Freitag, 20. März 2015

Machtmissbrauch: von Christen und Staaten

Ein schlimmes Thema, das von unserem Sündenfall als Menschheit zeugt.
Meine Gedanken dazu habe ich in drei Teile geteilt:

1. Allgemeine Vorgedanken
2. Missbrauch von Peter Strauch, freikirchlicher Präses) und Allianzvorsitzender Peter Strauch 
3. Jakob Künzler, wie der Appenzeller den Völkermord in der Türkei erlebt hatte
Gebet
Anhang: Zusätze vom 25.4.15: Hermann Christ und Schuldanteile der Deutschen und Schweizer, Ansätze zur Verarbeitung der Ungerechtigkeit

1. Allgemeine Vorgedanken
Vor zwei Tagen meinte jemand, dass der Stolz eine sich selbsterhaltende Eigendynamik habe. Wer es wagt ihn bei seinem Nächsten zu hinterfragen, wird - bildlich gesprochen - die Faust des Stolzes spüren, der sich um allen Umständen zu verteidigen weiss. Mich erinnert dies, an das Verhalten in einer Schamgesellschaft: Alles ist erlaubt, solange es nicht ans Licht kommt. Der Perfekte Ort für Korruption und Machtmissbrauch. Einer deckt den anderen. Die Dunkelheit, nicht das Licht ist das Prinzip. (Mit Dunkelheit denke ich hier nicht an die schützende Geborgenheit der Seelsorge oder echter Freundschaft. Auch hier ist die gesunde Mitte in der Bibel zu finden.)

Prinzipiell neigt jeder Mensch, weil er unter dem Fluch des Sündenfalls steht, zu dieser Schamgesellschafts-Haltung. Es ist ein Wunder, wenn jemand ans Licht tritt und seine Sünde vor Gott zeigen und bei Jesus Christus um Vergebung bitten kann, damit die Versöhnungstat Jesu für ihn gilt. Die Bibel spricht in diesem Zusammenhang von einer Neu-Geburt oder Wiedergeburt. Jemand der dies kann, darf wissen, dass der Heilige Geist in ihm die Augen geöffnet hat und ihn von der dumm-machenden Sünde befreit hat. Es ist, wie wenn eine abstumpfenden Decke über uns weggenommen worden wäre. Es ist so klar, wie lieb Gott zu uns ist und wie stumpfsinnig die Sünde ist. Gott hat uns eine neue Motivation ins Herz, ins innerste unseres Wesens gegeben. Wenn wir dann auf die Einladung des Dreieinige Gott ihn Herr sein zu lassen, aussprechen, dann nimmt Gott auf diese Art der Einladung Raum in einem Gläubigen, der an die Vergebung Gottes glaubt. Subjektiv bekehren wir uns. So erleben wir das, aus eigenem Willen. Wir WOLLEN es. Aus Gottes Sicht hat er uns erwählt. Er hat in uns gewirkt und gerufen. Er hat uns die Augen geöffnet und die innerste Motivation verändert, damit wir wollen zu wollen.
Dadurch wird unser Leib zum Tempel Gottes. (In diesem Zusammenhang ist es auch erstaunlich, wie in der Vergangenheit die "Alt-"Evangelischen Gesellschaften die "natürliche" Schamgesellschaft zurückdrengen konnte und den Gedanken an die Gerechtigkeit in der Gesellschaft verankerte. So stark, dass sie auch von anderen Gruppierungen, bis hin zu Atheisten übernommen wurde. Der Grund lag natürlich beim Wahrheitsbegriff der Bibel, der schon vor der Reformation und ausserhalb dieser Reformbewegung wirkte und wirkt, wenn man denn die Wahrheit zu Wort kommen lässt. Das mag im Angesicht der Kraft des Evangeliums nur ein Nebenprodukt sein, aber sie ist trotzdem für das Leben hier sehr kostbar. Und ich hoffe, Europa verliert diese Freiheit nicht. Gerade eben wurde in der EU abgestimmt, dass es ein Recht sei, ungeborene Kinder zu töten. Wie kann man einem Menschen das unbeschränkte Recht geben, ein anderes Leben zu töten? Ich verstehe, wenn eine Mutter das Kind abtreibt, wenn ihr Leben gefährdet ist. Aber die generelle Zusage, man dürfe WILLKUERLICH ein Menschenleben töten, widerspricht der Bibel zutiefst. Europa regt sich heute über die Todesstrafe auf. Auch in der Bibel gibt es Regeln für die Todesstrafe. Diese sind aber gerade nicht willkürlich. Sondern nur, wenn zwei Augenzeugen vorhanden sind - es also sicher ist - durfte sie eingesetzt werden. Zugleich beschreibt die Bibel auch den Missbrauch der Todesstrafe, indem Intrigen geschmiedet wurden. Schrecklich. Aber jeder, der sich über die Todesstrafe aufregt, müsste sich doch auch - ja noch viel mehr über eine willkürliche Tötung aufregen? Was ist eine willkürliche Tötung anderes, als ein Machtmissbrauch? ABER auch dafür ist Christus am Kreuz gestorben. Und wer es bei Jesus Christus bekennt, darf wissen, dass es WIRKLICH vergeben ist. DARUM müssen wir uns nicht in die Dunkelheit flüchten, sondern dürfen ins Licht der Wahrheit und uns befreien lassen. Damit wirklich Heilung geschehen kann und damit die Gerechtigkeit in Jesus Christus erfüllt werden kann: UND zwar auch ganz persönlich. Denn wir alle sind Sünder und es fehlt uns allen die wahre Gerechtigkeit Gottes.)

Und das schlimme ist, auch wer so Wiedergeboren wurde, ist aus sich selber immer noch in Sünder. Darum die Aufforderung in der Bibel an die Christen, wenn man sich untereinander beisst, sich wenigstens nicht aufzufressen. (Das ist natürlich ein Bild, um den schlimmen Zustand der Christen zu beschreiben.)
Luther beschreibt diesen Zustand der Christen kurz und prägnant: Gerecht und Sünder zugleich. Hier wird es schwierig und ich merke, wie ich bei diesem Thema immer wieder falsch verstanden werde. Vielleicht habe ich selber auch Mühe hier die biblische Mitte zu finden. Denn wir sind ja verantwortlich und Gott ist allmächtig. Als Mensch kann ich dies mit meinem Verstand nicht zusammenbringen. Die Bibel selber allerdings hilft, indem sie genau zeigt, wie dies zusammenspielt.
Gerade gestern meinte jemand in diesem Zusammenhang: Nachdem er sich bekehrt hat, WILL er nun nicht mehr sündigen. Er will mit aller Kraft Gott gehorchen und das Richtige tun. Wenn ich nun über die Gnade rede und erkläre, dass dies ein Geschenk ist, klingt es für ihn, als ob ich ihn mit seinem Willen Gutes zu tun, abbringen möchte. (Am 21.3.15 habe ich einen Link zu einer Predigt von George Whitefilde veröffentlicht: Hier warnt er sogar davor: d.h. wenn jemand bekehrt ist und die Gnade freudig annimmt, besteht die Gefahr, dass unser verbogenes Herz nun erst recht mit eigener Leistung das Heil erringen will. Das gefährliche dabei ist nicht, dass man es gut machen will, sondern, dass man die dahinter verborgene Sündhaftigkeit nicht erkennt und sie so nicht Gott zur Heilung übergeben kann. Die  Gefahr besteht, dass man in seinem Leistungswillen wieder in das Leistungsdenken und damit in eine Selbsterlösung fällt. Dies führt in aller Regel zu Hochmut und Unbarmherzigkeit, zur Blindheit des eigenen Balken. Die echte Gefahr besteht, dass man den Spriesser im Auge des anderen entfernen will, aber den eigenen Balken nicht sehen kann. Dabei wäre es nur ein kleiner Schritt, auch über die guten Werke Busse zu tun und damit Gott wirken zu lassen und Gott allein die Ehre zu geben, der uns beschenkt.)

Paulus spricht im Neuen Testament in einem Bild von einem Christen als Sportler, der nicht zurück sieht, sondern nach vorne schaut und seine gesamte Kraft einsetzt, um sein Ziel zu erreichen. So sollen wir der Gnade entgegeneifern, mit ganzem Willen. Dazu gehört auch: Wer stehe, de sehe zu, das er nicht falle.  Und das ist sicherlich wichtig. Vermutlich war Paulus ein Choleriker. Er hatte also einen starken Willen. Und Menschen, die einen grossen Anteil am cholerischen Charakter haben, werden mit ihrem Willen die Probleme angehen. Sie haben dies so in ihrem Leben gelernt und kamen so an ihr Ziel. Nun musste aber gerade Paulus lernen, dass wenn er schwach ist, er stark ist. Gerade bei ihm sehen wir, was ich so schwer ausdrücken kann. Es ist auch schwer zu verstehen. Darum ist die Bibel ja auch so genial: Sie zeigt uns Dinge, auf die wir nicht alleine gekommen wären. Einem Choleriker zeigt sie, dass es noch etwas mehr als einen starken Willen braucht - ohne diese Gabe des Cholerikers klein zu reden. Allerdings zeigt sie auch den Missbrauch des starken Willens auf: Menschen für seine Ziele zu missbrauchen und Unbarmherzigkeit. Darum musste Paulus in diesem Bereich ein Zerbruch erleben. Gott machte ihn schwach, damit er Barmherzigkeit und Gottes Wirken in seiner Schwachheit erleben durfte. Denn wenn wir stark sind, besteht die Gefahr, dass wir in unsere Selbstverliebtheit verfallen und aus eigener Kraft Gottes Ziele erreichen wollen. Dabei übersehen wir die sündigen Motivationen hinter unseren frommen Worten. Man könnte dies phariseisch oder Gesetzlichkeit nennen. Dies ist ein Grund, warum wir auch für unsere besten Werke Busse tun können, damit Gott sie heilig und "effizient" macht. UND dann gehört nicht mehr uns die Ehre, sondern Gott alleine. Und das ist eine solche Freude. Ich merke sie gerade jetzt, wenn ich  es schreibe: Gott alleine gehört die Ehre und dies macht mich so glücklich.

Und ich glaube auch, dass diese Haltung uns helfen wird, weniger Machtmissbrauch auszüben und damit weniger zu sündigen. Der oben beschriebene pervertierte Stolz wird dadurch überwunden, weil wir uns üben, in Christus zu bleiben. Wir werden uns eher Kritik aussetzen lassen, weil wir uns nicht mehr durch Leistung definieren. Wir können zu uns stehen und ans Licht bringen, was unrecht ist, weil wir wissen, dass uns Gott bedingungslos liebt und wir durch Misserfolg und Leitungsschwäche nicht unser Lebensfundament, unser Heil verlieren können. Gott, der mich liebt und erwählt hat, hält zu mir. Ich darf alles, was mir fehlt, von ihm geben lassen. Und auch  dass, was er mir schon im voraus gegeben hat, darf ich ihm geben, damit er es heiligt. Denn wir können nicht einmal anständig beten, so weit sind wir von Gottes Herrlichkeit und Gerechtigkeit entfernt. ABER der Heilige Geist bringt unsere Gebete zurecht. Und so sind wir frei, jederzeit in Christus zu sein und zu beten. Denn als Sünder gehen wir zu Christus. Christus spricht uns frei und damit ist der Weg frei ins Heiligtum Und das alles ist eine Wahrheit und Klarheit, die so real ist, dass wir Christen uns oft über die Komplexität nicht bewusst sind. Denn in Christus haben wir alles. Sofort - ohne etwas getan zu haben. Und aus diesem  Geliebtsein und Angenommensein, sollen wir nun leben und unseren Sinn erneuern. Das ist viel mehr, als wir aus eigener Kraft je erreichen können.
Und zugleich sehe ich, wie weit weg es ist. Aber dies liegt an dieser Zwischenzeit: Wir Christen sind noch nicht verherrlicht. Das kommt noch, wenn Jesus wiederkommen wird. So leben wir in Hoffnung. Und eine Hoffnung, die man sehen könnte, ist keine Hoffnung mehr. Denn warum sollte man auf etwas hoffen, dass schon da ist? (ca. Paulus) Und doch ist es geistlich gesehen auch da. 

2. Missbrauch von Peter Strauch
Heute habe ich im ideaSpektrum auf Seite 24 ff den Bericht über die Biografie von Peter Strauch gelesen. Er hat sechs Jahre gebraucht, um darüber schreiben zu können. Sein Vater, ein angesehener christlicher Führer, hat sexuellen Missbrauch ausgeübt. Sogar die Kinder von Peter Strauch haben darunter gelitten. An der Beerdigung seines Vaters wurde dies thematisiert. Peter Strauch ist heute froh darüber. Damals versuchte er seine Schwester davon abhalten.
Zum Thema Wahrheit schreibt er:

"Interessanterweise kann der biblische Begriff 'Wahrheit' wörtlich mit 'Nicht-Verborgenheit' übersetzt werden. Es geht dabei also auch darum, dass die Tat aus der Verborgenheit heraus ins licht Gottes kommt und damit 'sichtbar' wird. Auch für die vom Missbrauch Betroffenen ist das in der Regel eine Befreiung." (Seite 25)

Eine Tragödie. Ein legendäres Vorbild mit solchen Abgründen. Wie ist das möglich? Im ersten Abschnitt versuchte ich dies zu erklären. Sein Vater hat viel geleistet. Er hat vielen Menschen geholfen. 

"Wenn wir unsere Sünde bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünde vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit." (Johannes 1,9). Zitiert er. "Was dagegen nicht vergeben werden kann, lesen wir in dem Vers zuvor:
'Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns." (Johannes 1,8) schreibt er.

Er versteht bis heute nicht, wie sein Vater für Gott soviel tun konnte. Wie bis heute Menschen von ihm begeistert sind: "Sie sind begeistert von seinem Einsatz, von seinen Freizeiten, von seiner Freundlichkeit, er  sei immer hilfsbereit und zuvorkommend gewesen.  War das denn alles nur vorgegaukelt? Versuchte er damit den Missbrauch zu vertuschen? War sein jahrelanger Einsatz nur ein Mittel zum Zweck? Wir kennen sein Innerstes nicht, damals nicht, als er noch lebte, und auch heute nicht im Nachhinein. Meine Geschwister und ich empfanden seine Frömmigkeit als echt und nicht aufgesetzt. Aber wie kann jemand, der so etwas tut und Kinder missbraucht, es dennoch mit seinem Glauben ernst meinen? Ich weiss es nicht." (Seite 26)

Ich denke, unter 1. finden wir eine Antwort auf diese Fragen: Wir sind in Christus gerecht gesprochen. Aber wir sind aus uns wirklich nicht besser, als Nicht-Christen. Dies wird gerne unter Christen so salopp gesagt. Aber wissen wir wirklich, was dies für uns bedeutet: Wir Christen sind prinzipiell für alles Mögliche fähig. Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis sind ein Paket, dass auch Sündenerkenntnis behinhaltet. Man denke nur an die oben erwähnte Bibelstelle Johannes 1,8 und 1,9.
Dieses Beispiel beschreibt, wie gefährlich es ist - auch für wirklich wiedergeborene Christen, wenn sie mit ihrer Sünde nicht ans Licht gehen. In der Dunkelheit mottet es nur noch mehr! Es muss ans Licht, damit Christus es heilt und vergibt. Den Opfern muss geholfen werden. Es muss etwas getan werden, dass die Ungerechtigkeit und das Ausleben der Sünde gegen andere Menschen aufhört! Wehe uns, wenn wir die Sünde so in der Dunkelheit motten lassen und andere Menschen schädigen. Erkennen wir, wie die Sünde das Leben anderer schädigt? Und wie wir unserer eigenen Seele Gewalt antun?

Die Gaben, die uns Gott geben, werden so zum Machtmissbrauch benutzt. Die Verantwortung, die uns Gott übergibt, hat IMMER Grenzen! Und das überschreiten dieser Grenze ist Machtmissbrauch. Gerade Leiter sollten daher die ihnen anvertrauten Menschen zu reife Christen heranziehen, die Nein sagen können. Ein reifer Christ hat gesunde Mauern, die ihm klar zeigen, wann Machtmissbrauch geschieht. Hirten, Leiter sind vor Gott verpflichtet, diese Mauern bei den "Schafen" aufzubauen. Machtmissbrauch ist immer das Gegenteil von Reifungsprozess. 

Als Peter Strauch vom Machtmissbrauch seines Vaters erfuhrt, wusste er zuerst nicht, ob er weiter predigen kann. Später hat er noch mehr erfahren. 

Dies beweist, dass wir noch nicht im Himmel sind. Aber es zeigt auch, dass Peter Strauch mit Gottes Hilfe in der Wahrheit Christus leben und sterben möchte. Und gerade das, lässt Gott in unserer Schwachheit und Unfähigkeit wirken lassen. Leider hat der Vater es nicht getan. Vielleicht war ihm der Ruhm und sein "Dienst" wichtiger als sein Heil? Darüber darf und muss ich nicht richten. Aber darüber sollten wir für uns selber urteilen: Lebe ich so, dass mein "Dienst" für Gott und meine Ansehen wichtiger ist, als Gott selber? Habe ich den Mut, zu meinen erkannten Sünden zu stehen und sie ans Licht zu bringen? Oder liebe ich das Unrecht und die Dunkelheit mehr als Gott und die Wahrheit?

Wenn wir die Wahrheit nicht ertragen können, so können wir auch damit zu Jesus gehen: Bei ihm wird alles gut. Gerade unser Bekenntnis bei Jesus Christus, dass wir es nicht können, öffnet die Schleusen der Gnade!!!!!! Jesus wird die Dunkelheit besiegen. Immer wieder, bis unser Körper zerfällt oder bis Jesus Christus wiederkommt und wir dann verherrlicht werden.

3. Jakob Künzler aus Hundwil (AR) und der erste moderne Völkermord (1)
Ebenfalls im ideaspetkrum vom 18.3.15 auf Seite 1,3 und ab Seite 8 wird von diesem Vater vieler Waisenkinder berichtet. Herr Paul Bernhard Rothen, evangelisch-reformierter Pfarrer hat in der Kirche von Hundwil eine Künzler-Installation, welche vom 22.2. bis am 13.12.2015 zu sehen ist. Dazu gibt es auch noch andere Anlässe, s. Seite 10 im ideaspektrum.

Im osmanischen Reich wurde die Elite mit den "neuen europäischen Werten" geprägt. Die sozialdarwinistische Vorstellung das ein Arzt nicht nur den Einzelnen, sondern auch den Volksköper heilen solle, griff um sich (Seite 9). Ich vermute, für das osmansiche Reich war es sehr schmerzhaft, als sich Griechenland und andere Teile aus ihrem Machtbereich entfernten. 
"Der Vali von Diarbekir beispielsweise, Mehmed Reshid, war zur Ueberzeugng gekommen, die Armenier seien wie Mikroben oder Tumore im türkischen Volksköper, und es sei deshalb seine ärztliche Pflicht, diese zu entfernen. Mit professionellem Eifer spürte er versteckte Armenier auf und sorgte dafür, dass auch solche, die aus Verzweiflung zum Islam übergetreten waren, nicht am Leben blieben." Zitat Seite 9 und 11.
Interessant ist, dass es sich hier nicht um islamistische Gräueltaten handelte, sondern Sozialdarwinistische, die sich mit einem religiösen und nationalistischen Ueberlegenheitsgefühl verband. Vermutlich gab es so etwas schlimmes vorher nie. Es war etwas Neues, dass sich im 20. Jahrhundert wiederholen sollte. "Von Adolf Hitler wird erzählt, er habe, als er den Befehl zu den Judenmorden gab, die zögernden Offiziere gefragt: 'Wer redet heute noch von den Armenieren? Stalin liess die Bauern aus der Ukraine deportieren und nahm in Kauf, dass Hunderttausende starben. Mao befahl das Erniedrigen und Töten der Klassenfeinde. Die roten Khmer ermordeten mehr als eine Million ihrer Volksgenossen. In Ruanda ..." (Seite 22)

Das schlimmste ist, wenn uns eine Ideologie oder eine Religion vorgaukelt, es sei gerecht, unsere Sündhaftigkeit auszuleben. Dann besteht die ernsthafte Gefahr, dass wir es tun. Das ist ein Hinweis, wie stark die Menschheit im Sündenfall gefallen ist.

Im osmanischen Reich gab es Verantwortliche, die an diesem Völkermord nicht mitmachen wollten. So wurde Herr Kadi von Urfa strafversetzt", weil er sich weigerte, die Deportationsbefehle umzusetzen."

Ein Mitarbeiter von Herr Jakob Künzler, der Moslem war, wurde verhaftet und verriet unter Folter einige Armenier nicht, die sie versteckt hatten. Dieser Held hiess Ali. (Seite 8)

Vor Ort halfen sie allen, wie sie konnten. Das Auf und Ab wird beschrieben und auch, wie am 1. Oktober 1922 Jakob Künzler die Klinik in Urfa schliessen musste. "Damit fand eine lange Arbiet mit viel Liebe, Gebet und Schweiss ihren Abschluss. War's umsonst? Der Glaube spricht: Nein!" wird Künzler zitiert (Seite 11)

"Und als, das töten von Neuem begann ,war es Jakob und Elisabeth Künzler gegeben, Tausende von armenischen Waisenkindern über die Grenze zu retten und durch die Wüste im Libanon in Sicherheit zu bringen. Schliesslich übernahm das Ehepaar Künzler die Leitung eines Waisenhauses mit 1'400 der geretteten Kinder. Jakob Künzlers Lebenswerk wurde 1947 offiziell gewürdigt. Die medizinische Fakultät der Universität Basel verlieh ihm die Würde eines Doktors der Medizin ehernhalber."
Am 15. Januar 1949 stirbt Jakob Künzler in Ghazir, Libanon. Seine Tochter liest ihm diesen Liedvers, dessen Wahrheit sich durch Jakob Künzlers Lebenswerk ausdrückt:
'Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehen, wenn ich zum Himmel werde eingehen." (Seite 11)

Danach fragt er: "Und ich, was hätte ich getan?"

U.a. zitiert er den jüdischen Religionsphilosoph Jakob Taubes, der über den millionenfachen Mord an Juden nachdachte:

"Was hätten wir getan - wenn  nicht die Nazis uns gar keine Wahl gelassen hätten, sodass wir nur auf der Seite der Opfer stehen konnten?"

Dazu Pfarrer Rothen:

"Abgesehen von allen äusseren religiösen, sozialen und nationalen Bindungen sind wir Menschen also stets wieder gefragt: Wer leitet uns an? Was erstreben und wollen wir? Durch die ganze Bibel zieht sich wie ein innerstes Ringen: Erregen uns Lebensgier, Neid und die Angst, zu kurz zu kommen, und darauf folgend die herzlose Gleichgültigkeit, wie es die ersten Seiten der Bibel vom Brudermörder Kain berichten?

Oder haben wir Anteil am Leid und am Leben derer, die dem Lamm das Lob singen, so wie die Bibel ausklingt (Offenbarung 7,14)?

Jakob Künzler ist zum Retter vieler Hundert Menschen geworden, zum geachteten 'Vater der armenischen Waisenkinder'. Umso glaubwürdiger ist darum auch heute noch sein Zeugnis: Das Wenige, was ein Mensch an seinem Platz machen kann, das gilt es mit offenen Augen, zupackenden Händen und einem unerschrockenen Herzen zu tun. Von der staunenswert starken und glaubensgewissen Persönlichkeit Jakob Künzler können wir lernen, die Realitäten dieser Welt nüchtern zur Kenntnis zu nehmen und uns doch liebevoll engagiert in unseren alltäglichen Aufgaben zu bewähren."

Man könnte sicher auch hinzufügen, dass an seinem Platz, also auf uns bezogen: unser Platz, wo uns Gott hingestellt hat, sollen wir jene Werke tun, die Gott im Voraus vorbereitet hat, damit die Ehre alleine Gott gehört. Denn dann können wir dieses Lob dem Lamm singen: Offenbarung 7,9-17.

"9 Nach diesem sah ich, und siehe, eine grosse Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus ALLEN Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem lamm, bekleidet mit weissen Kleidern, und Palmzweige in ihren Händen.
10 Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Das Heil ist bei unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm!
11 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Aeltesten und die vier lebendigen Wesen und fielen vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an
12 und sprachen: Amen! Lob und Herrlichkeit und Weisheit und Dank und Ehre und Macht und Stärke gebührt unserem Gott in alle Ewigkeit! Amen.
13 Und einer von den Aeltesten ergriff das Wort und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit weissen Kleidern bekleidet sind, und woher sind sie gekommen?
14 Und ich sprach zu ihm: Herr, du weisst es!
Und er sprach zu mir: Das sind die, welche aus der grossen Drangsal kommen; und sie haben ihre Kleider gewaschen, und sie haben ihre Kleider weiss gemacht in dem Blut des Lammes.
15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt aufschlagen über ihnen.
16 Und sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten; auch wird sie die Sonne nicht treffen noch irgend eine Hitze;
17 denn das Lamm, das inmitten des Thrones ist, wird sie weiden und sie leiten zu lebendigen Wasserquellen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen."

Was für eschatologische Aussagen! (zum Thema Eschatologie, die Lehre der letzten Dinge habe ich auf http://www.filmund.blogspot.ch/ einiges geschrieben. Ausgehend vom Film "Left Behind", der eine dispensionalistisches Modell vertritt, erklärte ich die verschiedenen biblischen Endzeitmodelle. Man merkt, dass auch in die eben beschriebene Problematik die Lehre einer guten Eschatologie hilft, richtig damit umzugehen. Der Völkermord an den Armeniern war sicherlich ein Art "Trübsal". Und ich frage mich, ob nicht generell auch die Unzulänglichkeit von uns Christen eine Art Trübsal ist...  (1)

Gebet:

Lieber Heiland, heile uns. Hilfe uns, dann ist uns geholfen. Rette uns vom Bösen dieser Welt und von uns selber!

Vergib uns, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!

Denn Dein ist dir Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit!

Danke.

Amen

Anhang
(1) Im Kirchenboten vom April 2012 auf Seite 3 (www.kirchenbote-online.ch) wird ebenfalls auf dieses Thema eingegangen. Hier wird auf folgendes Buch hingewiesen: Emanuel La Roche: 'Doctor, sieh mich an!' Der Basler Arzt Hermann Christ auf medizinischer Mission in der Osttürkei (1898 - 190), Chronos Verlag 2013.
Ich zitiere aus dem Kirchenboten. 
"1915 ereignete sich ein Genozid an den Armeniern in Anatolien. Doch bereits Jahre zuvor wurden etwa hunderttausend Armenier umgebracht. Unzählige Waisen blieben zurück. Der Basler Arzt Hermann Christ und sein Pfleger Jakob Künzler kümmerten sich im türkischen Urfa um Kinder  und Opfer."
Danach wird über einen verschlüsselten Brief berichtet, denn im Osmanischen Reich herrschte die Zensur. So wurde der Begriff "Armenierpraxis" im Brief geschwärzt: "Zwar schwärzte der Zensor die Passagen mit dem Begriff 'Armenierpraxis', tat dies aber so schludrig, dass die Adressaten den Text entsclüsseln konnten." Danach geht der Bericht weiter:
"Künzler erlebte nicht nur die Todesmärsche der Verfolgten, sondern im Oktober 19155 auch das Ende der ortsansässigen Armenier, die sich nach bewaffnetem Widerstand der türkischen Armee auslieferten und entweder auf der Stelle umgebracht oder in den Tod geschickt wurden. Vierzehn Tage lang mussten Alte, Frauen und Kinder auf ihren Abtransport warten, und während ihr Hab und Gut bereits versteigert war, töteten zahlreiche Mütter aus Verzweiflung ihre Kleinkinder.

Auf dem Weg ins Nichts

Und immer noch, bis in den Juni 1916 hinein, durchquerten unzählige Elendszüge die Stadt auf dem Weg ins Nichts: ..."
"... Allein im Winter 1915/16 betreute er über zweitausend Patienten, ..." Ich verzichte auf weitere Details. Es wird noch auf Progrome von 1894 bis 1896 hingewiesen.
"Angestossen und getragen von den protestantischen Landeskirchen erhob sich hierzulande eiene gewaltige Protestwelle, die in einer Petition an den Bundesrat kulminierte, der beim Sultan gegen die Verfolgung der christlichen Brüder und Schwestern inervenieren sollte. Begüterte Basler Bürger - dem 'Daig' galt christlich-humanitäres Wirken als Pflicht - beschlossen, über eine deutsche Organisation Hilfe für die überlebenden Armenier in urfa zu leisten, und schickten den jungen Basler Arzt hermann Christ nach Obermesopotamien, um dort den Ueberlebenden medizinisch beizustehen. Parallel dazu richtete die deutsche Hilfsorganisation in Urfa ein Waisenhaus für 250 bis 300 armenische Kinder ein, obendrein eine Teppichweberei, um Witwen wenigstens ein kleines auskommen zu ermöglichen."

"Bezahlt wurden sowohl der 'Herr Doktor' - wie ihn Künzler lebenslang zu nennen pflegte - als auch der Assistent vom begüterten Vater Christs. In dessen persönlichem Basler Umfeld waren einige Personen bereit, das kleine 'Schweizer Spital' in Urfa aus christlich motivierter Nächstenliebe bis zu seinem ende 1922 finanziell über Wasser zu halten." 

Auch im Factum 3 2015 wird ab Seite 18 auf das Leiden im Osmanischen Reich eingegangen. Dabei wird auf ein Buch von Rosemarie Stresemann eingegangen: "Bündnis des Todes II - Deutschlands Bündnisse mit dem Osmanischen Reich und der Völkermord an den Armeniern" hingewiesen. In diesem Buch wird eine gewisse Mitschuld der Deutschen Führung an diesem Genozid erwähnt. Aus diesem Bericht möchte ich folgendes zitieren (was mir selber gar nicht gefällt):
"Wie der Schweier Historiker Hans-Lukas Kiefer aufdecken und nachweisen konnte, ist die jungtürkische Bewegung weitgehend aus einem Kreis osmanischer Studenten in Genf und Lausanne hervorgegangen. Dort wurde auch ein Vorläufer ihres später für die Christen der Türkei so verhängnisvollen 'Komitees für Einheit und Fortschritt? (Ittihat ve Teraki Cemiyeti) gegründet. Die Vorleibe für Prof. Pittard fand dann bei Kemal Atatürk ihre Fortsetzung. Der 'Vater' der modernen Türkei war selbst aus dem Jungtürkentum hervorgegangen und blieb dessen Rassismus verhaftet. Das alles ist nachzulesen bei: Hans-Lukas Kieser, 'Vorkämpfer der 'neuen Türkei'. Revolutionäre Bildungseliten am Genfersee (1870 - 1939)', Chronos Verlag, Zürich, 2005." Danach wird auch auf Jakob Künzler (1871 - 1949) eingegangen.
In Genf gab es also einen Anthropologen Eugène Pittard (1867 - 1962) der ein verhängnisvolles Werk: "Les rasses et l'Histoire" (Die Rassen und die Geschichte) geschrieben hat, die zu diesem Grauen beitrugen. Dies beweist, dass es nicht unerheblich ist, was wir denken und schreiben. Es besteht immer die Möglichkeit, das unsere Gedanken auch umgesetzt werden.
Bis zu diesem Text habe ich das nicht gewusst. 
In diesem Text wird auch auf Frau Karen Jeppe aus Dänemark hingewiesen, die als Missionarin sich mit Christen Jakob Künzler positiv einsetzte. Auch Deutsche waren unter den Kritikern dieses Grauen. So hat der Berliner Missionnar Johannes Lepsius (1858 - 1926) historisch belegt, dass es eine Schuld des Deutschen Kaiserreiches und der österreichischen Verbündeten gibt. Rosemarie Stresemann beschreibt dazu in dem oben erwähnten Buch, "dass es ausgerechent ein 'Dschihad-Plan' des kaiserlichen Deutschlands war, der den türkischen Hass gegen die Christen im eigenen Land schürte, bis er sich blutig gegen die Armenier sowie Aramäer und Griechen wandte. Dass die christliche Bevölkerung unter der prodeutschen islamischen Herrschaft nach Russland und Frankreich orientiert war, das war Deutschland ein Dorn im Auge. Die Autorin weist darauf hin, dass der deutsche Diplomat Max von Oppenheim zu Beginn des Ersten Weltkriegs für Wilhelm II. ein Dschihad-Konzept unter dem Titel 'Die Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde' entwickelt. Dieser Plan wurde vom Kaiser im Oktober 1914 angenommen und in die Tat umgesetzt: Bald danach rotteten die Türken - und mit ihnen Kurden - die ersten anatolischen Christen aus.
So wurde der politische konstrurierte islamistische Dschihad gegen die Armenier geboren - mit Schützhenhilfe aus Deutschland. Stresemann kommt daher zu dem Schluss: 'Deutschland trägt hier eine unbereinigte Schuld, die in ihren Auswirkungen sich in der Hitlerzeit noch verstärkte und bis heute wirksam ist."
Auch davon wusste ich nichts. Der Protestantische Kaiser... Was für eine moralische Kapitulation. Situationsethik und mangelndes Vertrauen in das Gute. (Was wohl bereits beim Schleifenplan auch ersichtlich ist. Dabei hätte Deutschland ohne dieses Unrecht, d.h. der Ueberfall auf Belgien, den Eintritt von England (vermutlich) abhalten können. Der U-Bootkrieg wäre nicht nötig gewesen und damit wäre nicht die USA als Gegner aufgescheucht worden, was zuletzt die Achsenmächte verlieren liess. Anfang 1918 sah dass noch ganz anders aus.) Ich war vor nicht so langer Zeit im Berliner Dom, wo dieser Kaiser Wilhelm II ein protziges Denkmal errichtet hat. Calvin würde sich im Grabe umdrehen, wenn er seine Statue dort sehen würde und all der Pomp. Ich verstand es irgendwie noch, was sie ausdrucken wollten. Es hat auch etwas schönes. Und erst, wie Luther vor dem Kaiser abgebildet wurde. Cool. Es war interessant zu sehen, wie in diesem Berliner Dom das Zusammenlegen der lutherischen und calvinistischen sich auswirkte. Allerdings ging der Calvinismus mit seiner Bescheidenheit unter all dem Reichtum unter. So musste ein Touristenführer anhand von Bildern zeigen, wie schlicht normalerweise reformierte Kirchen sind.
Aber diese "Realpolitik" mit dem osmanischen Reich lässt dies als pure Heuchelei erscheinen? Vermutlich war das im Berliner Dom dargestellte eine ehrliche Ueberzeugung. Zugleich aber war der Glaube auch relativiert worden, und so wurde ein gesunder Nationalismus (= Identität, soziales Zusammenstehen mit gleichzeitiger vollwertiger Akzeptanz von andersartigen Nationen) zu einem pervertierten Nationalgefühl, der die Eigeninteressen überbetonten. Nahm dieser Nationalismus schon die Stelle Gottes ein? Ich denke, es war noch nicht ganz so weit. Das sollte erst dreissig Jahre später geschehen. Viel eher war es eine Ueberschätzung der menschlichen Möglichkeit. Eine Selbstverliebtheit. Die sich durch den Erfolg mit dem Satz äusserte: "Am Deutschen Wesen wird die Welt genesen." Und sie hatten wirklich grandioses geleistet. Daher war wohl dieser Hochmut so gefährlich. Das war aber alles ein Problem zu jener Zeit, dass nicht nur die Deutschen hatten. Zudem stolperten Deutsche Leiter über ein anderes sehr bekanntes Problem von uns Menschen: Die Versuchung mit Unrecht eine Abkürzung zu gehen. Diese klassische Versuchung des Teufels suggeriert uns, dass das Böse doch nicht so schlimm sei. Der Nutzen "heile" den Schaden. Bei der Versuchung von Jesus sieht man, wie geschickt der Teufel dabei vorgeht. Die Versuchung kann so verlockend sein. Sie kann sich als der vermeintlich beste Weg anbieten. Oder als der einzig gangbare Weg (Was aber nie stimmt. Wenn man sich hinsetzen würde, und ruhig nachdenken und vielleicht beten, fände man einen viel besseren und gerechtere Möglichkeit.). Dabei hält das Böse sein Versprechen nur für einen kurzen Moment. Dieser Moment ist so hohl, dass es nach mehr verlangt und einem dadurch süchtig macht. 

Auf der einen Seite tut es gut zu hören, das geholfen wurde. Gleichzeitig ist es niederschlagend, zu realisieren, zu welchen Taten wir Menschen fähig sind. Ein Calvinist sprach den Trost aus, dass kein Mensch so schlecht ist, wie er sein könnte (Ich glaub, ich lies dies im Buch "Die Lehren der Gnade, eine Erklärung und Verteidigung der fünf Punkte des Calvinismus" von James Montgomery Boice und Philipp Graham Ryken)

Dabei müssen wir aufpassen, dass uns die tiefe Betroffenheit über die Sünde der Menschen nicht selber unsere Sündhaftigkeit ausufern lässt. Damit meine ich, dass man sich so über den Sünder empört und dabei die eigene Fähigkeit zur Sünde vergisst. Ja sich gerade am Grauen der einen für viel besser hält. Die Bibel warnt eindrücklich über unsere Fähigkeiten zu sündigen, da wir seit dem Sündenfall das Gute pervertieren. Daher ist es so schwierig, dem Unrecht ins Auge zu schauen, ohne selber auf die eine oder andere Art zu sündigen. Die Wut über die Ungerechtigkeit ist dabei nicht das Problem. Ganz im Gegenteil: Gott selber wird wütend über zugeführtes Unrecht. ABER bei Gott ist es immer ein heiliger Zorn. Bei uns Menschen schwingt auch unsere Sünde mit. (s. Epheser 4,26-27) Und allzu oft verwechseln wir unseren Zorn mit einem Heiligen Zorn. Das Problem ist also nicht, dass wir tief betroffen werden oder dass wir über Unrecht wütend werden, sondern dass wir diese Emotionen gebrauchen, um von unseren eigenen Sünden abzulenken. Dabei wird daraus gerade wieder Ungerechtigkeit geboren, indem wir unverhältnismässig reagieren. (Was eine verhältnismässige Reaktion wäre, komme ich noch kurz darauf.) Auch hier gilt, wie für alles andere gilt, seien es gute oder schlechte Taten: Busse tun und es Gott hinlegen. Dann kann Gott aus unserem Unvollkommenen etwas Gutes machen. Die Wut über Ungerechtigkeit müssen wir also auch Gott hinlegen.
Die verhältnismässige Reaktion auf Unrecht ist ein weites Thema. Zur Zeit kann ich selber noch keine abschliessende Antwort darauf geben. Sicherlich kommt es auf die jeweilige Situation darauf an. Ganz bestimmt ist es ein Unterschied ob man selber als Opfer betroffen ist oder ob man als Drittperson davon erfährt. Die Basler und Appenzeller zu jener Zeit geben ein Beispiel für eine verhältnismässige Reaktion als Drittpersonen.
Als Opfer ist sicherlich wichtig, dass man sich selber eine Zeit der Trauer gewährt und die verschiedenen Phasen durchlebt und sich genügend Zeit lässt. Dazu gehört auch, den Schmerz, das erlittene Unrecht beim Namen zu nennen und es nicht zu verdrängen. Oder es als nicht so schlimm abzutun (was bei einer solchen Tragödie wohl kaum jemand in den Sinn kommen wird). Dazu gehört auch die aufkommende Wut ernst zu nehmen: Denn es ist wirklich Unrecht geschehen. Auch Gott tut das weh. Auch Gott ist darüber wütend.
Wichtig ist dann auch Heilung zu erfahren. Die Bibel empfiehlt die Rache Gott zu überlassen und nicht Böses mit Bösem zu vergelten, sondern die Feinde zu lieben (s. weiter unten). Es ist bemerkenswert wie Paulus diese alttestamentliche Bibelstellen im Römerbrief benutzt. Er verkleinert in keiner Weise das angetane Unrecht. Er empfiehlt aber, die Rache Gott zu überlassen. Ich könnte mir vorstellen, dass dies als ein weiterer Schritt in diesen Phasen der Trauer hilfreich sein wird.
Vielleicht wird Gott sogar die Kraft geben, dass man den Tätern vergeben kann. Für die eigene Psyche kann dies sehr befreiend wirken. Denn mit dem NACHTRAGEN der Schuld, verbindet man sich auch mit dem Täter. Mit dem Vergeben löst man sich von ihm und Befreiung kann geschehen. Das erkennen auch nicht-christliche Berater!
Ich weiss, ich schreibe hier über schwere Dinge. Jesus spricht sogar davon, dass mit Verfolgung zu rechnen sei, wenn man seinem Weg folgt. Wir sollen die Feinde liebe. Denn das eigentliche Problem ist ein geistliches. Irgendwie sind die Täter selber Opfer, die in ihrer Blindheit sich von ihrer Sünde mitreissen liessen. Dabei betrügt sie ihr eigenes Herz und sie können nicht sehen, was sie da tun oder taten. Gerade letzthin lass ich im Alten Testament, dass die Bösen sich in ihrem Unrecht bestätigt fühlen, weil Gott nicht immer sofort straffend einschreitet. Dabei sollte man dies als Gnade begreifen, damit der Täter zur Vernunft kommt und mit dem Unrecht aufhört und Busse darüber tut.

Ein wichtiger Lösungsansatz ist immer auch die Wahrheit und das eingestehen der eigenen Verantwortung. Dabei ist es wichtig, dass man weiss, dass man die schlimmsten Taten bei Gott vergeben lassen kann. Wenn man dies nicht kann, wird das Unterbewusstsein sich vehement sträuben, eigene Schuld zuzugestehen. Schon bei mir als Christen ist es schwierig, Schuld einzugestehen. Mich zu entschuldigen. Dabei weiss ich doch, wie gerne mir Gott vergibt. Ja, dass Jesus Christus, Gottes Sohn, also Gott selber für meine Schuld bezahlt hat. Denn wir sind so tief in die Sünde gefallen - damals beim Sündenfalls von Adam - dass wir von Gott geliebt werden wollen, weil irgendetwas an uns so Gut ist, dass uns Gott lieben MUSS. Aber Gott liebt mich, obwohl ich nichts bringen kann, was seiner Heiligkeit genügen würde. Gott selber muss mich heiligen und das tat er, indem er selber am Kreuz für meine Unheiligkeit starb. Nun kann ich immer zu Jesus und die Realität gestehen. Dadurch habe ich in Christus immer Zugang zur Heiligkeit Gottes, zum Tempel des lebendigen Gottes, dem Herrn und Schöpfer dieser Welt. Und das  nicht aus mir, sondern als ein Geschenk von Gott selber.
In dieser Gnade lässt es sich gut beten und mit Gott reden. Ich weiss zwar, dass ich nicht würdig bin und meine Gebete nicht die entsprechende Heiligkeit Gottes ausweisen, ABER der Heilige Geist, Gott selber tritt für mich ein, dass sie heilig werden. (s. weiter unten die entspr. Bibelstelle)

Denn ich mag mein Bestes geben. Aber das reicht nicht. Seit dem Sündenfall von Adam können wir es nicht mehr: Wirklich im absoluten Sinne Gutes tun. Daher schuf Gott eine andere Lösung. Wir müssen ihm vertrauen: Jesus Christus. Daher ist es sehr wichtig, alles von Gott zu erwarten. Hier liegt der Schlüssel zur Ueberwindung des Bösen: Er liegt bei Gott selber. Indem wir Gott vertrauen und nicht uns selber, kann Gott aus unserer Unvollkommenheit etwas machen. Das ist gleichzeitig auch eine riesige Befreiung. Ich darf wie ich bin zu Jesus gehen. Noch mehr: Ich kann eigentlich nur als Sünder kommen. Denn dann gilt mir seine Vergebung.
Dieses Fundament gibt die Kraft, um umzukehren. Verantwortung zu übernehmen und die wirklichen Probleme anzugehen. Die Realität der Sünde wird so je länger man mit Gott lebt klarer werden. Gleichzeitig wird auch das Wissen um die Gnade und Barmherzigkeit Gottes zunehmen. In diesem Prozess wird Vergebung möglich. In diesem Prozess liegt wahre Freiheit.

Ich hoffe, diese Bibelstellen sprechen Mut zu:

"Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die man sieht, ist keine Hoffnung; denn warum hofft auch jemand auf das, was er sieht? Wenn wir aber auf das Hoffen, was wir nicht sehen, so erwarten wir es mit Ausharren.
Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe. Den nwir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.
Der aber die Herzen erforscht, weiss, was der Sinn des Geistes ist; denn er tritt für die Heiligen so ein, wie es Gott angemessen ist.
Wir wissen aber, dass denen, die Gott leiben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen, die er aber berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt, die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hiezu sagen? Ist Gott für uns, wer mag gegen uns sein?
Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken?" (Römerbrief 8,24-32)

und

"Vergeltet niemand Böses mit Bösem! seid auf das bedacht, was in den Augen aller Menschen gut ist.
Ist es möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden.
Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn (Gottes); denn es steht geschrieben: 'Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.'. Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; dürstet ihn, so tränke ihn! Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute! (Römerbrief 12, 17-21)


Sonntag, 8. März 2015

Rerformierter Gottesdienst im Frauenmünster mit Marc Chagall-Fenstern: Himmelsreiter und Bildersturm

Heute habe ich einen interessanten Gottesdienst im Schweizer Fernsehen, SRF 1 gesehen. Ein klassischer reformierter Gottesdienst im Frauenmünster in Zürich, Schweiz. Nach dem Gottesdienst werden dem Pfarrer Niklaus Peter interessante Fragen gestellt (Nachgefragt mit Christine Stark): Wie passen Bildersturm und die Fenster von March Chagall zusammen? Wie ist es möglich, dass Zwingli auch die Orgel entfernen liess und nun doch wieder eine Orgel im Gottesdienst benutzt wird? Pfarrer Niklaus Peter erklärt, wie der musikalische Zwingli dieses "Musik-Fasten", wie ich es nennen würde, einführte.

Wie passt dies zusammen? Wie konnte Zwingli, der Reformator von Zürich, der alle Barok-Instrumente spielen konnte, zu einer solchen Meinung kommen. Der Pfarrer erklärt es kurz und bündig. Auch die Geschichte, wie die Kirche zu diesen schönen Chagall-Fenstern kam ist interessant. Eigentlich gab es verschiedene Projekte und ein Wettbewerb - noch ohne Chagall. Doch man konnte sich nicht einigen. Einige werden wohl denken, eine hierarchischere Meinungsfindung hätte eine solche Patt-Situation verhindert. Aber wie so oft bringt das Streben nach Einheit in der Vielfalt die genialere Lösung. Denn in dieser Patt-Situation kommt der damalige Pfarrer Bilder von Chagall zu sehen. Damit wird eine Geschichte angestossen, die aus dem Patt zu den Chagall-Fenstern führen wird. Das Problem war dann nur noch, wie man das finanzieren konnte...

Auf einem Chagall-Fenster wird u.a. die Jakobs-Leiter abgebildet. Der Gottesdienst selber geht ebenfalls auf dieses Geschehen ein. 

Der Gottesdienst und das anschliessende Interview ist hier zu sehen.
http://www.srf.ch/sendungen/gottesdienst

Der Gottesdienst ist nüchtern reformiert und doch verbindet er Kunst und Predigt: Die Musik und die Chagall-Fenster werden in der Predigt zu einem Lob Gottes und Reichtum verbunden. Und das alles in einer gewachsenen historischen Form. 

Danke Herr, dass ich so etwas sehen durfte.

Anhang:
Aus dem Tagblatt vom 4.11.08 (Internet) habe ich jenen Bericht über den Pfarrer Niklaus Peter gelesen. Sehr interessant:

Wort Gottes, nicht «Wohlfühlkirche»

Der Zürcher Fraumünster-Pfarrer Niklaus Peter fordert die Kirchen zur Rückkehr zum biblischen «Grundwortschatz» auf. Denn: Wer die Zeitgeist-Sprache rede, werde «Ideologie-anfällig».

DANIEL KLINGENBERG 
st. gallen. Sind die Kirchen in einem Formtief? Und falls dem so ist: Kann sie aus eigener Kraft etwas dagegen tun? Beide Fragen beantwortete Niklaus Peter, Fraumünster-Pfarrer in Zürich und Karl-Barth-Kenner, am Sonntag in St. Laurenzen bei der Reformationsfeier mit ja. Allerdings nicht mit pauschaler Zustimmung, sondern in vielschichtigen Zugängen, die Theologiegeschichtliches mit Aktuellem verbanden.

«Deformation» zur Homestory

Niklaus Peter, der als Reformationsfeier-Redner nach St. Gallen eingeladen war, sieht das Christentum weltweit keineswegs in der Defensive. In Asien, Afrika und Amerika ist es vital und teilweise schnellwachsend. Auch in der modernen westeuropäischen Gesellschaft ist man «religiös offen». Aber hier führe die Loslösung von den Kirchen und die Individualisierung zu einer «ausgefransten, konturlosen, sozial unstrukturierten Religion». Oder zu einem «religiösen Analphabetismus».
Dass dem so ist, liegt gemäss dem Fraumünster-Pfarrer auch an den Kirchen und ihrem Personal. Wer nämlich ein «Wohlfühlchristentum» verkünde, das von nichts Tiefgreifenderem als der eigenen Erfahrung und seinen Gefühlen spreche, habe den Wortschatz der Bibel mit ihrem radikalen (sozialen) Kern aufgegeben.
Beleg einer solchen «Homestory-Kirche» ist für Peter zum Beispiel eine Reportage über Weihnachtsgottesdienste in einer deutschen Zeitung. Mit harmlosen, kindlichen, fast schon blasphemischen «Wohlfühlsätzen» würden Pfarrpersonen Weihnachten als eine Art «Börsengewinn» betrachten, heisst es darin.
Niklaus Peter begründete seine Diagnose mit einem Stück Theologiegeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, das er brillant und packend vortrug. Mit der Grundaussage: Wird der Skandal, dass der Versöhner und Friedensbringer hingerichtet wird, im Zeitgeist «weichgespült» und sentimentalisiert, verliert die Kirche ihre Kraft. Zudem wird sie anfällig gegenüber Ideologien, wie ihre Geschichte im 2. Weltkrieg zeigt.

Es braucht Spracharbeit

Gerne hätte man mehr gewusst darüber, wie eine Rückkehr zum «biblischen Grundwortschatz» aussehen könnte. Immerhin: Ein Teil solcher theologischer Arbeit war in St. Laurenzen zu hören.



Samstag, 7. März 2015

Eschatologie

Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen oder wie es der kleine Duden für Fremdwörter beschreibt: Lehre vom Endschicksal des einzelnen und der Welt (Rel.), eschatologisch:  die Letzten Dinge, die Eschatologie betreffend.

Hier ist eine Betrachtung auf Englisch, der den Amillennialismus vertritt.



Zum Thema Eschatologie kann ich auch das Buch von Roland Hardmeier "Zukunft. Hoffnung. Bibel. Endzeitmodelle im biblischen Vergleich" empfehlen. Wie im You Toub Beitrag, gibt er auf Seite 16 eine einfache Uebersicht dieser Varianten. Hardmeier zeigt es so und damit etwas detaillierter auf:

Grundmodelle:                         und ihre Varianten:

Amillennialismus                      klassischer Amillennialismus
                                                 präteristischer Amillenialismus

Prämillennialismus                   klassischer (historischer) Prämillennialismus
                                                 dispensationalistischer Prämillennialismus

Postmillennialismus                  klassischer Postmillennialismus
                                                     päteristischer Postmillennialismus

Das gesamte Buch befasst sich mit diesen Endzeitmodellen. Auf Seite 16 gibt er einen ultrakurzen Abriss dazu:

Amillennialisten erwarten kein (a-) irdisches Tausendjähriges Reich. Sie glauben, dass die tausend Jahre von Offenbarung 20 symbolisch für die gegenwärtige himmlische Herrschaft Christi sowie das Gemeindezeitalter stehen. (Anmerkung von mir aus "Der Tempel aller Zeiten von Gregory K. Beale, s. Seite 15 und 10. Dies bedeutet, dass das Reich Gottes mit Jesus Christus angebrochen ist. Das passt auch gut zum jetzt schon und noch nicht Aspekt  oder der inaugurierten Eschatologie. Siehe u.a. dazu auch Hebräer 12,22-24, wo der Neue Bund mit dem Alten Bund verglichen wird: "Ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, der Festversammlung; und zur Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten; und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als das von Abel.)

Prämillennialisten erwarten die Wiederkunft Christi vor (prä-) dem Tausendjährigen Reich. Sie glauben, dass das Tausendjährige Reich eine länger geschichtliche Epoche zwischen Wiederkunft und Vollendung ist.

Dispensationalisten erwarten die Wiederkunft Christi ebenfalls vor dem Tausendjährigen Reich. Sie glauben, dass sich im Tausendjährigen Reich die an Israel ergangenen Prophezeiungen in vollem Mass erfüllen werden.

Postmillennialisten erwarten die Wiederkunft Christi nach (post-) dem Tausendjährigen Reich. Sie glauben, dass sich das Tausendjährige Reich im Laufe der Geschichte Bahn bricht und der grösste Teil der Menschheit für Gott gewonnen wird.

Präteristen glauben, dass  die grosse Trübsal im ersten Jahrhundert n.Chr. stattfand und beziehen auch die Offenbarung des Johannes auf diese Zeit. Der Präterismus führt zu einer ähnlichen optimistischen Sicht wie der Postmillennialismus.

Ich habe mich lange Zeit nicht mit der Offenbarung und der Endzeit beschäftigt. Das, was ich so hörte, schien mir viel zu spekulativ. Dieses Buch und auch der You Toub Beitrag gehen gründlich an dieses Thema heran. Wobei der You Toub Beitrag den Amillennialismus erklärt, während das Buch alle diese Modelle gründlich erklärt. 

Was hat dies aber mit uns und unserem heutigen Leben zu tun?
Sehr viel. Je nachdem, was wir glauben, werden wir positiver oder pessimistischer unser leben hier auf Erden gestalten. Entweder werden wir Gottes Wirken durch die Zeit erkennen und uns dankbar in Gottes Hände begeben oder aber wir werden zu einer kleinen verängstigen Gruppierung, die auf eine schreckliche Zeit wartet. Ersteres ist mir sympatischer. Und einige der Modelle unterstützen dies, während andere den Pessimismus und damit auch eine Machtlosigkeit Gottes unterstellen.

Ich habe mich noch nicht so intensiv mit den verschiedenen Endzeitmodellen auseinander gesetzt. Sicher ist, dass man das gesamte Neue UND Alte Testament für diese Betrachtung heranziehen muss. Eine Beschränkung auf eine Bibelstelle, wie zum Beispiel Offenbarung 20 widerspricht dem reformatorischen Prinzip, dass sich die Bibel selber auslegt. Meine bisherige oberflächliche Betrachtungsweise stützt sich auf Aussagen, die Jesus gesagt hat, dass das Reich Gottes im Herzen der an ihn Glaubenden heranbricht. Hebräer (s.o.) 12,22-24 verdeutlicht dies auf eine grandiose Art, was mit Jesus und seinem Leben und Sterben angebrochen ist. Daher neige ich zur inaugurierten Eschatologie und zum Amilliannismus: Jesus Christus regiert. der Teufel ist gebunden. Wir, die Gläubigen sind der dritte Tempel Gottes, weil der Dreieinige Gott in uns wohnt. Die unsichtbare Gemeinde/Kirche ist ebenfalls der Tempel Gottes. Wenn wir beten, treten wir vor Gott im Himmel, wie es der jüdische Tempel einst symbolisierte und uns aufzeigte. Leben verändern sich und erleben Heil und Heiligung. Ganze menschliche Gesellschaften werden in Liebe und Wertschätzung umgestaltet.  Dies alles ist angebrochen, doch auch das Alte ist noch da. Noch gibt es Tränen und Krieg. Der Teufel ist gebunden, aber er schlägt in seiner Verzweiflung wild um sich. Aber mitten im Krieg und einer der grössten Christenverfolgung entsteht neuer Glaube und liebevolle Taten. Mitten im Reich der Finsternis herrscht doch das Gute und nichts geschieht, dass Gott nicht überragt. 

Es ist eine Zwischenzeit: Das Neue ist angebrochen, aber das Alte ist auch noch da: In 
unserer Welt und sogar in den Wiedergeborenen selber (s. Römer 7 und 8 zum Beispiel). Gerade weil Gott im Leben eines Wiedergeborenen etwas Neues geschafft hat, ist der geistliche Kampf so heftig. Mögen (noch) nicht gläubige Philosophen von ihrer Zerrissenheit zwischen Bösem und Gutem klagen, als wahrer Christ ist die Diskrepanz um ein vieles grösser! Weil nun der wirklich Gute Gott in ihm wohnt und das Alte immer noch da ist. Daher können wahre Gläubige den gleichen Misst machen, wie alle anderen. UND darum sind wir wirklich nicht besser als alle anderen. Aus uns sind wir gleich verloren. Daher nützten all unsere Anstrengungen nichts, um wirklich Gutes zu tun oder gar uns wirklich Gut zu machen. (Eine gute Tat ist noch nicht wirklich gut Sein.)
Natürlich schaffen auch unsere unvollkommenen guten Werke eine angenehmer Welt, sofern wir sie nicht überhöht werden. Denn was könnte schlimmer sein, als eine selbstgerechte gute Tat, die von Hochmut stinkt? (Bsp.: Eine übertriebene und erdrückende Liebe schafft nicht Leben, sondern benutzt den anderen für seine selbstsüchtigen Triebe. Damit ist nicht die hilflose Liebe eines Babys gemeint. Diese "egoistische" Liebe ist gerade in ihrer Einfachheit und Bedürftigkeit viel edler, als manch "unegoistische" Liebe. Vielleicht auch darum sagt Jesus, dass wir wie Kinder werden sollen... )
Daher dürfen wir auch hier christliche Hedonisten sein und uns von Gott beschenken lassen. Bis wir so beschenkt sind, dass wir nicht mehr die Gaben und Werke von Gott sehen, sondern Gott selber! Damit wir Gott wegen seiner grandiosen Liebe zu uns beginnen zu lieben. Denn die grösste Gabe, die uns Gott geben kann, ist Gott Wert zu schätzen und ihn zu lieben. 
Wir mögen dies in dieser Zwischenzeit nie vollkommen erreichen. Aber es ist angebrochen und Jesus Christus wird es bei seinem zweiten Kommen sein gutes Werk in uns vollenden, dann wenn er uns an Leib und Seele verherrlicht! 

Gebet:

Ja lieber Heiland komme bald. Komme jetzt in unsere Herzen. Beschenke uns, dass wir wirklich leben. Dass wir zur Ruhe kommen von unseren eigenen Werken. Damit wir in Deinen Frieden eingehen und leben. Hilf unserer Unzulänglichkeit. Mache aus unserem Misst etwas Fruchtbares und Gutes! Danke Herr, machst Du das!

Danke vergibst Du meine vergangen, aktuellen und zukünftigen Sünden. 

Danke bist es Du, der mich liebt. Hilf mir, dass ich dies immer weniger vergesse und in diesem Bewusstsein lebe!
Lass mich auf Dich sehen und nicht auf die Probleme! Hilf mir die Probleme Dir zu geben. Hilf meinem Unglauben. Denn die Probleme sind Chancen für Dein Wirken, Herr, mein Meister und Gott!

Dir allein gehört die Ehre in Ewigkeit.

Danke bin ich so uneigennützig von Dir geliebt und Wert geschätzt. Danke für diese Würde, die Du mir und allen Menschen zusprichst. Und wenn ich sterbe oder Du wieder kommst, lieber Heiland, dann werde ich sehen, was ich jetzt hoffe und glaube. Das, was jetzt schon begonnen hat, wird dann für alle sichtbar! Danke Herr!

Und hilf mir Herr, dass ich nicht Deine Gaben suche, sondern Dich!

Amen



Das Buch der Mitte von Vishal Mangalwadi (Dritter Bericht)

Das Buch der Mitte von Vishal Mangalwadi (Dritter Bericht)

Auf Seite 243 geht er auf den Nationalismus ein. Dabei unterscheidet er den sekularisierten, egoistischen Nationalismus, wie er im 19. und 20. Jahrhundert schrecklich wirkte. Er beschreibt aber - und das ist interessant - einen biblisch begründeten und demütigen Nationalismus, der sich selbstkritisch hinterfragt und die eigene Kultur als Reichtum unter anderen Kulturen und Nationen versteht. Dabei wird die Unterschiedlichkeit als ein Reichtum Gottes geschätzt. Wie weit nun ich meine Gedanken in diese Interpretation einfliessen liess, bitte ich zu überprüfen. Auf jedenfall wirkte der Zugang für die Massen zur Bibel in der Reformation eine Demokratisierung des Wissens und die Entstehung von Nationen.
Interessant ist hierzu auch ein Betrag im ZDF. Es beleuchtet allerdings, dem Titel gemäss, sehr stark der Einfluss der Bibel auf die Entstehung von Deutschland. Im Film selber wird der Einfluss der Bibel manchmal mit Luther "verwechselt", der die Bibel ja "nur" ins Deutsche übersetze. Diesen Film habe ich auf meinem Blog "http://www.filmund.blogspot.com/" am 7.3.15 ebenfalls beschrieben. Zudem findet man dort auch die Verknüpfung zum Film auf Youtub. Der Film veranschaulicht eigentlich das, was Mangalwadi hier allgemein schreibt, anhand der Entwicklung in Deutschland während der Reformationszeit.

Ab Seite 253 wendet sich Mangalwadi dem Einfluss der Bibel auf die Literatur zu. Dabei vergleicht er auch den Einfluss der klassische Literatur der Griechen und Römer mit dem asiatischen Buch der Bibel. "Die frappierende Einfachheit bestätigt, vielmehr die Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit der Schrift: Die biblischen Berichte sind Wahrheit und keine Mythen. Ihre Wirklichkeitsnähe ist eben nicht ausgeklügelt, sie sind nicht dem Einfallsreichtum eines Künstlers zu verdanken." (Seite 255 folgert er und fasst damit seine Gedanken über den Wahrheitsgehalt der Bibel zusammen.
Dazu gehört auch, dass er als Erwachsener zunächst einmal schockiert war, als er das erste Buch Mose las: Wie verschüchtert doch Abraham und Isaak waren. Im indischen Epos Ramayana tritt der Held ganz anders auf. Dies wurde dann auch als eine Grundlage für den Film "Avatar". Auf Seite 256 zitiert er auch Erich Auerbach, der ebenfalls zwischen Homers Odysseus und Abraham machte: Entweder ist der biblische Bericht war, oder aber "ein bewusster Lügner sein, kein harmloser Lügner wie Homer, der log, um zu gefallen, sondern ein zielbewusster, politischer Lügner, der im Interesse eines Herrschaftsanspruchs log."

Auf jedenfall kommen die biblischen Helden im Gegensatz zu den klassischen, uns sehr nahe. Denn Gott schreibt mit "normalen", sündhaften Menschen seine Geschichte. "Die Bibel besass auch deswegen diese einzigartige Position, weil sie immer wieder Denker aus unterschiedlichen Kulturen befähigte, die Welt, in der sie lebten, zu verstehen. Der biblische Bericht setzt am Anfang an, beleuchtet mit realistischem Blick das Böse - seine Ursachen, die schrecklichen Folgen und das Heilmittel dagegen - und schliesst mit der prophetischen Schau einer herrlichen Zukunft." (Seite 257)

Dabei sind Charakterveränderung und -entwicklung in der Bibel wichtige Themen. "Homers Helden ändern sich nicht, Jakob sehr wohl." (Seite 257)

Er geht dann darauf ein, wo überall in der Literatur die Bibel Einfluss nahm. U.a. beschreibt er, wie Dr. Louise Cowan ihren Kinderglauben durch ihre Universiätsstudium zu hinterfragen begann. Ihre eigenen Vorlesungen über Hamlet öffneten ihr die Augen für biblischen Glauben und biblischen Heldenmut. Mittlerweilen nimmt die Zahl der Wissenschaftler zu, die Shakespeare dem christlichen Glauben zuordnen (Seite 262). Und die Nachwirkungen scheinen sogar bis heute in der Literatur zu bemerken. Er nennt Beispiele von Stephen King, was mich überraschte. (Seite 270 - 271).

Auf jedenfall liesst Herr Khushwant Sing (geb. 1915), ein säkularer Sikh, der über viele Jahrzehnte an der Universität in Delhi englische Literatur lehrte, täglich mindestens zwei Kapitel in der Bibel, da niemand die englische Literatur verstehen könne, ohne die Bibel zu kennen. (s. Seite 253)

"In 'Puritans as Democrats' kommt der Historiker Jacques Barzun zu dem Schluss, dass die sozialen und wirtschaftspolitischen Reformen, die unsere Zeit der Aufklärung zuschreibt, tatsächlich aus der Bibel stammt." (Seite 266) Das sie diese in einer religiösen Sprache verpackten, mögen sie viele nicht mehr lesen. Aber in der frommen Sprache liegt es vergraben: "... gingen auch mit der Zukunft schwanger. Die Sekten und ihre Führer gliederten sich in Puritaner, Presbyterianer (= Reformierte, meine Anmerkung) und Unabhängige auf und waren soziale und politische Reformkräfte, die sich im Wesentlichen im Grad  ihrer Radikalität unterschieden." (Jacques Barzun, zitiert auf Seite 267)

"Angenommen, Barzun hat recht - haben dann weltliche Universitäten nicht mehrere Generationen zu der (irrigen) Annahme verführt, es seien die grossen Gedanken der Aufklärung gewesen, die die moderne Welt entstehen liessen?" (Seite 267) Als Antwort zeigt Mangalwadi etwas vom Leben von Herrn John Lilburnes (1614 - 1657). Als radikaler puritanischer Autor hielt er Menschenrechte hoch und forderte er sie ein. So stark, dass er selber ins Gefängnis kam. Barzun schreibt u.a. dazu:
"Sein Nachteil ist, dass, obwohl er das Naturrecht beschwört, seine Argumente voller Biblizismen sind." (Seite 267)

"Moderne Historiker schaffen es wegen ihrer Befangenheit nicht, diese Gedanken den puritanischen Schriften zuzuschreiben, aus denen sie in Wirklichkeit stammen, sondern leiten sie lieber von säkularen quellen ab. Man führt den freien Handel lieber auf Adam Smith zurück als auf Lilburnes Erörterung des Gleichnisses von den Talenten. Aufgrund ihrer Voreingenommenheit sehen sie auch John Locke als Urheber des Gedankens, dass alle Menschen frei und gleich geboren sind, und nicht einen in ihren Augen obskuren Wiedertäufer-Prediger." (Seite 268)

Am Schluss dieses Abschnitts folgert Mangalwadi:
"eine Ablehnung der Bibel hingegen mündet in moralischer und intellektueller Anarchie. Deshalb suchen Muslime der  zweiten Generation im Islam nach einer Möglichkeit, das Vakuum zu füllen, das durch die säkulare Bildung entstanden ist." (Seite 272)

Dies bestätigt mein eigener Eindruck dazu.

Die eigene Verwirrung und Orientierungslosigkeit des Westens treibt die Welt in ihre alten Traditionen, Religionen und Ideologien.
Leider hat der Westen die Türe zu ihrer eigenen biblischen Grundlage in intellektueller Weise zugeschlagen.
Möge Gott es schenken, dass es andere (oder auch der Westen selber) wieder öffnen, wie es Mangalwadi als Inder macht.



PS: Warum schaft es die EU bis heute nicht, ihre Institutionen sauber demokratisch aufzustellen? Vielmehr scheinen Intellektuelle und Politiker das Sagen zu haben, während die Bevölkerung eine Statistenrolle zu spielen scheinen. Das ganze wird nicht von Unten getragen und inspiriert, wie es sich für eine echte Demokratie gehört. Nur schon wie die EU auf Volksentscheide aus der Schweiz reagiert, zeugt von einem Demokratieverständnisdefizit. Nur wenn das Volk genau das entscheidet, was einem in die Tagespolitik passt, ist es achtenswert. (Ich rede jetzt nicht von unveräusserlichen Menschenrechten, wie sie die Bibel lehrt. Hier hat jede Regierung und Demokratie ihre Grenzen. Aber ich meine generell die Haltung und den Aufbau der Institutionen. Und auch ganz konkrete Entscheide, die man so oder so lösen könnte. Ein ganz banales Beispiel: Wie wurde die Sommerzeit eingeführt? Oder wie wurde das Verbot der Glühbirnen demokratisch besprochen und dann nach  reiflicher Prüfung entschieden? War es nicht viel mehr ein einsamer Entscheid in Brüssel, vielleicht noch von Interessengruppen gesponsert? Unsere Schweizer Regierung konnte ja dann nicht anders, als diesen Unsinn zu übernehmen, anstelle es demokratisch auszuhandeln. Dann hätte man vielleicht gemerkt, dass die Einsparung der Energie durch das Verbot der Glühbirne gerade im kalten Norden mehr statistisch ist, als effektiv. Man muss ja so oder so in den meisten Monaten heizen. Zudem war der Ersatz durch Sparlampen alles andere als umweltfreudnlich, denn diese Dinger sind Sonderabfall und hoch giftig. Ihre Produktion und Entsorgung ist viel belastender als dies von Glühbirnen. Man hätte mit dem Verbot der Glühbirne mindestens solange warten müssen, bis andere Alternativen als die Sparlampen da gewesen wären. Aber wenn diese da gewesen wären, wären sie wohl von alleine als Ersatz angewandt worden. Dann hätte man ein Stück Freiheit bewahren können und immer noch die Möglichkeit gehabt, Glühbirnen mit ihrem besonders angenehmen Licht kaufen zu können. Und so könnte man noch andere Beispiele aufführen.)

Freitag, 6. März 2015

Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich


Ein interessantes Porträt über ihn findet sich auf Seite 16 und 17 im ideaSpektur 05.2015. Er ist ein Theologe, der das Leben aus verschiedenen Fassetten erlebt hat. So hat er mit 19 Jahren eine Krebsdiagnose erhalten. 

Nun mit 50 Jahren möchte er etwas kürzer Treten: "Ich machte die Rush Hour meines Lebens durch." Kürzer treten bedeutet, dass er ein für mich sehr erfreuliches Thema angehen will. Ich zitiere:

"Er will jetzt 'ein einjähriges Fasten ausrufen': Keine Vorträge mehr. Dafür endlich Zeit haben zum Bücherschreiben. Er möchte dem Gemeindeverständnis nachforschen, das stark geprägt sei von der Zürcher Reformation, aber auch mit dem helvetischen Hintergrund zusammenhänge. Eine ausgeprägte Kultur von unten nach oben. Doch diese Kommunen seien heute gefährdet - nicht nur die kirchlichen, sondern auch die Schul- und die politischen Gemeinden. 

'Es geht um den Zusammenhalt, um ganz Grundsätzliches.'"

Meine Gedanken dazu:
Reformierte Theologie entstand in der Auseinandersetzung mit vorallem kirchlichem Machtmissbrauch. Man entdeckte die Ekklesia (= Kirche, Gemeinde, im Französischen: église) als Gemeinschaft der wahlberechtigten Verantwortlichen. Daher haben alle reformiert geprägten Länder diese dynamische Kultur von unten nach oben. Es mag im Kanton Bern etwas hierarchischer zu und her gegangen sein. Dafür sind sie bis heute gemütlicher. Aber  Ausnahmen bestätigen die Regeln... Zudem waren es dort eher verschiedene mächtige mit sich konkurrierende Familien, die die Macht ausbalancierten.

Ich denke, es wird auch durch die Tendenz von Gemeindezusammenlegungen (politische Gemeinden) dieser Trend der Nähe der Politik und dem System von unten nach oben leider entgegen gearbeitet. Es gibt geradezu eine Tendenz des Zentralisierens und Professionalisierens. Oft mit dem Argument man fände keine Ehrenamtliche mehr - oder es sei professioneller und billiger. Tatsächlich aber sehen wir vielleicht eine Form der Europäisierung, d.h. Angestellte in weiter Entfernung übernehmen die Verantwortung. Dabei sind Entscheidungen und Problemlösungen vor Ort normalerweise effektiver und billiger. Zudem muss der Staat immer mehr Aufgaben übernehmen. Gleichzeitig gibt es eine starke Stossrichtung, die Steuern zu senken.

Selbst die Kirchen, welche sich im schweizerischen Kirchenbund zusammengeschlossen haben (Landeskirchen und einige wenige Freikirchen), wollen sich nun zu einer Kirche zusammenschliessen. (Es nimmt mich wunder, ob die methodische Kirche und die reformierte Freikirche in Genf da mitmachen?(1)) Es geht dabei sogar darum, dass dann ein Bischof  ausgerufen wird (2). In ihrer Konsequenz würde diese Kirche dann auch keine reformiert-evangelisch mehr sein, sondern nur noch eine evangelische. Zumindest hat man über diese Namensänderung diskutiert. (3) Ehrlich wäre es, da ja keine der reformierten Glaubensbekenntnisse angewandt werden. Oder wie es der Präsident des Schweizerischen Kirchenbundes, Herr Locher, einmal sagte: Die Bekenntnisfreiheit ist manchmal schwer von der Bekenntnislosigkeit zu unterscheiden. 

Laut Herr Ralph Kunz sei die reformierte Kirche in Zürich noch nicht so schlimm dran, wie die schottische: 

"'Schottland säkularisiert sich stark, die presbyterianische Kirche hat in den letzten 30 Jahren massiv Mitglieder verloren.' In der Schweiz seien wir noch nicht ganz so weit."

Ich kenne zwei Schwestern, die mit einem Alter von gut 90 Jahren noch in ihrem eigenen Haus leben. Sie meinten zur sozialen Entwicklung: "Ihr werdet es noch schwer haben." Ich hoffe, sie irren sich. 

Anhang:
(1) "Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK ist der Zusammenschluss der 24 reformierten Kantonalkirchen, der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Église Évangélique Libre de Genève in der Schweiz." aus 
http://www.ref.ch/die-reformierten-kirchen/kirchen-institutionen/kirchenbund/

(2) Der Basler Kirchenratspräsident hat im Kirchenboten ebenfalls für ein Bischof geworben. Hier zu lesen: http://www.kirchenbote-online.ch/dedi/projekt01/index.php?idcatside=50&nid=2556
Meiner Meinung nach versteht die alte reformierte Theologie den Bischof als Aeltester. Die Gemeinde wird von einem Aeltestenrat (oder Kirchenpflege) geleitet. Einer der Aelteste hält dabei den Vorsitz und setzt das um, was gemeinsam beschlossen wurde. Wobei natürlich die Kirchgemeindeversammlung dieses Gremium wählt und damit die Oberaufsicht hat.
Calvin äussert sich in der Insitutio in etwa so. Wobei er der Meinung ist, dass für Ueberregionale Fragen, überregionale Räte, Synoden in der alten Kirche eingesetzt wurden. 

(3) Ich habe soeben die Schriften gesucht, wo dies berichtet wurde. Aber ich fand sie nicht mehr (Wahrscheinlich schon im Altpapier). Auch auf den entsprechenden Homepage des Kirchenbundes und des Kirchenbotes fand ich nichts. Was ich aber fand, ist unter:
http://www.reformiert.info/artikel_12725.html    zu finden.
Hier sieht man, wie über dieses Vorhaben gestritten wurde: "


SEK-Reform wirbelt die Kirchen auf
Kirchenbund/ Die geplante Zentralisierung der Schweizer Reformierten gefällt nicht allen Kantonalkirchen."
Dieser Beitrag vom 26.6.13 ist nicht ganz aktuell.

Nun fand ich doch etwas: 
http://www.ref.ch/gesellschaft-politik/reformierte-erhalten-gesamtschweizerisches-parlament/

Dies ist nun aktueller: 4.11.14 (das so etwas nicht in den Zeitungen kommt? Ist dies keine Meldung mehr wert? Oder habe ich sie nur nicht gesehen?:

"Die Reformierten Kirchen der Schweiz beschliessen die Errichtung einer Schweizer Synode. Kirche ist auch national – dieses Zeichen setzte die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes in Bern."

Interessant ist dabei ein Leserbrief von einem, der für etwas anderes gestummen habe: Hansruedi Haru Vetsch:

"Ich glaube, ich war an einer anderen Abgeordnetenversammlung des anderen SEK, als die Reformierte Presse. Bei meiner Abgeordnetenversammlung haben wir kein neues Parlament/Synode beschlossen. Bei meiner Abgeordnetenversammlung wurde zum Kirche-Sein beschlossen: 
Die Abgeordnetenversammlung stimmt den folgenden Grundaussagen zum gemeinsamen Kirche-Sein zu:
a. «Die evangelisch-reformierte Kirche lebt als Kirchgemeinde (bzw. kirchliche Orts- oder Regionalstruktur), als Mitgliedkirche (bzw. Kantonalkirche) und als Kirchengemeinschaft.»
b. «Unsere Kirchengemeinschaft ist gesamtschweizerisch.»
c. «In Ergänzung zu den Synoden der Mitgliedkirchen hat die Kirchengemeinschaft eine Schweizer Synode.»
d. «Die Kirchengemeinschaft wird synodal, kollegial und personal geleitet.»
Das ist ermutigend und wie bei der "anderen Abgeordnetenversammlung" ein Meilenstein."
Es sieht so aus, dass vom eigentlichen Vorhaben sicherlich nur ein Teil umgesetzt worden ist. Irgenwie habe ich den Eindruck von einem Durcheinander. Aber vielleicht ist es auch der Ausdruck, dass man lieber von unten eine Reform hätte. 

Ich würde mir eine Reformation von ganz innen wünschen: Indem man die Bibel liest und Gott bittet dadurch zu reden. Dann kämen neue Impuls von ganz oben durch unten. (Die einzelnen Glieder würden zusammen wirken.) 

Dies  ist möglich. Gerade letzthin hatten wir eine interessante Diskussion. Dabei haben wir das Weltgeschehen sehr stark unterschiedlich gesehen. Danach lasen wir die Bibel. Aus einem Kapitel wurden drei Kapitel des Römerbriefes. Und wir bekamen von Gott Impulse, wo wir uns fanden und die unterschiedlichen Sichtweisen nicht mehr so wichtig waren.

So häftig habe ich dies auch einmal mit einer asiatischen Frau erlebt. Da ging es um unterschiedliche religiöse Betrachtungen. Sie sagte ihre Meinung und ich die meine. Ich wusste bereits etwas über ihre Haltung, da ich sie in einer Freikirche heftig mit einem Prediger und einem Aeltesten streiten sah. Rein theologisch war es wirklich anspruchsvoll. Ihre Haltung war eine Mischung aus vernöstlichem Gedankengut und biblischen Verständnis. Auf jedenfall schien es mir, dass sie wirklich das Wirken des Heiligen Geistes erlebt hatte. 
Also erklärte sie mir, wie sie den Menschen und Gott und die Welt sah und ich erzählte ihr meine Sicht. Dann lasen wir die Bibel und durften dabei dieses Sprechen von Gott erleben. Gemeinsam erkannten wir, wie es Gott gemeint hatte. Wir fanden Einheit, die Gott schuf. Es war so schön.  

Ein Wunder? 

Augustinus sprach über kleine Wunder und grosse Wunder: Wir sind eigentlich täglich von grossen Wundern umgeben. Die kleinen Wunder, dass seien Heiligungen und so. Die grossen Wunder aber, dass wir jeden Tag aufstehen können. Sehen können. Leben dürfen. Diese Wunder, sind immer da. Gerade ihre scheinbare Selbstverständlichkeit ist zu bestaunen.

Gebet:

Herr hilf uns, dass wir mit offenen Augen durchs Leben gehen. Dass wir Deine Wunder sehen können. Deine Liebe zu uns. Dein Wirken. 
Danke Herr, für Deine vielen Gaben. Dein Durchtragen. All das, was Du mir gabst und laufend  gibst. Die Fähigkeit zum Denken und arbeiten. Die Fähigkeit zu Ruhen und zu geniessen. Und so viel mehr. Danke für jedes gute Wort! Und danke bist Du  grösser als jedes böse Wort.

Amen




Donnerstag, 5. März 2015

Should we batize infants? Sollten wir Kinder taufen?

Eine entspannte und freundliche Diskussion über den Zeitpunkt der Taufe.

Ist es nicht schön, wie humorvoll und verständnisvoll diese zwei Theologen über ihre unterschiedliche Standpunkte diskutieren? Der Presbyterianer (= Reformierte) zieht die Argumentation der Baptisten nach und kann deren Vorteile sehen. Damit zeigt er, dass er die andere Argumentation völlig verstanden hat. Und ebenso offen ist der Baptist, wie er sich auf die Argumentation des Presbyterianers einlässt.

Leider ist es nur in englischer Sprache. Aber ich habe bis heute nichts vergleichbares in Deutscher Sprache gefunden. Schade.

Vielleicht ist das der Vorteil der US-amerikanischen Christen, dass sie ohne den grossen historischen Ballast denken können (Wir Reformierten haben mit Lutheraner und Katholiken gegenüber den Täufern uns versündigt, als wir sie verfolgten. Papst, Lutheraner und auch von Zürcher Reformierten weiss ich, dass sie sich dafür entschuldigt haben.). Oder ist es einfach die Liebe und der Respekt vor einem anders denkenden Bruder im Glauben, an dem die Welt erkennen wird ... (s. Johannes 17)



Bibelstellen zum Thema:
12 „Im Alter von acht Tagen soll alles, was männlich ist, bei euch beschnitten werden, durch eure Generationen, der im Haus geborene und der von irgendeinem Fremden für Geld gekaufte (Sklave, der nicht von deiner Nachkommenschaft ist;
13 beschnitten werden muss, der in deinem Haus geborene und der für dein Geld gekaufte (Sklave)! Und mein Bund an eurem Fleisch soll ein ewiger Bund sein.“
(1.    Mose 17,12-13)

18 „Und Jesus trat zu ihnen) und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.
19 Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
20 und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“
(Matthäus 28,18-20)

11„In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, (sondern) im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus,
12 In ihm begraben in der Taufe, in ihm auch mit auferweckt durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes der ihn aus den Toten auferweckt hat.“
(Kolosser 2,11-12)

„Der wird Worte zu dir reden, durch die du errettet werden wirst, du und dein ganzes Haus.“ (Apostelgeschichte 11,14)

„Als sie aber getauft worden war und ihr Haus, bat sie und sagte: wenn ihr urteilt, dass ich an den Herrn gläubig sei, so kehrt in mein haus ein und bleibt! Und sie nötigte uns.“
(Apostelgeschichte 16,15)

„Sie aber sprachen: glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus.“
(Apostelgeschichte 16,31)

„Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, glaubte an den Herrn mit seinem ganzen Haus; und viele Korinther, die hörten, wurden gläubig und liessen sich taufen.“
(Apostelgesichte 18,8)

„Ich habe aber auch das Haus des Stephanas getauft; sonst weiss ich nicht, ob ich noch jeamnd getauft habe.“
(1.    Korinther 1,16)

„Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig.“
(1.    Korinther 7,14)

13 „Dann wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er ihnen die Hände auflege und bete; die Jünger aber fuhren sie an.
14 Jesus aber sprach: lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen! denn solchen gehört das reich der Himmel.“

(Matthäus 19,13-14)

Was Calvin zum Thema dachte:

„Daher muss man fort und fort fleissig darauf achthaben, was den Juden und uns gemeinsam ist und was jene gesondert von uns besitzen. Der Bund ist gemeinsam, gemeinsam ist auch die Ursache zu seiner Bekräftigung. Nur die Art und Weise solcher Bekräftigung ist unterschieden: Das war nämlich für sie die Beschneidung, an deren Stelle dann für uns die Taufe getreten ist. Sonst, nämlich wenn das Zeugnis, vermöge dessen die Juden über das Heil ihres Samen Gewissheit bekamen, uns entrissen würde, hätte Christi Kommen die Wirkung gehabt, dass Gottes Gnade für uns dunkler und schwächer bezeugt wäre, als sie es früher für die Juden war. Das kann nun aber nicht ohne die schlimmste Schmähung Christi aussprechen; denn durch ihn hat sich doch die grenzenlose Güte des Vaters deutlicher und freundlicher auf die Erde ergossen und den Menschen kundgetan als je zuvor. Wir müssen also notwendig zugeben, dass solche Güte Gottes heute wahrhaftig nicht engherziger verborgen gehalten und auch nicht mit einem geringern Zeugnis verherrlicht werden darf, als es einst unter den dunklen Schatten des Gesetztes geschehen ist.“ (Institutio IV16,6)


„Wieviel Schaden jener übelerdachte Glaubenssatz mit sich gebracht hat, nach welchem die Taufe heilsnotwendig sein soll, das merken nur wenige, und deshalb nimmt man sich auch recht wenig vor ihm in acht.“ (Institutio IV,15)

„Gottes Gnade ist nicht dergestalt an die Sakramente gebunden, dass wir sie nicht (auch ohne sie) im Glauben aus dem Worte Gottes erlangten!“
(Insitutio IV,15,22)

Mit dieser Sicht kann auch ein geistig-behindertes Kind getauft werden, das vermutlich nie verstandesmässig die täuferische Bedingungen für eine Taufe erfüllen kann. wenn dies die Mutter oder der Vater wünschen. 


Mittwoch, 4. März 2015

J.I. Packer - Weakness is the Way = Die Schwäche ist der Weg.


J.I. Packer - Weakness is the Way= Schwäche ist der Weg.

James I. Packer, der Verfasser von einigen Büchern unter andrem das sehr zu empfehlende: "Gott erkennen Das Zeugnis vom einzig wahren Gott". Er berichtet in diesem Lebensbericht, wie er durch einen Unfall schwach wurde...

Gott antwortete ihm: Meine Stärke macht es perfekt in Deiner Schwäche.

So wurde er ein alter Theologe.

Damit setzt er einen gesunden Kontrapunkt zu unserem Leistungsdenken.