Dienstag, 12. April 2022

Wilhelm Busch

 

Wilhelm Busch  lebte vom 27. März 1897 in Elberfeld, heute Wuppertal bis am 20.Juni 1966 in Lübeck.

 

Am 20. Juni 2022 wäre Wilhelm Busch 125 Jahre geworden. Dieser Pfarrer ist nicht mit dem humoristischen Dichter und Zeichner zu verwechseln, obwohl auch dieser Pfarrer Witz hatte.

 

1931 hat eine „Universität für Erwerbslose“ gegründet. 500 junge Arbeitslose kamen täglich in die Räume des grossen Jugendhauses. Hier bekamen sie einen strukturieren Tag, konnten Fremdsprachen und Mathematik lernen. Es gab Lehrgänge in Landwirtschaft, Architektur und Stenografie und auch Musik- und Sport-Angebote. Zudem gab es jeden Morgen ein Frühstück, „das sich Busch erfolgreich zusammenzubetteln wusste.“ (aus Idea, 13.2022 Seite 24).

Es waren sehr unterschiedliche Männer, die hier zusammentragen: Kommunisten, SA-leute, Atheisten und überzeugte Jesus-Jünger. „Manchmal ging es hoch her. nicht zuletzt in der wöchentlichen „Weltanschauungsstunde“. In ihr verkündigte Busch in einer kurzen Ansprache das Evangelium wobei Gelegenheit zu anschliessender Diskussion gegeben war.“ Hier wurde unter Gottes Wort Toleranz und Freiheit gelebt.

 

Aber dieser Ort war mit zunehmender Ideologisierung des Staates gefährdet. Schon zwei Jahre später kamen die Nationalsozialisten an die Macht und wollten die Jugend als Hitler-Jugend unter ihre Kontrolle bringen. Wilhelm Busch und seine Jugendarbeit stand hier von Anfang an dagegen. Aber der Versuch sie in die HJ (= Hitlerjugend) einzugliedern sollte misslingen. Aber es gab vielerlei Konflikte.

 

„Anfang 1934 war es in Essen Mode geworden, dass die HJ nachts irgendein katholisches oder evangelisches Jugendheim überfielen und besetzte. Das war zwar illegal, doch die Polizei stellte sich blind und die Justiz taub. Der ehemalige Frontoffizier und Freikorpsangehörige Busch wollte aber auf keinen Fall sein Jugendheim kampflos der Hitler-Jugend überlassen. Er beschloss mit seinen Mitarbeitern, es im Notfall zu verteidigen, und richtet bis zu 50 Personen starke Nachwachen ein.“

 

Und tatsächlich in einer Nacht versuchten Angehörige der HJ das Haus gewaltsam zu erobern. Sie waren überrascht, auf erbitterten Widerstand zu stossen. Mit zum Teil aus Gummischläuchen bewaffneten Wiegle-Haus-Verteidiger waren sie nicht gewachsen. Sie mussten Hals über Kopf flüchten.

 

„Busch: ‚Ich hatte meinen Jungs gesagt: ‚Wenn schon, denn schon.‘“

 

Bald nun stiess Busch auf ein Buch des reformierten Pfarrers Joesph Chambon über die Geschichte der im 17. Und 18. Jahrhundert so grausam verfolgten Hugenotten (= so wurden Reformierte in Frankreich bis zur französischen Revolution genannt, da offiziell ihr Reformiertsein vom franz. Staat abgesprochen wurde.). Die Hugenotten mussten die Erfahrung machen, dass Gott nicht den Weg des gewalttätigen Widerstandes segnet. Idea schreibt:

„Wilhelm Busch: ‚In unserem Jugendkreis wurde das Buch studiert. (…) Wir begriffen plötzlich, was das heisst im Neuen Testament: ‚Wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen.‘

(…) Wir begriffen auf einmal, was es heisst: Ich stell mich in und lass mich schlagen und beschimpfen. Das ist der Weg Jesu, wie er nach Golgatha ging. (…) Das waren schmerzhafte Erkenntnisse.“

 

Hier wird sicherlich etwas ganz wichtiges festgehalten: Der Unterschied zwischen Held und Heiliger!

Gerade die biblische Prädestinationslehre zeigt uns die  Gnade Gottes als reines Geschenk Gottes, dass wir Menschen nicht unter Kontrolle haben. Und gerade das bedeutet: Im Glauben müssen wir Freiheit geben! Wir dürfen und sollen beten, dass der Heilige Geist ein Wunder tut und Bekehrung schenkt. Aber erzwingen können wir es nicht. Und auch, wenn wir aus humanistischer Denkweise nicht an die biblische Prädestinationslehre glauben wollen oder können, so wissen wir doch um die Kraft des Gebetes und dass wir nichts ohne Christus machen können, was geistlich ewig gut ist.

Nur in Christus sind wir sicher. Und nur in Christus werden wir siegen. Dazu müssen wir aber auch in Glaubenssachen mit den Waffen des Geistes kämpfen und dazu müssen wir erkennen, dass wir nicht gegen Menschen, sondern gegen geistliche Mächte kämpfen! Aber das ist natürlich nicht einfach. Paul Schneider hat dies unter der nationalsozialistischen Ideologie bis aufs Äusserte durchgezogen: Unpolitisch ganz treu in Christus bis zum Tode in einem KZ. Wenn man sein Leben liest, denkt man, für was macht er das? Warum gibt er nicht ein wenig nach? Er müsste nur sagen, ich bin nicht mehr Pfarrer in dieser Gemeinde und er wäre aus den KZ gekommen. Aber er konnte nicht schweigen. Selbst im KZ prangerte er das Unrecht an und wurde dafür geschlagen und misshandelt. Und genau mit dem riss er den Schleier über diese Ideologie weg: Es war kein Fortschritt. Die Herrenrasse war menschlicher Wahn. Ihre ganze Unmenschlichkeit wurde entblöst und sogar die nationalsozialistischen Täter konnten nur unter Scham den Leichnahm in einem versiegelten Sarg seiner Frau und Kinder übergeben. Eine Frau schrieb später der Wittwe von Schneider, dass das Beispiel von ihrem Mann sie  bewahrt hat, selber Nationalsozialistin zu werden. Wie leicht wäre es doch gewesen, nachzugeben und zu glauben, ein Herrenmensch zu sein, der sich aus „Selbstvertreidigungsründen“ die schlimmsten Gräuel an anderen Menschen zu machen zu dürfen. Diese Super-Mobbing Ideologie war durch die einfache Ehrlichkeit besiegt worden und ihre Selbstlügen ins Licht der Wahrheit gestellt.

 

Aber zurück zu Wilhelm Busch. Mit der Zeit wurde die kirchliche Jugendarbeit in Deutschland verboten. Busch verstand es aber fintenreich zu umgehen. Das entging der NSDAP-Kreisleiter nicht. So schrieb er  im Mai 1936 ein Gutachten: „Busch ist unverbesserlich. Es ist höchste Zeit, dass ihm der Einfluss auf die Jugend genommen wird. (…) Die politische Zuverlässigkeit wird unbedingt verneint.“ Idea schreibt weiter, dass er mehrmals im Verlauf der Nazizeit zu Verhören gezwungen wurde. Er war auch mehrmals vorübergehend inhaftiert.

In der Idea-Ausgabe sieht man Busch als Prediger vor uniformierten Nazis. Dazu steht geschrieben: „Busch widersetzte sich den Nationalsozialisten. Am 1. Mai 1933 fand ein Weigle-Haus-Aufmarsch auf dem Essener Burgplatz statt.“

 

Nach dem zweiten Weltkrieg war Wilhelm Busch ein überzeugter Pazifist. Mit Gustav Heinemann setzte er sich in der Adenauer-Ära gegen eine Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und gegen die atomare Aufrüstung ein. Sein „Licht und Leben“-Ausgaben zeugen immer wieder von dieser seiner Haltung. Allerdings erkannte er auch an, das liebe Brüder im Glauben, dass auch anders sahen. So schreibt er u.a.:

 

„Ich habe wirklich Brüder im Glauben, die meine Ausführungen empörend finden.  Sie werden trotzdem meine Brüder sein und ich der ihrige. Ich sehe also an ihnen, dass man als Christ über die Aufrüstungsfrage auch anders denken kann. Aber wir wollen uns alle im Folgenden einig sein: – Dass man in der Gemeinde Jesu über die Fragen sprechen muss; – dass wir unser Urteil bilden müssen vor Gott, frei von (…) rechthaberischem Wesen; – dass  die Einheit der Gemeinde Jesu im Glauben gegeben ist.“ Idea stellt dazu fest:

„Und dass Busch in seinen Predigten oder in seiner Jugendarbeit nicht politisierte, sondern stets die christliche Heilsbotschaft in den Mittelpunkt stellte, auch das kann als durchaus nachahmenswert empfohlen werden.“

 

Dem kann ich nur zustimmen: Denn auch das ist der Unterschied zwischen Held und Heilig. Um mit Zwingli zu sagen: Menschliche Gerechtigkeit verdient im Angesicht der göttlichen Gerechtigkeit nicht einmal das Wort Gerechtigkeit. Aber in dieser Zwischenzeit leben wir in einer solchen Welt. Und zum Denken gehört die Unterscheidung. Gott schuf die Welt und danach schied er Licht und Dunkel usw. In dieser Art Denken sind wir Gott ähnlich (= nicht Gott, aber ähnlich), als seine Ebenbilder.

 

 Gerade in Corona-Zeiten scheint mir das auch sehr wichtig.

 

Wilhelm Busch fand in den Schrecken des ersten Weltkrieges zu einem lebendigen Glauben an Jesus Christus. 1920 war er Gemeindepfarrer in einem Bergarbeiterbezirk in Essen. Ab 1930 war er Jugendpfarrer und Leiter des Essener Jugendhauses, dass später Weigle-Haus genannt wurde. Während des Nationalsozialismus war er Anhänger der Bekennenden Kirche. 1967, nach seinem Tode, erschien sein berühmtes Buch „Jesus uns Schicksal“ mit 17 evangelistischen Vorträgen von ihm.

Als Vater hatte er mit seiner Frau vier Töchter und zwei Söhne. Ein Kind starb im Kleinkindalter und ein anderes starb als Soldat in Russland.

Dieser Beitrag stammt von Herrn Matthias Hilbert, Idea 13.2022, Seite 24 und 25. Herr Matthias Hilbert ist Lehrer und 2021 ein Buch „Unvergessene Pastoren und Evangelisten. Sechs Lebensbilder“ im Adlerstein-Verlag veröffentlicht:

BoD 132 Seiten ISBN 978-3-7534-4223-5, Euro 9,90

Montag, 11. April 2022

Rock me, Dostojewski – Poet. Prophet. Psychologe. Punk. Markus Spieker, David Bühne

 

Ich muss sagen, ich habe nicht die gleiche Begeisterung für Fjodor Michailowitsch Dostojewski wie Herr Spieker. Aber eindrücklich ist dieser russische Schriftsteller wirklich.  Er lebte vom 11.11.1821 in Moskau bis am 9.2.1881 in Sankt Petersburg.

 

«Der Mensch ist ein Geheimnis. Man muss es enträtseln.»

 

Ich dachte immer,  Lenin und der Kommunismus sei von aussen auf Russland eingedrungen. Tatsächlich spürte schon Dostojewski, dass eine solche Entwicklung möglich war. Er selber durchlitt viel. Einiges hat er sich selber eingebrockt. Auch dies hat in geprägt und hat er in seinen Schriften verarbeitet.

 

Sein christlicher Glaube legte er als junger Mann ab und las in einer revolutionären Gruppe entsprechende Schriften vor. Das brachte ihn mit anderen vor ein Schein-Erschiessung, die in Gefängnis und in die Verbannung nach Sibirien umgewandelt wurde. Seit dieser Schein-Exekution legte er viel Wert auf wirkliches Leben. Er war nicht wie Nietzsche usw. nur ein Theoretiker. Er wollte Leben, selbst auf die Gefahr Fehler dabei zu machen. Und das machte er auch und war sich dessen bewusst.

 

Im Gefängnis in Sibirien wurde er wieder Christ. Sein Zweifel gehörte zu seinem Glauben. In dieser Spannung zwischen seinem Glauben, seinen Zweifeln und den Schrecken seines Lebens entstand sein Beitrag zur Weltliteratur. In einem Roman argumentierte er so gegen den Glauben an Gott und Christus und verarbeitete damit seine eigene Zweifel, dass er sagen konnte, dass seine Zweifel viel grösser und gründlicher waren, als die gängigen atheistischen Argumente. Hier sieht man auch, wie extrem Dostojewski sich in ein Thema gibt. Stefan Zweig folgert daraus, dass Dostojewski nicht an Jesus Christus glaubte. Aber Zweig verstand nicht, dass der Zweifel zum Glauben gehört. Und gerade Dostojewski hatte sehr starke Zweifel, mit denen er gerungen hat. Und er war auch gegen jene, die diese Zweifel genährt haben, sehr wütend. Ich gebe hier seine starken Worte nicht wieder. Oft gehen seine Geschichten nicht gut aus. Manchmal scheint sein Glaube nicht in der Geschichte vorhanden zu sein.  Es mag mal eine Bekehrung geben und manchmal beginnt jemand neu. Aber oft fallen die Menschen ihren eigenen Ideen zum Opfer und sogar, wenn sie dies  entdeckten und es korrigieren, gibt es kein Happy End. Allerdings wirkt dann sogar eine den Tod überdauernde Hoffnung nach … Viele verstanden ihn nicht und so war Nietzsche wie eine okkulte russische Persönlichkeit von Dostojewski angetan. Aber es war wohl seine Genialität, dass seine Geschichten verschiedene Interpretationen haben. Also genau das, was wir ja im wirklichen Leben auch haben.

 

Und manchmal liest bei ihm einfach von einem psychisch kranken Menschen, dass einem die Ohren wackeln. Zugleich können die Geschichte Wendungen nehmen, die man nicht für möglich gehalten hätte.

 

Im Alter wird Dostojewski auch in seinem Leben ruhiger. Wenigen Wochen vor seinem Tod, hält er eine Rede zum Gedenken Puschkin, die wie eine Bombe einschlägt:

 

«Mit heiserer, gepresster Stimme hält er  die Rede seines Lebens. Mit seinem Tribut an Puschkin entfaltet er eine grosse Vision von der Bestimmung des russischen Volks. Im Streit zwischen Westlern und Slawophilen schlägt er sich auf keine Seite, sondern ruft zum gemeinschaftlichen Aufbruch in ein neues Zeitalter der Menschenliebe auf. Die Wirkung der liebevoll-leidenschaftlichen Ruck-Rede ist phänomenal.» schreibt Spieker.

 

Der Saal soll getobt haben. Dostojewski schreibt am 8.6.1880 an eine Ehefrau Anna:

 

«Unbekannte Menschen im Publikum weinten, schluchzten, umarmten sich und schworen einander, besser zu werden, einander in Zukunft nicht mehr zu hassen, sondern zu lieben. Der verlauf der Sitzung war gestört: Alle stürzten zu mir aufs Podium, vornehme Damen, Studenten – all das umarmte und küsste mich. Alle Mitglieder unserer Gesellschafft, die sich auf dem Podium befanden, umarmten und küssten mich; alle, buchstäblich alle, weinten vor Begeisterung. Der Applaus dauerte wohl eine halbe Stunde, man winkte mir mit Taschentüchern zu, da hielten mich plötzlich zwei unbekannte alte Herren fest und sagten: ‘Wir waren zwanzig Jahre lang verfeindet, sprachen nicht miteinander, jetzt aber haben wir uns umarmt und versöhnt.

Sie sind es, der uns versöhnt hat. Sie sind unser Heiliger, unser Prophet! (…)

(Meine Anmerkung: Gott gehört doch allein die Ehre!)

Ich flüchtete mich in die Kulissen, aber schon drangen alle aus dem Saal und, vornehmlich Frauen, auch dort ein. Sie küssten mir die Hände, setzten mir zu. Studenten kamen herbeigeeilt. Einer von ihnen fiel tränenüberströmt in Hysterie vor mir zu Boden und verlor das Bewusstsein. Es war ein entscheidender sieg auf der ganzen Linie. (…) Das ist ein Pfand auf die Zukunft, ein Unterpfand auf alles, selbst wenn ich sterbe.» (S. 525).

 

Leider wurden dann im 20. Jahrhundert die schlimmsten Ahnungen von Dostojewski für Russland war.  Und das war für mich erstaunlich: Dostojewski sah die Gefahren der damaligen neuen Denkweise für die Zukunft. Mit seinen Arbeiten als Schriftsteller hat er nicht nur sein Leben aufgearbeitet. Er wollte auch vor dieser Entwicklung warnen und dagegen anschreiben. Gott schenkte es, dass er mit einer einzigen Rede tief zu den Herzen der Menschen reden durfte.

 

«Als der Schriftsteller zu Grabe getragen wird (übrigens mit einer spontanen und nicht geplanten Beerdigung, welcher der Zar bezahlte: meine Anmerkung) ist Lenin neun Jahre alt, Stalin zwei, und Alois Hitler hat sich gerade von seiner zweiten Frau getrennt; mit der dritten wird er seinen

Sohn Adolf zeugen. Dostojewskis schlimmste Befürchtungen werden im 20. Jahrhundert von der Wirklichkeit noch übertroffen.»

 

 Auch den Abgesang der europäischen Intellektuellen auf Gott hat Dostojewski nicht zum Verstummen bringen können. Ein Jahr nach seinem Tod lässt sein Bewunderer Friedrich Nietzsche in ‘Die fröhliche Wissenschaft’ den Ruf ‘Gott ist tot’ erklingen.

 

Also doch alles vergeblich?

 

Die ungebrochene Resonanz, die Dostojewski immer noch geniesst, spricht eine andere Sprache. Seine Botschaft hat unzählige Adressaten gefunden, sein Vermächtnis hat Millionen von Menschen bereichert. Er lebt fort in Büchern, Gesprächen und den Handlungen …» Schreibt Spieker.

 

Auf seinem Grabstein steht Johannes 12,24, welcher auch in seinem letzten Buch «die Brüder Karamasow» vorangestellt ist:

 

«Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt ,

bleibt es allein; wenn es aber stirbt,

bringt es viel Frucht.»

Dostojewski wusste um seine Fehler.

Er war ein Beter. Ein Freund, Stepan Janowski schreibt über ihn:

«Dostojewskis wirksamste Medizin gegen Krankheiten der Seele war immer das Gebet, und er betete nicht nur für unschuldige, sondern auch für offenkundige Sünder.»

 

Als er wegen Unvorsichtigkeiten seines Herausgebers für ein paar Tage im Gefängnis war, schreibt der Gefängniswärter:

 

«Er betete jeden Abend vor dem Schlafengehen, stand lange Zeit in einer dunklen Ecke, die Hände auf der Brust gekreuzt.

Nachdem er sein Gebet beendet hatte, ging er auf die Knie,

nahm ein Kreuz von seinem Hals und küsste es, und dann, ohne wein Wort zu sagen, ging er zu Bett.» (K. I. Karepin) (S. 506)

 

«Der Geist des wahren Christentums ist: vollständige Glaubensfreiheit. Glaube freiwillig! ­ Das ist unsere Formel. Der Heiland stieg nicht vom Kreuz herab, gerade weil er uns nicht gewaltsam durch ein äusseres Wunder bekehren wollte, sondern weil er eben die Glaubensfreiheit wollte.» (S. 503)

 

«Das Wesen des religiösen Gefühls wird weder durch vernunftmässige Überlegungen noch durch Vergehen und Verbrechen, noch durch atheistische Anschauungen berührt; es ist etwas Andersartiges und wird in alle Ewigkeit etwas Andersartiges sein; die Lehren des Atheismus werden in alle Ewigkeit davon abgleiten und in alle Ewigkeit daran vorbeireden.» (aus der «Idiot) (S. 503)

 

«Ohne Jesus gibt es nur das Nichts.» (aus Notizen zu «Die Brüder Karamasow) (S. 502)

 

«Die Hölle ist der Schmerz darüber, dass man nicht mehr lieben kann.» (aus «Die Brüder Karamasow)

 

Da er nach der Wahrheit sucht, kritisiert er auch alles. Er sieht den Protestantismus auf dem Weg in den Atheismus. Den römischen Katholizismus wie den Sozialismus als

 

Er geht auch zu einer Predigt eines Erweckungspredigers. Hier verstehe ich ihn nicht: Warum hat er nicht einfach Freude an den Veränderungen der Menschen? Er sieht darin vor allem die Schwächen der Grosskirchen: Orthodoxen Kirche, Anglikanischen Kirche usw. Er hat Angst vor der Vielfalt der Kirchen und vor dem Individualismus. Letzteres ist sicherlich berechtigt. Aber wenn verschiedene Kirchen in Christus sind, finde ich das kein Problem. Im Gegenteil, denn auch Grosskirchen bestehen aus verschiedenen Strömungen. Wichtig ist nur, dass wir in Christus sind und damit auch in seiner Liebe, die auch für Dostojewski so wichtig war und sicherlich ist (Gegenwart, da Dostojewski an die Auferstehung in Christus glaubte! und dies durch die Gnade Gottes erleben wird.)

 

So kritisiert er:

 

«Sie haben ihre Wissenschaft, doch in der Wissenschaft ist nur das enthalten, was den Sinnen unterworfen ist. Die geistige Welt aber, die höhere Hälfte des menschlichen Wesens, wird vollständig negiert und mit einem gewissen Triumph, ja sogar mit Hass zurückgewiesen. Die Welt hat die Freiheit verkündet, besonders in der letzten Zeit – und was sehen wir als Resultat dieser ihrer Freiheit? Nur Knechtschaft und Selbstmord! Denn die Welt sagt: ‘Du hast Bedürfnisse, darum befriedige sie; du besitzt dasselbe Recht wie die Vornehmsten und Reichsten! Scheue dich nicht, sie zu befriedigen, sondern steigere sie sogar noch!’ Das ist die heutige Lehre der Welt. Darin sehen sie die Freiheit. Und was ist die Folge dieses Rechts auf Steigerung der Bedürfnisse? Bei den reichen Isolierung und geistiger Selbstmord, und bei den Armen Neid und Mord. Denn das Recht haben sie ihnen zwar gegeben, doch die Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse haben sie ihnen nicht gewiesen. Sie versichern, die Welt werde sich immer mehr einigen, sich zu einer brüderlichen Gemeinschaft zusammenschliessen, indem sie die Entfernungen verkürzt und die Gedanken durch die Luft übermitteln. O weh, glaubt nicht an eine solche Einigung der Menschen! Dadurch, dass sie unter Freiheit nur Steigerung und schnelle Befriedigung ihrer Bedürfnisse verstehen, verderben sie ihre Natur, weil sie in sich viele sinnlose, dumme Wünsche und Gewohnheiten und törichte Einfälle wecken. Sie leben nur, um einander zu beneiden und ihre Lüste und ihre Eitelkeit zu befriedigen. Diners, Spazierfahrten … hoher Rang und knechtische Untergebene: Diese Dinge gelten bereits als so notwendige Bedürfnis, dass sie sogar ihr Leben, ihre Ehre und ihre Menschenliebe opfern, um …

… Und daher erlischt in der Welt mehr und mehr die Idee, der Menschheit zu dienen, die Idee der Verbrüderung und Solidarität aller Menschen. Diese Idee wird tatsächlich bereits verhöhnt …

» (Seite 478+479)  (aus die Brüder Karamasow)


Freitag, 1. April 2022

Gott ist nicht tot 4 Wir sind das Volk


 
Der Titel klang für mich zuerst merkwürdig. 

"Wir sind das Volk." klingt sehr politisch. Und tatsächlich trägt der Film eine politische Botschaft. Es geht um das Thema Freiheit aus der Sicht der USA. Als Schweizer wirkte es auf mich, wie wenn ich in eine andere Familie hineinschauen darf. Ein anderes Volk/eine andere Familie, wozu ich nicht gehöre und doch gehören wir zum gleichen Westen.

Dieser Film nun zeigt ganz einfach auf, was geschieht, wenn wir uns als ehrliche Christen nicht mehr in die Politik und als Diener im öffentlichen Leben einsetzen. In einem kurzen Satz spricht ein christlicher Abgeordneter dieses Thema an: Und dann sind wir überrascht, wenn die christlichen Anliegen nicht mehr verstanden werden.

Übrigens: Ich glaube nicht, dass die Politik automatisch besser wird, wenn wir Christen in der Meinungsfindung mitmischen oder wenn wir Politik machen. Denn auch hier gilt: Seit dem Sündenfall pervertieren wir das Gute. Und leider können wir Christen, auch als Wiedergeborene, das genauso gut, wie alle anderen. ABER es gehört zum Salz sein, dass wir unsere Pflicht wahrnehmen und im Bewusstsein unseres eigenen Unvermögens unsere Pflicht tun wollen. Dazu gehört auch, dass jene, die von Gott dazu begabt und berufen sind, auch ihre Gaben zur Ehre Gottes und dem Dienst der Nächsten einsetzt. Dazu gehört auch, dass der eine Polizist wird, der andere Politiker, einer wird Einsiedler, der andere Rechtsgelehrte, die andere Lehrerin, wieder jemand Geschäftsführerin, Strassenreiniger, Steuerbeamtin usw. Zudem ist man in der Schweiz, wie auch in den USA, als Bürger auch immer Politiker. Ich weiss, dass es Theologien gibt, die sehen das anders. Die traditionelle täuferische Theologie will sich ähnlich wie im Mittelalter das Mönchtum aus der Welt zurückziehen, um ein heiligeres Leben führen zu können. Damals, im Mittelalter hatte man begonnen, die absolut guten Forderungen des Neuen Testaments so umzusetzen, dass man meinte, man könne als Christ entweder in der Welt oder eben in einer heiligeren abgesonderten Weise leben. Die Täufer nun begriffen, wie alle Reformatoren, dass diese Trennung nicht ganz biblisch ist. Während aber reformierte Theologen die Heiligung in dieser Welt betonten, zogen sich die Täufer in den Kreis der Heiligen zurück. Traditionelle Baptisten wie ein Spurgeon gehören interessanterweise in dieser Frage zu den reformierten Theologen und unterscheiden sich - trotzdem, dass sie keine Kleinkinder taufen - von den traditionellen Täufern. (Mich dünkt es, dass in der Schweiz diese zwei Positionen: Täufer und Baptisten durchmischt sind.) Dadurch zogen sich die traditionellen Täufer schon immer von der Gesellschafft zurück. Heute aber tun dies sehr viele. Ich glaube, das liegt auch am Dispensationalismus. Dies wird in diesem Film nicht thematisiert. (Zudem betonte Luther einen Bereich der Kirche und einen Bereich des Staates, was mich ans Mittelalter erinnert. Aber sicherlich auch heute noch angebracht ist.)

Was aber im Film thematisiert wird, ist, dass die jüdisch-christlichen Grundlagen und im konkreten Fall in den USA, die puritanischen (= aus England stammend) und schottischen Presbyterianischen (= christlich parlamentarische Grundlage, keine Episkopal-Kirche, sondern Leitung durch Älteste, Parlament und Volksentscheide), also beide traditionellen reformierten Grundlagen gerne "vergessen" werden. Oder im konkreten Fall sogar bewusst umgedeutet werden. Das erinnert an die DDR, wo schon Theo Lehmann kritisierte, dass die Kinder nicht dem Staat gehören. Und genau dieses Problem wird auch hier angesprochen. 

Dies alles wird im Film beim Thema Home-Schooling behandelt. Wer darf die Kinder wie bilden und erziehen?

Zuerst scheint der Kampf nur zwischen säkularisierten politischen Bewegungen und frommen Kreisen stattzufinden. Dann aber bemerkt der Referent, welcher in Washington DC sprechen darf, dass ja 75% des Homeschooling gar nicht von Christen genutzt wird.  Es gibt noch einige andere Gründe, um die Kinder zu Hause schulen zu wollen: Schlechte öffentliche Schulen. Gewalt an den Schulden. Ideologische Gründe.

Die Antworten des Zwangs zur staatlichen Schule ist, dass eine gute Ausbildung jedem Kind zur Verfügung gestellt werden muss. Daher müsse die verfassungsmässige Freiheit der USA in diesem Punkt zum Wohle der Kinder eingeschränkt werden. Und tatsächlich, wo kämen wir da hin, wenn jeder einfach seine Kinder das lehren und glauben lassen wollte, was er wollte? Das Problem ist aber, dass zur Freiheit genau das gehört: Es gehört die Freiheit, seinen Glauben frei ausleben zu dürfen. Und es gehört auch die Freiheit, seinen Glauben und seine Überzeugung wechseln zu dürfen. Ja, es gehört auch dazu, dass man im Leben etwas lernen und sich verändern darf. Natürlich beinhaltet die Freiheit auch, Verantwortung zu übernehmen. Es braucht reife und Disziplin sowie Barmherzigkeit mit der Freiheit weise umgehen zu können. Gerade die Unreife, die Verantwortungslosigkeit führt ja auch zum Ruf nach mehr Kontrolle und damit zu weniger Freiheit. (Dieser Aspekt wird leider im Film nicht behandelt.) Aber es wird betont, dass der Staat sehr wohl prüfen muss, ob die Kinder auch genügend zu Hause lernen. ABER wenn diese Kontrolle zu einer ideologischen Überwachung wird, muss dies in einem liberalen Staat kategorisch abgelehnt werden. Da im Film die Gegner des Homeschooling generell das Homeschooling verbieten wollen, obwohl die angeklagten Homeschooling offensichtlich die bessere Qualität als an öffentlichen Schulen erreichen, zeigt, dass es eben nicht um die gute Ausbildung der Kinder geht, sondern die Durchsetzung einer ideologischen  Agenda! 

Leider leben wir im Westen nicht nur in einer säkularisierten Welt, sondern immer mehr auch in einen Westen, der nicht mehr an die Wahrheit glauben will. Man glaubt in der Relativierung der Normen liege unsere Freiheit. Ich glaube, dass dahinter die Idee liegt, dass wir selber der Massstab sein wollen. Und das bedeutet, wir wollen selber Gott sein. Und das führt nicht in die grosse Freiheit, sondern in die Unfreiheit auf allen Gebieten des Lebens: im persönlichen, in der politischen, in der Kunst usw. Warum? Der Dreieinige Gott ist das absolut Gute. Sein Gebot der Nächstenliebe beruht darauf, dass wir zuerst Gott lieben und dann zugleich den Nächsten. Die zehn Gebote sind so aufgebaut usw. Es mag ein politischer Segen sein, dass in einer säkularisierten Form auch Nichtchristen an den Segnungen biblischer Freiheiten teilnehmen können. Aber wenn diese Freiheit, dieser Liberalismus nicht immer wieder vom wahren Salz gesalzen wird, verliert die Freiheit ihr Orientierung. Denn der Liberalismus - nach meiner Meinung - eine säkularisierte Form der traditionellen reformierten Theologie, wurde durch die Säkularisierung auch etwas unlogisch. Man beachte hierzu nur den Liberalismus eines John Locke. Ohne die ständige Herausforderung durch das Evangelium wird sich die Freiheit in sich verlieren. Das merkt man an den Auswüchsen eines Neoliberalismus wie auch an deren Korrekturversuchen. Anstelle Realismus macht sich Idealismus breit, der regelmässig in den Perfektionismus führt. Und da wir alle aus uns selber nur Sünder sind, wird dieser Idealismus zu einem grossen Gefängnis. Man schaue sich nur unsere Geschichte an. Der Kommunismus als säkularisierter Postmillennialismus führte nicht zu einem Arbeiterparadies. Sie konnten den Himmel auf Erden nicht selber erschaffen, weil wir Sünder sind und dazu neigen, dass von Gott geschaffene Gute zu pervertieren. Und ja, das können auch echte Christen. Man schaue sich nur mal das "Heilige" Parlament zur Zeit Cromwells in England an. Sie schafften es nicht einmal eine Verfassung für ihre Republik zu schaffen. Dennoch sollte dann in der glorreichen Revolution doch der Absolutismus vernünftig gebannt werden, indem der König vom Parlament kontrolliert wurde. Letztendlich führten diese Entwicklung in den USA zu einer Nation unter Gott, wo Kirche und Staat getrennt waren, damit die politische, wirtschaftliche und religiöse Freiheit in einer zutiefst puritanisch geprägten Gesellschaft gewahrt werden konnten. Jefferson erklärte einem Baptisten, warum er den Staat und die Kirche trennen wollte: Damit die Kirche nicht politisch instrumentalisiert wird. Das war übrigens schon das Anliege von Calvin. Darum plädierte er wie auch Leo Jud in Zürich für eine gewisse Trennung zwischen Kirche und Staat. In Zürich trat Heinrich Bullinger für eine enge Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat ein. Er war für die Staatskirche und stritt darum mit Leo Jud. Das machten sie auch von der Kanzel aus. Aber auch Bullinger trat für die Freiheit der Predigt ein. Und er war lange Zeit ein Symbol für die Pressefreiheit in der Schweiz.

Gerade nach Corona wurde meine christlich-humanistische Prägung sehr hinterfragt. Dank der Bibel und der traditionellen reformierten Theologie wusste ich zwar, dass der Humanismus (leider) nicht als Brücke über alle Probleme tragen kann. Übrigens auch Huldrych Zwingli erlebte das. Darum wurde für ihn Erasmus von Rotterdam (= christlicher Humanist) immer weniger wichtig, dafür die Bibel immer wichtiger. Nach Corona kann ich sagen, dass ich Martin Luther besser verstehe, wenn er meinte, dass der Verstand eine Hure ist. Trotzdem halte ich daran fest: Der Verstand ist wie ein Werkzeug und man kann ihn produktiv einsetzen - oder aber auch nur um sich selber zu betrügen. Gerade diese Woche hörte ich einen Journalisten sagen, dass der Glaube an Gott nur eine Projektion ist. Die Absolutheit dieser Aussage ist natürlich nicht wahr. Denn es gibt den dreieinigen Gott. ABER es ist auch wahr, dass wir gerne das gute pervertieren. Und dazu gehört leider auch, dass wir uns Gott so machen wollen, wie wir ihn haben wollen. Das kommt daher, dass wir auch die Wahrheit gerne an unsere Ideen anpassen wollen. Nur die Realität ist Realität. Und die Weisheit beginnt, indem man Gottes Furch hat. Dazu gehört auch, die Selbsterkenntnis. Oder wie Psychologen sagen würden: Selbstreflektion. Was sind meine wahren Motive? Für was mache ich was? Für was will ich was glauben? Und seit dem Sündenfall gehört dazu auch, die Sündenerkenntnis. Und hoffentlich die glückliche Erfahrung, dass Jesus Christus für die aktuellen, vergangen und zukünftigen Sünden gestorben ist. Auf dieser Grundlage sollte es möglich sein, ehrlich zu sich zu sein. Aber gerade bei Corona erlebte ich, wie selbst studerte und ehrliche Christen die Massnahmen gegen die Pandemie nur als Mittel der Bekämpfung unserer Freiheit sahen. Aber wir müssen einsehen, dass es Momente gibt, indem wir unsere Freiheit auch einschränken müssen. Als Christ müsste man das wissen: Aus Liebe zu meinem Nächsten verzichte ich auch auf meine Freiheiten. Paulus spricht im Neuen Testament zum Beispiel davon, dass mir als Christ alles erlaubt ist, aber nicht alles ist ... Zudem darf ich alles Fleisch essen, aber wenn jemand dadurch in Gewissensbissen gestürzt wird, dann verzichte ich darauf. Wegen meinem eigenen Gewissen oder auch um einem anderen zu helfen. 

Und gerade diese Erkenntnis fehlt während Corona. Es ging noch weiter. Auch eine Unvernunft und Irrationalität war offensichtlich. Liebe Geschwister im Glauben verirrten sich in einer Blase. Allerdings, was dadurch deutlich wurde: Bei gewissen Menschen - und das nicht nur bei Christen - gibt es im Westen ein tiefes Misstrauen gegen unseren Staat und unsere Medien. Und das wiederum müssten uns alle erschrecken. Dieser Film zeigt einen Teil der Problematik auf: Wenn unsere Institutionen und Medien nicht mehr der Wahrheit verpflichtet sind, sondern nur noch Zweckethik vorantreiben, dann verlieren sie automatisch das Vertrauen. Lügen kann man, um ein Ziel zu erreichen. Aber man verliert längerfristig seine Glaubwürdigkeit, weil Lügen kurze Beine haben. Zudem glaube ich, dass mit dem Verlust des Willens die Wahrheit zu suchen, auch Tür und Tor für Manipulation geöffnet wird. Tragisch ist natürlich, wenn wie in Zeiten von Corona die offiziellen Medien kategorisch abgelehnt werden und zugleich anderen Quellen bedingungslos geglaubt werden, als ob durch die alternativen Berichterstattungen Gott selber sprechen würde. Weisheit wäre auch zu erkennen, dass Naturwissenschaft keine absolute Wahrheit ist, sondern ein ständiges Suchen nach der Wahrheit ist. Und nur mit diesem Verständnis wird die Naturwissenschaft auch seine Flexibilität erhalten, um ohne Ideologie effektiv mehr von der Wahrheit erkennen zu können. Und ich verrate ein Geheimnis: In der Reformationszeit vor 500 Jahren wurde die alte jüdisch-christliche Wahrheit wieder hervorgeholt, dass man in der Bibel den lebendigen Gott erkennen kann und in der Naturwissenschaft seine Schöpfung. Ja man kann in diesem Sinne sogar ein Teil des Sündenfalls heilen, indem Wissenschaft, Medizin usw. zur Ehre Gottes und zum Wohle aller Menschen eingesetzt wird. Aber man kann natürlich wie alles andere Gute von Gott, damit auch das Gute pervertieren, was ja seit dem Sündenfall unser Problem ist.

Was mich auch erstaunte: Der Vereinfachung der Probleme. Man erklärt einfach die Welt, den Staat und einfach die anderen zum Problem. Man sieht nicht, dass man auch selber ein Problem in dieser Welt ist.

Wie war das früher bei einer Pandemie? Man rief zur Busse auf. Man nahm eine Pandemie wie auch eine Hungersnot als gute Motivation für etwas, was man sowieso täglich tun sollte:

Zurück zur Gnade in Christus. Alles von ihm erwarten. Ehrlich seine Sünden Gott bekennen, damit man wirklich frei wird. Damit man im Segen und nicht mehr unter dem Fluch leben muss. Darum gibt es bis heute in der Schweiz den eidgenössischen Buss- und Bettag. 

Aber genau das hörte man von uns Christen in dieser Zeit nicht! Im Gegenteil: Einige stimmten in die (selbstgerechte) Verklagung der anderen, des Staates usw. ein. Dabei war der Staat und die Wissenschaft mit Corona ganz einfach überfordert und haben unsere Gebete gebraucht.

Dieses Problem wird in diesem Film nicht thematisiert. Aber erklärt auch, warum es ein Misstrauen gegen gewisse Entwicklungen haben kann. Persönlich finde ich gewisse Entwicklungen, wie die genannten im Covid, sogar kontraproduktiv: Sie lenken uns von den eigentlichen Problemen ab. Das wird am deutlichsten, wenn wir gegen Menschen anstelle gegen die geistlichen Mächte hinter den Menschen kämpfen. Man merkt es auch, wenn anstelle Feindesliebe Hass gegen Andersdenkende herrscht. Übrigens auch im Krieg: Wer hasst Putin und wer betet für ihn? Die Frau von Herrn Schröder wagte sich als Beterin in Moskau zu zeigen und sie wurde massiv angegriffen. Natürlich weiss ich nicht, ob sie eine Heuchlerin ist (Das wurde ihr vorgeworfen). Aber ich bin ja nicht Gott und sehe nicht in ihr Herz. Auf jeden Fall finde ich es ein guter Ansatz, Gott zu bitten, einzugreifen. Auf jeden Fall möchte ich betonen: In einem Krieg kämpfe ich nicht in erster Linie gegen das Böse, sondern gegen andere gleichwertige Menschen. Normalerweise haben beide Kriegsparteien ihre Gründe. Und sicherlich sind beide Egoisten. Und auch wenn die eine Seite offensichtlich moralisch schlechter dasteht, kämpfe ich selbst im Krieg nicht  gegen das Böse, sondern nur gegen andere Menschen. Gegen das Böse kämpfe ich in meinem Herzen. Und in einem Krieg kann ich höchstens zu einem Helden werden, aber nie zu einem Heiligen. Ein Märtyrer, zumindest ein wirklich christlicher Märtyrer, stirbt gewaltlos für die Wahrheit! Dieser Unterschied ist wesentlich, dass wir uns nicht selber übermoralisieren / ideologisieren oder religiös überhöhen.

Der Film ist spannend aufgebaut. Auf der CD-Hülle wird folgendes Zitat erwähnt:

"Das nenne ich ein Meisterwerk. Das ist der mit Abstand beste Film der Serie. Jedes kleinste Stückchen ist einfach perfekt ausgeführt. David A. R. White meistert seine Rolle wieder einmal perfekt." Meine Frau findet eher, dass er in diesem Film viel besser Spielt als in den Vorangehenden. Er ist hineingewachsen.

Wie sieht die Situation in der Schweiz aus: je nach Kanton ist es anders. Gerade kürzlich erzählte mir jemand, wie sie eine freiheitliche Schule aufgebaut haben. Vermutlich war sie keine Christin. Sie beeindruckte mich, wie sie auf eine andere Art und immer im Zusammenhang die Kinder schult. Und bekanntlich sind gerade Privatschulen in der Schweiz sehr erfolgreich und auch für heute bekannte Persönlichkeiten auf der ganzen Welt interessant. 

Vor längerer Zeit traf ich sogar eine Familie, die hat wegen dem Homeschooling sogar den Kanton gewechselt. Denn was in einem Kanton nicht möglich war, war in einem freiheitlicheren möglich. Interessant.

"... Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird Euch frei machen." Jesus Christus (s. Johannes 8,32)



Sonntag, 13. Februar 2022

John Piper und Rick Warren

 Ein interessantes theologisches Interview zwischen zwei Theologen.



Bei diesen Theologen trifft sich Gelehrsamkeit und Leben.

Interessant ist, dass John Piper zu diesem Beitrag schreibt, dass sie zwei verschiedene Arten haben. Beide haben ihre Gefahren.
Eindrücklich ist, wie gründlich sich Piper vorbereitet hat. Er hat 20 Seiten über ein Buch von Rick Waren verfasst, um darüber zu sprechen. Piper will Warren verstehen. Und er will natürlich auch seine Sichtweisen benennen.

Freitag, 11. Februar 2022

Johnny Cash

 Eine eindrückliche Dokumentation, die ich noch nicht ganz zu Ende gesehen habe. Der Anfang ist vielleicht etwas eindtönig, aber dann wird es sehr eindrücklich.


Ein Kompliment an die Macher dieses Filmes.

Samstag, 22. Januar 2022

1. Johannesbrief

Obwohl der Brief, wie auch sein Evangelium - Johannes Evangelium - anonym verfasst sind, kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen (= Genfer Studienbibel), dass dieser Brief wie sein Evangelium von Johannes dem Sohn des Zebedäus stammt. Der Stil, die Diktion und der Inhalt lehnt sich eng an das vierte Evangelium. Es gibt Spekulationen, dass es ein anderer Verfasser gewesen sein könnte. Aber diese sind nicht überzeugend.

Johannes bezeugt in diesem Brief, wie er es auch mit seinem Evangelium tut, was er und seine Mitzeugen gesehen und erlebt haben. Dabei umkreist Johannes sein Thema: Freude, wirklich in Christus sein = in Gott sein = Gott lieben = seinen Bruder lieben. Immer wieder beleuchtet er dies und umrundet das Thema.

1. Johannes 3,8a ist schockierend, wenn er schreibt "Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel." Da wir seit dem Sündenfall alle unter die Sünde verkauft sind, können wir uns nicht aus uns selber davon ausnehmen. Seit dem Sündenfall gehört es zu unserer menschlichen Natur, unter diesem Urteil zu stehen. Aber der Vers geht ja auch noch weiter: "Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde; denn Sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist." 1. John. 3,8-9

Können wir also fehlerfrei in dieser Zwischenzeit leben? 

Im gleichen Brief schreibt Johannes auch (und zwar vor diesen Versen): "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, wir haben nicht gesündigt, so machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns. Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt! Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten; und er ist das Sühnopfer für unsere Sünden, aber nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt." 1. John. 1,8-10 + 2,1-2 Was für ein Unterschied zu den gnostischen Ideen. Aber auch zu den gutgemeinten humanistischen Idealvorstellungen über den Menschen. Ahnen wir, dass das Evangelium uns vom Leistungsdenken, der Werkgerechtigkeit, der Selbsterlösungsversuche erlöst und uns in die sabbatliche Ruhe in Christus bringen will? Aber wie gehen wir mit dieser Spannung in uns und in dieser Zwischenzeit um? 

"Simul iustus et peccator." = "Sünder und Gerechter zugleich." meinte dazu Martin Luther und bringt zum Ausdruck, dass wir auch als durch Jesus Christus gerechtfertigte Menschen vor Gott in dieser Zwischenzeit noch Sünder bleiben und in diesem Aspekt des eschatologischen "Schon-jetzt-und-noch-Nicht" auf die endgültige Erfüllung der Verheissungen mit dem zweiten Kommen von Jesus Christus warten. Dies wirft uns auf Jesus Christus, weil wir es nicht in der Hand haben. Und dies geschieht: "Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Licht wandeln, wie er ihm Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde." 1. John. 1,6+7 Da selbst unsere besten Werke Busse (= im Lichte wandeln = ehrlich sein + zu Jesus Christus gehen) benötigen wir immer Busse (= im Lichte wandeln = ehrlich sein + zu Jesus Christus gehen). Und dann schafft Gott das Wunder, dass wir Gerechtigkeit üben und unsere Geschwister lieben: "Daran sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar: Jeder der nicht Gerechtigkeit übt, ist nicht aus Gott, ebenso wer seinen Bruder nicht liebt." (1. John. 3,10) (Auch meinen Bruder zu lieben, ist mir aus meiner eigenen Kraft nicht möglich, wenn dieser sich sehr unangenehm verhält. Auch hier brauche ich das Wunder von Jesus Christus, die er sofort wirkt, wenn ich im Licht in Jesus Christus wandle. Ist das nicht erstaunlich? Was für ein Wunder: Was mir unmöglich ist, macht Jesus Christus möglich!) So wird es möglich, dass Gesetz zu erfüllen, weil es Jesus Christus erfüllt und obwohl wir es nicht können. Dies bewahrt uns gleichzeitig auch vor einem Antinomismus. (Ein Irrtum, der ca. 150 Jahre nach der Reformation aufkam, weil man die Freiheit vom Gesetz als Heilsweg nun als Freiheit vom Gesetz als Massstab für das leben umdeutete.) Ein anderer Antinomismus wäre, wenn man aus der Realität, dass Gott keine Sünde in den Gläubigen sieht, weil sie in Christus sind, den Fehlschluss ableiteten, dass es keine Rolle mehr spiele, wie wir uns verhalten, wenn wir nur glaubten. "Es ist unmöglich, in Christus zu sein und zugleich der Sünde als Lebensstil anheimzufallen." Ein Zitat aus der Genfer Studienbibel, Seite 2108.

Ich lese den Brief hier - nach Kapiteln - vor. Es sind insgesamt 5 kurze Kapitel:

Kapitel 1

 Kapitel 2
    

                                                                        Kapitel 3


                                                                    Kapitel 4


                                                                    Kapitel 5


 










Samstag, 15. Januar 2022

Philipper Der Philipperbrief von Paulus an die christliche Gemeinde in Philippi Dazu ein Morgen- und Loblied Morning has broken Dabei fand ich Interessantes und eine Frage bleibt offen.

Der Philipperbrief besteht aus vier Kapiteln. Paulus schrieb diesen Brief an die christliche Gemeinde in Philippi. Diese Stadt Philippi war nach dem Vater von Alexander dem Grossen genannt: Philip von Mazedonien.

Es gibt Bibelforscher, die der Meinung sind, dass Paulus den Brief aus Ephesus geschrieben habe. Andere denken, Paulus habe ihn aus Cäsarea verfasst. Die Genferstudienbibel hält es für wahrscheinlich - mit Übereinstimmung einer alten Überlieferung - dass Paulus den Brief abfasste, als er in Rom in Hausarrest war (Apg 28). Dann wäre der Brief im Jahr 61 nach Christi Geburt versandt worden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Vermerk im Brief auf das "Prätorium" (1,13) und "Haus des Kaisers" (4,22). Paulus erwähnt auch etwas von seiner finanzielln Situation (4,10 ff)

Philippi bestand aus vielen ehemaligen Soldaten. Es war eine bedeutende Stadt und wichtig für die Verbindung von Rom zu den östlichen Provinzen des römischen Reiches: Via Egnatia.

Philippi war eine römische Kolonie. Den Einwohnern wurde sogar das Privileg zuteil, römische Bürger sein zu dürfen. Das römische Bürgerrecht war in dieser Zeit ein Privileg, dass nicht jedem Bewohner des römischen Reiches zuteil wurde. Zu diesem Privileg gehörte, dass man nicht ohne Urteil misshandelt werden durfte. (Erst in christlicher geprägter Zeit wurde dieses Privileg allen im Staat zuteil.) Da es in diesem Brief keine Zitate aus dem Alten Testament gibt, darf man annehmen, dass die Kirche in Philippi wesentlich aus Heidenchristen bestand. Freude und Heil ist ein wichtiges Thema in diesem Brief.

Ich habe diesen interessanten Brief je Kapitel in der Schlacher Übersetzung aus der Genfer Studienbibel vorgelesen. Hier sind die vier Kapitel zu hören:


Philipper 1


Philipper 2


Philipper 3


Philippe 4


Hier noch ein Morgenlied: 

Morning has Brocken like the first morning.



Wikipedia schreibt dazu (am 15.1.22):

"Eleanor Farjeon (13. Februar 1881 in London geboren und am 5. Juni 1965 in Hampstead gestorben) war eine Kinderbuchautorin, Lyrikerin und Dramatikerin.

Farjeons Name gelangte durch die Interpreatition des Liedes Morning Has Broken, dessen Text sie zu der Melodie eines gälischen Volkslieds geschrieben und bereits 1931 veröffentlicht hatte, durch Cat Stevens 1971 zu neuer Bekanntheit.

Ihr Vater war der englische Schriftsteller Benjamin Farjeon, ihr älterer Bruder der Komponist Harry Farjeon. Ihre Kindheit und Familie beschreib sie in ihrer Autobiographie A Nursery in the Nieties (1935)."

Hier ist die Interpretation von Cat Stevens zu hören. Sehr eindrücklich. Er klingt ähnlich wie Keith Green.




Ich dachte immer, der Sänger dieses Liedes hatte eine Periode, wo er Christ wurde und dann dieses Lied sang. Leider  wandte er sich dann anderem zu. Vielleicht handelt es sich hier nicht um Herrn Cat Stevens, der sich heute Yusuf nennt. Er ist heute Moslem. Ein genialer Sänger. Seine Meinung zur Meinungsfreiheit kann ich nicht ganz teilen. Nun bemerke ich, dass in einem meiner Liederbücher das Lied mit Neil Diamond versehen ist. Von diesem fand ich folgende Version dieses Liedes:


Hier wirkt das Lied wie ein Gospel.