Donnerstag, 29. Januar 2015

Ein Sünder ist ein heilig Ding

Heute habe ich aus dem Buch "Ganz aus Gnaden" von C. - H. Spurgeon diese gewagte Aussage gelesen. Einige Sätze aus Seite 14 und 15 sowie 16:

"Solltest du tatsächlich so selbstbewusst und stolz sein, dann höre mich bitte einen Augenblick an. Du wirst verlorengehen, so gewiss, wie du lebst. Ihr Gerechten, die ihr eure Gerechtigkeit selbst erworben hat, ir seid entweder Betrüger oder Betrogene. Denn die Bibel kann icht lügen; sie stellt klipp und klar fest: 'Da ist nicht, der gerecht sei, auch nciht einer' (Römer 3,10).  Jedenfalls habe ich Selbstgerechten kein Evangelium zu bringen - nicht ein Wort! Jesus Christus kam nicht, um die Gerechten zu rufen, und ich werde nicht tun, was er nicht tat. Riefe ich die Gerechten, sie würden doch nicht kommen..."

"Aber auch der grossmütigste Mann kann niemand die Schuld erlassen, der ihm nichts schuldet. Selbst die Allmacht Gottes ist nicht imstande zu vergeben, wo keine Sünde ist. Darum kann es keine Gnade für die geben, die ohne Sünde sind. Gnade gilt nur den Schuldigen. Gnade gilt nur den Schuldigen.  Vergebung kann nur für Sünder sein. Es wäre töricht zu sagen, dass denen vergeben werden soll, die keine Vergebung brauchen, und denen verzeihen werden soll, die kein Unrecht taten.

Meinst du, dass du verlorengehen musst, weil du ein Sünder bist? 

Ganz im Gegenteil,

gerade deshalb kannst du errettet werden! Weil du dich als ein Sünder erkennst, möchte ich dich ermutigen zu glauben, dass die Gnade für dich bestimmt ist. Einer unserer Dichter wagte zu sagen:

                           Ein Sünder ist ein heilig Ding;
                           der Heilge Geist macht' ihn dazu.  

Es stimmt, dass Jesus sucht und selig macht, was verloren ist. Er starb und versöhnte wirkliche Sünder. Ich freue mich immer sehr, wenn ich Leuten begegne, die nicht nur mit Worten spielen und sich nicht nur, weil es so üblich ist, 'elende Sünder' nennen. Ich würde mich gerne die ganze Nacht hindurch mit solchen unterhalten, die sich aufrichtig für Sünder halten. Vor ihnen verschliesst das Gasthaus zur Barmherzigkeit niemals seine  Türen. Unser Herr Jesus starb nicht für eingebildete Sünden. Sein Herzblut wurde vergossen, um die dunkelroten Flecken abzuwaschen, die kein anderes Mittel entfernen kann.

Wer schwarz ist von Sünden - gerade für ihn ist Jesus Christus gekommen, um ihn weiss zu machen. Ein Evangelist predigte einmal über den Text: 'Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt' (Matthäus 3,10). Anschliessend sagte einer der Hörer zu ihm:
'Man hätte denken können, dass Sie zu Verbrechern sprächen. Sie hätten Ihre Predigt im Bezirksgefängnis halten sollen.' 
'Oh nein', antwortete der Redner, 'im Gefängnis würde ich nicht über diesen Text predigen. sondern über das Wort: 'Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort, dass Jesus Christus gekommen ist, in die Welt, die Sünder selig zu machen' (1. Timotheus 1,15).'

Genauso ist es? Das Gesetz ist für Selbstgerechte da, damit sie demütig werden. Das Evangelium gilt den Verlorenen, damit sie nicht länger verzweifeln müssen.

Wenn du nicht verloren bist, was willst du dann mit einem Heiland?"

Zugleich habe ich heute morgen in 5. Mose (Deuteronomium) gelesen. Wir werden sehen, dass auch die Erwählung Israels aus Gnade geschehen ist - und nicht aus Werken.

"So wisse nun, dass nicht um deiner Gerechtigkeit willen der HERR, dein Gott, dir dieses gute Land einzunehmen gibt; - denn du bist ein halsstarriges Volk!" (5. Mose 9,6)

Israel darf ein Land erobern. Dabei verübt Gott gleichzeitig ein Gericht an diesen Völkern. "Wenn sie nun der HERR , dein Gott, vor dir her ausgestossen hat, so sprich nicht in dienem Herzen: Um meiner (eigenen) Gerechtigkeit willen hat der HERR mich hereingeführt, dieses Land einzunehmen, so doch der HERR diese Heiden wegen ihres gottlosen Wesens vor dir her vertreibt. Denn nicht um deiner Gerechtigkeit und um deines aufrichtigen Herzens willen kommst du hinein, ihr Land einzuznehmen, sondern um ihres gottlosen Wesens willen vertreibt der HERR, dein Gott, diese Heiden, und damit er das Wort halte, das der HERR deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschoren hat." (5. Mose 9,4-5)
Es ist nichts als logisch, dass Gott selber sein Volk später dann auch wieder wegen ihrer Sünden aus diesem Land vertrieb. Es war dann immer wieder die Gnade Gottes, wenn sie zurückkehren konnten.
Interessant ist also, dass hier Gott seinem Volk Demut lernen möchte. Christen, die geistlich in das Volk Gottes eingepropft wurden, wie es Paulus im Römerbrief erwähnt, sollten sich nun hüten, über die Juden sich zu erheben. Auch wir sollten genau diese Demüt von Gott lernen. Denn wir sind nicht wegen unserer Gerechtigkeit gerettet worden, sondern weil uns Gott liebt. Er hat uns erwählt und er erweist uns ein Geschenk, dass Gott Gnade nennt!

Auf dieser Basis des Angenommenseins erklärt Gott auch seinen Willen und seine Gebote. Dabei haben die Juden besonders stränge Gesetze bekommen, die Abraham und Isaak noch nicht kannten. Aber gerade das sollte sie auszeichnen und uns Heiden Gottes Heiligkeit zeigen. Es ist eine besondere Gnade, wenn wir Nicht-Juden Christen werden dürfen, ohne diese besonderen Gesetze der Juden halten zu müssen. Und es ist zugleich erstaunlich. Daher haben die ersten Christen, die zuerst einmal alle Juden waren, darüber gestritten und es im ersten Konzil in Jerusalem - nach heftigen Streit - geklärt (s. Apostelgeschichte im Neuen Testament).

So muss man dann auch 5. Mo 10,15 - 18 verstehen:

"Dennoch hat der HERR allein zu dienen Vätern Lust gehabt, dass er sie liebte; und er hat ihren Samen erwählt nach ihnen, nämlich euch, aus allen Völkern, wie es heute der Fall ist. So beschneidet nu die Vorhaut eures Herzens und seid forthin nicht halsstarrig!
Denn der HERR, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr aller Herren, der grosse mächtige und schreckliche Gott, der keine Person achtet und keine Gaben nimmt.
Der da Recht schafft dem Waislein und der Witwe und die Fremdlinge lieb hat, dass er ihnen Speise und Kleider gebe." 

Gott nimmt keine Gaben an. Damit ist sicherlich gemeint, dass sich Gott nicht bestechen lässt. Wir können ihn nicht kaufen: Weder mit Geschenken noch mit guten Taten. Gott ist unbestechlich und durchschaut unsere berechnende Hinterlist. 
In diesem Text wird gleichzeitig gesagt, dass er nur sein Volk liebt. Dann kommt aber zum Ausdruck, dass er auch die Ohnmächtigen, die Waisen, Witwen und die Fremden liebt. Jene, die alleine sind und sich nicht wehren können. Für die schaut er. Auch hier sieht man wieder, dass Gott jenen hilft, die sich nicht selber helfen. Das Wort: "Hilf Dir selber, dann hilft Dir Gott!" stimmt nicht. Es ist gerade umgekehrt! Gott hilft uns, wenn wir an unsere Grenzen kommen und wir zu ihm gehen. Darum kann selbst ein Choleriker wie Paulus sagen, dass wenn er schwach ist, dann ist er schwach! Denn dann kann Gott wirken.

In 5. Mo 10,12 ff fordert Gott, dass man ihn lieben soll und ihm gehorchen. Da erklärt sogar Gott: "dass du die Gebote des HERRN beobachtest, und seine Satzungen, die ich dir heute gebiete, zum Besten für dich selbst?" ((5. Mo 10,13) Gottes Gebote sollen also nicht einfach uns einengen, sondern sie sollen uns zum Besten dienen! Das ist die Denkweise von Gott. 

Aber es ist wohl auch klar, dass wir den tieferen Sinn der Gebote Gottes nie halten können. Darum brauchen wir nicht nur zu unserer Errettung die Gnade Gottes, sondern auch im Leben mit Gott. Das wird uns auch von der schlimmen Sünde des Hochmuts bewahren. Denn ohne Gott können wir nichts. Gott selber spricht uns zu Gerechten. Bereits im Alten Testament hat dies David sehr klar erkannt. Letzten Sonntag hörte ich eine Predigt, indem es um David und Goliath ging. Leider ging der Prediger nicht auf den Unterschied von Saul, dem damaligen König und David ein. Er sagte nur, dass König Saul seine Salbung verloren hat. Aber warum er sie verloren hat, erklärte er nicht. Ein Vergleich hätte gezeigt, dass die Sünde, die Saul als gesalbter Gottes machte für uns nicht so schlimm waren, wie es dann später David als König tat. Warum aber war David ein Mann nach dem Herzen Gottes, während Saul verstossen wurde und seine Salbung verlor? David liess sich von der Begierde mitreissen. Begann Ehebruch. Alleine dafür hätte König David getötet werden müssen. Doch seine Versuche es zu vertuschen trieben ihn noch weiter in die Sünde, er liess den Ehemann indirekt umbringen. D.h. er kam im Krieg um. Aber David konstruierte ein Komplott, so dass er in einer Schlacht sterben musste. Getötet von den Feinden. Aber für Gott war es klar: David hatte ihn umgebracht. Als dann ein Prophet genau diese Sünden ansprach, da tat David öffentlich Busse!!! Da kam der grosse Unterschied zu Saul! Saul verlangte von Samuel, dass er seine öffentlichen Sünde nicht so nennen solle und über sein Zustand schweigen solle. 

Hier muss man wissen, dass nach Calvin öffentliche Sünden, auch öffentlich bereinigt werden sollten. Damit andere dadurch nicht versucht werden. Nicht öffentliche, kann man auch nicht öffentlich bereinigen. Dieses Prinzip gilt natürlich für Personen des öffentlichen Lebens noch viel mehr: Insbesondere wenn sie Leiter sind. Und David hielt sich ganz selbstverständlich daran. Denn ihm war die Beziehung zu Gott wichtiger, als was andere Menschen über ihn dachten. Und das ist wahrhaftig heldenhaft. Lebte er ab diesem Moment keine "Schamgesellschaft" mehr? (Eine Schamgesellschaft schämt sich nur für das, was an offenbart wird. Dabei sollte man sich auch für jene Sünden schämen, die nur wir kennen. Das ist recht.)

Wie auch immer. Gott konnte ihm so vergeben. Denn auch für ihn galt diese gewagte Aussage:

"
                           Ein Sünder ist ein heilig Ding;
                           der Heilge Geist macht' ihn dazu.  
"

Natürlich war damals Christus noch nicht für seine Sünden gestorben. Aber in den damaligen Opfern wurde im Vertrauen auf Gott (und damit letztendlich - ohne es zu wissen)  auf das zukünftige Sterben von Jesus Christus am Kreuz, Sünden vergeben. Versöhnung mit Gott gelebt und Menschen die Sünder sind als gerecht erklärt. David wusste das. Darum betet er in einem Psalm, dass Gott gewissen Feinden das ja nicht klar machen soll, damit er ihnen nicht vergibt. Das war von David nicht barmherzig. 
Aber wie ist unser Herz? Gott ist barmherzig und vergibt jedem, der Busse tut. Dafür garantiert Jesus Christus am Kreuz.  Und dann sollen wir dort bleiben, in dieser unverdienten Gnade. Versuchungen werden sicherlich kommen. Die Versuchung auf sich selber zu verlassen. Oder den scheinbar leichteren Weg der Sünde zu nehmen. Aber die Sünde ist nie leichter. Das ist eine Lüge der Versuchung. Bei Gott bleiben, dass ist leicht und macht uns glücklich. Fallen ist menschlich. Liegenbleiben teuflisch. Wieder aufstehen göttlich. Letztendlich ist es Gott, der uns dazu die Kraft gibt.  David erlebte die Gnade, dass Gott ihm einen Propheten sandte, auf den er hörte. Andere haben die Propheten beschimpft. Johannes der Täufer wurde sogar geköpft, weil er die Wahrheit sagte. So wurden diese Propheten mit ihrer letztendlich guten und frohen Botschaft (= Evangelium) zu ihrem Gericht. Wie das Evangelium auf uns wirkt, wählen wir selber. Wer unter der Sünde steht, wird sich für die Unfreiheit entscheiden. Darum sollen wir für die Menschen beten + für uns selber, dass wir immer wieder Gottes guten Willen wählen, damit wir frei und glücklich in Christus werden.

Amen, Amen! Gott segne uns so.

PS: in 5. Mose hört man immer wieder: Höre Israel. Unten ist ein Lied, nimmt dies auf: Schmei Israel auf Hebräisch. Die Bilder zeigen israelische Soldaten und das heutige Israel. Was man immer darüber denken mag. Für das heutige Israel ist es eine schwere Zeit. Sünder sind wir alle. Es ist die Gnade Gottes, die uns gerecht macht. Nie wir selber. Wer urteilt, sollte also aufpassen, wie er selber handelt. Denn Gott wird ihn richten, wie er richtet!!!! (s. Neues Testament: Jesus!)

Wie würden wir als Schweizer mit einer solchen Herausforderung umgehen? Wären wir nach 60 Jahren noch eine Demokratie?

PS2: Damit meine ich natürlich nicht, dass man nicht kritisch sein dürfe. Ganz im Gegenteil. Gerade durch das Bibellesen werden wir lernen zu beurteilen. Und Unrecht soll als Unrecht benannt werden. 
Die Bibel zeigt aber auch, dass wir zuerst mit uns selber anfangen sollten. Jesus sagte im Matthäus-Evangelium, dass wir zuerst unseren Balken vor unserem Auge entfernen sollen, bevor wir den "Spriesser" im Auge eines anderen helfen zu entfernen. Dabei ist wichtig zu erkennen, dass Jesus Christus für wirkliche Sünden gestorben ist. Spurgeon betont dies so gut (s.o.). Wir Fromme neigen dazu, von unseren Sünden zu sprechen, sehen aber gar nicht, wie wirklich schlimm diese Sünden sind. (Es gibt auch noch andere Christen, die sprechen gar nicht mehr von Sünde...) In dieser Haltung kann uns Gott dann vergeben. Dadurch gilt: "Ein Sünder ist ein heilig Ding; der Heilige Geist macht ihn dazu." Dazu passt auch Luther's Aussage des fröhlichen Sünders, weil wir sicher sein können, dass Gott so wirkliche Sünden vergibt. Ein solcher Sünder kann zu sich stehen. Denn dieses Wissen wird uns befähigen, dass wir unsere Sünden uns von Gott zeigen lassen können, damit wir es Gott übergeben können. So können wir wirklich zu unserer Verantwortung stehen und sie sogleich unserem lieben Heiland abgeben. Wir werden dann von unseren falschen Wegen umkehren. Und Gott selber wird uns dann auch helfen, mit den Folgen der Sünde in unserem Leben umzugehen. Ich konnte schon sehen, wie Jesus einem Menschen aus der Drogensucht half. Wie er auf offener Strasse im aargauischen Bremgarten freudig rief: "Ich kann nun meine letzten Geld-Schulden zahlen." 

Oder eine junge Frau, die durch ihr wildes Sexleben Verletzungen bekam. Als sie sich bekehrte, gab Gott Ihr eine ruhige Zeit. Sie konnte vieles aufarbeiten. Und als die Zeit reif war, fand sie einen lieben Mann und ist heute eine glückliche Mutter.

Der obige Viedeo-Clip zeigt, wie Israelis mit ihrer schweren Situation umgehen können. Man darf Ihnen sicher zugestehen, dass sie Schlimmes erleben und darüber auch trauern. In einem politischen Konflikt - wie in jedem anderen - gibt es immer zwei Seiten. Als Aussenstehende können wir einfach hinhören und versuchen die Parteien zu verstehen. Wir sollten uns vor vorschnellen und oberflächlichen Urteilen hüten, denn das ist der beste Weg um unrecht zu urteilen. Wo viel Macht ist, da gibt es Machtmissbrauch, hat mal ein englischer Historiker gesagt. Daher braucht es eine offene Presse. Erst wenn die Fakten auf dem Tisch sind, kann man überhaupt ein vernünftiges Urteil fällen. In meinen persönlichen Konflikten merke ich, dass da, wo ich sehe, dass ich der Urheber bin, ist es einfach dafür Verantwortung zu übernehmen und mich zu entschuldigen. Ich muss einfach meinen Stolz überwinden. Nun gibt es aber auch Konflikte, wo mir manchmal Probleme einer anderen Person übergezogen werden. Da wäre es wichtig, sich davon zu distanzieren. Dass kann schon entspannend auf den Konflikt wirken. Es gibt da unheimliche Mechanismen, die da zwischen Menschen ablaufen können. Und dann ist es noch so, dass wenn mir Unrecht geschehen ist, dann muss ich aufpassen, dass ich nicht unrecht tue. Wobei Wut noch keine Sünde ist. Es steht geschrieben: Zürnt, sündigt aber nicht! Natürlich kann der Zorn schnell in Ueberreatkion, also Sünde münden. Wir sind nicht Gott und können daher keinen reinen gerechten Zorn leben. Aber es wäre auch lieblos, wenn uns Unrecht einfach kalt lassen würde. Gleichgültigkeit ist ja das Gegenteil von Liebe. Aber auch hier gilt: Die Sündhaftigkeit in mir würde mich gerne verleiten, dass ich Fehler anderer dazu benutze, meine Sündhaftigkeit auszuleben. Das sieht man eigentlich immer wieder: Wenn ein Politiker einen Fehler macht, dann wird er nicht nur dafür angegriffen, sondern es wird ihm gerade die Menschenwürde abgesprochen, damit man seine eigene Sündhaftigkeit an ihm auslassen kann. Mobbing funktioniert so. Ist irgendjemand anders, als eine Gruppe, dann wird er zum schwarzen Schaf. Besonders schlimm wird es wenn ideologische oder religiöse Faktoren dazu kommen, und das Ausleben der Sündhaftigkeit noch als heilige Tat beschrieben wird. Selbstkritik wird dann sehr weit von sich geschoben. Es würde sehr helfen, man würde an die alte reformierte Lehre (und meiner Meinung nach sehr biblische Lehre) der Sündhaftigkeit von uns Menschen denken: Und selbst wir Wiedergeborenen gehören dazu, weil wir, wie Luther sagte gerecht und Sünder zugleich sind. Wenn wir uns dessen bewusst wären, würden wir von unserem hohen Ross der Selbstgerechtigkeit herunterkommen. Dann würden wir auch Busse für unsere guten Werke tun, weil unser Bestes vor Gottes Massstab noch Unreinheit und Sünde enthält. 

Blaise Pascale hat es als Römisch-katholischer einmal so gesagt:

"Es gibt nur zwei Arten von Menschen: Die Gerechten, die sich für Sünder halten und die Sünder, die sich für Gerechte halten."

oder:

"Das Wissen von Gott ohne Kenntnis unseres Elends zeugt den Dünkel. Das Wissen unseres Elends ohne Kenntnis von Gott zeugt die Verzweiflung. Das Wissen von Jesus Christus schafft die Mitte, weil wir in ihm sowohl Gott als unser Elend finden."

Blaise Pascale, ein wissenschaftliches Genie und ein grosser Denker, der eine Bekehrung erlebte, wie man sich das wünschte, war ein christuszentrischer Römisch-Katholischer. Ich vermute daher wurden auch gewisse Bücher von ihm vom Pfarrer von Rom (Papst) verboten. Aber das müsste man genauer abklären.


Samstag, 24. Januar 2015

Jesu bleibet meine Freude oder Jesu Joy of Man's in verschiedenen Variationen

Jesu bleibet meine Freude oder Jesu Joy of Man's in verschiedenen Varianten: einfach schön!


Ich hatte einmal - vor langer Zeit - ein Platte, wo das Stück auf Klavier zu hören war. Dieser Klavierspielter, so hat mir die Verkäuferin damals in Baden erzählt, hat sein letztes öffentliches Klavierkonzert mit diesem Stück beendet. Vorher war er zusammen gebrochen. Als er wieder zu sich kam, spielte er noch dieses Stück: Jesu bleibet meine Freude. Für ihn bedeutete es wohl damals, bald wird er Heim gehen. Trotz seiner Krankheit bleibt diese Freude.
Leider weiss ich nicht mehr den Namen dieses Künstlers. Aber noch heute ergreift mich dieses Stück von Johannes Sebastian Bach.





Celtic Woman - Jesu Joy of Man's Desiring (live)








Joy of Man's Desiring   Johannes Sebastian Bach, Bach Cantata BMV 147



Jesu, Joy Of Man's Desiring-Christopher Parkening.












Gleich, Einheit, Gnade und Technik

Gleichheit, Einheit, Gnade und Technik

Wenn ich im letzten Beitrag Galater 3,28+29 zitiere:

"Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.
Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft (und) nach Verheissung Erben."

dann ist damit nicht eine Gleichheit und Einheit in heutigem Sinne der Statistik oder wie im buddhistischen Sinne gemeint. Im östlichen Denken gibt es die Idee, dass der "Sündenfall" (wenn man dies in diesen Religionen überhaupt so sagen darf) darin bestanden hätte, dass die Einheit oder der Idealzustand mit der Entstehung der Persönlichkeit des Individuum geschehen sei. Daher versucht man nun auch dieser Persönlichkeit zu entfliehen und ins Nirwana, ins Nichts zurückzukehren. 

Dies widerspricht ganz der biblischen Aussage. Da ist Gott der Allmächtige selber eine Persönlichkeit. Es sind sogar irgendwie drei Personen und doch nur einer. Zudem ist Gott ausserhalb von Zeit und Raum und allgegenwärtig. Etwas, was wir überhaupt nicht fassen können und darum haben wir auch Mühe mit Begriffen wie Prädestination und unsere Verantwortung umzugehen. Gott ist transzendent UND persönlich ist. Normalerweise haben wir es ja nur mit Persönlichkeiten zu tun, die an Zeit und Raum gebunden sind. Jene Persönlichkeiten, die wir sehen können, sind normalerweise alle Söhne und Töchter Adams und Evas, von denen wir die Erbsünde geerbt haben. (Sofern wir nicht mit "Uebernatürlichen" Kontakt haben...)

Auf jedenfall hat dieser Gott, der eine Person ist, uns Menschen als seine Ebenbilder geschaffen. Daraus erklärt sich, unsere menschliche Würde. Wozu auch unsere Persönlichkeit gehört, die sich von anderen unterscheidet. Gott ist dermassen kreativ, dass er uns beinahe unendlich vielfältig geschaffen hat. Wären die Menschheit nicht unter die Sklaverei der Sünde gefallen, so würden wir diese Vielfältigkeit schätzen und kämen nie auf die Idee, dass die Persönlichkeit eine Sünde wäre, die überwunden werden müsste.

Natürlich, durch den Sündenfall haben wir Mühe mit der Unterschiedlichkeit umzugehen. Wir reiben uns daran. Wir streiten. Wir führen vielleicht sogar darum Kriege. Da liegt die Versuchung nahe, den Frieden mit Einebnung der Unterschiede schaffen zu wollen. Es gibt ja diesen Slogan: Eine Sprache, ein Glaube, ein Herrscher. Jede Ideologie und ideologische Religion haftet diese Art der Vergewaltigung der Persönlichkeit und der individuellen Freiheit an. Man presst die Menschen in ein gewisses Schema, wie er zu sein und zu funktionieren hat, damit man seine Ziele, seine Ideologie zu erreichen glaubt. Und je weniger eine Ideologie der Realität entspricht, umso diktatorischer und tyrannischer wird sie über die Menschen herrschen.

Man kann sich Fragen, wo man heutige religiöse und ideologische Tendenzen einordnen möchte. Interessant ist auf jedenfall, dass wir mit Statistik Gerechtigkeit schaffen möchten. Wenn so und soviele Prozente Frauen Chefs sind, dann herrsche Gerechtigkeit. Oder neuerdings mit Gender: Es gäbe keine sexuelle Ausrichtung, die von Natur aus vorgegeben sei. Alle seien gleich, indem sie unbeschriebene Blätter seien. Glücklich werde man, wenn man seine sexuelle Identität frei wählen könne. Interessant ist dabei, dass Gender-Leute feststellen, dass der Feminismus inkonsequent sei: Die Vorwürfe gegen die Männer wollen sie dadurch bekämpften, indem sie sie selber übernehmen. Ich frage mich schon lange, warum ich mehr Gerechtigkeit haben sollte, wenn mehr Frauen Chefs sind. (Natürlich ist es gerecht, dass alle Menschen, ob Frau oder Mann, ob dick oder dünn, ob schön oder anders schön in einem Unternehmen die gleichen Aufstiegs-Chancen haben. Aber gerade die Tendenz zu Quoten unterminiert diese Gerechtigkeit, da nicht mehr jedes Individuum gleich behandelt wird. Zudem raubt die dahinter stehende Gesinnung, dass Nicht-Chefs weniger wert seien, etwas von ihrer Würde. Man würde wohl besser mehr Aufmerksamkeit auf die Motive einer jeweiligen Beförderung legen ...) Aber das wirklich problematische an dieser Idee ist, das man glaubt, dass man nur als Chef wertvoll ist. Erst dann sei man eine Persönlichkeit.

In heidnischen Gesellschaften führt dies logischerweise dazu, dass der Mann an der Spitze dann oft ein Gott ist. Leistung = Wert. Oft steht dahinter aber ein anderer Grundsatz: Macht = Wert! Es ist eigentlich erstaunlich, dass wir durch die jüdische-christliche Prägung nicht mehr einem Cäsar, einem  Diktator huldigen. Denn das wäre ja der nächste logische Schritt. Bei Sportgenies habe ich aber tatsächlich schon gehört, wie ein ansonsten vernünftiger Mann sagen konnte: "Das ist ein Gott." Er denkt also schon klassisch oder neuheidnisch.

In seinem Buch "Das Buch der Mitte" von Vishal Mangalwadi nimmt er dieses Thema auf und geht in diesem Zusammenhang auch auf den Begriff des Helden in der Zeitgeschichte ein. Auf Seite 187 staunt er darüber, dass ein Jimmy Carter als ein unterlegener Präsidient den Friedensnobelpreis erhält. Das steht ganz im Gegensatz zu einem Alexander dem Grossen (356 - 323 v. Chr.), dem Prototypen des griechischen Helden oder Kaiser August (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.). "Er (= Augustus) festigte seine Macht, indem er 300 Senatoren und 2000 Ritter per Proskription für vogelfrei erklärte. Dem darauf folgenden Massaker fiel auch der alternde Redner Cicero zum Opfer. Ausserdem erhoben sich Augustus und seine Nachfolger zu Göttern auf Erden.

Die klassische Idee des Heldentums grub sich so tief ins westliche Denken ein, dass schliesslich Napoleon Bonaparte (1769 - 1821) den Versuch unternahm, das Römische Reich wieder zu errichten, und sich dabei in seinem Herrschaftsstil stark an Augustus orientierte. " (Seite 188) Und damit stürzte er Europa in gewaltige und schreckliche Kriege. "William Blake (1757 - 1827) klagte: 'Das stärkste je bekannte Gift kam von Cäsars Lorbeerkrone." (Seite 188) Ich denke aber, dass auch in anderen Kulturen ausserhalb des Westens diese Tendenz vorherrscht. Man denke nur an die dortigen Gottkaiser und Gottkönige. Und auch Mangalwadi geht auf seine eigene indische Geschichte ein. Er sagt: 

"Das klassische Heldenbild von einem starken Mann ist fast überall gegenwärtig. Im Kern findet man viele Parallelen zur hinduistischen Heldenvorstellungen, ....

So erklärt es sich auch, warum in Indien allseits bekannte Kriminelle durchaus demokratische Wahlen gewinnen können. Haben sie die Wahl einmal gewonnen, sieht man ihnen ihre Untaten nach. Im Hinduismus erwartet man darüber hinaus, dass ein spiritueller Held seinen eigenen Körper besiegen kann und Nahrungsaufnahme, Trinken, Sexualität sowie die unwillkürlichen Körperfunktionen wie das Atmen unter Kontrolle hat.
Der islamische Held ist ebenso ein Mann der Macht, solange er nur fromm ist und ..." (Seite 188) 

Unter diesen Betrachtungen kann man gewisse Positionen des Feminismus sicherlich verstehen. Aber eben: Einfach die Fehler der Männer des Machtmissbrauch (aus jüdisch-christlicher Sicht) einfach auf einige wenige Frauen zu übertragen, schafft noch nicht Besserung.

Die Bibel setzt nicht auf diese Art der Einebnung unserer Persönlichkeit: Sie bejaht unsere Unterschiede in Charakter, Sexualität als Mann und Frau, ja von jedem einzelnen Individuum. Wir dürfen unterschiedlich sein. Wir dürfen uns selber annehmen, wie wir sind. Wir müssen uns nicht von einer Ideologie sagen lassen wie wir zu sein haben. Die Werbung hat uns nicht zu befehlen, was wir konsumieren und tragen sollen, damit wir ein wertvoller Mensch sind: Die Wahrheit ist: Wir sind Gottes Ebenbilder und darum sind wir wertvoll. Punkt! Wirklich Punkt! und nicht noch irgend eine Bedingung. 

Wir müssen uns nicht von menschlichen Ideen tyrannisieren lassen. Wir dürfen zu unserem Schöpfer gehen und er will uns Ruhe schaffen. Dafür ging unser Schöpfer sogar ans Kreuz. Und dort dürfen wir lernen uns anzunehmen, weil uns Gott selber liebt, so wie wir sind und Gott selber uns alles schenkt, was uns fehlt: Die Würde, die Vergebung, die Reinheit und wertschätzende Liebe, um nur einiges zu erwähnen. Wenn wir das verstanden haben, werden wir auch sehen, warum die Gemeinschaft der Gläubigen auch aus den verschiedensten Perlen (= Menschenleben) bestehen. Paulus benutzt dazu das Bild eines Körpers. Der eine ist eine Hand. Der andere ist ein Fuss. Der Fuss sollte nicht zur Hand sagen, dass er mehr wert sei, weil er als Fuss den Menschen trägt und fortbewegt. Und die Hand soll sich nicht über den Fuss erheben, weil sie viel geschickter als der Fuss sei. Ueber allem steht das Haupt: Jesus Christus. Als in Sünde gefallene Menschheit müssen wir lernen diese Unterschiede nicht nur als Reibungspunkt zu sehen und sie gar zu leugnen, sondern wir sollten lernen sie zu schätzen: Fuss wie Hand. Bauch wie Beine. Dann werden wir uns von der Andersartigkeit des anderen beschenken lassen können. Und wir können mit unserer Andersartigkeit die anderen beschenken. Und das ist der tiefere Sinn dahinter: 

Die Ergänzung! Unsere verschiedenen Charaktere: Melancholiker, Sanguiniker, Choleriker und Phlegmatiker ergänzen sich perfekt, wenn wir es lernen die unterschiedlichen Fähigkeiten zu schätzen und mit den Reibungspunkten umzugehen (Kommunikation + Konfliktbewältigung: Aber vor der Konfliktbewältigung steht die ehrliche Wertschätzung der Andersartigkeit des anderen!). Dann wird eine menschliche Gemeinschaft reich und gibt Platz denn unterschiedlichsten Menschen. Und dies gilt auch besonders für christliche Gemeinschaften, die dadurch die Liebe Gottes auf Erden zeigen können. Genauso ist es in der Ehe zwischen Mann und Frau und in jeder anderen Gemeinschaft. Auch im Geschäft kann man nachweisen, dass Firmen, die möglichst unterschiedliche Charaktere als Mitarbeiter haben UND gelernt haben mit der Unterschiedlichkeit umzugehen, die kreativsten und innovativsten Firmen sind.

Gleichzeitig spricht aber Galater 3,28 und 29 sehr wohl von einer Gleichheit und Einheit. Wie ist das zu verstehen? Gerade das eben beschriebene Bild (oder Gleichnis) des Körpers gibt darauf eine klare Antwort: Es zeigt uns eine Einheit in Verschiedenheit. Da wir noch nicht Verherrlicht sind, werden wir uns sicherlich immer wieder mal aneinander reiben. Aber dafür gibt es ja auch die Vergebung und Versöhnung. So können wir die sicherlich kommenden Konflikte angehen. Grundlage davon muss aber immer zuerst die Wertschätzung der Andersartigkeit des anderen sein! Sonst wird die Konfliktbewältigung zur Farce. Aber innerhalb dieser Wertschätzung (= biblisch als Liebe bezeichnet) kann das Wunder geschehen, dass gerade nach einem Streit die Versöhnung so schön ist, dass wir uns viel Näher fühlen. Leider sind wir (noch) nicht in einer perfekten Welt. Und Versöhnung ist nicht immer möglich. Aber in Christus finden wir auch hier Trost.

Damit haben wir erfasst, wie wir mit der Reibung zwischen uns umgehen können. Aber haben wir auch verstanden, wo die Gleichheit liegt, die Paulus in Galater 3,28 und 29 anspricht?

Es ist unser Wert! Wir Menschen sind alles Individuen. Aber unser Wert ist in unserer Unterschiedlichkeit gleich: Wir sind Menschen = wertvoll = Gottes Ebenbilder. Wir sind also nicht einfach nur wertvoll, wir sind sogar Gott ähnlich. Wir sind nicht Gott. Aber ihm ähnlich. Darum sind wir wertvoll! Nehmen wir Gott aus unserem Denken weg, haben wir auch keine solch gute und klare Definition des Wertes von uns Menschen mehr. Dann müssen wir Hilfsfunktionen erdenken, die aber niemals eine solch klare und vorallem standhafte Grundlage schaffen wird. Vermutlich werden wir die Wahrheit dieser Aussage selber erleben.

Leider wollen wir Menschen von Natur aus Jesus nicht als Herrn annehmen. Dazu braucht es ebenfalls ein Wunder. Das Wunder der geistlichen Wiedergeburt. Aber wenn wir diese haben, gibt es auch eine weitere Gleichheit: Die Liebe, die uns Gott erweist. Die Vergebung und das Angenommensein von Gott! Natürlich handelt es sich hier auch um eine individuelle Beziehung. Hier gilt natürlich: Einheit in der Unterschiedlichkeit. Jesus hatte Johannes auf eine andere Art lieb, wie er Petrus liebte. Und sie lebten diese Beziehung auch unterschiedlich aus. Und doch ist es die selbe Einheit. Und die Beziehungen sind obwohl sie unterschiedlich sind: gleichwertig. Eben: Einheit in der Unterschiedlichkeit. Auch wenn man einmal einen Anflug von Eifersucht von Petrus gegenüber Johannes erahnt... Aber eben: Hier sind wir ja noch nicht verherrlicht.. (s. letzter Beitrag)

Das ist für uns schwer zu verstehen, da wir im innersten glauben, dass wir nur dann einen wirklichen Wert haben, wenn wir etwas leisten. Dieser innere Antrieb treibt uns an. Weil wir glauben so unser tiefes Loch füllen zu können. Entweder mit Leistung an der Arbeit oder Leistung im Sozialen. Oder aber auch, indem wir uns in Genuss und Sucht ergeben.
Aber es befriedigt nie wirklich. Nur für einen Moment scheint das Loch in uns gestillt zu sein. Dann ruft es wieder, das Loch und treibt uns voran. 

Bei Christus ist das anders. Dort dürfen wir zur Ruhe kommen. In Christus ist alles gut. Denn er hat alles getan. Er erbringt die Leistung. Er ist unser Schöpfer als Wort Gottes. Er stillt unser innerstes Verlangen. Aus diesem Beschenkt sein, werden wir Ruhe finden. Allerdings müssen wir auch zu Jesus gehen UND bei ihm bleiben. Sonst ist sofort die Not wieder da und wir werden von unserem Loch getrieben. Wenn das geschieht: Zurück zu Jesus, dort wird alles gut. Weil er gut ist!

Jesus selber betet im Johannes-Evangelium 17 für diese Einheit. Er betet es, bevor er für uns ans Kreuz geht. Einige wenige Verse aus diesem Gebet von Jesus für uns:

"Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen." (15)

"Wie du mich in die Welt gesandt hast, habe auch ich sie in die Welt gesandt; und ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit." (19)

"Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind
- ich in ihnen und du in mir - dass sie in uns vollendet seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast." (22+23)

"Gerechter Vater! - Und die Welt hat dich nicht erkannt; ich aber habe dich erkannt, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
Und ich habe ihnen dienen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen." (25+27)

Gebet

Lieber Heiland: Herrsche so in unseren Herzen. Sei Du unser Haupt! Damit unsere Herzen zur Ruhe finden und damit die Welt glauben kann und ihren Frieden in Dir finden kann.

Amen

PS: Ich höre bereits jemand, der einwendet: "Aber Leistung am Arbeitsplatz muss doch sein!" Natürlich. Wir dürfen freudig zu Gottes Ehre unsere Kreativität und unsere Leistungsfähigkeit einsetzen. Aber es ist wichtig, warum wir dies tun! Wenn es ein Druck ist, um wertvoll zu sein. Aus Angst den Job zu erfüllen. Dann ist dies ein Aspekt des Sündenfalls, wo u.a. der Fluch bestand, dass wir Männer im Schweisses unseres Angesichts arbeiten müssten. 
Nun hat aber Adam auch vor dem Sündenfall gearbeitet. Er war Gärtner. Durfte den Tieren Namen geben, da er über sich herrschen durfte. Wobei vor dem Sündenfall herrschen klar bedeutete: Zu ihrem Besten sorgen! Jesus betont diesen Herrschaftsbegriff ja auch, indem er sagt, dass wer gross sein will, dienen soll. Und wer der Grösste sein will, soll der Sklave aller sein. 

Vor dem Sündenfall entsprang die Arbeit des Adams seiner Natur kreativ und fürsorglich zu sein. Diese Gesunde Mitte haben wir mit dem Sündenfall verloren. Sie wird aber sicher im neuen Himmelreich viel schöner wieder hergestellt. Hier auf dieser Erde leben wir noch in einer Zwischenzeit. Das Neue hat schon begonnen, das Alte ist aber auch noch da. Wir werden also schon gelegentlich im "Schweisse" unseres Angesichts arbeiten. Das kann manchmal ja sogar schön sein. Sehr befriedigend, wenn ein Berg von Arbeit erfolgreich und zur Zufriedenheit aller geschafft ist. Wobei wir aber gleichzeitig auch lernen dürfen, bereits in der Freiheit des Reiches Gottes zu leben. Dann wird aus diesem "Schweiss" ein Lobpreis Gottes. Es wird etwas vom Druck weggehen. Und selbst wenn wir versagen, werden wir wissen, dass unser Wert trotzdem noch in Takt ist! Denn Gott können wir mit allem Ehren, wenn wir es ihm übergeben. Sei es Erfolg oder Misserfolg. Denn wenn wir fallen, ist es menschlich. Wenn wir liegen bleiben, ist es teuflisch. Wenn wir aufstehen - im Vertrauen auf Jesus - dann ist es himmlisch.

Mangalwadi, dessen Buch "Das Buch der Mitte" ich gerade am lesen bin, nimmt diesen Aspekt der Arbeit sehr gut auf. Er zeigt, warum gerade im Mittelalter bei uns im Westen auch die Technik angewandt, um die Arbeit der Menschen zu erleichtern. Das hat keine andere Kultur gemacht. Noch bevor im Westen die Wissenschaft die Technik weiterentwickelte - das war Ende des 19. Jahrhundert - wandte man im Westen die Technik zum Nutzen der Menschen an. (Für mich eine neue, aber eindeutig nachvollziehbare Tatsache.)

Manchmal frage ich mich, ob durch den Schwund der jüdisch-christlichen Werte wir auch wieder beginnen, die "einfache" Arbeit nicht mehr zu schätzen und damit auch diese Arbeit nicht mehr erleichtern wollen. Damit machen wir solche Arbeiter zu einfachen Arbeitern, die doch das Wasser schleppen sollen oder die schweren Dinge. Sie sind es ja nicht wert, dass man ihnen Erleichterung schafft. Arbeit ist dann gewissermassen ein Fluch für die Armen und Dummen. Erfolgreichen, Mächtigen und Schöne brauchen das nicht. Ihnen gehört das Denken und sich wohlfühlen. Sie sind sich das Wert.

Mangalwadi schreibt ganz zu Recht:

"Erst in der zweiten Hälfte des 13. Jh. wurde der Gebrauch der Schubkarre populär - im Westen Europas. Seitdem hat fast überall das Rad den Menschen verdrängt, ausgenommen in Kulturen, in denen einige Bevölkerungsgruppen dazu verdammt sind, weniger zu gelten als andere Menschen - dazu gehören vor allem Frauen, Kinder, Sklaven, Knechte sowie Angehörige von Minderheiten und niederen Kasten.

Während die Schubkarre eine Arbeitskraft einspart, vervielfältigt das Schwungrad die menschliche Kraft,..." (Seite 158 - 159 Das Buch der Mitte.)

Es scheint mir konsequent, wenn in unserer nachchristlichen Welt eine Tendenz möglich wird, indem die Reichen immer reicher werden und der Mittelstand immer unbedeutender. Das wird in der Schweiz etwas länger dauern, als im übrigen Europa, weil wir demokratischer und mittelständischer sind. Aber es besteht die ernsthafte Gefahr, dass es so kommen könnte, wenn wir hier nicht umkehren und wieder Gottes Massstäbe annehmen. Bisher waren es 68-er, die die Bibel ablehnten. Wobei tatsächlich aber immer noch viele Linke jüdisch-christliche Werte gerade im sozialen Bereich vertraten. Das es mittlerweilen ebenfalls Konservativen gibt, die ebenso die Bibel verleugnen und zu ungehemmten Kapitalismus neigen, ist eine erschreckende Tatsache. (Dabei verhalf Calvin und die Reformation gerade durch gesunde Grenzen dem gerade aufkommenden Kapitalismus zu seinem Erfolg. Die ungerechten Nebenwirkungen sind die Ueberschreitung dieser gesunden Grenzen. Später dann durch die Idee angefeuert, dass der Fitteste den Schwächeren übervorteilen dürfe, förderte es das Konkurrenzdenken. Da tauchte wieder der "klassische"  Held auf. Jener Mann, der den Schwächeren besiegt und sich über alles hinwegsetzt und die Welt so formt, wie es ihm passt. Diesen Typus von Helden versuchte man im Mittelalter mit ritterlichen Gedanken zu bändigen. Im Kapitalismus waren es Ethik, Arbeitswertschätzung und gesunde Gesetze.)  Und damit sagen sie sich selber den Ast ab, den sie stark gemacht hat. Dies gilt aber genauso für die Linken. Denn die Bibel lehrt die gesunde Mitte: Soziale Verantwortung UND Freiheit! Technische Nutzung zum Wohl der Menschheit und vernünftiger Einsatz der Technik, damit die Technik nicht zum Monster wird. Alle sollen am technischen Fortschritt profitieren, Klein wie Gross. Wer eine gute Idee hat, soll sie verwirklichen können - zum Wohle aller.

Freiheit soll herrschen, aber mit vernünftigen Rahmenbedingungen, damit die Freiheit auch bewahrt werden kann. Warum ist dies so? Weil die Sünde uns Dinge verspricht, die sie nicht halten kann und uns gleichzeitig versklavt und immer tiefer ins Unrecht verstricken wird. Bei diesem Sog nach unten werden wir uns einreden, dass alles in Ordnung sei. Darum ist der erste Schritt daraus immer, die Feststellung der Realität. Das kann zur Verzweiflung führen. Darum braucht es auch den zweiten Schritt: Vergebung von Gott und die Hilfe Gottes, dass er uns aus dem Sumpf der Sünde zieht. Das ist die geistliche Hintergrundmusik, die spielt. Zurück aber zur Technik:

Mangalwadi hat eine interessante Antwort auf die Frage, wie überhaupt die Grundlage für die technische Entwicklung gelegt werden konnte:

"Wie Europa verfügte auch mein Heimatland über religiöse Gemeinschaften und geniale Erfinder. Warum gelang es uns trotzdem nicht, Uhren zu entwickeln oder eigenständige Maschinenbau zu betreiben? Uns fehlte meines Erachtens die biblische Weltsicht, denn wir hielten das Universum nicht für eine durchdachte und minuziös geplante Schöpfung. In unseren Augen war es entweder göttlich oder ein Traum, aber kein reales schöpferisches Produkt von Intellekt, Willen und Schaffen.

Aufgrund dieser Weltsicht sahen unsere Mönche keinen Sinn darin, ihre Geisteskräfte dafür einzusetzen, um besser mit der Zeit umzugehen und sie effektiver nutzen zu können. Sie konzentrierten sich vielmehr voll und ganz darauf, Wege zu finden, wie sie dem endlosen Rad der Zeit (samsara) durch geist-leerende Meditation entfliehen konnten. Ihr Ziel war, der Arbeit zu entfliehen, und nicht, sie zu erleichtern. Sie brauchten keine Uhren, da sie ja sozialen Verpflichtungen bewusst entrinnen wollten. Ebenso wenig versuchten sie, durch aufeinander abgestimmtes gemeinsames Arbeiten und Wirtschaften zur Erlösung vom Fluch der Mühsal zu finden." (Seite 162)

Vom Fluch der Mühsal der Arbeit zu entfliehen. Das war das Ziel der mittelalterlichen Mönchen im Westen, als sie technische Hilfsmittel erfanden und für die Arbeit einsetzten. Dabei achteten sie ehrliche Arbeit. Das gleiche Geschah während der Reformation, wo Luther den Begriff Beruf von Berufung kreierte. Sinnvolle und kreative Arbeit, dafür sind wir geschaffen. Das ist kein Fluch, sondern zeigt uns, dass wir etwas bewegen können, dass wir kreativ seien können, dass wir etwas schaffen können. Aber stumpfsinnige, krankmachende Arbeit sind eine Folge des Sündenfalls, die wir angehen sollten. Gute Arbeit tut dem Arbeiter gut. Und sie ist, nach biblischen Verständnis, mit der gleichen Würde ausgestattete, wie wenn ein Künstler ein Kunstwerk schafft. Darum sollten wir den Strassenwischer ebenso achten, wie den Professor oder Künstler. Und darum sollten wir auch allen, dem Strassenwischer wie dem Professor und dem Künstler gute Arbeitsbedingungen verschaffen.

Doch die Tendenz in unserer Gesellschaft betont mittlerweilen etwas ganz anderes. Auch hier geht Mangalwadi darauf ein, wenn er über unsere westliche Gesellschaft schreibt:

"Heute, in der nachchristlichen Aera des Westens, sind für viele die Maschinen zu 'bösen Geistern' geworden. Hollywood zum Beispiel produziert ein ganzes Genre von Filmen, inspiriert von der Idee, dass das eigentliche Problem der Welt nicht der Kampf zwischen Gut und Böse, sondern der Konflikt zwischen Menschheit und Maschinen sei. Zu den populärsten Filmen dieser Art gehören die 'Matrix'-Trilogie, die 'Terminator'-Filme und verschiedene Episoden von 'Star Treck'. Filme wie Tiger & Dragon' preisen die Magie buddhistischer Meditation statt technischer Innovation. Sie missachten die Tatsache, dass das historisch erwiesene Wunder menschlichen Denkens seine Ausdruck in der Technik findet und nicht in der Meditation, die den Verstand entleert." (Seite 167) 

Danach geht er auf Mahatma Gandhi ein, der leider ebenfalls Technik feindlich eingestellt war. Vorher beschreibt er, wie Gandhi ehrliche Arbeit schätzte und so die einfache Arbeit würdigte, was für Indien nicht selbstverständlich war. Gandhi persönlich webte an einem Handwebstuhl und brachte so den biblischen Arbeitsethos sehr deutlich zum Ausdruck. Nun aber brachte Gandhi aber auch den britischen Idealismus eines John Ruskin, der ein grosser Skeptiker der Technik war. Dazu schreibt er:

"Mahatma Gandhi brachte diesen Widerstand gegen die Technik nach Indien. Glücklicherweise wusste Gandhis jünger Nachfolger Pandit Jawaharlal Nehru, der ebenfalls in England studiert hatte und später Indiens erster Premierminister wurde, dass nicht industrielle Gesellschaften genauso verwerflich handeln können wie ihre industriellen Gegenüber, wohnt doch das Böse in unseren Herzen und nicht in der Technik.
Nehru wusste auch, dass das christliche Gewissen Englands durchaus darum gerungen hatte, den Schaden, den die industrielle Revolution anrichtete, abzumildern. Auf diese Weise wurde die Industrialisierung auf lange Sicht eher zum Segen als zum Fluch.
Nehru führte Indien weg von Gandhis Vorliebe für den Handwebstuhl und hin zur Mechanisierung und Industrialisierung. 2003 bewilligte die indische Regierung sogar eine bemannte Reise zum Mond. Weise oder unweise, erfolgreich oder katastrophal - diese Mission bildete einen symbolischen Höhepunkt in der Entschlossenheit des Landes, Gandhis Ablehnung des technischen Fortschritts zu überwinden. Doch losgelöst von den moralischen und sozialen Werten der Bibel könnte dies in dem Bemühen münden, ein Taj Mahal im Weltraum zu errichten. (Seite 168)

Danach geht er auf die Zeit von Taj Mahal. Dabei beschreibt er dieses grandiose Werk von Menschenhand. Er beschriebt aber auch, wie zur gleichen Zeit 1631 der Monsun ausgeblieben ist und dadurch die Landwirtschaft extrem litt. Dabei zitiert er den Briten Peter Mundy, der Schreckliches über die damaligen Zustände berichtete (s. Seite 169). Danach geht er auf die Frage ein, warum sie keine Dämme und keine Lagerhäuser gebaut hatten. Indien konnte gleichzeitig ein solch wunderbares Werk schaffen und  nutzte zur gleichen Zeit seine Kenntnisse nicht, um eine landwirtschaftliche Notsituation zu überwinden. Neben der Technik braucht es eben auch "eine umsichtige Staatsführung", "und eine Reihe von Bedingungen wie gerechte Gesetzte, faire Besteuerung und wirtschaftliche Stabilität." wie er auf Seite 170 schreibt. Der Grossvater des damaligen Herrschers versuchte dies sogar. Aber bis 1620 wurden zum Beispiel die Steuern von 50% auf 75% erhöht. "Darüber hinaus war es üblich, dass sich die Steuereinnehmer ihr Einkommen von den einfachen Landarbeitern holten. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als mit Erpressung zu arbeiten, da sie selbst keinen Lohn erhielten. Der Landbevölkerung blieben daher nur 18 bis 20 Prozent der Ernte.

Das war ein gewaltiger Bremsklotz gegen Einfallsreichtum und Produktivität. Damals konnte man nur mit Ausbeutung Geld verdienen, im Selbstverständnis der hinduistischen, buddhistischen und islamischen Herrscher hatte der Dienst am Volk keine Platz. Das Volk existierte lediglich, damit es seinen Herrschern gut ging; die Menschen sollten um der Herrscher willen leben, nicht zur Ehre Gottes." (Seite 170)

Als Kommentar dazu fügt er an:

"Die säkulare Vorstellung, dass die Individuen zu ihrer eigenen Ehre leben könnten, steht philosophisch auf unsicherer Grundlage. Diese Sichtweise kann letztlich nicht überzeugen, da der Einzelne für sich nur eine Bedeutung finden kann, wenn er in Beziehung zu einem Gesamten steht - z.B. zu seiner Familie, zu Tieren, zu Gruppen, zur Kirche, zum Staat, zur Philosophie, zur Natur oder zu Gott." 

Interessant?

Ausnahmen bestätigen diese Regel sicherlich. Wie der von ihm erwähnte Grossvater von Grossmogul Shah Jahan. Aber sicherlich ist auch dies wahr:

"Die Tugenden der Demut, des Gehorsams, der Geduld und der Zuverlässigkeit waren im Denken aller mächtigen Generäle und Beamten fest verankert, doch diese Haltung ging zu Lasten von intellektueller Initiative, selbständigem Denken, Eigenständigkeit, Integrität und Mut.
Schikaniert und von ihrem Herrscher wie Kinder behandelt, überraschte es kaum, dass sich dann im Gegenzug solche 'Ehrenwerte' gegenüber ihren Knechten, Lastenträgern, Soldaten und Landarbeitern wie launische, kleinliche Tyrannen aufführten. Das ganze System war als Machtpyramide darauf angelegt, die macht des Moguls permanent zu sichern - durch skrupellose Gewalt, Züchtigung, Intrigen innerhalb des Harems, Bestechung oder blanken Terror." (Seite 171)

Mir kommt her der Gedanke des Machtmissbrauchs oder die Machtausübung des Bösen. Es ist das Gegenteil wie Gott herrscht: Gott regiert gerecht und mit wertschätzender Liebe. Ein Fürsorgliches, überschwängliches Schenken und Dienen. Dazu gehört auch, dass Gott unser freches Benehmen ihm gegenüber erträgt. Er kommt sogar als Baby in unsere Welt und lässt sich so auf uns ein. Er vergibt gerne und schafft uns Freiheit.

Calvin beschreibt in seiner Daniel Auslegung ebenfalls eine Form des Machtmissbrauchs von Herrschern. Wenn Herrscher glauben, Gott sein zu können und sich von ihren Untergebenen anbeten lassen. Dadurch werden sie geschmeichelt und in ein Gefängnis gesetzt, dass schlimmer ist, als ein Mann im Gefängnis. Denn ein solcher Herrscher hat keine wirklichen Freunde mehr. Er hat niemanden mehr, der ihm noch die Wahrheit sagen wird. Alle wollen von diesem Herrscher nur profitieren. Darum reden sie ihm nach den Mund - und manipulieren den Herrscher so zu ihren Gunsten.

Nicht auf Gott zu hören, der es wirklich gut mit uns meint, ist verführerisch. Aber die Verführung erfüllt sein Versprechen nicht - oder nur kurz und oberflächlich. Darum fordert die Verführung auch immer mehr und macht uns unfrei. Gott aber hält seine Versprechen und schafft wirkliches und sinnvolles ewiges Leben. Und schon hier auf dieser Erde können wir davon profitieren. - Oder aber auch nicht. Dann werden wir unseren Willen bekommen und nach unserem eigenen Richten gerichtet werden. Und das wird, laut der Bibel, die Hölle für uns sein, wenn wir bekommen, was wir aus uns selbst verdient haben und an anderen und der Welt verurteilen.

Daher empfehle ich den Weg der Gnade zu gehen. Den wir alle bitter benötigen.

Zum Abschluss noch einmal Worte von Mangalwadi:

"Asien und Afrika fehlte es nicht an Begabung. Aber Begabung allein genügt nicht, um technischen Fortschritt anzustossen, der den Menschen Erleichterung bringt. Jesus sagte, die Menschen seien den Schafen ähnlich - sie brächten einen guten Hirten. 
Ohne verantwortungsbewusste Hirten wird Sklaverei die Regel bleiben - angefangen von den Frauen in Jinja bis zu den 'Unberührbaren' in Indien.
Kulturen, die keine biblischen Werte kennen ,brauchen mehr als nur Technik. Sie benötigen ebenso eine Lebensphilosophie, in der die Menschenwürde im Mittelpunkt steht. Tatsächlich ist Technik säkular und zunächst wertfrei. Menschen mit und ohne Glauben können sie entwickeln, um sie für sich und andere zu nutzen. Wie Professor Stark in seiner Forschung über die Sklaverei und ihre Abschaffung herausfand, schenkt der Säkularismus jedoch keine Befreiung.

"Schaut man sich die führenden Köpfe der 'Aufklärung' einmal näher an, wird klar, dass sie die Sklaverei voll und ganz akzeptierten ...Nicht die Philosophen oder säkularen Intellektuellen verbündeten sich gegen die Sklaverei und nannten sie verwerflich, sondern ausgerechnet die Menschen, die von ihnen so verachtet wurden: Männer und Frauen mit ausgeprägtem christlichem Glauben und humanem Menschenbild wandten sich gegen die Sklaverei, weil sie in ihren Augen Sünde war..." (Seite 172)

Das gilt sicherlich für einen John Newton und ein Wilberforce. Allerdings ist auch John Newton ein Beispiel für ein Kapitän eines Slavenschiffes. Er hatte ein sehr bewegtes Leben. War u.a. selber in Afrika ein Sklave (oder beinahe wie ein Sklave gehalten). Später bekehrte er sich und als solcher fuhr er weiterhin Sklavenschiffe - als Kapitän. 
Erst mit der Zeit bemerkte er, dass er hier einen Fehler machte. Gott musste ihm - vielleicht ein Schlaganfall - schenken, damit er nicht mehr als Kapitän eines Sklavenschiffes arbeitete. Mit der Zeit entwickelte er sich zu einem Prediger gegen die Sklaverei, der gerade Wilberforce wesentlich ermutigte als Parlamentarier gegen die Sklaverei zu kämpfen. John Newton war übrigens auch der einzige ehemalige Kapitän eines Schiffes, der vor Gereicht aussagte, was dort wirklich abging. Dies war für die Bevölkerung von damals nicht offensichtlich. Aber jeder konnte Anteile an diesen schlimmen Unternehmen kaufen. Es war so rentabel, dass es auch viele taten.
Es zeigt, wie schlimm eine Sünde in einem Volk sein kann und es das Volk einfach nicht merkt, was es da tut. Völlig blind. Willberforce brauchte lange, um die Erklärungen für die Sklaverei zu entlarven. Danach hörte er, die wahren Gründe: Wirtschaftlich ist es nicht verkraftbar, die Sklaverei abzuschaffen. 
Also auch hier treffen wir auf unsere Zwischenzeit. Sogar eine christliche Gesellschaft repräsentiert diese überdeutlich. 
Willberforce schlug das alles auf die Psyche. Er wurde sogar Drogensüchtig. Aber Gott half durch.
Auch John Newton hatte, lange bevor er sich bekehrte von Gott eine Liebe zu einer Frau erhalten, die ihn durch sein wildes Leben, wie ein Stern am Himmel, durch trug. Später, als er offizieller Prediger der anglikanischen Kirche wurde und mit diesem Stern verheiratet war, nannte man ihn gelegentlich der kleine Whitefield, weil er George Whitefield so gerne zitierte.
John Newton brauchte von Gott Gnade. Darum dichtete er auch die Liedstrofen von Amacing Grace. Der gleichlautende Film - sehr zu empfehlen - zeigt ihn beinahe als einen Mönch in der anglikanischen Kirche. Tatsächlich war er aber mit seiner Kapitänsmütze als anglikanischer Prediger tätig. Und eben, er war glücklich verheiratet.

In diesem Film - Amacing Grace (2006) -  sieht man, wie auch Willberforce in seinen schwersten Stunden eine liebe Frau erhält. Das konnte ich noch nicht nachlesen, da die entsprechenden Bücher zum lesen bereit liegen...

Auf jedenfall gilt auch dies: 
Wir dürfen Gott um unsere Bedürfnisse bitten. Er wird immer antworten und unsere wirklichen Bedürfnisse befriedigen. Das kann mal etwas anderes sein, als wir dachten. Dafür ist es besser, als wir dachten.

Gott segne Sie!

Amen

PS: Hier der Trailler zu diesem Film:

Wie gesagt: John Newton war ein Mann, der verheiratet war. Die Gnade Gottes schenkte ihm ein erfolgreiches Leben als Pfarrer. Das kommt in diesem Film etwas kurz. Macht aber doch sichtbar, wie er sich als Sünder fühlte, der die Gnade Gottes erlebte.

und hier eine Version des Liedes


Auch Elvis sang dieses Lied. Hoffen wir, dass er in seinem riesigen Erfolg das nicht vergessen hat.



Hier eine keltische Interpretation dieses Liedes.

Man mag halten, was man will von diesen Interpretationen. Es deutet aber darauf hin, was wirklich wertvoll an der westlichen Kultur ist - oder vielleicht auch war... Vielleicht werden ja die Inder oder Chinesen dieses Erbe antreten? Man wird sehen.

Freitag, 23. Januar 2015

Da ist weder Jude noch Grieche Wie ein Jude Christ wurde.

Dieser Lebensbericht ist beeindruckend: Ein Israeli der Jude ist und an Jesus gläubig wurde - und sich immer noch als ein 100% Jude empfindet, ist beeindruckend. Er wird mit englischem Untertitel übersetzt.

Paulus - selber Jude - sagte es einmal so:
"Da ist nicht Jude noch  Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft (und) nach Verheissung Erben." (Galather 3,28+29)

Jesaja 53, für uns Christen im Alten Testament und für Juden in ihrer Bibel dem Tenach, wurde diesem Mann im Bericht sehr wichtig. Hier der Text (aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt aus der Zürcher Bibel):

"1 Wer hat geglaubt, was uns verkündet wurde;
und der Arm des HERRN, über wem ist er offenbar geworden?
2 Und wie ein Säugling wuchs er auf vor ihm und wie eine Wurzel aus dürrem Land.
Er hatte keine Gestalt und keine Pracht, dass wir ihn angesehen hätten,
und sein Aussehen war nicht so, 
dass er uns gefallen hätte.

3 Verachtet war er und von Menschen verlassen,
ein Mann der Schmerzen und mit Krankheit vertraut 
und wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt,
ein Verachteter, und wir haben ihn nicht geachtet.
4 Doch unsere Krankheit, er hat sie getragen,
unsere Schmerzen hat er auf sich genommen.
Wir aber hielten ihn für einen Gezeichneten,
für einen von Gott Geschlagenen und Gedemütigten.
5 Durchbohrt aber wurde er unseres Vergehens wegen,
unserer Verschuldungen wegen wurde er zerschlagen,
auf ihm lag die Strafe, die unserem Frieden diente,
und durch seine Wunden haben wir Heilung erfahren.

6 Wie Schafe irrten wir alle umher,
ein jeder von uns wandte sich seinem eigenen Weg zu,
der HERR aber liess ihn unser aller Schuld treffen.
7 Er wurde bedrängt,
und er ist gedemütigt worden,
seinen Mund aber hat er nicht aufgetan
wie ein Lamm, das zur Schlachtung gebracht wird,
und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt.
Und seinen Mund hat er nicht aufgetan.
8 Aus Drangsal und Gericht wurde er herausgenommen, doch sein Geschick - wen kümmert es?
Denn aus dem Land der Lebenden wurde er herausgeschnitten, der Schuld meines Volkes wegen hat es ihn getroffen.
9 Und bei Frevlern gab man ihm sein Grab und bei Reichen, als er starb, 
obwohl er keine Gewalttat verübt hatte 
und kein Trug in seinem Mund war.
10 Dem HERRN aber gefiel es, ihn mit Krankheit zu schlagen. Wenn du ihn zur Tilgung der Schuld einsetzt,
wird er Nachkommen sehen, wird er lange leben, 
und die Sache des HERRN wird Erfolg haben durch ihn.
11 Der Mühsal seines Lebens wegen wird er sich satt sehen,
durch seine Erkenntnis wird er, der Gerechte, mein Diener, den Vielen Gerechtigkeit verschaffen,
und ihre Verschuldungen, er wird sie auf sich nehmen.
12 Darum werde ich ihm Anteil geben bei den Vielen, und mit Starken wird er Beute teilen dafür, dass er sein Leben dem Tod hingegeben hat und sich den Uebeltätern zurechnen liess.
Er hat die Sünde vieler getragen, und für die Uebeltäter trat er ein."

Was für ein Gott, der mich, wie diesen Herrn im Video erwählt hat und dafür soviel auf auf sich nahm. Verdient habe ich es nicht. Es wäre meine gerechte Strafe gewesen. Ob ich meine Sündhaftigkeit auslebe oder auch nicht. 

Natürlich ist hier auf Erden schon ein Unterschied, ob ich meine Sündhaftigkeit auslebe oder nicht. Die Qualität des Lebens wird davon beeinflusst. Doch es ist auch so elend. Wieviele unserer Philosophen haben von diesem Leid geschrieben? 
Auch nicht-christliche Denker erahnen etwas von unseren Abgründen. Da wird vom Menschen als Wolf gesprochen. Der Konflikt aber zwischen Gut und Böse wird sich bei einem Wiedergeborenen Menschen noch steigern. In Römer 7 beschreibt Paulus, wie sein Geist willig sei, aber sein Fleisch schwach. Als er Christ geworden wurde, als er nicht nur bildlich von Jesus vom hohen Ross geworfen wurde als er nach Damaskus wollte, um Christen zu verfolgen, begann noch eine viel grössere Zerreisprobe: Denn nun bekam er ein neues Herz: Sein Herz wurde "fleischern" und war nicht mehr aus Stein. Nun WOLLTE er aus tiiefstem Herzen das Gute tun. ABER noch immer war auch das Alte da. Das ist dann der geistliche Kampf, der ein Christ führen sollte, nämlich nicht seine "alte" Natur auszuleben, sondern in Christus bleiben, damit Christus seine Früchte wachsen lassen kann. 
Das hat dann nichts mehr aus Werken gerecht gesprochen werden zu tun, sondern mit Gott wirken lassen, dem alleine alle Ehre gebührt!

Ein Nichtchrist wird dies vermutlich nicht verstehen, weil er die Anfechtungen eines Christen und die Wiedergeburt nicht kennt. Vielleicht kann er es aber ein bisschen nachfühlen, weil er ja sicherlich auch gewisse gute Dinge tun will und merkt, dass er aber manchmal lieber das pervertiert Gute tun möchte. Das pervertierte Gute ist das Böse. Das Böse ist die Verbiegung des Guten. Daher nimmt das Böse das Gute als Kraftquelle. Selber wirkt das Böse ja nur den Tod.

Als Nichtchrist muss man sich das so vorstellen: Auf einmal beginnt Gott selber das innerste von einem zu ändern. Man will nicht mehr die Steuererklärung falsch ausfüllen, den Geschäftspartner betrügen, seine Frau betrügen, sich hochmütig verhalten ABER zu gleicher Zeit ist auch der alte Mensch noch da, der genau dies tun will. Das Fleisch, wie Paulus sagt (s. Römer 7), ist dabei stärker als der Geist. Wir sind aus uns selbst verloren. In Römer 7,25 zeit Paulus auf Jesus Christus, der uns aus diesem Elend befreit! In Christus Jesus gibt es keine Verurteilung mehr (Römer 8,1) Dann sagt er in den folgenden Versen deutlich, dass wir aus dem Fleisch, d.h. aus uns selber nichts tun können. Christus ist es, der das Gesetz erfüllt und in ihm haben wir alles.

Vielleicht habe ich es zu wenig klar erklären können. Es ist so komplex. Oft habe ich auf diesem Blog versucht die Gnade zu erklären. Es gibt Leute, die warfen mir dann vor, dass die Ungerechtigkeit dann überhand nehme. Wer so argumentiert, glaubt vermutlich, er könne wirklich aus sich selber 100% Gutes tun. Und daher kommen wohl auch viele Probleme unter uns Christen. Wir glauben, wir seien seit unserer Errettung geheiligt und damit schon verherrlicht. In einem geistlichen Sinne stimmt dies. Aber zu gleicher Zeit ist auch noch das Alte da. Man sehe sich nur das Gleichnis von Jesu mit dem Pharisäer und dem Zöllner an: Beides sind Juden. Sie gehören zur alten Kirche. Beide sind mit 8 Tagen beschnitten worden. Auf unsere Kultur übertragen, könnten wir sagen: Sie sind Kirchenmitglieder einer Landes- oder Freikirche und liessen sich als Kinder oder Erwachsene taufen. Dabei glauben wirklich beide an den biblischen Gott und das Wort Gottes, die Bibel. Der Pharisäer kann sogar zu Gott sagen, dass er zu keinen käuflichen Damen geht, nicht stielt, nicht betrügt. Er bezahlt alle Steuern und gibt von allem, was er bekommt 10% weiter. Er hält sich also für nicht geizig, sondern grosszügig. Dabei schaut er auf seinen Mit-Kirchengänger (damals war es der Tempel, heute wäre es  eine Kirche oder Gemeinde) und meint, dass er viel besser als dieser andere Kirchgänger sei. 
Der andere aber, ein Zöllner, also jemand, der den anständig arbeitenden Leuten Abgaben und Steuern abverlangt, schlägt sich auf die  Brust und betet, dass Gott ihm gnädig sein soll.

Es ist wohl offensichtlich, dass der Pharisäer die Sünde der Hochmut begangen hatte. Und es ist noch offensichtlicher, dass er es nicht bemerkte. Aber das sind wir uns doch schon gewohnt: Wir Menschen erkennen viel besser, was andere für Sünden und Unrecht machen, als wo wir sündig sind. Dies gilt sogar für ganze Völker. Man ist wie blind, für die eigenen Schwächen. Nun dieser Pharisäer war zudem lieblos und verachtete seinen nächsten Menschen. Hätte er einen Funken Liebe gehabt, hätte er anders gedacht. Der Zöllner aber, der sich auf die Brust schlägt und Gott bittet: "Sei mir armen Sünder gnädig." Dem ist Gott tatsächlich gnädig. Gott vergibt ihm und nimmt ihn an.

Meine Frau meinte zu diesem Gleichnis, nun könne aber der Zöllner wie der Pharisäer vor Gott treten. Und genau hier besteht die Gefahr!!!! Das hat Jesus doch sicher nicht mit diesem Gleichnis gemeint: Bekehrt Euch von Euren Sünden und lernt Gutes tun + glaubt, ihr könntet dass ohne mich tun und dann könnt ihr Euch über andere Erheben. Gerade diese "ohne mich tun", d.h. ohne Gott tun, verführt uns zur Selbstgerechtigkeit, die immer in Hochmut und Selbstüberschätzung führt. Gerade dann werden wir zu Pharisäern. (Wobei ich betonen möchte, dass es sicherlich auch Pharisäer gab, die demütig waren und diese Sünde nicht taten, bezw. diese Sünde Gott als Sünder abgaben. Jesus musste diesen bibelgläubigen Pharisäer so angreifen, damit wir nicht als bibelgläubige Christen in diese Falle tappen. Uebrigens auch nicht bibelgläubige Christen und Nicht-Christen  fallen in diese Falle. Dann sind die ausgegrenzten die Armen oder die Reichen - je nach Gruppe kann es auch die Linken oder die Rechten usw. sein.)

Es erstaunt nicht, dass gerade Römer 7 oft auch so ausgelegt wird, als ob es sich hier um Menschen vor ihrer Wiedergeburt / Bekehrung handle. Dabei ist es doch offensichtlich: Erst nach unserer Wiedergeburt wird dieser geistliche Kampf erst richtig losgehen: Denn nun wollen wir das Gute! Aber da wir erst beim zweiten Wiederkommen von Jesus verherrlicht werden, können wir es nicht aus uns selber!!!!! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!

Auch Augustin musste zugeben, dass er anfänglich Römer 7 so falsch ausgelegt hat. Calvin geht bei seiner Römerauslegung darauf ein:

"So berufen sich die Sophisten auf diese Stelle, wenn sie den freien Willen definieren oder einschätzen wollen, was die natürliche Kraft vermag. Aber, wie ich schon gesagt habe, behandelt Paulus hier nicht die blosse Natur des Menschen, sondern beschreibt an seiner Person, wie beschaffen und wie gross die Schwäche der Gläubigen ist. Eine Zeit lang unterlag auch Augustin diesem verbreiteten Fehler. Aber als er diese Stelle genau untersucht, nimmt er nicht nur zurück, was er falsch gelehrt hat, sondern versichert nachdrücklich im ersten Buch an Bonifatius mit vielen wahren Argumenten, dass es nicht anders als auf die Wiedergeborenen bezogen werden kann...." (Seite 361)

"Das ist daher ein verbreiteter Fehler, dass in diesem gesamten Kapitel die Natur des noch nicht wiedergeborenen Menschen beschrieben werde." (Seite 361)

Wenn man sich jetzt noch bewusst wird, wie wir als Christen in Jesus immer und sofort Vergebung erhalten, merken wir, wie bevorzugt wir sind, obwohl wir der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes nicht genügen. Dass müsste uns barmherzig für andere machen UND uns helfen, uns für unsere täglichen Sünden bei Gott - und wohl auch immer wieder - bei Menschen zu entschuldigen. Diese Demütigung wird unser Stolz ankratzen. Vielleicht wird es wie ein Sterben sein? ABER es wird uns auch frei machen und fröhlich. Das meinte ja auch Luther, wenn er sagte, wir sollen fröhliche Sünder sein. Denn so können wir auch zu unseren Fehler stehen und müssen sie nicht ständig verdrängen.Das wird unserer Psyche und den anderen gut tun. Denn wir sind nun frei, aus uns selber gut sein zu müssen. Denn so wie wir aus Gnade berufen wurden, so sollen wir nun auch aus Gnade leben.

Bereits Paulus musste warnen: Diese Freiheit soll aber nicht gebraucht werden, um zu sündigen. Das wäre katastrophal. Genauso, wie wenn jemand sagen würde: Gott hat es so geführt, nun habe ich gesündigt. Gottes Güte und Gottes Prädestination leugnet nicht unsere Persönlichkeit und Verantwortung!!!!! Sonst hätte Jesus dafür ja nicht ans Kreuz müssen. Ganz im Gegenteil: Wir müssen uns unsere Verantwortung bewusst werden, u.a. indem wir Gottes Wort studieren, damit wir überhaupt wissen, was falsch und richtig ist. Sobald wir aber etwas von unserer Sündhaftigkeit erkennen, dürfen wir es Jesus Christus übergeben. Dabei dürfen wir sicher sein, so wie das Bild der alttestamentlichen Priester Sühnung vor Gott verheissen haben, so erfüllt dies für uns Jesus, denn er ist unser Hoher Priester: Durch Jesus Christus haben wir jederzeit Zugang zu Gott dem Vater und sein Heiligtum! Das Blut, also das von Christus geleistete Opfer, macht dies möglich. Wir können als Sünder zu Jesus gehen. Und genau genommen, können wir nur so zu ihm gehen. Lassen wir uns nicht einreden, wir müssten uns selber Gut machen, bevor wir uns Gott nahen können. - Natürlich müssten wir das. Aber wir können uns nicht selber waschen. Das hat Jesus schon getan. Darum lasst uns als Sünder zu ihm gehen und er vergibt uns. Als Wiedergeborene dürfen wir sogar wissen, dass er für unsere vergangenen, aktuellen und zukünftigen Sünden gestorben ist. Er hat teuer dafür bezahlt. Lasst uns nun lernen, warum es soviel gekostet hat, damit wir nicht, wie Bohnhoeffer gesagt hat, eine billige Gnade haben. (Wenn wir die Sünde verharmlosen, wird automatisch die Gnade Gottes "billig". Aber sie ist eine teure Gande, die Gott viel gekostet hat, weil unsere Sünden - auch als Christen - echte Sünden sind. Man muss dazu nicht erst die Kirchengeschichte lesen.)

Viel einfacher erklärt dies der Heidelberger Katechismus (übrigens ein "klassisch" reformierter Katechismus). Hier ein Beispiel. Der Heidelberger Katechismus gibt immer auch Bibelstellen zu seinen Antworten, die man nachlesen kann:

"Frage 59
Was hilft es dir aber nun,
wenn du das alles glaubst?

Ich bin dadurch in Christus vor Gott gerecht und ein Erbe des ewigen Lebens.
(Hab 2,4; Röm 1,17; Joh 3,36)

Frage 60
Wie bist du gerecht vor Gott? 

Allein durch wahren Glauben an Jesus Christus.    (Röm 3,21-25.28, Gal 2,16; Eph 2,8-9; phil 3,9)
Zwar klagt mich mein Gewissen an,
dass ich gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt und keines je gehalten habe
und noch immer zu allem Bösen geneigt bin.
Gott aber schenkt mir ganz ohne mein Verdienst aus lauter Gnade die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi.
Er rechnet sie mir an, als hätte ich nie eine Sünde begangen noch gehabt und selbst den ganzen Gehorsam vollbracht, den Christus für mich geleistet hat,
(Röm 3,9-20//Röm. 7,23// Tit3,5//Röm 3,24; eph 2,8// 1. Joh 2,1+2//Röm 4,4-5; 2.Kor 5,19)
wenn ich allein diese Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.
(2. Kor 5,21 // Röm 3,22; Joh 3,18)

Frage 61
Warum sagst du, dass du allein durch den Glauben gerecht bist?

Ich gefalle Gott nicht deswegen, weil mein Glaube ein verdienstvolles Werk wäre.
Allein die Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi ist meine Gerechtigkeit vor Gott.
Ich kann sie nicht anders als durch den Glauben annehmen und mir zueignen.
(1. Kor 1, 30; 2,2  // 1. Joh 5,10)

Frage 62
Warum können denn unsere guten Werke uns nicht ganz oder teilweise vor Gott gerecht machen?

Die Gerechtigkeit, die vor Gottes Gericht bestehen soll,
muss vollkommen sein
und dem göttlichen Gesetz ganz und gar entsprechen.
Aber auch unsere besten Werke sind in diesem Leben 
alle unvollkommen und mit Sünde befleckt.
(Gal 3,10; 5. Mose 27,26 // Jesaja 64,5)

Frage 63
Verdienen aber unsere guten Werke nichts, obwohl Gott sie doch in diesem und dem zukünftigen Leben belohnen will?

Diese Belohnung geschieht nicht aus Verdienst, sondern aus Gnade.
(Lk 17,10) (Ich verstehe dies so: Gott bereitet unsere guten Werke vor, in denen wir leben sollen. Also wirkt es Gott selber. Das passt auch gut zu den guten Früchten. Sie wachsen natürlich, wie ein Apfel an einem Baum. Der Dank gehört dem Schöpfer des Baumes. Das wir dann dafür noch Lohn erhalten und beschenkt werden, hängt mit der Grosszügigkeit von Gott zusammen.)

Frage 64
Macht aber diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos?

Nein;
denn es ist unmöglich, dass Menschen, die Christus durch wahren Glauben eingepflanzt sind,
nicht Frucht der Dankbarkeit bringen."
(Mt 7,18)"

Gebet

Gott segne Sie. Wir alle brauchen Vergebung und Gnade Gottes. Tun wir Busse, damit Jesus Christus auch für sie am Kreuz gestorben ist.
Es demütigt. Aber es befreit auch. Friede und Heilung für uns und unser Land liegt darin.

Amen!

PS: Jemand sagte mal: Machen Sie es wie Gott: Werden Sie ein Mensch. 
Jesus wurde Mensch. Aber ohne einen Fehler. Er war sündlos und starb den Tod eines schlimmen Sünders am Kreuz. Darum konnte er meine Sünde und wenn Sie es wollen, auch Ihre Sünde übernehmen. 

Es mag schlimm auf dieser Welt zu und her gehen. Das zeigt ja auch, wie man mit einem wirklich guten Menschen wie Jesus umgegangen ist: Diese Welt verträgt keinen wirklich guten Menschen. So jemand wollen wir auf der einen Seite als König haben, um ihn dann im nächsten Moment zu kreuzigen. Wir dürfen darüber traurig sein. Aber auch für dieses ambivalente Verhalten ist Christus am Kreuz gestorben.  In Christus haben wir das Versprechen, dass er uns heilt und uns eine gute Zukunft schaffen wird. Es wird einmal eine neue Erde ohne Krieg und Hass schaffen. Einmal werden unsere Tränen abgewischt und dann, wird die wertschätzende Liebe Gottes herrschen. Für alle, die dies wollen und darum auf Jesus Christus vertrauen. Wer an ihn glaubt und auf Jesus hört, für den fängt diese neue Welt bereits jetzt an - obwohl das Alte leider noch nicht vorbei ist. Aber Gott wird uns durch diese Zwischenzeit tragen. AMEN!!!