Samstag, 22. Januar 2022

1. Johannesbrief

Obwohl der Brief, wie auch sein Evangelium - Johannes Evangelium - anonym verfasst sind, kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen (= Genfer Studienbibel), dass dieser Brief wie sein Evangelium von Johannes dem Sohn des Zebedäus stammt. Der Stil, die Diktion und der Inhalt lehnt sich eng an das vierte Evangelium. Es gibt Spekulationen, dass es ein anderer Verfasser gewesen sein könnte. Aber diese sind nicht überzeugend.

Johannes bezeugt in diesem Brief, wie er es auch mit seinem Evangelium tut, was er und seine Mitzeugen gesehen und erlebt haben. Dabei umkreist Johannes sein Thema: Freude, wirklich in Christus sein = in Gott sein = Gott lieben = seinen Bruder lieben. Immer wieder beleuchtet er dies und umrundet das Thema.

1. Johannes 3,8a ist schockierend, wenn er schreibt "Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel." Da wir seit dem Sündenfall alle unter die Sünde verkauft sind, können wir uns nicht aus uns selber davon ausnehmen. Seit dem Sündenfall gehört es zu unserer menschlichen Natur, unter diesem Urteil zu stehen. Aber der Vers geht ja auch noch weiter: "Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde; denn Sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist." 1. John. 3,8-9

Können wir also fehlerfrei in dieser Zwischenzeit leben? 

Im gleichen Brief schreibt Johannes auch (und zwar vor diesen Versen): "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns. Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt! Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten; und er ist das Sühnopfer für unsere Sünden, aber nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt." 1. John. 1,8-10 + 2,1-2 Was für ein Unterschied zu den gnostischen Ideen. Aber auch zu den gutgemeinten humanistischen Idealvorstellungen über den Menschen. Ahnen wir, dass das Evangelium uns vom Leistungsdenken, der Werkgerechtigkeit, der Selbsterlösungsversuche erlöst und uns in die sabbatliche Ruhe in Christus bringen will? Aber wie gehen wir mit dieser Spannung in uns und in dieser Zwischenzeit um? 

"Simul iustus et peccator." = "Sünder und Gerechter zugleich." meinte dazu Martin Luther und bringt zum Ausdruck, dass wir auch als durch Jesus Christus gerechtfertigte Menschen vor Gott in dieser Zwischenzeit noch Sünder bleiben und in diesem Aspekt des eschatologischen "Schon-jetzt-und-noch-Nicht" auf die endgültige Erfüllung der Verheissungen mit dem zweiten Kommen von Jesus Christus warten. Dies wirft uns auf Jesus Christus, weil wir es nicht in der Hand haben. Und dies geschieht: "Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Licht wandeln, wie er ihm Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde." 1. John. 1,6+7 Da selbst unsere besten Werke Busse (= im Lichte wandeln = ehrlich sein + zu Jesus Christus gehen) benötigen wir immer Busse (= im Lichte wandeln = ehrlich sein + zu Jesus Christus gehen). Und dann schafft Gott das Wunder, dass wir Gerechtigkeit üben und unsere Geschwister lieben: "Daran sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar: Jeder der nicht Gerechtigkeit übt, ist nicht aus Gott, ebenso wer seinen Bruder nicht liebt." (1. John. 3,10) (Auch meinen Bruder zu lieben, ist mir aus meiner eigenen Kraft nicht möglich, wenn dieser sich sehr unangenehm verhält. Auch hier brauche ich das Wunder von Jesus Christus, die er sofort wirkt, wenn ich im Licht in Jesus Christus wandle. Ist das nicht erstaunlich? Was für ein Wunder: Was mir unmöglich ist, macht Jesus Christus möglich!) So wird es möglich, dass Gesetz zu erfüllen, weil es Jesus Christus erfüllt und obwohl wir es nicht können. Dies bewahrt uns gleichzeitig auch vor einem Antinomismus. (Ein Irrtum, der ca. 150 Jahre nach der Reformation aufkam, weil man die Freiheit vom Gesetz als Heilsweg nun als Freiheit vom Gesetz als Massstab für das leben umdeutete.) Ein anderer Antinomismus wäre, wenn man aus der Realität, dass Gott keine Sünde in den Gläubigen sieht, weil sie in Christus sind, den Fehlschluss ableiteten, dass es keine Rolle mehr spiele, wie wir uns verhalten, wenn wir nur glaubten. "Es ist unmöglich, in Christus zu sein und zugleich der Sünde als Lebensstil anheimzufallen." Ein Zitat aus der Genfer Studienbibel, Seite 2108.

Ich lese den Brief hier - nach Kapiteln - vor. Es sind insgesamt 5 kurze Kapitel:

Kapitel 1

 Kapitel 2
    

                                                                        Kapitel 3


                                                                    Kapitel 4


                                                                    Kapitel 5


 










Samstag, 15. Januar 2022

Philipper Der Philipperbrief von Paulus an die christliche Gemeinde in Philippi Dazu ein Morgen- und Loblied Morning has broken Dabei fand ich Interessantes und eine Frage bleibt offen.

Der Philipperbrief besteht aus vier Kapiteln. Paulus schrieb diesen Brief an die christliche Gemeinde in Philippi. Diese Stadt Philippi war nach dem Vater von Alexander dem Grossen genannt: Philip von Mazedonien.

Es gibt Bibelforscher, die der Meinung sind, dass Paulus den Brief aus Ephesus geschrieben habe. Andere denken, Paulus habe ihn aus Cäsarea verfasst. Die Genferstudienbibel hält es für wahrscheinlich - mit Übereinstimmung einer alten Überlieferung - dass Paulus den Brief abfasste, als er in Rom in Hausarrest war (Apg 28). Dann wäre der Brief im Jahr 61 nach Christi Geburt versandt worden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Vermerk im Brief auf das "Prätorium" (1,13) und "Haus des Kaisers" (4,22). Paulus erwähnt auch etwas von seiner finanzielln Situation (4,10 ff)

Philippi bestand aus vielen ehemaligen Soldaten. Es war eine bedeutende Stadt und wichtig für die Verbindung von Rom zu den östlichen Provinzen des römischen Reiches: Via Egnatia.

Philippi war eine römische Kolonie. Den Einwohnern wurde sogar das Privileg zuteil, römische Bürger sein zu dürfen. Das römische Bürgerrecht war in dieser Zeit ein Privileg, dass nicht jedem Bewohner des römischen Reiches zuteil wurde. Zu diesem Privileg gehörte, dass man nicht ohne Urteil misshandelt werden durfte. (Erst in christlicher geprägter Zeit wurde dieses Privileg allen im Staat zuteil.) Da es in diesem Brief keine Zitate aus dem Alten Testament gibt, darf man annehmen, dass die Kirche in Philippi wesentlich aus Heidenchristen bestand. Freude und Heil ist ein wichtiges Thema in diesem Brief.

Ich habe diesen interessanten Brief je Kapitel in der Schlacher Übersetzung aus der Genfer Studienbibel vorgelesen. Hier sind die vier Kapitel zu hören:


Philipper 1


Philipper 2


Philipper 3


Philippe 4


Hier noch ein Morgenlied: 

Morning has Brocken like the first morning.



Wikipedia schreibt dazu (am 15.1.22):

"Eleanor Farjeon (13. Februar 1881 in London geboren und am 5. Juni 1965 in Hampstead gestorben) war eine Kinderbuchautorin, Lyrikerin und Dramatikerin.

Farjeons Name gelangte durch die Interpreatition des Liedes Morning Has Broken, dessen Text sie zu der Melodie eines gälischen Volkslieds geschrieben und bereits 1931 veröffentlicht hatte, durch Cat Stevens 1971 zu neuer Bekanntheit.

Ihr Vater war der englische Schriftsteller Benjamin Farjeon, ihr älterer Bruder der Komponist Harry Farjeon. Ihre Kindheit und Familie beschreib sie in ihrer Autobiographie A Nursery in the Nieties (1935)."

Hier ist die Interpretation von Cat Stevens zu hören. Sehr eindrücklich. Er klingt ähnlich wie Keith Green.




Ich dachte immer, der Sänger dieses Liedes hatte eine Periode, wo er Christ wurde und dann dieses Lied sang. Leider  wandte er sich dann anderem zu. Vielleicht handelt es sich hier nicht um Herrn Cat Stevens, der sich heute Yusuf nennt. Er ist heute Moslem. Ein genialer Sänger. Seine Meinung zur Meinungsfreiheit kann ich nicht ganz teilen. Nun bemerke ich, dass in einem meiner Liederbücher das Lied mit Neil Diamond versehen ist. Von diesem fand ich folgende Version dieses Liedes:


Hier wirkt das Lied wie ein Gospel.










 


Freitag, 7. Januar 2022

Christentum in Korea und bei uns

Gestern gingen wir auf eine Predigt in Singapur ein, dass uns ein kleines Fenster ins Christentum von Singapur öffnete. Als Ergänzung fügte ich Informationen zu den ersten zwei evangelischen Missionaren in Korea hinzu. Es ist erstaunlich, wie sich das Christentum in Korea entwickelt hat. 

Es ist auch eindrücklich, wie sich im 20 Jahrhundert das "Jerusalem des Fernen Osten", also Pjöngiang entwickelte. Heute gibt es dort so eine Art lebendiges Museum des ehemaligen Christentums in Nordkorea. Einige wenige Frauen leben das durch den Fortschritt überwundene Christentum in den alten Weisen vor. Tatsächlich war die Überwindung des Christentums in Nordkorea nicht nur eine automatische Folge einer besseren Idee.

Die unterschiedliche Entwicklung von Nordkorea und Südkorea bietet uns zudem ein Fallbeispiel, wie unterschiedlich sich eine Gesellschaft entwickeln kann. Während Nordkorea sich einem "fortschrittlichen" materialistischen Säkularismus hingab und das Christentum aus dem öffentlichen Leben verbannte, bot Südkorea weiterhin den Christen Raum. Natürlich haben beide Länder auch Einflüsse von Aussen. Es wäre interessant, die Entwicklung zu beobachten, wenn es diese nicht gäbe. Wenn also Südkorea und Nordkorea je auf einem eigenen Planten wären.

Aber auch so erkennt man, dass die Lebenssituation, die wirtschaftliche Entwicklung, die  Innen- und Aussenpolitik sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Die extreme Säkularisierung in Nordkorea führte nicht zu einem Paradies auf Erden, während das unperfekte System "Südkorea" in vielem prosperdierender ist. Zudem ist die Aussenpolitik von Südkorea nicht agressiv. Es gibt kein Atombomenprogramm. Auf der anderen Seite gibt es in Südkorea auch Sekten, was Nordkorea natürlich stark unterbindet. Südkorea ist also nicht perfekt und will es auch nicht sein, während Nordkorea perfekt sein will.

Noch interessanter ist, dass im Westen die Entchristianiesierung immer weiter fortschreitet.  Persönlich glaube ich, dass liegt natürlich in erster Linie an uns Christen, weil unsere Theologie heute zuwenig Salz ist. Bei uns wird es ja nicht von Oben befohlen, sondern von intelligenten Menschen gefördert. Die Folge davon ist, dass Slogans von Nordkorea auch bei uns erschallen: Glaube ist Privatsache! Glaube macht die Menschen dumm. An den Problemen dieser Welt ist der Glaube an Christus wie sie die Bibel lehrt schuld. Demokratie sei nur ohne Christentum möglich (ein interessanter Mythos, der vielleicht in Deutschland mehr Wahrheit hat, als in ehemals reformiert geprägten Ländern ausserhalb Deutschlands. Aber auch so stimmt es nicht. Selbst wenn ein Christ und Theologe wie Bonhoeffer dies auch geglaubt hat. Aber das ist natürlich eine Folge der deutschen Prägung von Bonhoeffer.)

Noch interessanter wird es, wenn man die Familiengeschichte der Herrscherfamilie von Nordkorea nachgeht. Auch hier gibt es christliche Tendenzen, die leider von einer massgeblichen Person im Moskau der Sowjetunion abgelegt wurde. Auf der anderen Seite könnte man natürlich auch sagen, dass der Kommunismus eine christliche Sekte ist. In diesem Sinne hat er nicht alles abgelegt: Er hat seine christliche Prägung einfach extrem säkularisiert. 

Was ist Säkularisierung? Bsp.: Aus Liebe Gott wie Deinen Nächsten, fällt Gott weg und wird im Idealfall: Liebe Deinen Nächsten. Wenn es aber Gott nicht mehr gibt, wer definiert dann, was Liebe ist. In Basel an der Elisabethenkirche hing vor kurzem ein Banner: Gott ist (jede) Liebe. Diese Christen definieren also Gott als jede Liebe. Wird damit ihr Verständnis zu Gott? In der Bibel wird das umgekehrte gelehrt: Gott definiert was echte Liebe ist. Damit hat man eine Grundlage gegeben pervertierter Liebe zu argumentieren. Ein Beispiel dazu: Wenn eine Mutter sein Kind so liebt, dass sich das Kind sich nicht mehr frei entwickln darf, dann hat man einen Masstab, mit dem man erklären kann, dass diese Liebe verbogen ist. Sie täte gut daran, an dieser Verbogenheit zu arbeiten. Auch in einem sozialistischen Land, das den Kommunismus verwirklichen will, also ein von Menschen geschaffenes Paradies ohne Gott errichten will, müsste man sagen, dass ihr Postmillianismus etwas Wichtiges fehlt: Die Einsicht, dass wir Menschen Sünder sind. Wir können die Sünde nicht einfach wegterapieren. Das führt entweder zu Heucheiei oder gar zur Dressur der Menschen. Zudem lieben wir nicht mehr in der richtigen Reihenfolge (s. Augustinus). Das Wesentliche muss Gott machen, der für unsere Sünden starb. Hier müssen wir Freiheit lassen. Natürlich braucht es auch einen Staat und gute Gesetze. Aber diese machen nur einen unvollkommenen Rahmen, der im Idealfall Rechtssicherheit bietet. Und das ist in eine in Sünde gefallene Welt sehr viel Wert.

Auch an meine Konservativen lieben Geschwistern im Herrn möchte ich eine Kritik anwenden: Viele glauben infolge des Dispensationalismus, dass es immer schlimmer auf der Welt wird und ziehen sich daher von der Welt zurück. Oder aber sie machen noch etwas Politik, aber sie fördern nicht mehr die Gaben unter ihnen, die sich mit Rechtspflege usw. beschäftigt. Darunter gibt es auch wie bei den Liberalen Idealisten und unterscheiden  nicht zwischen Politik und Glaube, zwischen Held und Heiliger. Aber noch stärker scheint mir jene Fraktion, die meinen: Es habe ja sowieso keinen Sinn seiner Stadt zu dienen. Und wie oft hörte ich schon: "Es muss ja so kommen." Gerade Korea bietet uns einen Einblick, wie unterschiedlich die Geschichte verlaufen kann! Nur weil der Westen (vielleicht) antichristlicher wird, bedeutet das noch lange nicht, das Morgen Jesus wiederkommt. Diese Idee, diese theologische Haltung führt aber sicherlich dazu, dass wir den Niedergang des Westens fördern. Es kann sogar zu einer sich selbstverwirklichenden Offenbarung werden. ABER wir sollen Salz sein und die von uns gegebenen Gaben zur Ehre Gottes und zum Wohle der Menschen einsetzen. Und das kann je nach Mensch unterschiedlich sein. Man merkt, hier ist auch der Punkt, wo ich die streng täuferische Haltung ablehne. Schon vor 500 Jahre lehnte dies Huldrych Zwingli ab. Weil nicht nur der atheistische Idealismus in dieser Zwischnezeit nicht "funktioniert", sondern auch der religiöse. Wir können nicht aus unserer Kraft den Himmel auf Erden schaffen. Auch nicht in unseren Reihen, in unseren Gemeinden. Das wird Jesus  Christus machen, wenn er zum zweiten Mal kommen wird. Hier gilt es, die Spannungen des "Schon-jetzt-und-noch-nicht-Aspektes" auszuhalten, indem wir zu Christus gehen, der es allein gut machen kann. Denn zu Christus gehen, dass ist Glaube.

Denn wir haben weder die Bibel, noch diese Welt, noch Gott in unserer Hand. Nicht einmal die Prädestinationslehre haben wir unter Kontrolle (obwohl das verschiedene Theologen immer wieder versuchen: Entweder inidem sie die Prädestinationslehre ganz ablehnen, auf die Seite legen oder aber in dem sie die biblische Prädestiantionslehre mit ihrer Antinomie durch ein menschliches Kostrukt ersetzen.). Wir haben auch nicht unser Heil unter unserer Kontrolle, sondern es ist ein Geschenk und feste Zusage von Jesus Christus, der sie erfüllen wird und in einem gewissen Sinne auch schon erfüllt hat. Darin liegt unsere Heilsgewissheit, dass Gott zu uns treu ist und nicht, weil wir es könnten.

Hier sehen wir auch den grossen Unterschied zwischen einem Postmillianismus der Kommunisten und der Puritaner: Die ersten wollen dies ohne Gott (und manchmal auch bewusst gegen Gott) ein Paradies schaffen, die anderen glauben, dass das Evangelium soviel Kraft hat, dass es die Welt immer mehr verbessert, bis ein glorreiches tausendjähriges Reich anbricht, an deren Schluss Jesus Christus wiederkommt. Persönlich glaube ich eher an den Ammillianismus: Das ist die etwas pessemistischere Sichtweise: Ja, das Evangelium verbreitet sich auf der ganzen Welt und verbessert das persönliche und auch das gesellschaftliche Leben. Aber leider reift zur gleichen Zeit auch das Böse heran, wie es Jesus in seinem Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen erklärt (s.u.). Interessanterweisse verbietet Jesus dabei das Schlechte auszumerzen. Also genau das, was Idealisten versuchen. Denn wir könnten - so Jesus Christus - mit dem Bösen auch das Gute herausreissen. Auch hier betont Christus, wie wenig wir können. Und diese Einsicht ist sehr wichtig, damit wir auf dem Boden bleiben und nicht einem Machbarkeits-Wahnsinn verfallen.

Zugleich sollen wir Salz sein: Das eckt an. Salz kann brennen. Aber es tut allen gut. Das können wir aber nur sein, indem wir in Christus sind, indem wir am Weinstock hangen.

"Ein anderes  Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte.

Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon.

Als nun die Saat wuchs und Frucht ansetzte, da zeigte sich auch das Unkraut.

Und die Knechte des Hausherrn traten herzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen in deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?

Und die Knechte des Hausherrrn traten herzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen in dienen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?

Er aber sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan! Da sagten die Knechte zu ihm: Willst du nun, dass wir hingehen und es zusammenlesen?

Er aber sprach: Nein! damit ihr nicht beim Zusammenlesen des Unkrautes zugleich mit ihm den Weizen ausreisst.

Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte wil lich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, dass man es verbrenne: den Weizen aber sammelt in meine Scheune!"

Matthäus 13,24-17

Hier erzählt Jesus Christus ein Gleichnis inmitten von einigen anderen Gleichnissen, um uns das Himmelreich zu erklären. Es ist viel Vielschichtiger, als wir es erwarten würden. (Und übrigens auch unter den Puritanern gab es viele, die um ihre Unperfektheit wussten. Der Name Puritaner war ursprünglich ein Übernahme, um die Puritaner zu verhöhnen. Darum finden wir unten ihnen auch John Milton, der so wichtig für unsere Pressefreiheit war. John Lock stammte aus einem  puritanischen Elternhaus und glaubte selber noch an die Inspiration der Bibel. Er, ein wenn nicht sogar der Vater des  Liberalismus, versuchte die reformierte Theologie zu säkularisieren. Dabei verlor es an innerer Logik. Machte aber die Ideen auch für Nichtchristen interessant. Meine These dazu: Die Säkularisierung ist nicht nur schlecht. Aber sie braucht, weil sie in sich nicht ganz kohärent, geistliche Nahrung von ihrem Ursprung. Eine zu extreme Säkularsierung verliert den Boden und wird entweder gesetzlos oder gessetzlich: Mit anderen Worten: Haltlos oder übermoralisierend. Wenn das wahr ist, ist es natürlich problematisch, wenn die Kirche sich selber säkularisert. Die Idee von den Radikal-Liberalen im 19. Jahrhundert in der Schweiz aus den reformierten Kirche liberale Kirchen zu machen, wäre dann für sie selber sehr kontraproduktiv, da sie damit ihre Wurzeln relativert hätten. Die Folge müsste sein - wenn meine These stimmt - dass aus dem Liberalismus etwas ganz anderes wird: Zum Beispiel Kommunismus. In diesem Sinne vermute ich, dass Karl Marx den Liberalismus in ein Extrem dachte, die die liberalen Werte am Schluss negierten. Ich vermute, jeder Idealismus führt zum Perfektionsimsu, der uns Menschen in eine Zwangsjacke zwengt. Die Lösung ist allerdings nicht jende von Nietzsche, sondern jene von Martin Luther: In Christus stehen wir über dem Gesetz, was nicht gegen das Gesetz ist. Oder wie es der US-amerikanische Theologe Timothy Keller sagte (sinngemäss). Das wahre Christentum ist weder Gesetzlosigkeit noch Gesetzlichkeit. Es ist etwas Drittes. In Christus sind wir perfekt, weil wir die Identität von Christus erhalten. Luther sagte zudem, dass Gott mit uns heuchle. Die reformeirte Theologie betonte schon immer die drei Zwecke des Gesetztes. Hierzu ist Galater 3, insbesondere Verse 15 - 29.

Dazu Vers 24: "So ist also das Gesetz unser Zuchtmeister (= Paidagogos = damals ein Sklave, der die Kinder erzog. Neben Förderung und Strafe gehörte auch der Schutz der Kinder zu seinen Aufgaben. ) geworden auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerechtfertigt würden."

Interesant wäre es genauer zu untersuchen, was hier Karl Barth gelehrt hat. Ich vermute, er hat die Spannung in dieser Zwischenzeit mit seiner Dialektik aufgelöst. Tatsächlich ist unser Verstand nicht fähig, alles zu ergründen. Das bedeutet aber nicht, dass es Gott nicht ergründet könnte. Und daher müssen wir mit unserem Lernen auch die Grenze unserer Fähigkeiten beachten. Johannes Calvin sprach in seiner Institutio dabei von der gelehrten Unwissenheit. Das relativiert nicht die Wahrheit oder gar Gott. Ganz im Gegenteil. Aber es relativiert unsere Fähigkeiten und macht uns auch hier wieder demütiger und treibt uns zu Christus. Wir sind Kinder Gottes und nicht Gott selber. Wir wissen nicht alles. Und hier liegt auch die Freiheit, die wir einander gewähren müssen begründet.




Allein durch Gnade

Eine interessante Predigt von Herrn Joseph Prince aus Singapur (s.u.). Zuerst beginnt er mit Aussagen von Jesus Christus. Dabei bringt er geistliche Wahrheiten zusammen, die ich eigentlich auch schon wusste, aber in dieser Konzentration hätte ich es nie ausdrücken können. 

Gewisse Punkte erinnern mich an Martin Luther (In Bezug auf Paulus:) In Christus stehen wir über dem Gesetz. Ohne ihn stehen wir unter dem Gesetz, dass uns verflucht, weil wir nicht so gut sind, wie wir sein müssten. Wir sind in Christus gestorben, damit wir Christus leben. Das führt zu einer besonderen Freiheit, ohne das Gesetz zu verletzen, da Christus das Gesetz erfüllt. Paulus  schreibt ja von einer Art Tod sein. (Die Bibel benützt den Begriff Tot und Leben in verschiedenen und vielschichtigen Bedeutungen. Eine rein materialistische Ausdrucksweise reicht nicht, um es zu verstehen. So kann Herr Prince davon predigen, dass uns erst Christus lebendig macht, vorher sind wir geistlich tod.) Denn in Christus leben wir, auch wenn wir sterben.

Es war auch Martin Luther, der Erasmus von Rotterdam sagte, dass wir unsere innersten Motive/Grundhaltung nicht wirklich ändern können (In diesem Sinne besteht kein freier Wille). Es ist ein Wunder, dass Gott tut, wenn sich unser Innerstes verändet = Gnade. Wir Menschen können nur unser äusserliches Verhalten verbessern. Oder noch schlimmer, man kann Menschen von Aussen dressieren. Aber das ändert nicht das Innere! (Hier irrt sich leider der Humanismus. Es wäre mir auch lieber, es wäre anders.)

Es erinnert mich auch an Johannes Calvin, der einem der damals mächtigsten Kardinelen , Herr Kardinal Sadolet schrieb (s. "Musste Reformation sein?"), dass es sicherlich gut ist, seine Sünden Gott zu bekennen. Allerdings, wenn man immer wieder und immer wieder sich quält und jeden Fehler "pingelig" (= akribisch) sucht, dann kann das selber wieder zu einem Werk der Selbstgerechtigkeit werden. Warum: Weil alles von uns in Sünde gefallen ist. Wir müssen völlig verzweifeln, wenn wir wirklich so handeln müssten. Oder aber wir versinken in Selbstmitleid und suhlen uns in unserem Misst: Nein, wir  müssen zu Jesus Christus und da ist alles in Ordnung. Dazu Calvin (Seite 25:) "Wo also irgend jene Glaubensgerechigkeit ist, die wir predigen, dort ist Christus. Wo Christus ist, da ist auch der Geist der Heiligung; sie soll die Seele zu neuem Leben in der Wiedergeburt erblühen lassen." Konkret sieht man dies dann auch an Äusserlichem: Denn die Veränderung im Herzen, im Innern von uns, wird auch andere Verhaltensweisen und andere Werke hervorbringen. Allerdings natürlich nicht ohne Jesus Christus, sondern nur in Christus.

Konkret schrieb Calvin:

"Es ist schon recht, dass die Beschäftigung mit dem künftigen und ewigen Leben uns immerfort im Sinne liegen muss. Unser Bewusstsein muss ständig wieder darauf gebracht werden und solches dauernd in betracht ziehen. Ich bin mir nur nicht im klaren, warum du Deine Rede hier so ausdehnst. (Calvin stellte davor fest, dass er einen Drittel über dieses Thema verwendet hatte.) Wolltest Du vielleicht hierdurch nur Dich selbst und Deine Frömmigkeit ins rechte Licht rücken? Jedenfalls wolltest Du darlegen - um alle Zweifel über Deine Person zu beseitigen -, dass Du Dir über das herrliche Leben bei Gott ernste Gedanken gemacht hast. Durch eine so lange Empfehlung wolltest Du Deine Briefempfänger aufhorchen lassen. ich ersprare mir eine genauere Überprüfung Deiner Absicht. Es ist aber theologisch nicht richtig, den Menschen so mit sich selbst zu befassen. Dies sollte man einem Menschen nicht zur Gestaltung seines Lebens an den Anfang setzen, sondern eher das Bemühen, die Ehre des Herrn zu vermehren. FürGgott nämlich, nicht für uns sind wir zuallererst auf der Welt (Deo enim, nonnobis nati imprimis sumus)." (Seite 14 + 15)

Wobei ich anfügen würde: Aber Gott liebt seine Erwählten als seine Kinder und daher tut er uns auch gut. ABER: Alles, was Gott ehrt, tut auch uns gut, weil wir ja zu Gott hin von Gott geschaffen wurden, finden wir auch unsere tiefste Erfüllung in Gott, unserem Schöpfer, der unser Ursprung ist und nicht wir selber. Nebenbei erwähnt, darum werden wir auch so unglücklich, wenn wir selber Gott sein wollen, wenn wir ehrlich sind. (Allerdings verhindert im Normalfall unser Stolz die Sich auf unsere wahre Situation.) Aber wie kommen wir in dieses tiefe Glück? Das Gesetz Gottes ist gut. Aber:

Das Gesetz fordert und drückt von aussen. Es ist ein riesiger Krampf, weil es unserem Innersten nicht wirklich entspricht. Die Gnade aber, ändert uns von Innen her. Das ist eine grundsätzliche Änderung. Darum spricht die Bibel auch von Wiedergeburt und von einer ersten Auferstehung, die dann auch zur zweiten guten Auferstehung führt, wenn Jesus Christus wiederkommt. (Es ist zwar auch nach dem Wirken des Heiligen Geistes in dieser Zwischenzeit eine Spannung. Ja, sie kann manchmal sogar noch grösser sein: Denn nun ist der Geist willig, aber das Fleisch (= unser altes Wesen) ist schwach und ich würde sagen: Unsere alte Natur widerstrebt der Neuen (Römer 7,21 bis 25 + Römer 8,1 ff).

Hierzu wieder Calvin:

(S. 26): "... dass der Mesch nicht nur einmal umsonst ohne Verdienst von Werken, gerechtfertigt werde, sondern dass in dieser geschenkten Gerechtigkeit das Heil des Menschen beständig bestehe. Auf keine andere Weise kann irgendein Werk des Menschen Gott angenehm sein, als dass es durch seine Barmherzigkeit Billigung erfährt."

Joseph Prince: "Wer von sich selbst enttäuscht ist, ist enttäuscht, weil wir nur auf uns selbst vertraut haben ... Aber in Christus ist unser neues Leben. Weg von unseren Gefühlen usw. zu Jesus Christus! Es kommt daraufw an, wie gut Jesus ist und nicht wie ich bin." (Wobei es natürlich auch der Heilige Geist sein kann, der uns - auch durch das Gesetz - erweckt und über unsere Sünde aufklärt und uns so zu Christus und seiner Gnade treibt. Und dort ist Heilsgewissheit, weil Beziehungsgerechtigkeit (= die Treue Gottes) und nicht Leistungsgerechtigkeit herrscht.)

Das finde ich eindrücklich. Daneben gibt es eine Bemerkung, die ich nicht ganz teilen kann. Auch Herr Joseph Prince sagt dabei, dass man dies anders sehen könne: In der Gnade leben, ist auch für die Gesundheit gut. Das glaube ich natürlich auch. Aber es bedeutet nicht, dass man nicht krank wird oder das Gott einen Weg in seiner Gnade durch Krankheit führt. Es gibt unglaubliche Glaubenshelden in ihrer körperlichen Schwäche. Hier ist der Rahmen von Gottes Wirken vielleicht etwas zu eng. Ich bin versucht zu schreiben, "pfingstlich" zu eng. Aber das wäre nicht fair, da nicht jeder Pfingstler so denkt. Und ich glaube auch Herr Prince kann dies nicht ganz ablehnen. Letztendlich berühren wir hier den Aspekt des "Schon-jetzt-und-noch-nichts Aspektes" in dieser Zwichenzeit (zwischen dem ersten und zweiten Kommen von Jesus Christus).

Hier ist es zu hören:



Was vielleicht auch fehlt: Der Hinweis auf Gottes Allmacht und unsere Verantwortung. 

Das verändert unser Urteil über die Fehlverhalten der Menschen. Denn Gott arbeitet und plante schon mit unseren Fehlern! Wenn also seine alte Kirche ihren Messias ablehnt, so wusste Gott, dass er daraus noch mehr Gnade machen wird: Nämlich, dass auch wir Heiden Christen werden durften. Ja noch mehr: Am Kreuz riss der Vorhang im Tempel entzwei und der Graben zwischen Juden und Heiden wurde entfernt. Gott versöhnt uns alle in Jesus Christus und überrascht uns mit seiner überschwenglichen Gnade. Wir Heiden müssen nicht Juden werden ("nur" geistliche Juden, geistliche Beschnittene). So führt die Prädestinationslehre auch zum Verständnis für Sünder (zu denen wir alle gehören) und es schafft die Beste Grundlage, dass man den Sünder liebt, die Sünde aber wirklich hasst. Den unser Feind ist die Sünde und nicht Menschen.

Ob Jesus wirklich bei der Steinigung von Stefanus gekommen wäre, wenn man ihn nicht gesteinigt hätte, sondern seine Botschaft verstanden hätte, weiss ich nicht. Das wird uns sicher einmal JEsus erklären. Ich glaube, dass Gott sehr genau wusste, was da geschah und es eingeplant hatte, um aus diesem Märtyrertod noch mehr Segen für uns alle zu schaffen! Dies war ja noch viel mehr der Fall,  bei der Kreuzigung von Jesus Christus: Gott verwandelt Sünde für Juden und Heiden in Heil. Christus starb für unsere Sünden. Stefanus starb für dieses Bekenntnis und unterschrieb es mit seinem Leben. Unter jenen, die es gut fanden, Stefanus zu steinigen, war auch Paulus, der später DER Heidenmissionar wurde und dass alles theologisch sehr gut verstand. Auch in Korea war der erste Calvinist an den Strand gespült worden. Er konnte eine Bibel weitergeben bevor er getötet wurde. Das alles löste eine grosse Glaubenswelle aus. 

Unsere Wahl ist einfach: Wollen wir unter dem Heil oder unter dem Fluch stehen. Und auch hier: Wer das Heil in Christus will, darf wissen, dass dies ein Wirken des Heiligen Geistes war, weil der natürliche, der "fleischliche" Mensch, dass nicht will. Zugleich schafft das auch Verständnis für all jene, die sich nicht für Jesus Christus entscheiden können, weil sie ehrlich nicht wollen. Und es ist klar: Hier müssen wir Freiheit geben: Denn es ist allein Gott, der es ändern kann. Hier sehen wir noch eine weitere logische Folge, wenn man die biblische Prädestinationslehre versteht: Man muss den Menschen Freiheit geben und bei Gott bitten, dass er wirkt! Zugleich erkennen wir, dass wir selber kein moralisch besseres Werk gemacht haben, indem wir Jesus Christus als unseren Herrn erwählt haben, sondern es war genau umgekehrt, Jesus Christus hat uns erwählt und bestimmt, dass wir zu ihm wollen. Und darum gehört nicht uns die Ehre sondern allein Gott. Und das macht uns demütig und glücklich und führt in eine tiefe Anbetung und Dankbarkeit, je mehr man dies versteht. Und auch Stefanus hat das verstanden, denn eer betete noch während seiner Steinigung für jene die ihn so hassten und das Evangelium (noch) nicht ertragen konnten.

Eigentlich kann man so auch gelassener reagieren. Herr Prince sagt das Gleiche über unsere Mankos. Das Gleiche gilt auch, bei der Sorge um andere. Wobei es natürlich verständlich und gut ist, wenn wir auch mal aus lauter Sorge um unsere Nächsten und ins Gebet stürzen und uns für sie vor Gott einsetzten. (Und wir dürfen wissen, dass der Heilige Geist sich für jedes unserer Gebete einsetzt, damit es würdig vor Gott wird.) Ich meine damit eine tiefe Gelassenheit: Eine Gelassenheit die trotz aller Umstände weiss, dass es Gott schon richtig machen wird, auch wenn wir es noch nicht sehen können. 

Wie auch immer. In dieser Zeit ist alles noch nicht Vollkommen. Wir warten noch darauf. Das Vollkommene und die ganze Herrlichkeit kommt mit Jesus Christus bei seinem zweiten Kommen.

Gott segne Sie.


PS: Hier ist eine Dokumentation von Robert Remain Thomas (ein Mann aus Wales, UK) und den Anfängen der Protestanten in Korea und deren Aufbrüche und Erweckung in Korea.


Wobei laut https://www.kulturrat.de/themen/erinnerungskultur/kolonialismusdebatte/der-erste-protestantische-missionar-in-korea/ nicht Herr Robert Reamin Thomas der erste evangelische Missionar war, sondern

Karl Gützlaffs, ein Deutscher.

Samstag, 25. Dezember 2021

Heiliger Abend, Weihnachten 2021, Der gute Hirte

 Hier lese ich den Text (ohne Bibelstellen) vor. Ich lese nicht ganz so flüssig, da ich es von meinem Handy ablese:


Nach dem Heiligen Abend, nach einer glücklichen Familienfeier spürte ich eine tiefe Trauer. Ein Weltschmerz, eine tiefe Betrübtheit über Leid, dass „natürlich“ auf uns Menschen ruht, dass wir durch Schläge des Schicksals erhalten, und auch über Schläge, welche wir durch unsere Torheit uns selber geben, weil wir unweise handeln. Ja, es war auch eine Trauer, über die fehlende Unweisheit in meinem Leben. Wie viel hätte ich glücklicher gestalten können? Wie viel Gaben Gottes weiser einsetzen können!

Selbstmitleid; nicht erkennen oder auch nur nicht wahrnehmen von offensichtlich guten Wegen; Lügen, die man glaubte; Menschen, die man viel zu wichtig nahm. Und nun, wo sind sie? Sie schienen wie brüllende Löwen, wie Felsen, die alles domminieren und nun sind sie einfach nicht mehr! Sie waren mächtig. Sie hatten was zu sagen. Darunter sind auch Menschen, die mir gut taten und die ich gern hatte. Auch sie sind nicht mehr in dieser Zwischenzeit.  Selbstverständlichkeiten, die nicht mehr sind.

Und wo sind meine Hoffnungen und Träume? Die Welt wurde nicht besser.  Unser Land, ja der ganze Westen wankt. Macht und Möglichkeiten sind zwar immer noch riesig, aber wie eine mächtige Dampflokomotive, weiss man nicht, die Kraft auf die Schiene zu bringen, d.h. die von Gott gegebene Macht weise anzuwenden. Anstelle Probleme zu Chancen zu machen, verirren wir uns in vielen Ideen, die bald wie Luftblasen zerplatzen könnten. Afghanistan ist ein entsprechendes Mahnmal dafür.

Unweisheit anstelle Weisheit. Und es besteht die Gefahr, dass Unweisheit mit Selbstbewusstsein kompensiert wird.

Auf der einen Seite wird alles relativiert: Die Postmoderne glaubt an das Dogma: „Es gibt keine Wahrheit!“ Irrationalität pur, denn wenn es wahr wäre, wäre es nicht wahr. Und so verlieren wir innere Werte und verlieren uns in Zweckethik und Materialismus. Zugleich macht sich eine neue Gesetzlichkeit breit: Idealismus der zu Perfektionismus führt. Ein Übermoralisieren, das unbarmherzig über jeden hereinbrechen kann, der etwas „Falsches“ sagt.

Die Suche nach der Wahrheit wird so völlig vergessen: Entweder, weil man nicht mehr an existierende Wahrheit glaubt oder/und weil man seine Erkenntnis als absolute Wahrheit aufbläht.

In diesem Klima haben Verantwortliche Mühe ehrlich zu sein, denn ein unbarmherziger Mobb könnte über sie herfallen. Die Differenzierung wird immer schwieriger. Immer mehr Leute wollen an Vereinfachungen und Verschwörungstheorien glauben. Mit Verschwörungstheorien meine ich eine Theorie, die zur absoluten Wahrheit verklärt wird. Man will nicht erkennen, dass neben berechtigten  Fakten auch noch nicht geklärte Sachverhalte gehören. Und manchmal mischt man sogar wilde Spekulationen als absolute Wahrheit hinein. Da klingt es dann sehr schnell: Es ist nicht meine Meinung, sondern dass sind Fakten. Widersprüche werden nicht mehr erkannt. Die Naturwissenschaft verliert ihre Offenheit für neue Erkenntnisse, da man ja schon alles zu wissen glaubt usw. Dabei besteht der Erfolg der Naturwissenschaft gerade in ihrer vorläufigen Erkenntnis, in ihrem Wissen, ein Try und Search. Aber schon vor Corona gab es immer wieder Bewegungen, die die Wissenschaft für Ihre Ideen (und Ideologien) vereinnahmen wollten. Honecker sprach in der DDR vom „wissenschaftlichen Kommunismus“. Die Evolutionstheorie wurde in der Sowjetunion und ihrer Ideologie und Materialismus so ideologisch „gefestigt“, dass sie Mühe mit der mendelschen Erblehre hatten. Im Westen wurde diese schnell in die Evolutionstheorie integriert. Die UDSSR merkte aber, dass passt nicht zur Grundidee. Später hatten viele Wissenschaftler auch im Westen Mühe mit der Urknall-Theorie, weil dies natürlich nicht zum Materialismus passt. Das klang viel mehr nach einem Anfang. Mittlerweilen haben wir interessante Theorien (zum Beispiel die Idee der Multi-Universen), die den Materialisten wieder Hoffnung geben. Aber diese haben natürlich nichts mehr mit unserer Naturwissenschaft zu tun. Denn die heutigen Gesetze der Naturwissenschaft gelten nicht für diese Theorien. Und die interessante Überprüfung ist nicht möglich, weil wir nicht darauf zugreifen können. Übrigens auch auf Gott können wir nicht „zugreifen“, wie sonst üblich in der Naturwissenschaft, da er ausserhalb der Schöpfung ist, obwohl er natürlich jeden Moment alles am Leben erhält.

 

Was mich aber auch schmerzte, war die Schwachheit des Christentums. Ein Freund schrieb heute Morgen – und das nimmt das ein wenig auf:

 

„Sagt, wo ist die Freude hin?

Wie entstellt der Weihnachts-Sinn.

Keine Ruhe, Stress, Rumlaufen, wie im Rausch Geschenke kaufen,

schwer im Magen liegt das Essen,

Sinn der Weihnachten ganz vergessen?

 

Gott ward Mensch, kam auf die Erde,

dass Versöhnung, Frieden werde.

Dies ist doch der Grund zur Freude,

für uns Menschen, nicht nur heute.

 

In diesem inne: Gesegnete Weihnacht.“

 

Tief beeindruckend.

 

Was mich auch aufwühlte, war die Tatsache, wie wenig Hirtendienst es gibt. Manch christliche Organisation versucht mit Planung, Management und Aktivitäten Gott zu dienen, aber vergisst manchmal das Naheliegendste: Tägliche Busse, damit aus unserem Misst guter Dünger wird. Zuerst zu Christus und in ihm Ruhen.

Nur so lässt sich erklären, dass ich eine Frau sehe, die sehr enttäuscht von Christen ist. Natürlich ist sie selber dafür verantwortlich, wie sie auf die Christen reagieren will: Jeder von uns ist verantwortlich, ob er für das Gute, was Gott gibt, dankbar sein will oder ob er für das, was er nicht hat auf Gott wütend sein will und verbittern will.

Aber dennoch bleibt auch eine Verantwortung der Hirten: Warum gehen all jene ihr nicht nach, für die diese Frau viel getan hat? Wo sind die Taten, die ihren Worten folgen müssten? Nur Schall und Rauch?

Natürlich meine ich keine gesetzliche Art der Taten, sondern ein in Christus ruhende, nicht verurteilende barmherzige Tat: Ein Telefon. Ein Brief. Vielleicht auch ein Gebet oder sogar ein Besuch?

 

Und ich selber, weiss wie schwach ich bin. Einmal wurde jemand sehr zornig deswegen auf mich. Vielleicht ging er zu weit. Aber etwas wahrer war es schon. Aber auch ich, bin nur ein Mensch. Und im Gegensatz zu den Idealisten und Gesetzlichen möchte ich meine Mankos Jesus Christus hinlegen, damit er daraus etwas Gutes macht. Ich kann es nicht. Ich kann nur immer wieder zu Christus (= Busse tun), damit es besser wird. Vor wenigen Tagen war ich nicht wie gestern traurig über das Leid, sondern wurde sehr wütend. Bei einem Mann kann sich eine Depression auch als Wut zeigen. Das ganze Leid und die Unmöglichkeit den Leidenden zu helfen, machte mich so wütend. Wenn ich nur mit Gebrüll das Leben verbessern könnte! Aber das liegt nicht an mir. Gott ist es, der so etwas kann. Ex nihilo! Gott kann aus dem Nichts schaffen.

 

Aus diesem allem begann ich zu beten. Später las ich Bibelstellen zum Hirte-Sein. Die hier unten zu lesen sind.

Gebet

Lieber Heiland, werde unser aller Hirte, damit wir gut behütet, genährt und geführt werden. Nur in Dir, Jesus Christus findet meine Seele Ruhe. Nur in Dir wird alles Gut! Danke! Dir allein sei Ehre und Lob!                                Amen. Amen.

 

Hier die Bibelstellen:

 

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Schafstall hineingeht, sondern anderswo hineinsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.

Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirte der Schafe.

Diesem öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme, und er ruft seine eigenen Schafe beim Namen und führt sie heraus.

Und wenn er seine Schafe herausgelassen hat, geht er vor ihnen her; und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme.

Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm, denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht.

Dieses Gleichnis sagte ihnen Jesus. Sie verstanden aber nicht, wovon er zu ihnen redete.

Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe.

Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber, aber die Schafe hörten nicht auf sie. Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eingeht, wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.

Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen damit sie Leben haben und es im Überfluss haben.

Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht, und der Wolf raubt und zerstreut die Schafe.

Der Mietling, aber flieht, weil er ein Mietling ist und sich nicht um die Schafe kümmert.

(Zürcher übersetzt die Verse 11 bis 13 folgendermassen:

 

„Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt setzt sein Leben ein für die Schafe. Der Lohnarbeiter, der nicht Hirt ist, dem die Schafe nicht gehören, der sieht den Wolf kommen und lässt die Schafe im Stich und flieht, und der Wolf reisst und versprengt sie. Er ist eben ein Lohnarbeiter, und ihm liegt nichts an den Schafen.“)

 

Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und bin den Meinen bekannt, gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

Und ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch diese muss ich führen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

Darum leibt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wieder nehme.

Niemand nimmt es v on mir, sondern ich lasse es v on mir aus. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

Da entstand wiederum eine Spaltung unter den Juden um dieser Worte willen;

Und viele von ihnen sagten: Er hat einen Dämon und ist von Sinnen, weshalb hört ihr auf ihn?

Andere sagten: Das sind nicht die Worte eines Besessenen. Kann denn eine Dämon Blinden die Augen auftun?“                      (Johannes 10,1–21)

 

„Ein Psalm Davids.

Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern.

Er erquickt meine Seele, er führt mich auf rechter Strasse um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Todestal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab, die trösten mich!

Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fliesst über.

Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“                                                     Psalm 23

 

„Ein Psalm Davids.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Auge

Und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Strasse um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück;

Denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“                                                       (Psalm 23, Luther)

 

„Ein Psalm Davids.

Der HERR ist mein Hirte, mir mangelt nichts, er weidet mich auf grünen Auen.

Zur Ruhe am Wasser führ er mich,

neues Leben gibt er mir.

Er leitet mich auf Pfaden der Gerechtigkeit

Um seines Namens willen.

Wandere ich auch im finstern Tal,

fürchte ich kein Unheil,

denn du bist bei mir,

dein Stecken und dein Stab,

sie trösten ich.

Du deckst mir den Tisch

Im Angesicht meiner Feinde.

Du salbst mein Haupt mit Öl,

übervoll ist mein Becher.

Güte und Gnade werden mir folgen alle meine Tage,

und ich werde zurückkehren ins Haus des HERRN mein Leben lang.“

                                                                                     (Psalm 23, Zürcher)

 

„Und das Wort des Herrn kam zu mir also:

Menschensohn, weissage wider die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen, den Hirten: So spricht Gott, der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden!

 

Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

 

Das Fette esst ihr, mit der Wolle bekleidet ihr euch, und das Gemästete schlachtet ihr, aber die Herde weidet ihr nicht!

Das Schwache stärket ihr nicht, das Kranke heilet ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verscheuchte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene suchet ihr nicht, sondern streng und hart herrschet ihr über sie! Und so haben sie sich zerstreut, weil sie ohne Hirten waren, und sind allen wilden Tieren des Feldes zur Speise geworden und haben sich zerstreut.

Auf allen Bergen und hohen Hügeln gehen meine Schafe irre, und über das ganze Land sind meine Schafe verstreut; und niemand ist da, der nach ihnen fragt oder sie sucht.

Darum, ihr Hirten, höret das Wort des HERRN!

So wahr ich lebe, spricht Gott, der HERR, weil meine Schafe zum Raube und allen wilden Tieren des Feldes zur Speise geworden sind, weil sie keinen Hirten haben und meine Hirten meine Schafen nicht nachfragen, weil sie nur sich selbst und nicht meine Schafe weiden, so höret, ihr Hirten, das Wort des HERRN!

(10) So spricht Gott, der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Schafe von ihren Händen fordern und will ihrem Schafeweiden ein Ende machen, und die Hirten sollen hinfort auch sich selbst nicht mehr weiden; denn ich will meine Schafe aus ihrem Maul erretten, dass sie hinfort nicht ihre Speise seien.

Denn also spricht Gott, der HERR: Siehe, ich selbst will meinen Schafen nachforschen und sie suchen!

Wie ein Hirt seine Herde zusammensucht an dem Tage, da er mitten unter seinen zerstreuten Schafen ist, so will ich meine Schafe suchen und sie aus allen Orten erretten, dahin sie sich an dem neblichten und dunklen Tage zerstreut haben.

Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern zusammenbringen und will Sie in ihr Land führen und sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Wohnorten des Landes.

Auf einer guten Weide will ich sie weiden; und ihre Trift soll auf den hohen Bergen Israels sein, daselbst sollen sie sich in einer guten Hürde lagern und auf den Bergen Israels fette Weide haben!

 

Ich will selbst meine Schafe weiden und sie lagern, spricht Gott, der HERR.

 

Das Verlorene will ich suchen und das Verscheuchte zurückholen und das Verwundete verbinden; das Schwache will ich stärken; aber was fett und stark ist, will ich abtun; ich will sie weiden, wie es recht ist.

 

Und zu euch, meinen Schafen, spricht Gott, der HERR: Seht, ich will richten zwischen den einzelnen Schafen, zwischen den Widdern und Böcken.

 

Ist es euch nicht genug, dass ihr eine so gute Weide abweidet; müsst ihr auch noch das übrige Weideland mit euren Füssen zertreten? Und wenn ihr klares Wasser getrunken hab, müsst ihr dann das übrige mit euren Füssen trüben?

Und sollen dann meine Schafe das abweiden, was ihr mit euren Füssen zertreten habt, und trinken, was ihr mit euren Füssen trübe gemacht habt?

 

Darum spricht Gott, der HERR, also zu ihnen: Siehe, ich will selbst richten zwischen den fetten und den mageren Schafen, 

weil ihr alle schwachen Schafe mit Seite und Schulter gedrängt und mit euren Hörnern gestossen habt, bis ihr sie hinausgetrieben hattet, so will ich meinen Schafen zu Hilfe kommen, dass sie hinfort nicht mehr zur Beute werden sollen, und ich will Recht sprechen zwischen den einzelnen Schafen.

Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll, nämlich meinen Knecht David; der soll sie weiden, und der soll ihr Hirte sein.

 

Und ich, der HERR, will ihr Gott sein, und mein Knecht David soll Fürst sein mitten uter ihnen; ich, der HERR, habe es gesagt!

 

Ich will einen Friedensbund mit ihnen schliessen und alle bösen Tiere aus dem Lande treiben, dass sie in der Wüste sicher wohnen und in den Wäldern schlafen können.

Ich will sie und die Umgebung meines Hügels zum Segen setzen und will ihnen den Regen zu seiner Zeit herabsenden; das sollen gesegnete Regen sein!

Und die Bäume des Feldes sollen ihre Früchte bringen und das Erdreich sein Gewächs; und sie sollen sicher in ihrem Lande wohnen und erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich ihr Joch zerbreche und sie aus der Hand derer errette, die sie knechteten.

 

Sie sollen hinfort nicht mehr eine Beute der Heiden werden; noch sollen die wilden Tiere des Landes sie fressen, sondern sie sollen sicher wohnen, und niemand wird sie erschrecken.

 

Ich will ihnen auch eine berühmte Pflanze erwecken, dass sie nicht mehr durch Hunger im Lande weggerafft werden und die Schmähung der Heiden nicht mehr tragen müssen.

 

Also werden sie erfahren, dass ich, der HERR, ihr Gott, bei ihnen bin und dass sie, das Haus Israel, mein Volk sind, spricht Gott, der HERR.

 

Und ihr seid meine Herde; ihr Menschen seid die Schafe meiner Weide! Ich bin euer Gott, spricht Gott, der HERR.“                                            Ezechiel = Hesekiel 34

 

„“Darauf sprach Jesaja: Höre doch, Haus Davids, ist es euch nicht genug, dass ihr Menschen ermüdet, müsst ihr auch meinen Gott ermüden?

Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben:

 

Siehe, die Jungfrau hat empfangen und wird Mutter eines Sohnes, den sie Immanuel nennen wird.“

                                                                                     Jesaja 7,13+14

 

„Er wird den Tod auf ewig verschlingen. Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und die Schmach seines Volkes von der ganzen Erde hinwegnehmen! Ja, der HERR hat es verheissen.

Zu jener Zeit wird man sagen: Seht, das ist unser Gott, auf den wir gehofft haben, dass er uns Heil verschaffe; das ist der HERR, auf den wir warteten; nun lasset uns frohlocken und fröhlich sein in seinem Heil!“                                                               Jesaja 25, 8–9

 

 

 

Anhang:

-       Wenn nichts steht, habe ich die Schlachter-Übersetzung zitiert.

-       Wenn HERR in Grossbuchstaben steht, steht im Urtext das Tetragamm: JHWH.

Im Hebräischen werden nur die Konsonanten geschrieben. Die Vokale wurden viel später mit kleinen Zeichen nachgeführt. Da die Juden vor dem Namen Gottes sehr stark respektiert, und ihn auf keinen Fall missbrauchen wollten, sprachen sie ihn nicht mehr aus, sondern sagten an dessen Stelle Adonaj, was Herr bedeutet. Laut Wikipedia sei auch HaSchem, was „der Name“ bedeutet, gelesen.

 

 

Dienstag, 21. Dezember 2021

Kidult

Eben hab ich diesen Begriff neu gelernt: Kidult.

Dieser Begriff setzt sich aus Kid für Kind und adult für Erwachsener zusammen. Es ist als ein aus dem englischen Wortschatz zusammengestellter Begriff. Er erklärt, wie heute Erwachsene "kindliche" Verhaltensweisen in ihr Erwachsensein integrieren. Das muss nicht kindisch sein.

Dies führt u.a. dazu, dass laut Coop-Zeitung rund 25% der Spielsachen heute von Erwachsenen gekauft werden. Bei Lego sind es sogar 50%. Ich selber habe für gewissse Modelle meine Vorlieben: zum Beispiel i.S. Lego-Eisenbahn. Allerdings produziert Lego heute für Erwachsene nicht wirklich ein grosses Sortiment auf diesem Gebiet, daher bezog ich auch schon etwas bei Bluebrixx. Eigentlich handelt es sich hier dann um eine Art Puzzle in 3 D (= dreidimensionales Puzzle), indem ich meine Vorliebe für Modelleisenbahn umsetzten kann. 

Erich Kästener (1899 bis 1974) soll gesagt haben: "Nur wer Erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch." (1). Bei Hunden sagt man, dass verspielte Hunde intelligent sind. Belgische Schäfer zum Beispiel sind viel verpielter als Deutsche Schäferhunde. Mit belgischen Schäfer kann man nicht so lange trainieren, wie mit Deutschen Schäfern. Aber ist das nicht auch eine Art von Weisheit? Denn das Leben ist nicht nur Disziplin und Leistung. Zudem gilt für Kinder, dass Spielen auch eine Art von Arbeit ist, indem sie lernen. 

Interessant ist, was Jesus Christus zu diesem Thema sagte:

"Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes!

Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen! Und er nahm sie auf die Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie." 

(Markus 10,14b-16)

Im Vers 13 sehen wir, wie die Jünger von Jesus die Kinder von Jesus abhalten wollten. Ja noch mehr: "die Jünger tadelten die, welches sie brachten." Es waren also so kleine Kinder, dass sie gebracht wurden. Für Kind steht im griechischen Urtext "Paidia". "Paian" bedeutet übrigens Retter, Helfer, Arzt und Heiland und feierlicher, vielstimmiger Gesang. Paidia kann auch Spiel, Scherz und Belustigung bedeuten. Mein Griechisch ist nicht so gut. Aber ich vermute, hier wird Paidia wie im Deutschen in der Mehrzahl verwendet und kommt von Peideia. Peideia bedeutet Erziehung, Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kindheit. Ich hätte gehofft, wir können hier eindeutig aus dem griechischen Wort ableiten, dass es sich um Kleinkinder handelte. Dann wäre diese Bibelstelle ein Zeugnis für einen Glauben, der nicht auf intellektuellen Denken, sondern auf einem kindlichen Urvertrauen beruht. Ich bin dankbar für entsprechende Kommentare, die hier weiterhelfen.

Auf jeden Fall tendiere ich trotzdem zu dieser Auslegung: Jesus Christus in einem kindlichen Urvertrauen zu vertrauen, nur so gehört uns das Reich Gottes. Denn es sind Kinder die gebracht werden (Vers 14). Kinder, die noch abhängiger von anderen Menschen sind, als wir Erwachsene. Und leider sind die Jünger gar nicht nett zu denen, die sie bringen. Und Jesus Christus muss hier seine Jünger korrigieren. Es steht sogar im Vers 15, dass Jesus unwillig wurde. Jesus regte sich also über seine Jünger auf:

"Lasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht, denn solchen ist das Reich Gottes!

Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen!" (14a bis 15).

Wir dürfen hier dankbar sein, dass Jesus uns als seine Jünger hier korrigiert: Es ist nicht unsere Leistung, die uns zu Jünger macht, sondern unser schlichtes Vertrauen in Jesus Christus, dass er alles macht. Kleinkinder können gar nicht anders, als sich darauf verlassen, dass sie umsorgt werden. Und genau in dieser Haltung dürfen, ja müssen wir zu Jesus Christus gehen! Das mag demütigend für unseren Stolz sein. Aber es tut gut, damit wir nicht den gleichen Fehler wie die Jünger von Jesus machen und andere UND uns selber von Jesus Christus fernhalten. 

Und es befreit uns vom Leistungsdenken. Unser Herz, unsere tiefstes Inneres kann so in Jesus Christus zur Ruhe kommen. Wir sehen, dass es hier um viel mehr geht, als wir im ersten Moment unter dem Begriff Kidult erwartet hätten.

Interessant ist, dass im Vers 17, also gerade im nächsten Vers ein reicher Jüngling zu Jesus Christus kommt und ihn fragt, was er tun muss, damit er das ewige Leben ererben kann. Das ist praktisch das gleiche, wie die Frage, wie wir ins Reich Gottes eingehen können. Hier reagiert Jesus ganz anders. Er nimmt die Leistungsbereitschaft dieses reichen Jünglings und steigert die Anforderung ins Unermessliche und folgert daraus: "Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt." (Vers 25) 

Die Jünger waren entsetzt. Da war nun doch ein reicher Jüngling, der die guten Gebote Gottes einhielt und offensichtlich mit Reichtum von Gott beschenkt worden ist. Der war doch ganz anders als Kleinkinder, die nichts tun können und sich nur beschenken lassen können. Er hat doch soviel geleistet! Und er soll nicht in den Himmel kommen? 

"Sie aber entsetzen sich sehr und sprachen untereinander: Wer kann denn dann gerettet werden?" (Vers 26).

"Jesus aber blickte sie an und sprach: Bei den Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott! Denn bei Gott sind alle Dinge möglich." (Markus 10,27)

Danach kommt das Thema des Lohnes der Nachfolge von Jesus Christus.

Interessant! Nicht wahr?

Überraschend und anregend. So ist Gott, er bringt uns zum Denken und in seine Ruhe. 

Wenn wir in Jesus Christus ruhen, was hier in dieser Zwischenzeit wohl täglich in Busse geschenkt wird, dann werden wir wirklich immer wieder zur Ruhe kommen. Unsere Werke werden nicht unsere Werke sein, sondern das Wirken des Heiligen Geistes und darum werden wir allein Gott die Ehre dafür geben und das wird uns sehr glücklich machen, weil wir in Christus ruhen und Gott geniessen können. Dazu hat Jesus Christus alles getan. Wir dürfen mit all unseren Mankos, Sünden und Flüchen sowie Werken zu Jesus Christus gehen und er macht aus unserem Misst guten Dünger. Er heiligt sie. Das ist ein Wunder. Menschen können das nicht. Aber: "Denn bei Gott sind alle Dinge möglich." (27b)

Danke lieber Heiland für Deine Gnade! Danke für Deine Erwählung. Danke für Deine Liebe vor Erschaffung dieser Welt, die mich zu Dir gezogen hat. Die mich aufweckte und mein Wille zu Dir hin schaffte. Du allein bist würdig! Dir allein gehört die Ehre! Und danke darf ich so in Dir ruhen und immer wieder lernen in Allem in Dir zur Ruhen, damit Du alles Gut machst. 

Amen

In diesem Sinne wünsche ich allen schöne Weihnachten und ein gesegnetes Jahr 2022. Hoffentlich sehen wir uns alle wieder im Reich Gottes.

PS:

Matthäus 19,14 "Aber Jesus sprach: Lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen; den solcher ist das Reich der Himmel!" Die Genfer Studienbibel schreibt dazu:

"Die Jünger sahen Kinder als eine Ablenkung Jesu von seinem Werk an. Aber Jesus heisst die Kinder als Bürger des Königreiches willkommen und segnet sie. Da der Eintritt ins Himmelreich durch Gottes Gnade ermöglicht wird und nicht durch menschliche Leistung, haben die abhängigen Kleinen einen besonderen Anspruch auf den Bundessegen (18,1-11)."

Cool, diese Auslegung bestätigt unsere Sichtweise.

Anhang: 

(1) Quelle: Coop-Zeitung