Donnerstag, 26. März 2020

Was ist ein Lutheraner

Hier ist eine Selbstdarstellung eines lutherischen Pfarrers. Interessant. Insbesondere auch wie er die Bekenntnisse gewichtet. Er hat sicherlich recht, dass jeder Christ ein Bekenntnis hat. Nur wer es schriftlich festhält, kann es auch anhand der Bibel überprüfen lassen (Ich würde wohl eher sagen, es ist dann klarer, weil offensichtlich dargelegt.). Zudem ist es ein Schutz. Und ich würde sagen, es ist wie eine Verfassung eines Staates mit vielen Details: Was will man? Was ist das Ziel? Es ist damit auch ein Rechenschaftgeben, über das, was man glaubt, was man hofft und was und warum man etwas tut oder nicht tut.
Es zeigt auch, wie man die Bibel verstanden hat.

Nun ist es aber so, dass nicht nur Lutheraner schriftliche Bekenntnisse haben. Reformierte, Baptisten, Täufer, Römisch-Katholische usw. haben dies auch. Allerdings gibt es auch Bewegungen, die einfach sagen, dass sie nur die Bibel haben. Praktisch kann dies bedeuten, dass sie ihr Bibelverständnis mit der Bibel gleichsetzen. Oder es kann auch bedeuten: Das sie mal das und dann wieder das Gegenteil glauben. Und das ist nicht optimal. Bei der ersten Variante vergisst man, dass wir als Menschen uns irren können. Bei der zweiten Variante vergisst man, dass Wahrheit nicht situativ und relativ ist. Nur unsere Wahrnehmung der Wahrheit ist relativ, weil nicht immer objektiv. Daher denke ich, das folgende Reihenfolge aus der Reformationszeit "verhäbt": 

1. Bibel
2. Kirchenväter usw.
3. Reformatoren
4. Meine Erkenntnis

Auch ein Johannes Calvin setzte sich nicht über die Bibel oder die Kirchenväter. Ganz im Gegenteil. Es mutet manchmal etwas kurios an, wenn in gewissen Streitfragen die römisch-katholische Kirche sich auf Kirchenvätern stützen und Calvin dann mit Kirchenvätern entgegnet. Der grosse Unterschied dabei ist, dass die römische Kirche die Bibel, Kirchenväter, Konzile und bestimmte Traditionen auf die gleiche Ebene wie die Bibel stellen. Darum konnte Calvin sagen, dass die Kirchenväter dies nie gewollt hätten. Sie wollten anhand der Bibel überprüft werden! 

Zudem haben wir in der Schweiz die spezielle Situation, dass die meisten reformiert-evangelischen Landeskirchen kein bindendes Glaubensbekenntnis mehr haben. Im 19. Jahrhundert wurde das Zweite Helvetische Bekenntnis durch den Einfluss der Radikal-Liberalen abgeschafft. Sie wollten eine aufgeklärte Kirche. Das führte zu grossen Auseinandersetzungen. Je nach Landeskirche verlief es etwas anderes. Aber heute kann man sagen, dass je nach Kirchengemeinde verschiedene Überzeugungen herrschen. Und natürlich auch in den Kirchgemeinden selber gibt es manchmal starke Unterschiede. 

Die ref. Landeskirche des Kantons Thurgau hat sich eine Glaubensbekenntnis gegeben. Interessant wäre es zu analysieren, wie weit es traditionelle reformierte Inhalte bezeugt. (In Ungarn ist es so, dass das Zweite Helvetische Bekenntnis immer noch in Kraft ist. Ebenso in Oesterreich kann man auf das Augsburger Bekenntnis (= Lutherisch) oder das Zweite Helvetische Bekenntnis (= Reformiert) sich abstützten.)

Bei den Lutheranern sieht das anders aus, wie wir in diesem Beitrag sehen:





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