. Zwinglis Frau hat zum Beispiel korrespondiert. Die Schwester des französischen Königs hat zeitweise Johannes Calvin aufgenommen und wenn sie ein Schnurbart gehabt hätte (so sagte sie es selber), hätte sie ihre lieben Landleute mehr beschützt, als sie es jetzt tun konnte. Von Elisabeth oder Jane Gray gar nicht erst zu sprechen.

Aber wer die Gnade Gottes wirklich beginnt zu erkennen, wird merken, dass es auf den Ruhm der Menschen nicht ankommt, sondern die Ehre bei Gott ist viel, viel wichtiger. Und natürlich, im Sinne der Wahrheitssuche sollten wir uns Mühe geben, die Geschichte möglichst authentisch wiederzugeben. Dabei hilft natürlich auch, wenn wir dies nicht ideologisch begründet treiben.

Interessant war nun, dass ich das folgende alte Buch (s. Bilder) in diesem April in einer Brockenstube fand.

 





Es scheint also, dass es auch im tiefen patriarchalen Zeitalter Bücher über Frauen von Frauen gegeben hat. In der Bibel findet man übrigens auch zwei Bücher, die mit Frauen-Namen bezeichnet sind: Das Buch Ruth und das Buch Esther. Vielleicht müsste man auch bei diesem Thema, wie überall differenzieren um die Komplexität des Thema gerechter zu werden. (Und natürlich wurde durch Männer Machtmissbrauch gegenüber Frauen getätigt. Aber es gibt auch ein natürlicher Beschützerinstikt von Männern gegenüber Frauen. Ich hörte in den letzten Tagen, dass darum die weiblichen Soldatine, die in der israelischen Armee kämpfen von den männlichen getrennt sind: Männer neigen dazu die Frauen beschützen zu wollen. Das kann militärische Operationen sehr behindern. Mit anderen Worten: Wie bei jedem Thema der Umbiegung des von Gott gegebenen Guten gibt es auch das nicht Verbogene.


Gott segne Sie.

Donnerstag, 14. April 2022

Prädestination kann nur innerhalb des Wortes Gottes verstanden werden: Prädestination und Verantwortung // Prädestination und Gebet bei Johannes Calvin DASS hilft auch gegen Machtmissbrauch!

 Beim vorangehenden Blogbeitrag haben wir einige wenige Zitate von Johannes Calvin gehört. Dabei fiel sicherlich der immer wieder erwähnte Bezug zur Vorsehung auf. Calvin lehrt ganz selbstverständlich Gottes Allmacht (= Prädestination) und unsere Verantwortung. Dazu gehört auch unsere Verantwortung im Gebet und die erstaunliche Antinomie. Also die für unseren Verstand gegensätzliche Aussagen: Gottes Allmacht und unsere Verantwortung. Eine Verantwortung, die wir seit dem Sündenfall nicht mehr erfüllen können. Auch im Gebet können wir nicht so beten, wie wir sollten. Aber wie wir in Gnaden errettet wurden, so erfüllt auch Jesus unsere Heiligung und unser Gebetsleben. Hierzu meine vorangehender Blog.)

Was sagte Calvin nun konkret zum Thema der Prädestination? Hier ein kleiner Auszug daraus:

Institutio III,21,2



Dieser Satz sticht heraus:

Auch sollen wir uns nicht schämen, in einer solchen Sache etwas nicht zu wissen, in der es eine wohlgelehrte Unwissenheit (docta ignorantia) gibt!"

Diese Gedanken führen uns zu Dankbarkeit und zur Anbetung Gottes! 

Und es erklärt natürlich auch, warum Calvin so gegen Machtmissbrauch schrieb: Machtmissbrauch rührt aus unserer Ursünde her: Wir wollen der Massstab sein. Wir wollen, wie Gott sein! Und das ist unser grosses Unglück, unsere Hölle.

Hierzu eine Auslegung (nur ein Auszug) von Johannes Calvin zu Daniel 6,12-16:

"Den Königen ist ihr Ansehen so wichtig, dass sie ein böses Unternehmen am liebsten zu Ende führen, auch wenn ihr Gewissen ihnen Schuld gibt. Auch wenn sie ganz deutlich vor Augen sehen, was recht ist, so ist das kein ausreichender Zügel, um sie in Schranken zu halten, wenn der Ehrgeiz sie nach der anderen Seite zieht und sie nur darauf bedacht sind, dass ihr ruf bei den Menschen nicht leidet. Darius hatte den guten Willen, Daniel zu retten, wenn es sich nur mit seinem guten Ruf vertrüge und den Gewaltigen gefiele. Aber auf der einen Seite hatte er Angst vor einer Verschwörung der Fürsten und auf der anderen fühlte er eine törichte Scham im Gedanken an den Vorwurf des Wankelmuts, der ihm gemacht werden könnte ..."

Calvin nimmt auch Bezug auf Pilatus, der eigentlich Jesus freilassen wollte ...

Ist vielleicht heut Präsident Putin in einem ähnlichen Dilemma?

"Das ist gar nicht verwunderlich; denn das einzig Sichere und Feste, auf das wir uns stützen können, um unerschrocken unsere Pflicht zu erfüllen und alle Furcht zu überwinden, ist der Glaube. Darius überantwortete den Daniel dem Tode. Da sieht man, wie selbst die Könige den verdienten Lohn für ihre Hoffart davontragen, indem sie wie Sklaven ihren Schmeichlern gehorchen müssen. Darius erwartet eine Stärkung seiner Königsgewalt davon, wenn er den Gehorsam aller seiner Untertanen auf diese Weise auf die Probe stellte; er glaubte sich also Göttern und Mensche überlegen, wenn er diesen Gehorsam fand. Wenn aber die Könige sich allzusehr erheben, so setzen sie sich der Schmähung aus, so dass sie die Knechte ihrer Knechte werden. Wer bei den Königen in Gnaden stehen will, der gibt ihnen in allen dingen recht und betet sie an, aber dann sind die Könige die reinen Götzenbilder - und was haben sie als solche noch für Freiheit? Autorität haben sie dann nicht mehr, und sie können sich nicht einmal mehr auf ihre besten Freunde verlassen, überall haben sie Wächter um sich, und selbst der ärmste Gefangene im Kerker, wenn er auch drei oder vier Wächter hat, ist freier als die Könige. Aber das ist Gottes  gerechte Strafe; denn wenn sie nicht im Rang und Stand der MEnschen bleiben, sondern sich über alle Wolken erheben und Gott gleich sein wollen, so müssen sie zum Spott werden. Sie machen sich auf diese Weise abhängig von ihren Dienern und wagen von sich aus nichts zu tun, haben auch keinen Freund mehr. So musste auch Darius wider Willen seinen Fürsten gehorchen; denn er hatte vergessen, dass auch er nur ein sterblicher MEnsch war, und wollte Gott seine Herrschaft rauben, ja, ihn gleichsam vom Himmel herabziehen. denn wenn es einen Gott im Himmel gibt, so muss man zu ihm beten, das aber hatte Darius verboten, und damit hatte er Gottes Macht, soviel er konnte, zunichte gemacht. Nun muss er seinen Untertanen zu Willen sein."  (Seite  463 bis 464)




Somit hilft die biblische Prädestinationslehre auch gegen Machtmissbrauch: 

Denn es gibt Dinge, über die wir Menschen nicht verfügen können und darum Freiheit gewähren müssen. Dazu gehört die Bekehrung zu Gott. Und dazu gehört natürlich auch die uns von Gott anvertraute Macht! Denn nicht nur Könige können ihre Macht zu ihrem eigenen Unglück und Schaden der Gesellschaft missbrauchen.

Nebenbei erwähnt: Gerade Menschen, die Machtmissbrauch erlebt haben, müssen ebenfalls aufpassen, ihre Macht nicht zu missbrauchen. Gerade die Angst, wieder Machtmissbrauch zu erfahren, kann dazu führen, dass man alles kontrollieren will. Und dieses alles Kontrollieren kann sehr schnell zu Machtmissbrauch führen.

Was hilft dagegen? Vertrauen auf Gott. Und hierzu gehört der Glaube an seine Allmacht und Prädestination! Er hat uns erwählt, vor Grundlegung der Welt. Er lässt das Schlimmste zu unserem Besten verwandeln, auch wenn wir es nicht immer verstehen. Und ja, es ist hier in der Zwischenzeit ein noch Warten, Glauben und Hoffen. Aber wenn Jesus wiederkommt, werden wir nicht mehr glauben und hoffen, sondern nur noch lieben. Dann wird das, was wir in Christus erwarten und als Vorschüsse hier schon haben, zur vollen Reife erscheinen.


Letzten endlich, hilft uns die biblische Prädestinationslehre in Christus zu ruhen. Daraus erklärt sich auch, wie man in aller Arbeit und Mühe in Christus ruhen kann, d.h. im Shalom, der täglichen Sabbatruhe seit Jesus zum ersten Mal als Mensch kam, leben darf. Natürlich im eschatologischen "Schon-jetzt-und-noch-nicht-Aspekt" bis wir in Jesus Christus auferstehen oder verwandelt werden.

Die biblische Prädestinationslehre ist der tiefe Ausdruck der Gnade Gottes zu uns!

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PS: Vielleicht schwang bei Darius auch eine gewissen Gesetzestreue mit, als er  Daniel verurteilte, da er ja laut ihrem menschlichen Recht sein Wort nicht mehr zurücknehmen durfte. So genau wissen wir dies. Calvin geht auf diese Möglichkeit in diesem Kommentar nicht ein. Aber auch dann hat sich Darius in seinem überheblichen Stolz in dieses Problem hineingeritten. Und es wäre wohl vor Gott besser gewesen, wenn er lieber selber die Strafe getragen hätte, als sie an Daniel vollziehen zu lassen. Die Frage ist, welche Strafe er bei Bruch seines Wortes hätte tragen müssen: Gefängnis? Sicherlich auch Schmähungen. Aber, wenn er sich selber unter das Gesetz gestellt hätte, wäre die Angst einer auflösenden Tendenz der Rechtsprechung gebannt gewesen. Und ich könnte mir vorstellen, dass längerfristig Darius glaubwürdiger geworden wäre und er dadurch mehr Autorität erlangt hätte. Denn es gibt ja eine offizielle Autorität und eine inoffizielle. Zudem gibt es eine Erzwungen Machtausübung und eine Machtausübung, die man freiwillig von den anvertrauen Menschen erhält. Inoffizielle Autorität und die freiwillige Übertragung von Macht, wird durch Glaubwürdigkeit gefestigt (und es braucht natürlich auch reife Menschen, die damit umgehen können –  und zwar bei allen, bei den Mächtigen und den weniger Mächtigen.)

Gebet Johannes Calvin mit einigen Gedanken zum Gebet aus seiner Sicht (Insitutio)

 

Johannes Calvin: Das Gebet gräbt die Schätze aus, die unser Glaube im Evangelium des Herrn angezeigt gefunden und dort erschaut hat  (III,20,3 Institutio)

Es ist daher gar zu töricht, wenn jene Leute faseln, um des Menschen Herz vom Beten abzuhalten, es sei vergebens, Gottes Vorsehung, die stets zur Hut aller Dinge auf der Wacht stehe, mit unserem Schreien zu ermüden!

...

So wächst also Gottes Auge, um der Not von uns Blinden abzuhelfen; aber auf der anderen Seite will er auch unser Seufzer hören, um seine Liebe gegen uns desto besser zu beweisen!

So ist beides wahr: "Der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht" (Psalm 121,4) - und doch verzieht er auch, als hätte er uns vergessen, wenn er uns lässig und stumm sieht!"       Johannes Calvin (aus Institutio III, 20,3)

aus Institutio III, 20, 5, Johannes Calvin: Hier wendet Calvin ganz praktisch, wie schon vorangehend, die biblische Wahrheit, der Allmacht Gottes und unsere Verantwortung an, die sich auch in der biblischen Prädestination und unserer Verantwortung wiederspiegelt.

Dieser Antinomie, die wir theologisch nicht auflösen dürfen, sondern ihre Spannung in unserem Denken stehen lassen müssen, um sie in Christus, im Studium der Bibel begreifen zu können, wenn dabei auch die gelehrte Unwissenheit zu beachten ist: Institutio III, 21, 2:

"Auch sollen wir uns nicht schämen, in einer solchen Sache etwas nicht zu wissen, in der es eine wohlgelehrte Unwissenheit (docta ignorantia) gibt! "

Hier lese ich aus diesen Stellen der Institutio vor (Es sind nur Ausschnitte):