Freitag, 27. September 2013

Heuchelei oder wie werden usnere Gebete erhöhrt?: Als fröhliche Sünder!



Heuchelei oder wie werden unsere Gebete erhöhrt?:
Als fröhlicher Sünder!

In christlichen Kreisen gibt es manchmal das Problem der Heuchelei. Jede Gesellschaft oder Gruppe von Menschen, die hohe Ideale hat, steht vor dieser Gefahr. Und wer möchte nicht behaupten, dass wir Christen hohe Ideale haben. Wer ganz offiziell keine solche hohen Ideale hat und gesetzlos lebt, kennt dieses Problem nicht. In einem gewissen Sinne ist er vor dieser Sünde bewahrt, weil er „ehrlich“ sündigt. Im Gegensatz dazu können wir Menschen, die hohe Ideale haben unter dem Deckmantel der Heuchelei genauso gesetzlos leben. 

Es mag Religionen geben, die gerne zwischen den wahren Gläubigen und Ungläubigen sprechen. Dabei sind die Gläubigen die Guten, die Heiligen. Sie haben durch ihr gutes Leben einen direkten Zugang zu Gott. Dadurch verstehen sie Gott sehr gut. Im Heidentum sprach man von ihnen als Gottes Lieblinge. Ihr Kennzeichen war Erfolg und Macht, Schönheit und Pracht.
Diese Sichtweise entspricht unseren menschlichen Wünschen. Die Bibel aber beschreibt die Realität und diese ist leider viel komplexer. Sie spricht von einem auserwählten Volk Gottes, dass sündigt und Fehler macht. Ja, sie spricht sogar von Gottlosigkeit innerhalb seines Volkes, während sie gottesfürchtige Heiden als gutes Vorbild beschreibt. Das gefällt uns Menschen nicht besonders. Daher fällt das Christentum gerne auch auf diese heidnische Form der Religiosität hinein. Jesus sagt es klar und eindeutig: Das ist Heuchelei! Wer von dieser Heuchelei profitiert, dem wird das weh tun. Wer aber nicht Profiteur ist, wer unter diesen Missständen leidet, der spürt den lebensspenden Wind hinter diesen Worten. Diesen Wind des Geistes Gottes, der die Heuchelei wegbläst.  

„Und wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch, und wenn ihr auch noch so viel betet, höre ich doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut!
Waschet, reiniget euch! Tut das Böse, das ihr getan habt, von meinen Augen hinweg, höret auf, übelzutun!
Lernet Gutes tun, erforschet das Recht, bestrafet den Gewalttätigen, schaffet den Waislein Recht, führet die Sache der Witwe!
Kommt doch, wir wollen miteinander rechten, spricht de HERR: Wenn eure Sünden wie Scharlach sind, sollen sie weiss werden wie der Schnee; wenn sie rot sind wie Purpur, sollen sie wie Wolle werden.“                 (Jesaja, 1,15 – 18)

Wie ein frischer Wind, der uns belebt, so klingen diese Worte! Der jüdische Prophet Jesaja verkündigt Gottes Wort. Dieses Wort deckt im Anfang des Buches Jesaja die damaligen gesellschaftlichen Problem auf.-Das tut den Betroffenen sicherlich weh. Aber es zeigt auch gleichzeitig, wie Gott dies vergeben möchte, damit die Sünden nicht mehr rot sind, sondern weiss werden, d.h. von Gott gewaschen und getilgt werden. Dazu braucht es eine Umkehr. Ja, sie müssen sogar lernen, Gutes zu tun, weil sie dies verlernt haben. Und wir müssen uns bewusst sein, Jesaja sagt dies nicht zu einem heidnischen Volk, sondern er sagt das zu Gottes auserwähltem Bundesvolk, also auch zu uns Christen!

„Wehe den Gesetzgebern, die liederliche  Gesetze erlassen, und den Schreibern, welche Plackerein schreiben, womit sie die Armen vom Rechtswege verdrängen und die Unterdrückten meines Volkes ihres Rechtes berauben; damit die Witwen ihre Beute seien und sie die Waisen plündern können.
Was wollt ihr tun am Tage der Rechenschaft und wenn das Wetter hereinbricht, das von ferne kommt? Zu wem wollt ihr fliehen um Hilfe und wo wollt ihr euren Reichtum lassen?“ (Jesaja, 10,1 + 2)

Wer sich gottlos verhält, auch wenn er ein Mitglied des Volkes Gottes ist, wird sich in der Not allein gelassen fühlen. Jesaja erklärt auch, dass dies ein Grund für Gebete ins Leere ist.
Es wird jemand eindwenden:  Wie kann das möglich sein? Das Neue Testament ist da sicherlich viel gnädiger! Und wirklich, im Neuen Testament kommt die Gnade Gottes noch klarer zum Vorschein. Aber auch dort steht:

„Irrt euch nicht; Gott lässt sich nicht spotten!
Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“ (Galater 6,7)

Als Paulus im Römerbrief die verschwenderische Gnade von Gott beschreibt, fügt er hinzu:
„Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Mass der Gnade voll werde?
Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?“ (Römerbrief 1,6+2)

All diese Texte lösen in mir eine Ehrfurcht vor Gott und seinem Recht aus. Ich merke auch, wie Gottes Recht allen Menschen einen Wert zuspricht, trotz ihrer Fehler. Die Ehrfurcht vor Gott erhält auch die Menschwürde. Gottes Gesetz beinhalten daher auch unveräusserliche Menschenrechte. Man beachte nur die zehn Gebote: Zuerst wird Gottes Ehre geschützt und dann wird wird das Leben der Menschen geschützt. Was uns das Gesetz Gottes in unserer Freiheit einschränkt, ist gleichzeitig auch ein Schutz vor anderen Menschen. In diesem Sinne ist das Gesetz Gottes auch lebensspendend. Es ermöglich, dass wir Mensch untereinander sorgsam umgehen. Gleichzeitig verleiht es unserem Leben eine Würde: die Menschenwürde. Könnten wir alle Gesetze Gottes halten, hätten wir wieder den Himmel auf Erden. Aber leider können wir dies nicht, weil selbst unsere besten Werke von der Perversion des Sündenfalles befallen ist. Und dieses Herz können wir nicht ändern. Bereits im Alten Testament werden dafür Sühnopfer getätigt. Und es gibt noch mehr in der jüdischen Bibel: Es gibt das Versprechen Gottes, dass er unsere Herzen ändern wird:
 
„Ich aber will ihnen ein einiges Herz geben und einen neuen Geist in eure Brust legen und will das steinerne Herz aus ihrem Leibe nehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Rechte beobachten und sie tun; und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.
„Denen aber, deren Herz ihren Greueln und Scheusalen nachwandelt, will ich ihren Wandel auf ihren Kopf vergelten, spricht Gott, der HERR.“ (Ezechiel 11,20 und 21)

Es ist wahr, dass wir unser Herz nicht ändern können. Aber wenn wir zu Jesus gehen, dann übernimmt er diesen Part. Jesus ist die Erfüllung der Versprechen Gotts im Alten Testamten (also in der jüdischen Bibel). Er ist das wirkliche Opfer, wobei die alttestamentlichen Opfer ein Vorabbild sind. Sie helfen uns Menschen zu verstehen, warum Jesus sterben musste. Jesus kann darum Vergebung schenken. Und Jesus schenkt sie! Er schenkt uns ein neues Herz, und erfüllt auch das. Er gibt uns eine geistliche Wiedergeburt und den Heiligen Geist. Wir erhalten eine ganz neue Lebenseinstellung. Dennoch ist aber das Alte noch da. . „Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden…. „ (Römerbrief 8,24) 
Daher müssen wir uns nach unserer Bekehrung täglich entscheiden, ob wir mit unserer alten Natur reagieren wollen, oder ob wir in Christus leben wollen. Zudem sind wir sehr vergesslich. Was ich schon von der Güte Gottes, was er mir getan hat, alles vergessen habe. Daher sollten wir regelmässig die Bibel unter Gebet lesen. Aber dieser Zwischenzustand wird nicht ewig dauern. Wenn wir sterben und auf Jesus vertrauen oder wenn Jesus zum zweiten Mal wiederkommt, wird dieses „jetzt schon und doch noch nicht“ beendet werden. Dann werden wir verherrlicht und der ganze Müll in uns wird endgültig entsorgt. Dann wird der Tod endgültig verschwinden und eine neue Erde wird dann sein.

Jesaja ruft schon bevor Jesus bei uns als Mensch gelebt hat: „Kommt doch!“ Gott will vergeben und die ganzen Fehler und Sünden vergeben. Du darfst als Sünder kommen. Ja, wir müssen immer als Sünder kommen. Gerade diese Sünde ist der Grund dafür, dass Du kommen darfst. Denn Jesus ist am Kreuz dafür gestorben. Er hat mit seinem Blut für alle Deine Bösartigkeit bezahlt. 

Jemand hat mal gesagt: Umfallen ist menschlich. Liegen bleiben ist teuflisch. Wieder aufstehen ist himmlisch! Das ist zutiefst wahr: Wenn wir fallen dürfen wir zu Jesus gehen und er wird uns wieder aufrichten: Das geknickte Rohr wird er nicht brechen. „Kommet alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will Euch erquicken!“ sagt Jesus.
Und noch mehr, wir haben in unserem Leben von Jesus einen besonderen Beistand erhalten:

„Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.
Der aber die Herzen erforscht, weiss, was der Sinn des Geistes ist; denn er tritt für die Heiligen so ein, wie es Gott angemessen ist.“ (Römerbrief 8,26 und 27)

Mit Heiligen sind wir Christen gemeint, die Jesus als Herrn akzeptiert haben. Es sind Menschen, die in den Bund mit Gott getreten sind und dadurch für Gott abgesondert wurden. Als Schweizer und Nichtjuden werden wir in den Stamm der Juden geistlich eingepfropft (s. Römerbrief 11,17 - 24) Wir Nichtjuden sind ein wilder Oelbaum, der in den edlen Oelbaum des Volkes Gottes eingepfropft werden. Darum sollen wir uns auch nicht über die Juden erheben, die diese Gnade (noch) nicht verstehen können. 

Aber wie auch immer: Gottes Volk ist aus sich heraus nicht besser, als andere Menschen. Manchmal heisst es sogar, dass wir halstarriger sind... Sie sind aber durch Gottes Gnaden für alle Ewigkeit erwählt und errettet.  Warum? Nicht weil sie Gott geliebt haben, sondern weil sie Gott zuerst bedingungslos liebt. Wer sich so erretten lässt, der bekommt diesen Heiligen Geist, der dann für uns vor Gott eintritt. Der unsere unvollkommenen Werke heiligt. Ja, der selbst unser Gestammel von Gebet vor Gott richtig stellt. Aber auch die gut formulierten Gebete müssen vom Heiligen Geist geheiligt werden. Gerade diese schön formulierten Gebete können manchmal Ausdruck unseres religiösen Hochmuts sein. Aber in diesem Bewusstsein, dass wir aus Gnade errette Sünder sind, lässt uns frei werden. Dann werden unsere Gebete erhöht. Johannes sagt das Gleiche auf eine andere Art: 


„Und daran erkenne wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und damit werden wir unsere Herzen vor ihm stillen, dass, wenn unser Herz uns verurteilt, Gott grösser ist als unser Herz und alles weiss. Geliebte, wenn unser Herz uns nicht verurteilt, so haben wir Freimütigkeit zu Gott und was immer wir bitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was vor ihm wohlgefällig ist.“ (1. Johannes 3,19-24)

Mit seinen Geboten halten, ist gemeint, zu erkennen, dass wir aus unserer Kraft weder unsere Brüder und Schwestern, noch unseren Nächsten, noch unsere Feinde lieben können. Aber, dass wir akzeptieren, dass ein wirklich gutes Herz das tun würde und wir dies nicht können. Doch Gott in uns, erfüllt dies. Der Heilige Geist tritt für uns ein und wenn wir uns auf seine Stimme einlassen, werden wir Gutes tun. – Unser altes Wesen wird dabei immer noch genügend egoistische Gründe mitführen. Aber auch hier können wir uns darauf verlassen, dass Jesus dafür gestorben ist. In diesem Sinne können wir fröhliche Sünder sein, wie Luther einmal gesagt hat (1) und erfüllen das Gebot, dass Jesus uns gegeben hat, weil wir Gott selber das Gebot erfüllen lassen. Wir können lebensfroh ins Leben gehen. Wir geben alle Sorgen Gott ab. Damit alle Ehre ihm gehört. Und wenn wir keinen Erfolg haben, so ist dies auch nicht so schlimm: Es tut etwas weh. Aber wir wissen ja, dass wir einen Schatz haben, den uns niemand mehr nehmen kann: Gott liebt uns und Jesus hat uns im Himmel eine schöne Wohnung bereitet.
Dennoch können wir im Leben ins Schleudern kommen. Dann sollten andere, die nicht gerade am Straucheln sind, mich stützen. Das ist mit Ermutigung gemeint. Dies ist einer der wichtigsten Aufgabe einer christlichen Gemeinde/Kirche. Und auch hier gilt:

Umfallen ist menschlich. Liegen bleiben ist teuflisch. Wieder aufstehen ist himmlisch!
Amen


Anhang

(1)  Der gesamte Blog sollte den provokative Titel erklären. Im Internet unter www.evangelischesfrankfurt.de habe ich dazu einen sehr guten Beitrag gelesen:




Fröhliche Sünder und griesgrämige Beter
„Ein Christ soll und muss ein fröhlicher Mensch sein“, notierte Martin Luther in den Anfängen der Reformation. In einer seiner berühmten Tischreden ergänzte er später, ihm sei „ein fröhlicher Sünder allemal lieber als ein griesgrämiger Beter!“ Gedacht war dieser anstößige und markante Ausspruch als Spitze gegen die damals herrschende Auffassung der katholischen Kirche, dass allein gute Werke den Weg der Gläubigen ins Himmelreich ebnen würden. Luther sah das im Einklang mit den Schriften des Apostels Paulus anders und bekräftigte damit eine der Grundüberzeugungen der reformatorischen Bewegung: Nur die Gnade Gottes könne den Menschen von seinen Sünden erlösen, ihm also Rechtfertigung und Anerkennung vor Gott verschaffen. Die einzig mögliche Antwort des Menschen auf diese Gnade Gottes sei sein fester und ernsthafter Glaube, nicht irgendwelche Leistungen und Verdienste. In seiner Schrift „Von den guten Werken“ schreibt Luther dazu: „Es gibt leider viele blinde Menschen, die sich kasteien – sei es durch Fasten, Wachen oder Arbeiten – und es allein darum tun, weil sie meinen, es seien gute Werke und sie würden sich damit viele Verdienste erwerben. (...) Denn solch ein ‘Fasten’ ist kein Fasten, sondern des Fastens und Gottes Spotten.“
Björn-Uwe Rahlwes

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