Samstag, 5. Juli 2014

Sind wir böse? Von was will uns Jesus Christus retten?

Sind wir böse?

Im Heidelberger Katechismus, einem reformierten Katechismus, wird unter dem Titel „Von des Menschen Elend“ ab Frage 3 diesem Thema nachgegangen. Darin wird klar festgehalten, dass Gott uns Menschen gut und als Ebenbild Gottes erschaffen hat. 


Das Böse kommt vom „Fall und Ungehorsam unserer ersten Eltern Adam und Eva im Paradies. Da ist unsere Natur so vergiftet worden, dass wir alle von Anfang an Sünder sind.“ (s. Frage 7, dabei wird auf 1. Mose 3, Römer 5,12.18.19 und Psalm 51,7 hingewiesen)

Woher erkennst du dein Elend? 

Fragt die dritte Frage. Die Antwort: „Aus dem Gesetz Gottes.“ (Römer 3,20: „Darum: aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden, denn durch Gesetz (kommt) Erkenntnis der Sünde.“)

Erst im Angesicht des Massstabes von Gott erkennen wir, was wirklich Liebe, was wirklich gut, was wirklich Heiligkeit ist. Und erst in diesem Licht bemerken wir, dass wir diesen Massstäben aus uns nie erfüllen können.

Wer das Leben von Jesus Christus studiert, erkennt ebenfalls, was wirklich gerechtes Menschsein ist. Und man sieht, was unsere realexistierendes Menschsein mit diesem Ideal eines Menschen, denn Jesus Christus ist Gott und Mensch zugleich, tat. Wir waren von ihm begeistert und dann verlästerten und töteten wir ihn. – Natürlich hätten wir Jesus Christus nicht so quälen, erniedrigen und töten können, wenn er dies nicht aus Gehorsam gegenüber seinem Vater und für uns auf sich genommen hätte. Und so zeigt es uns, zu was wir Menschen alles fähig sind, wenn man uns lässt: Wir bringen einen wirklich guten Menschen um, weil er mit seiner Ehrlichkeit unsere Dunkelheit stört.

Wir Menschen sind also seit dem Sündenfall der Perversion des Guten verfallen. Dies bedeutet, dass damals beim Sündenfall Adam der Versuchung nachgab und sich dem Bösen, dem Teufel unterstellte. Damit gab Adam jene Macht, die Gott ihm über diese Welt gegeben hat, an den Teufel. In diesem Sinne wurde der Teufel zum Herrscher dieser Welt und wir Menschen zu Kinder des Teufels. (Wobei letztendlich Gott immer noch alles in seiner Hand hat. Aber es machte alles komplexer.)

Eine harte Aussage. Eigentlich denken wir, dass wir doch eigentlich nicht so schlimm sind. Denn in uns liegt ja immer noch die von Gott gegebene Ueberzeugung, dass wir für mehr geschaffen sind, nämlich für eine gute Ewigkeit. Daher könnte man auf den Gedanken kommen, dass es nur unser Unwissen über das Böse ist, dass wir das Böse ausführen. Ich glaube Sokrates drückte dies sogar so aus. Und ehrlich gesagt war und bin ich zum Teil heute noch von diesem Gedanken beeinflusst. Nach dieser Ueberzeugung müsste man nur die Menschen gut lehren, dann werden sie sich auch gut verhalten. 

Bis zu einem gewissen Grad kann man dies sicherlich in der Realität erleben. Es gibt Menschen, die lassen sich von guter Lehre beeinflussen. Diese Menschen guten Willens tun gute Werke. Helfen anderen, fördern die Medizin und lehren andere Menschen, dass es ihnen besser geht. Ich denke, dass kommt daher, dass wir gut sein wollen. Daher wirken Menschen mit einer positiven Einstellung, Gutes. Das kann für uns alle angenehm sein. Es gibt allerdings auch Personen, die dadurch eine Ueberbehütung wirken und Menschen an sich binden. Bei diesen merkt man, dass dies nicht so uneigennützig ist. Bei anderen ist es besser dossiert. Mit ihren guten Werken können sie sich selber beweisen, dass sie gar nicht so schlecht sind. Und dann gibt es Menschen, die mich einfach mit ihrer Güte beeindrucken.

Was geschieht aber, wenn man diesen Menschen plausibel erklärt, dass es gut ist, einen Menschen zu verachten, zu erniedrigen und seine Menschenwürde abzusprechen? Was geschieht, wenn man einem Menschen sagt, es sei gerecht, die in uns liegende Boshaftigkeit an einem anderen Menschen auszuleben?

Ich denke nicht nur die Nationalsozialisten spricht das an, sondern jeder Mobbing-Fall in einer Firma zeugt davon. Jede Gruppierung, die sich über einen oder andere Menschen erhebt und in Selbstgerechtigkeit über andere herfällt, zeugt davon. Oder stellen wir uns Eltern vor mit einem Kind am Mittagstisch vor, dass in seiner Ungeschicklichkeit ein Glas vom Tisch wirft. Die Eltern werden wütend, schreien das Kind an und lassen es für eine Stunde in ihrem Zimmer schmoren. Warum reagieren diese Eltern so? Hätte die Mutter oder der Vater das gleiche gemacht, hätte man nicht so reagiert. Man hätte vielleicht noch Verständnis für dieses dumme Missgeschick gehabt. Haben hier die Eltern ihre Bösartigkeit an einem sich nicht wehren könnenden ausgelassen? An ihrem eigenen Kind? Wenn es wirklich nur Ungeschicklichkeit des Kindes war, war das Handeln der Eltern sicherlich ungerecht und zeugt von einem tieferliegenden Problem in unserem Menschsein.

Wer diesem Gedanken nachgeht, wird eine Bereitschaft von uns Menschen finden, Böses tun zu wollen. Wer wirklich hinsieht, was vorgeht, wenn Menschen geplagt werden, sei es in einem Mobbingfall bis hin zu einem Völkermord, wird auf diese Mechanismen stossen: Wenn Menschen glauben, ihr Böses ausleben zu dürfen, weil es gerechtfertigt scheint oder einfach, weil sie dafür nicht bestraft werden, ist es eine grosse Versuchung, dies auch auszuleben. Und dies zeigt doch klar daraufhin, was in uns steckt.

Wir können auch Bibelstellen nehmen und achten, wie Christen genau in diese Falle gelaufen sind und noch laufen, weil ihr böses Herz sie betrügt. Wenn Jesus zum Beispiel Pharisäer angreift und sie als hochmütig beschreibt. Wie wirkt das auf uns? Denken wir, das waren aber besonders Schlimme? Oder sehen wir nicht, dass wir gerade mit dieser Feststellung das tun, was Jesus an den Pharisäern verurteilten?

Schauen wir doch genau hin, wenn Jesus den hochmütigen Pharisäer beschreibt, der betet: „Danke Herr bin ich nicht so wie dieser Sünder, dieser Zöllner.“ Und dann hören wir vom Sünder, dem Zöllner, der wirklich Menschen ungerecht besteuert hat, wie er auf seine Brust schlägt und ehrlich zugibt, dass er ein Sünder ist. Dieser Sünder, der andere Menschen mit überhöhten Zöllen beraubt hat und damit gegen Gott selber gesündigt hat, diesem Sünder wird von Gott vergeben. Er wird gerechtfertigt nicht aus Werken, sondern aus Gnade. Der selbstgerechte Pharisäer aber verbleibt in seiner Selbstgerechtigkeit. Wenn wir nun aber hingehen und diesen Pharisäer verachten oder noch weiter gehen und gläubige Juden verachten, dann hat uns unser Herz betrogen. Denn dann machen wir ja genau das gleiche, was Jesus an diesen Pharisäern kritisierte: Wir überheben uns über einen Menschen. Und das Christentum hat sich auf diese Art schon oft am Judentum versündigt, obwohl genau davor  im Römerbrief gewarnt wird: Wir Heidenchristen (= nicht jüdische Christen) haben kein Recht uns über Juden zu erhöhen.
Wir müssen einsehen, dass Jesus den Zöllner genauso liebte wie den Pharisäer. (Der Zöllner war übrigens auch Jude.) Im Gleichnis des verlorenen Sohnes kommt diese Liebe von Jesus für den jüngeren Sohn (= rebellierender Sohn) und dem älteren (= mit Gehorsam rebellierenden Sohn = Pharisäer) sehr deutlich zum Ausdruck. Genau genommen erzählt Jesus dieses Gleichnis für die Pharisäer. Er wirbt um ihr Verständnis für ihren jüngeren Bruder und ihren liebenden Vater im Himmel. Und wie damals die Pharisäer sehen wir als Christen oft gar nicht, wie der ältere, der scheinbar perfekte Sohn genauso wie der jüngere und rebellierende Sohn, Gnade braucht? Sehen wir es vielleicht nicht, weil wir selber noch nicht wirklich begriffen haben, was  Gnade ist, sondern immer noch im Leistungsdenken verankert sind? Wollen wir wie der ältere Sohn in diesem Gleichnis mit unserem Fleiss, unserer Leistung, unserem scheinbaren Gehorsam Gott für unsere egoistischen Ziele manipulieren und sind dann so tief enttäuscht, wie es dieser ältere Sohn ist, wenn Gott es anders sieht und viel barmherziger als wir sind

Von was will uns Jesus Christus retten?
Wir alle sind – ohne Gottes eingreifen –in unserer Sündhaftigkeit verloren. Damit können wir auch die Frage beantworten, wovon uns Gott erretten muss: Von unserer Bösartigkeit. Mit dieser Bösartigkeit werden wir bis in alle Ewigkeit uns eine Hölle schaffen. In diesem Sinne bekommt jeder Mensch, was er will! Oder anders gesagt:

Wer seinen Willen erfüllt haben wird, wird seine Hölle erhalten. Und wer Gottes Wille erfühlt haben will, den Himmel Gottes.

Und jetzt kommt der Clou, den man aber nur anhand der Prädestinationslehre in seiner besonderen Tiefe erkennen oder erahnen kann: Es ist normal, dass wir die Gnade Gottes, Gottes Geschenk an uns ablehnen, weil wir von der Sünde beherrscht werden. Es ist der Heilige Geist, der zuerst eine geistliche Wiedergeburt schaffen muss, damit wir überhaupt uns zu Gott kehren wollen. Er kann wohl einzelne gute Werke machen, aber seine tiefste sündhafte Motivation kann er nicht ändern. "Alles ist eitel. Und ich, der ich das sage, bin ebenfalls eitel." So oder so ähnlich hat es glaube ich Blaise Pascale gesagt.  Das übrigens meinten Augustinus, Luther und Calvin mit dem unfreien Willen: Der Mensch ist unter die Sünde verkauft und ihr verpflichtet, darum ist der Wille des Menschen unfrei, sich für Jesus zu entscheiden. Der Mensch kann aus seiner Sündhaftigkeit heraus sich nicht bekehren und sein Herz, d.h. seine Gesinnung ändern. Das ist auch der Grund, warum sich nicht alle Menschen bekehren. Der Ruf (d.h. die Predigt des Evangeliums) muss an alle erfolgen. Aber erst der Heilige Geist schafft aus der Verkündigung des Wortes Gottes Eingang in den Herzen der Hörer. Darum beten wir ja auch, dass sich jemand bekehrt... Das ist eigentlich zutiefst calvinistisch, im Sinne aus der Prädestinationslehre abgeleitet. 

Wenn sich jemand bekehrt, so glaubt er aus freien Stücken, sich Gott anzuvertrauen – und aus seiner Sicht ist dies auch so. Später wird er vielleicht beim Bibelstudium entdecken, dass es das Wirken des Heiligen Geistes war, dass ihn zu Jesus Christus gezogen hatte.

Daher ist es zutiefst wahr, dass wir Christen kein Deut besser sind als Nichtchristen. Es ist alleine die Gnade Gottes. Und das Schlimme ist, auch wir neigen nach unserer geistlichen Wiedergeburt dazu, unser altes Menschsein auszuleben. Darum ruft uns die Bibel auch auf, in Christus zu leben und zu vergeben, zu lieben, uns nicht zu beissen usw. Das ist ein Kampf. Und doch auch ein Geschenk. Denn wir sollen nicht nur aus Gnaden errettet sein, sondern auch in der Gnade leben und nicht in einer selbstgerechten Frömmigkeit verfallen.

Der Alltag beweist, dass dies nicht so einfach ist. Besonders wenn wir uns stark fühlen. Aber Gott lässt uns nicht los und hilft uns, in seiner Gnade und Barmherzigkeit zu wachsen. Gerade letzthin habe ich ein psychologisches Buch gelesen, wo jemand ein Krankheit beschreibt, die aus Selbstgerechtigkeit besteht. Dabei machte diese Schrift einen Fehler: Nicht nur diese Krankheit macht uns blind, sondern wir alle stehen unter dieser Gefahr, jeder auf seine persönliche Art. 

Unsere Barmherzigkeit wird erst dann wachsen, wenn wir Barmherzigkeit von Gott erleben. Dazu gehört in der Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis zuzunehmen. Was heisst das?
Je mehr ich Gottes Liebe zu mir erkenne, umso ehrlicher kann ich zu mir sein. Umso mehr kann ich auch die dunklen Seiten von mir zugeben und betrachten. Denn von Natur bin ich blind für meine Sünden. Wenn ich Gottes Sicht der Dinge anhand der Bibel schärfe, erkenne ich durch meine sündhafte Natur viel leichter die Ungerechtigkeiten anderer als die meinen, ausser ich lasse es zu, dass der Heilige Geist mich selber treffen darf. Diese Sündenerkenntnis über mich selber ist ein schmerzhafter Prozess. Gleichzeitig staune ich aber, wie mich Gott trotzdem liebt und wie er mich erwählt hat und bedingungslos zu mir hält. Das macht mich dankbar gegenüber meinem mich liebenden Gott und lässt mich mehr von seiner grossen Barmherzigkeit erleben. So wird Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis, was auch eine Sündenerkenntnis ist, zur Grundlage meiner Heiligung: Ich erkenne immer mehr, wie heilig, gut, mächtig und liebevoll mein Heilland ist und wie ich diesem Massstab nicht entspreche. (s. hierzu auch Calvin der mit den Begriffen Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis sein Institutio beginnt.)

Wer das begriffen hat, wird wohl Luther richtig verstehen, wenn er sagt, dass wir als Christen zugleich gerecht und Sünder (simul iustus et peccator) sind. Dass Gott mit uns heuchelt, wenn er uns als Gerechte behandelt und dass wir fröhliche Sünder sein sollen.
Wir sollen Gutes tun und in jenen Werken wandeln, die Gott vorbereitet hat. Aber wie der Heilige Geist unser Gebet heiligen muss, weil wir nicht wirklich wissen, wie wir zu beten haben, so muss auch unser ganzes Leben und auch unsere guten Werke von Gott geheiligt werden. Daher ist es gut, wenn wir nicht nur für unsere offensichtlich bösen Taten Busse tun, sondern auch für unsere Guten: Bis zu unserer Verherrlichung bei der Rückkehr von Jesus, sind wir sehr stark auf Jesus angewiesen: Ohne ihn können wir nichts tun!!!! Alles andere wäre selbstverliebte Gesetzlichkeit, in der wir unsere Fähigkeiten überschätzen. ABER in dieser Unvollkommenheit, ständig in der Gnade Gottes lebend, können wir fröhlich und glücklich unser Leben frei gestalten!
Was aber verheissen ist: Wenn Jesus wiederkommt oder wir sterben und wir bis dann in Christus bleiben, dann werden wir durch ihn verherrlicht. Dann wird unser Gutes gut sein. Dann werden wir über unsere guten Taten keine Busse mehr tun. Nun aber ist dies notwendig. Denn wie Gott unsere Gebete heiligen muss, so muss er auch unsere guten Werke heiligen. Wir können es nämlich nicht. Ohne Jesus geht nichts. Beweis? Hier die Bibelstelle:

„Wenn wir aber das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir mit Ausharren.
Ebenso aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheit an; denn wir wissen nicht, was wir bitten sollen, wie es sich gebührt, aber der Geist selbst verwendet sich (für uns) in unaussprechlichen Seufzern.
Der aber die Herzen erforscht, weiss, was der Sinn des Geistes ist, denn er verwendet sich für Heilige Gott gemäss.

Wir wissen aber, das denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach (seinem) Vorsatz berufen sind.“

(Römer 8,25-28)

So dürfen wir als Kinder Gottes und Sünder immer zu Jesus gehen. Er macht alles gut. Aus Gnaden berufen, leben wir nun in Gnaden. Wir geben uns Mühe und strecken uns aus, nach dem guten Leben. Hören auf Jesus und leben in Christus und wissen doch, dass er alles tun muss. Wir nehmen unsere Verantwortung für unser Leben und die uns anvertrauten Menschen wahr und legen doch alles in die guten Hände unseres Gottes: Denn nur in ihm kommen wir zu Ruhe!

Gebet

Danke lieber Heiland Jesus Christus, bist Du mein Heiland, der alles für mich getan hat. Du hältst immer zu mir. Durch Dich habe ich Vergebung und Reinigung. In Dir wird alles erfüllt. Durch Dich bin ich im göttlichen Gericht gerecht gesprochen worden, weil Du meine Strafe getragen und bezahlt hast. Vielen Dank.

Lieber Vater im Himmel. Danke, dass Du diesen Plan durchdacht und durchlitten hast. Danke erkennen wir Dich in Jesus Christus. Danke hast Du mich erschaffen, gerettet und leitest Du mich zu Dir.

Lieber Heiliger Geist, danke wohnst Du mit Jesus und dem Vater in mir und machst Du meinen Körper zu einem Tempel Gottes. Danke lieber Heiliger Geist redest Du mit Deiner sanften und lieben Stimme zu mir. Danke erklärst und zeigst Du mir soviel in der Bibel.
Danke Dreieiniger Gott. Danke.

Amen

Montag, 9. Juni 2014

Heisser Sommer und das Alter

So heiss hatten wir schon lange nicht mehr.

 Von einem zum anderen Tag wechselte es vom gefühlten Herbstwetter zum Hochsommer. Zu einem Hochsommer mit Spitzenwerten.Heute hatten wir glaube ich noch heisser als gestern.

Laut der Bibel gab es einmal ein Paradies. Da wird vermutlich die Temperatur immer angenehme gewesen sein. Auch der Tod und damit das Altwerden im Sinne des Schwächerwerdens gab es noch nicht.

Vor kurzem waren wir bei zwei Schwestern zu Hause. Sie sind beide gut über 90 Jahre alt und leben immer noch in ihrem Haus, welches ihr Vater vor langer Zeit gebaut hatte. In ihrem Garten habe ich manchmal den Eindruck in der alten Schweiz zu leben, wenn sie zum Beispiel von der Zeit aus dem zweiten Weltkrieg erzählen. Damals als sie noch jung waren. Die eine als Krankenschwester und später als Sekretärin und die andere als Lehrerin. Noch heute zitieren sie Gedicht, auch selber gemachte auf Schweizerdeutsch. Eines konnte die Krankenschwester sogar einer tief betrübten Frau erzählen. Danach konnte sie ihre Sorgen vergessen und gut schlafen. Und wirklich, eine grandioses Gedicht mit viel positiven Humor. 

Als wir vor kurzem bei ihnen war, war ich erschrocken. Sie waren noch gebückter als sonst und nun merkte man ihnen das Alter an. Für sie war bereits der Weg auf ihren Sitzplatz eine Hürde, da sie über den Fenstertürrahmen von vielleicht ca. 7 cm steigen mussten. Mit tat das so weh. So liebe und intelligente Frauen und nun nagte das Alter so an ihnen. Sie waren und sind sich ihrerer Situation sehr bewusst. Als wiedergeborene Christen wissen sie, wohin sie gehen werden. Aber traurig ist es trotzdem. Mein Schmerz kann ich kaum richtig ausdrücken. Sie waren immer da, in diesem Haus. So liebe Frauen, die fröhlich ihren Weg gingen. Und auch jetzt tauchte ihre Lebensfreude wieder auf. Mit der Zeit erzählten sie wieder und schon bald war es spät geworden und wir sangen noch einige wenige - alte - Lieder, die ich nicht kannte.
Gott möge sie segnen. Und lieber Heiland, vielen Dank durften sie so alt werden und dabei eine solch frohes Gemüt haben. Immer noch loben sie Dich. Immer noch neben sie am Geschehen teil. Aber nun nicht mehr so aktiv. Und es wird vermutlich immer weniger.

Warum müssen wir so altern und am Schluss sterben? Der Sünde Sold ist der Tod. Oder heute würden wir sagen: Der Preis der Sünde ist der Tod. Obwohl Gott unserem Vorfahren Adam dies sehr klar sagte, glaubte er mit Ungehorsam gegen Gott mehr zu erhalten. Nun haben wir den Salat. Es ist so schlimm, das wir Altern im Sinne des Schwächerwerdens (und nicht mehr, nur um weiser zu werden). Aber wir stehen seither auch in der Gefahr uns selber zu schädigen. Die Kriege und der Hass sind ein anderes Uebel, dass wir dort eingefangen haben. Zudem verliert sich seitdem unser Herz, unser Denken und Fühlen, wenn wir es nicht mit der Hilfe des Heiligen Geistes mit dem Studium der Bibel geistlich gut ernähren. Diese leiblichen Schwestern haben es nicht schlecht gemacht. Sie sind ein gutes Beispiel. 

"Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, nur dass der Mensch das Werk nicht ergründet, das Gott getan hat, vom Anfang bis zum Ende." (Prediger 3,11) Wie wahr dies ist. Angesichts des Alters und des Todes merken wir, dass wir für mehr geschaffen wurden: "auch  hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt" aber wir Menschen können es nicht ergründen! Nur wenn wir auf Gott schauen, erhalten wir "rechtsgültige" Antwort, die "verhäbt". Jesus Christus ist es, der uns aus diesem Dilemma befreit. Als Jesus einer Samariterin begegnete und mit ihr gesprochen hatte, stellte sie korrekt fest:
"...Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser Wahrhaftig der Heiland der Welt ist." (Johannes 4,42b) Ich wünsche mir so, dass ich diesen Heiland immer nachfolge und dies immer aus tiefsten Herzen sagen kann. Denn das ist der grosse Trost: So wie er, mein Heiland Jesus Christus aus den Toten auferstanden ist, werde auch ich auferstehen. Es ist nicht alles mit dem Tode zu Ende. Nach dem Aelterwerden (wenn ich das erleben darf.) und Sterben wird es weitergehen. Der Tod ist nicht nur ein Punkt, er ist ein Doppelpunkt: Das wahre Leben beginnt danach. Die einen werden ihre gewählte Hölle weiterleben und die anderen den guten Willen des Vaters im Himmel erleben. (Oder: Jeder bekommt, was er will: Seinen eigenen Willen oder den Willen Gottes.) 

"Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder , der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag." (Johannes 6,40) Darauf will ich mein Leben bauen. 

Ein billiger Trost? Paulus sieht es gerade umgekehrt: Wir Christen wären die grössten ..., wenn wir nicht an die Auferstehung glauben würden. Was würde es nützen, wenn Jesus nur für das Leben in dieser Welt gestorben wäre? Jesus antwortet einem auf die Auferstehung wartenden noch eine ganz andere wichtige Komponente: "Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte, auch wird man nicht sagen; Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das reicht Gottes ist mitten unter euch." (Lukas 17,20+21) 
Damit macht Jesus darauf aufmerksam, dass die Ewigkeit schon hier auf dieser unvollkommenen und gefallenen Erde beginnt: In jedem Herzen eines Menschen, der auf Jesus hören will. Dieses Geschenk des Heiligen Geist, dass wir Jesus nachfolgen wollen, lässt Jesus Christus, Gottes Sohn, Gott den Vater und Gott den Heiligen Geist in einem Menschen wohnen. Dadurch wird der Körper eines Menschen zum Tempel Gottes. Seit Pfingsten sind alle Gläubige als Priester und Priesterinnen Gottes eingesetzt, dass heisst sie haben direkten Zugang zu Gottes (3.) Tempel: Ihr eigener Körper - und als Gemeinschaft der Gläubigen - wird auch die Kirche/die Gemeinschaft zum Tempel Gottes. 
Vielleicht merken wir Gläubigen das nicht immer ... und auch Nichtchristen vermissen das Kennzeichen dieser Gemeinschaft manchmal, nämlich die echte Liebe, wofür ja Jesus gebeten hat (s. Johannes 17). Aber dennoch wirkt Gott durch die Jahrhunderte durch diese errettenden Sünder. Die Kirche ist nun einmal wie ein Spital: Die Teilnehmer in diesem Gebäude möchten eine bessere Welt und lassen noch an sich arbeiten. (Leider vergessen sie es manchmal, dass sie an sich arbeiten lassen und bilden sich ein, schon verherrlicht zu sein. Aber normalerweise kommt schon bald die Ernüchterung.)

Diese zwei Schwestern sind für mich eine leuchtendes Kerzenlicht meines Heilands. Trotz ihren Schwächen sind sie so zufrieden und gehen in aller Schwachheit ihr Leben an. Keiner weiss, wieviel Menschen sie in der Vergangenheit geholfen haben. (Gott aber weiss es sicher.) Darüber reden sie nicht gross. Sie haben privat und in ihren Berufen Menschenwürde weitergegeben. Und erleben nun auch im Alter eine Würde, die ich jedem Wünsche auszuleben und erhalten zu können.

Gerade bei diesem letzten Treffen, wo sie uns zum Essen eingeladen haben, meinten sie, auf Bezug der gesellschaftlichen Entwicklungen: Ihr werdet es wohl noch schwer haben... Hoffen wir, dass sie sich in diesem Bereich irren und unsere Gesellschaft Gott nicht vergisst und sich in ihrem Herzen verliert, weil sie Jesus nicht mehr sehen kann.

Lieber Heiland, vergib mir wo, ich heute fehlte. Lass mich ehrlich zu Dir kommen, als einen armen (= ohne Werke) Sünder, damit ich als fröhlicher Sünder (s. Luther) wieder leben kann. Danke bin ich ein Sünder und durch Dich zugleich gerecht gesprochen. Damit ich mein Leben fröhlich weitergehe, denn Du sollst mein Weg sein, lieber Jesus. Das Ziel hast Du schon längst bereitet. Eine schöne Wohnung auf der von Dir neu gemachten Erde. Hilf nun, dass ich auf der rechten Bahn bleibe und mit Weisheit die Herausforderungen angehe. Denn auch die Probleme, die Herausforderungen sind, hast Du mir geschenkt. Du wirst auch die Lösung schenken. Ob ihm Sieg oder Niederlage, alles soll Dein sein. Ich will keine Selbsterlösung, sondern nur Deine wahre Erlösung! Danke Herr.

Amen!

Dienstag, 3. Juni 2014

Krieg

"Der Krieg ist die Mutter von allem!" oder "Der Krieg ist die Mutter aller Dinge." oder so ähnlich wurde heute in einer Gruppe von Männern behauptet.  Ich hielt emotional dagegen:


- Würde man die Energie, die Zeit und das Geld für positives Einsetzen anstelle für Kriege, wäre es viel besser eingesetzt und man könnte Gutes schaffen.

Da wurde mir entgegnet, dass der Krieg es möglich mache, wieder von Neuem anzufangen. Dieses Argument habe ich schon einige Male gehört. Vermutlich kommt dies aus der Erfahrung nach dem zweiten Weltkrieg. West-Deutschland erlebte damals ein Wirtschaftswunder. Auch in der Schweiz ging es ab dann immer aufwärts.

Leider konnte ich dann nicht weiter ausführen, dass diese Aussage nicht die ganze Wahrheit sein kann. Für Frankreich und Grossbritannien,  war anfänglich die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur mit stetigem Aufstieg verbunden, obwohl sie sogar zu den Siegern dieses Krieges gehörten. Und Deutschland erlebte als Verlierer anfänglich eine schlimme Zeit. Es war der Marshall-Plan der USA der dies änderte. Laut Wikipedia diskutiert man heute zwar die Effektivität dieser 13,1 Milliarden Dollar (die heutigen 127,1 Milliarden Dollar entsprechen würden). Jedoch wurde in diesem Zusammenhang auch die "Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa" gegründet. Die UdSSR verbot mit der Zeit die Teilnahme "ihrer" Staaten daran.
Dies führte zu Abbau von Zollhemmnisse und förderte die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Das Gesamtpaket also führte zur bekannten Entwicklung in Europa. Sicherlich hatte man aus den Irrungen des ersten Weltkrieges gelernt, wo dies ganz anders aussah.

Daher wurden durch den positiven und weisen Einsatz von Geld bessere Verhältnisse in Europa geschaffen. Dafür dürfen wir Europäer den Amerikanern dankbar sein. George C. Marshall, US-Aussenminister erhielt den Friedensnobelpreisträger 1953.

Die Ziele des Marshallplanes waren, laut Wikipedia:

Wenn wir also kurz inne halten und überlegen: Kurz nach dem Krieg gab es in Europa Hungersnöte. Es war vieles zerstört. Ohne gezielte Aufbauarbeit wäre man aus dieser Not nicht einfach entkommen. 

Wir müssen also unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten weise einsetzen, damit es vorwärts geht. Kurzfristiges Gewinnstreben kann dies nicht erfüllen. Es wird höchsten kurzfristige Erfolge geben. Dies kann nicht langfristig genügen. Dazu gehört auch die Meinung, die Wirtschaft müsse absolut frei sein. Das Ueberleben des Fittesten regle alles. Nein, es braucht auch uneigennützige Institutionen, die Rechtssicherheit, eine gesunde Infrastutkur und auch einen gewisse soziale Sicherheit schaffen. Erst dann, können auch die Starken ihren Beitrag für die Allgemeinheit effizient leisten. Und auch die Schwächeren werden ihren Beitrag dann gerne leisten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Starken sich gegenseitig behindern oder die wirtschaftliche Freiheit verhindern. Denn was geschehe wohl, wenn der Fitteste alle besiegt hat? Dann gibt es ja gar keinen Wettbewerb mehr. Hier liegt der Grund, warum reformiert geprägte Gesellschaften wirtschaftlich so erfolgreich waren: Sie beschränkten den Kapitalismus. Gerade das führte ihn zum Erfolg! Die absolute Freiheit des Kapitalismus zerstört den Kapitalismus. Es ist letztendlich sein schlimmster Feind. Genauso wirken ja auch die Gebote Gottes: Sie engen meine Freiheit ein wenig ein. Ich darf nicht einfach stehlen  und töten. Aber gerade diese Einschränkung verschafft mir in einer Gesellschaft eine Freiheit und gewaltige Entwicklungsmöglichkeit. Denn die Gerechtigkeit erhöht eine Gesellschaft! wie es die Bibel sagt.

Daher wäre es gut, wo Europa heute etwas schlingert, ihre Mittel ebenso intelligent und längerfristig einzusetzen. Dabei ist die "Vetterliwirtschaft" in Europa nicht einmal das Schlimmste. Ich denke viel mehr an die letzte Finanzkrise. Hoffen wir, dass die Verantwortlichen daraus gelernt haben. Sonst könnte die nächste solche Krise für Europa oder gar für die gesamte westliche Welt noch schlimmer ausfallen. Oder ein anderes Problem, was in Europa angegangen werden müsste: Die starke Abhängigkeit von Gas. Was geschieht, wenn die Lieferungen ausfallen würden? Bricht dann auch das Stromnetz zusammen? Gibt es eine Krise wie einst bei der Oelkrise oder noch schlimmer?

Wie auch immer: Gut wäre es, wenn wir in Europa ein moderates und kleines Wachstum anstrebten. Und bei Krisen vernünftig reagierten. Das Beispiel von Griechenland hinterlässt bei mir aber einen anderen Eindruck: Könnte es sein, dass man hier vorallem nur Banken und Firmen in Europa retten wollte? Hatte man im Gegensatz zum Marshallplan - neben den eigenen vernünftigen Interessen - vielleicht die Interessen Griechenlands und ihrer Wirtschaft zu wenig berücksichtigt? Mir erscheint es jedenfalls befremdlich, wenn soviele Milliarden bezahlt werden und soviele Leute trotzdem keine Arbeit in Griechenland haben. Vielleicht wäre es durchaus auch notwendig gewesen, ihnen die alte Währung zurückzugeben, damit sie ihre Währung abwerten könnten und so wieder auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu werden? Die europäischen Firmen könnte man ja trotzdem so weit stützen, dass nicht allzu grosser Schaden entsteht und dass der griechischen Wirtschaft auf Dauer geholfen wird.  Ich kenne mich in Griechenland nicht aus, aber dass Menschen ihre Arbeit verlieren und von Küchen auf der Strasse versorgt werden mussten, kann ja hoffentlich nicht die Zukunft von Europa sein. Oder müsste man die Türkei fragen, warum es dort besser ging? (Ich weiss, ich provoziere etwas. Aber die Zahlen der Türkei sind wirklich bemerkenswert. Insbesondere wenn man die zwei "ungleichen" Brüder Türkei und Griechenland vergleicht.)

Doch zurück zu unserem ersten Satz, jene These, die ich zu widerlegen versuchte, dass der Krieg die Mutter aller Dinge sei. Mal abgesehen davon, dass ich an den biblischen Gott als Schöpfer glaube und ich ihm alle diese Mutter-Ehre zugestehe, ist der Gedanke auch moralisch gefährlich. Man stelle sich vor, man lebte danach! Kriege sind immer ein Zeichen des Sündenfalls von uns Menschen. Sie mögen manchmal unumgänglich sein. Vielleicht sogar gerechtfertigt. Aber der Krieg ist immer ein blutiges und unheiliges Geschäft. Und das meine ich wörtlich. Ich empfinde es eine Tragödie, dass in unserer Zeit der Krieg zum Heiligen Krieg erklärt werden kann. Damit meine ich nicht nur die religiösen Heiligen Kriege mit ihren Opfern, sondern auch die neuheidnische und westliche Form des "heiligen" Krieges. Da wir offiziell nicht mehr so religiös sind, nennen wir unsere Kriege nicht mehr "heilige" Kriege. Aber in der Praxis haften ihnen doch die entsprechenden Attribute an. Denn gerade durch die moralische Verurteilung der Kriege, werden unsere westlichen Staaten gezwungen, sehr starke moralische Gründe zu finden, warum sie trotzdem einen Krieg führen müssen. Das kann so extrem werden, dass wir die egoistischen Teile eines jeden Krieges und einer jeden kriegführenden Partei vergessen - ja verdrängen glauben zu müssen.
Das geschah im Mittelalter schon einmal, bei den Kreuzzügen. Eigentlich wusste das christliche Mittelalter, dass man Heilige und Helden nicht vermischen darf. Es ist nicht das gleiche. Bei den Kreuzzügen verletzten sie dieses Prinzip. Und das gibt immer die schlimmsten Kriege, da sie religiös überhöht werden. Und diese religiöse Ueberhöhung können auch Atheisten machen. Sie nennen es dann einfach anders: Der Feind wird zu einer unmoralischen Person, der völlig unrecht hat. Im extremsten Fall wird ihm die menschliche Würde abgesprochen. Verstehen wir die Ueberhöhung? So wird ein Krieg zu einem Krieg gegen das Böse selber. Und wir selber machen uns zu Rettern unserer Zivilisation oder des Guten überhaupt.

Es ist das gleiche, wie wenn ich einen Einbrecher aus Notwehr erschiessen müsste. Wenn ich dann von einem zweiten Einbrecher ebenfalls erschossen würde und dann glauben würde, ich sei dadurch zu einem Märtyrer oder Heiligen geworden. Das wäre von mir eine schreckliche Irrung. Jesus würde mir nach meinem Tode sicherlich klar machen, dass so etwas zum Himmel stinkt. Sowas ist für Jesus kein Wohlgeruch. Damit überhöhe ich mich zum absolut Guten und erniedrige den Einbrecher zum absoluten Bösen. Dabei sind wir geistlich gesehen beide Sünder. Ich habe mich einfach mit Disziplin ans Recht gehalten und er hat es nicht getan. Aber das Potential für Unrecht ist bei uns gleich vorhanden. Darum brauchen wir auch beide die Vergebung von Gott selber. So verstehe ich die harte Aussage der Bibel über unser Wesen seit dem Sündenfall. 

In dieser Situation wäre es korrekt zu sagen, dass ich den Mut aufbrachte, mich gegen den Einbrecher zu stellen. Dass ich ihn töten musste, war schrecklich und Teil dieser gefallenen Welt. Vielleicht habe ich dadurch sogar das Leben meiner Familie geschützt und ich bin wirklich ein Held. Aber ich bin dadurch kein Märtyrer geworden.

Das gleiche denke ich übrigens über Bonhoeffer. Er wurde getötet, weil er Hitler töten wollte. In einer Biographie wurde er unter anderem dafür als Märtyrer bezeichnet. Der Autor sah die erwähnte Problematik nicht ein, obwohl er auch von anderer Seite darauf aufmerksam gemacht worden ist. Wäre Bonhoeffer hingerichtet worden, weil er Gottes Wort verkündigt hatte, dann wäre er ein christlicher Märtyrer gewesen. Sein politisches Handeln mag gerechtfertigt gewesen sein. (Mir persönlich wäre aber gewaltloser Widerstand viel sympathischer, so wie es Paul Schneider tat. Er hat mit seiner Gewaltlosigkeit die herrschenden Lügen des NS-Regime aufgedeckt und vielen Mut gemacht, sich nicht von diesem Druck mitreissen zu lassen. Wer die Lebensgeschichte von Paul Schneider liesst wird auf einen unpolitischen Pfarrer stossen, der aber sein Mund als Prediger Gottes nie verschliessen konnte. Selbst die Natis musssten beschämt seine Leiche aus dem KZ zurückgeben, so offensichtlich war selbst für die Natis ihr Unrecht geworden. Ihr ganze ideologischer Hochmut zerbrach an einem Mann, der alleine auf Gott vertraute, nie Gewalt anwandt (ausser Kirchenzucht gegenüber Natis) und über den sie nie wirklich Macht hatten. Sie konnten ihn "nur" zu Tote quälen. Und machten damit ihre eigene hoffnungslose Situation jedem klar. Paul Schneider ist ein moderner christliche Märtyrer.) 

Daher schafft die Anwendung von Gewalt nie einen Märtyrer. Aber es machte Bonhoeffer sicherlich zu einem Helden. Er hätte sich als Flüchtling in New York gehen lassen können. Aber er musste zurück ins Deutsche Reich. 

Dieser Unterschied zwischen Heiliger und Held ist ganz wichtig, da wir sonst religiös überhöhte Kriege führen werden. Denn ein Mensch ist nie das Böse. Sondern es sind immer die geistlichen Mächte hinter diesem Menschen, die Böse sind. Der Mensch selber mag sich darauf eingelassen haben und wird - wenn er die Gnade Gottes nicht erleben darf - auch die Folgen tragen mögen. Aber der Mensch ist eigentlich ein armes Opfer des Bösen, das unsere Fürbitte als Christen nötig hätte. So würde zumindest die echte Liebe sprechen, die kein gefallener Mensch hat. Diese Liebe würde uns auch hindern, unsere eigene (oft sehr unbewusste) Sündhaftigkeit auszuleben, die dann in unserer Reaktion zum Vorschein kommte: Denn wehe man gibt uns Menschen einen scheinbar guten Grund unsere Sünden auszuleben: Mobbing und schlimmeres wird dann zur Realität.

Daraus können wir ableiten - und ich denke dass ist ein jüdisch-christlicher Grundsatz - einem Helden haftet immer auch etwas egoistisches an. Wir müssen in unserer menschlichen Gerechtigkeit auch unsere Begrenzung sehen. Gottes Gerechtigkeit ist viel höher und in diesem Licht dürften wir kaum von der menschlichen Gerechtigkeit von Gerechtigkeit sprechen. Daher sollten wir uns als Gesellschaft nach der höheren Gerechtigkeit Gottes ausstrecken und uns aber immer bewusst sein, dass wir ihr nie entsprechen können. Dies wird uns eine  gesunde Demut geben und uns vor religiösen und ideologischen Ueberhöhungen bewahren. 

Daher: Ein Held mag sein Leben für eine gerechtfertigte Sache lassen. Aber er verfolgt auch seine - oft auch berechtigten - eigenen Interessen oder die Interessen seiner Gemeinschaft und Staates. (Und das Problem ist, dass in einem Krieg zwei solche Gruppen aufeinander stossen, die glauben eine gerechtfertigte Erklärung für ihren Krieg zu haben. Wenn beide sich nicht ideologisch oder religiös übererhöhen, wird der Krieg immer noch schlimm sein. Aber es sollte ein vernünftiger Friede und Wiederversöhnung eher möglich sein.)

Im Gegensatz zu einem Helden ist ein Märtyrer im biblischen Sinne jemand, der zu seiner Ueberzeugung ohne Gewalt steht. Er verfolgt nicht sein Ziel, sondern das Ziel Gottes mit uns Menschen. Wenn er stirbt, dann ist er nur ein Opfer und kein Gewalttäter. Also ist Stephanus, wie bei meinem letzten Blogg erwähnt, ein wahrhafter Märtyrer. Dazu gehört dann auch, dass Stephanus sogar für seine Mörder im Gebet einsteht, ihnen vergibt und für sie betet. Das war ein Märtyrer Gottes.

Für einen christlichen Soldaten bedeutet dies, dass er auch für seine Feinde beten sollte. Wie es übrigens auch Niklaus von der Flüh als Hauptmann tat. (Er hatte damals wohl den höchsten Rang eines Offiziers in seinem Ort/Kanton.) Und wenn wir die Geschichte des Roten Kreuzes verfolgen, sehen wir ebenfalls Menschen, die diese christliche Gesinnung trugen. Der Gründer mag anfänglich Kaiser Napoleon III aus geschäftlichen Gründen nachgefahren sein. Er liess sich aber vom Leid des Schlachtfeldes treffen und organisierte vor Ort Hilfe. Und im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen dachte er weiter und plante weiterreichernde Hilfe, die dann schlussendlich zum Roten Kreuz führte.

Für Europa, dass ausser vereinzelte, kleineren Kriegen seit längerem keine grossen Kriege mehr gehabt hat, wäre es wichtig, dies alles nicht zu vergessen: Auch der Feind im Krieg ist ein Mensch. Auch er hat seine Gründe, warum er in den Krieg zieht. Das gilt sogar für Terroristen, die vermutlich verblendet sind und in einem gewissen Sinne selber Opfer sind. (Man müsste sie also in erster Linie mit Argumenten aus der Verblendung führen. Die Frage ist, ob eine Postmoderne Gesellschaft diese Argumentation noch führen kann!) Hass ist normal in einem Krieg. Aber wir sollten uns nie von ihm bestimmen lassen. Er ist ein schlechter Ratgeber. Wie auch gewisse heutige gewaltverherrlichende Computer-Spiele und Filme, die nicht westliche Kulturen glauben lässt, dass wir so verdorben seien. (Eigentlich eine sehr unproduktive Art, wie der Westen zur Gewaltvermehrung auf der Welt beiträgt.)

Das wir uns nicht vom Hass regieren lassen sollen, ist einfach gesagt. In der Praxis kommen wir hier an eine Grenze unserer menschlichen Möglichkeiten. Daher ist es gut, sich in ruhigen Phasen des Lebens damit auseinander zu setzen. Was sind meine Ideale? Wie möchte ich in der Situation handeln? Ich kann dazu raten, nicht jener Literatur zu glauben, die ich letzthin in Händen hatte. Ein phantastisch gut und spannend geschriebener Since Fiction. Ich musste das Buch aber auf die Seite legen. Immer wieder kam die Geschichte an einen Punkt, wo man meinte, man könne nicht anders, als so und so unmenschlich handeln zu müssen. Was ist das nur für ein kranker Geist! Das war offensichtlich eine Lüge. Und diese Lüge dürfen wir auch in einem Krieg nie glauben. Natürlich wird in einem Krieg auf Menschen geschossen. Aber auch hier gibt es Grenzen. Und diese müssen wir uns im Vorfeld klar werden. Es reicht nicht, dass es irgendwo Kriegsgesetze gibt. Sie müssen auch von uns akzeptiert und verinnerlicht werden. Hierzu ein Beispiel aus dem zweiten Weltkrieg. Die Briten hatten verschiedene Deutsche Kriegsgefangene. Darunter waren auch Offiziere. Es interessierte die Briten drängend, welche Strategien die verschiedenen Kriegsgattungen des Deutschen Heeres und Seestreitkräfte hatten. Dies war sehr kriegsrelevant. Ich weiss nicht, ob heute in gewissen Kreisen dafür die Folter angewandt würde: Vermutlich mit der Begründung, ein höheres Ziel damit zu erreichen. Und dann käme diese schreckliche Lüge: Anders ist es nicht möglich. Dies wäre übrigens ein klassischer Fall einer Situations-Ethik, die meiner Meinung gar nicht den Namen einer Ethik verdient. 

Was machten aber die Briten im zweiten Weltkrieg? Ich hörte davon im Radio, wo ein junger deutscher Historiker Tonaufnahmen von damals fand. Ich glaube es waren irgendwie Tonaufnahmen auf Wachs.
Die Briten wandten keine unlauteren Methoden an. Ganz im Gegenteil. Sie brachten die deutschen Offiziere auf ein schönes Schloss auf dem Land. Hier konnten sie beinahe wie Fürsten leben. Sie konnten sich frei im schönen Garten oder sich in gemütlichen Räumen aufhalten. Das einzige was die Briten machten: sie verwanzten alles und hin und wieder änderten sie etwas die Zeitungen, um die Gespräche auf ihr Interesse zu steuern.

Heute sind diese Tonaufnahme für die Denkweise der damaligen deutschen Offiziere unbezahlbar. Damals war das strategische Wissen der Deutschen für die Briten unzahlbar.

Interessant war, dass einer der sehr hohen Deutschten Offiziere immer vor Wanzen warnte. Sie sollen aufpassen, was sie sagten. Es werde alles abgehört. Selber aber gab er sehr viele Geheimnisse preis. Denn die unterschiedlichen Truppengattung brannten nach den Informationen der anderen und waren gleichzeitig stolz von ihren zu erzählen.

Genial, dieses Vorgehen. Und die menschliche Würde wurde gewahrt.

Das war eine gesunde Alternative. Aehnliches gibt es auch im Geschäftsgebaren. Daher finde ich Treuhänder, die ähnlich gute Lösungen - immer innerhalb des Rechts - für die Probleme ihre Kunden finden, genial. Denn oft scheint im ersten Moment unrechtes Handeln der einzige Ausweg aus einer Situation zu sein. UND genau das, ist die Versuchung mit der wir zu Jesus gehen sollten und im Gebet eine weisere Lösung zu suchen. Jesus hilft gerne. Das gilt für alle Lebensbereiche.

"Befiehl dem HERRN deine Werke, und deine Gedanken werden zustande kommen.

Alles hat der HERR zu seinem Zweck gemacht, so auch den Gottlosen für den Tag des Unglücks.

Ein Greuel für den HERRN ist jeder Hochmütige. Die Hand darauf! Er bleibt nicht ungestraft.

Durch Güte und Treue wird Schuld gesühnt, und durch die Furcht des HERRN weicht man vom Bösen."               (Sprüche 16, 3-6)

Mit Gottlosen sind Menschen gemeint, die ohne Furcht vor Gott und seiner Gerechtigkeit handeln. Daher verüben sie auch Greuel an Menschen und werden hochmütig. Wer aber Güte und Treue übt, wird seine eigene Schuld sühnen. Dafür ist natürlich Jesus gestorben. Er hat dafür gesühnt. Es wird aber sicherlich in unserem Herzen eine so grosse Dankbarkeit wachsen, über dass alles, was uns Gott vergeben hat, dass wir dann selber Güte und Treue leben - wenn auch nicht so vollkommen, wie es Gott kann. Es mag Stückwerk sein, dass selber wieder Heilung braucht. Aber damit schafft Jesus sein Reich. Danke Herr.

Und die Furch des Herrn, also der Respekt vor Gott dem Herrn, möchte ich lernen, damit es mich Respekt vor dem Recht und meinem Nächsten lehrt.


Das Böse will unser Menschsein erniedrigen und entwürdigen.
Gott will uns von diesem Joch befreien.


"Der Herr ist meine Kraft und wird meine Füsse machen wie Hirschfüsse und wird mich auf meine Höhen führen. (Hab. 3,19)

C.H. Spurgeon schreibt dazu im Büchlein "Kleinode göttlicher Verheissungen", Seite 159:

"Die Zuversicht dieses Gottesmannes kommt einer Verheissung gleich; denn das, wovon sein Glaube überzeugt ist, ist der Ratschluss Gottes.
Der Prophet musste durch die Tiefen der Armut und des Hungers gehen, aber er ging bergab, ohne auszugleiten; denn der Herr gab ihm Stehvermögen. Später wurde er auf die Höhen des Kampfes berufen und fürchtete sich vor dem Hinaufsteigen nicht mehr als vor dem Hinabgehen. Seht, der Herr verlieh ihm Kraft! Nein, der Herr selber war seine Kraft. Denkt daran: der allmächtige Gott selber wird unsere Kraft!
Beachtet auch, dass der Herr ihm sichere Füsse gibt. Der Hirsch springt über Felsen und Klippen und verliert nie den Halt. Unser Herr will uns Gnade geben, auf den schwierigsten Wegen der Pflicht ohne Straucheln zu gehen. Er kann unseren Fuss auch in den Klippen sicher machen, so dass wir geborgen sind, wo wir ohne Gott umkommen würden.
Vielleicht werden wir in Kürze zu noch höheren Plätzen berufen werden. Hoch hinauf sollen wir steigen, auf den Berg Gottes, auf die Höhen, wo 'die Verklärten' versammelt sind. Was für Füsse sind doch die Füsse des Glaubens, mit denen wir zum Berg des Herrn emporsteigen werden!"

Amen, so sei es.


Freitag, 23. Mai 2014

Und sie steinigten den Stephanus



„Und sie steinigten den Stephanus, der betete und sprach:
Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
Und niederkniend rief er mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und als er dies gesagt hatte entschlief er.
Saulus aber willigte in seine Tötung ein.“
(Apostelgeschichte 7,59+60 und 8,1a)


Eine schaurige Geschichte. Stephanus, ein Diakon der Gemeinde in Jerusalem wird gesteinigt. Danach entbrennt eine Verfolgung gegen die Christen. Die Steinigung von Stephanus war wie ein Dammbruch oder der Startschuss für die Verfolgung der Christen. Was war der Grund dafür?

Dazu müssen wir etwas ausholen. Wir befinden uns im antiken Jerusalem. Die Stadt ist von römischen Truppen besetzt. Jesus wurde bereits gekreuzigt und ist von den Tode auferstanden. Er ermutigte seine Jünger und liess sie auf Pfingsten warten, als er in den Himmel auffuhr. So bleiben seine Jünger etwas verwirrt zurück.

Dann kommt Pfingsten, die Ausgiessung des Heiligen Geistes. Ein Geschehen, dass schon im alten Testament vorausgesehen wurde. Und es gab schon „Vorbezüge“ dieses Ereignisse. Man denke nur an König David. Nun aber wurde der Heilige Geist auf alle Gläubigen ausgegossen und die Gemeinde wuchs und wuchs. 

Die Gemeinde wurde von Aposteln geleitet. Das  waren Männer, die mit Jesus eine Zeitlang zusammengelebt haben. Damals war es üblich, dass ein Rabbi so seine Jünger, seine Nachfolger und Schüler lehrte. Dadurch, dass die Gemeinde aber immer mehr wuchs, verloren die Apostel etwas den Ueberblick. Ein Teil der Gemeinde empfand sich von einem anderen Teil ungerecht behandelt. Daher wählte die Gemeinde sieben Diakone aus (Apostelgeschichte 6,5) und „Diese stellten sie vor die Apostel; und als sie gebetet hatten, legten sie ihnen die Hände auf."

Und das Wort Gottes wuchs, und die Zahl der Jünger in Jerusalem mehrte sich sehr; und eine grosse Menge der Priester wurde dem Glauben gehorsam.“ (Apostelgeschichte 6,6+7)

Ein interessantes Vorgehen: Die Apostel als Leiter der Gemeinde waren überfordert. Die Lösung war, dass die Gemeinde Diakone erwählte. Die Gemeinde bestand also aus reifen Christen, die mit den Aposteln zusammenwirkten.
Dies war eine so gute Problemlösung, dass der Reibungsverlust innerhalb der Gemeinde weggetan war. Und  es war wohl wieder so, wie es vorhin war: „Die Menge der aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit grosser Kraft legten die Apostel das Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesus ab; und grosse Gnade war auf ihnen allen.“ (Apostelgeschichte 4,32 – 33)

Damit erfüllte diese Gemeinde in Jerusalem das Gebet von Jesus vor seiner Kreuzigung: s. Johannes 17. Es ist gut, das ganze Kapitel zu lesen. Jesus betet hier sehr lange für seine Jünger und auch für uns, wenn wir seine Jünger sind. Ich möchte daraus nur diese Verse zitieren: 

„Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind – 

Ich in ihnen und du in mir – dass sie in eins vollendet seien, damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geleibt hast.“

(Johannes 17,22+23)

Verrückt! Als Christ werden wir von Gott dem Vater so geliebt, wie er seinen Sohn, Jesus Christus liebt! Und hier betet Jesus um die Einheit von uns Christen. Und Jesus wusste sicherlich, dass dies nicht so einfach ist. Selbst diese erste Gemeinde in Jerusalem bekam ernsthafte Probleme. Aber sie fanden eine gute Lösung und so wurde aus dem Problem eine Herausforderung, die sie weiterbrachte. Das ist ja auch das positive an Problemen: Sie können Herausforderungen sein, die ganz neue Wege ermöglichen. Dies gilt sogar für die Steinigung des Stephanus. Aber dazu später.

Die Gemeinde blühte auf, wie es wohl sich viele Christen heute wünschen. Es herrschte Harmonie. Aber die Bibel verhält nicht, dass sie bei all diesen Wundern auch Probleme hatten. Die Probleme wurden aber mit der Hilfe von Gott gelöst. 

Ich glaubte früher, dass wer treu Jesus nachfolgt, dass er dann keine wirklichen Probleme hat. Der Segen Gottes verhindere das. Das ist nicht ganz korrekt. Gott gebraucht manchmal Probleme, um uns weiterzubringen. Wir reifen an Problemen, wenn wir es lernen, richtig mit diesen Herausforderungen umzugehen. Damit sage ich nicht, dass wir bessere Christen würden. Oder, dass wir so näher bei Gott wären. Das wäre grosser Unfug.  Denn wir sind aus Gnaden errettet und sollten nun auch in Gnade leben und jede Form von Leistungsdenken ablegen. Wenn wir als Sünder zu Jesus gehen, dann werden wir durch seine Leistung am und ums Kreuz gereinigt, geheiligt, Gerecht gesprochen und zu Kindern Gottes. Nicht weil wir etwas taten. Sondern alleine, weil Jesus uns alles verdient hat und uns geschenkt hat. Gnade ist immer unverdientes Geschenk, sonst ist es nicht mehr Gnade, sondern Lohn.

Hier geht es um etwas anderes. Reifung in diesem Jammertal. Lernen von Gehorsam. Lernen, dass auszuleben, was wir von Jesus erhalten haben. In jenen Werken wandeln, die Gott vorbereitet hat. Wenn wir das tun, haben wir kein Lob verdient. Denn wir tun ja nur, was Gott vorbereitet hat. Somit gehört Gott alleine das Lob und die Ehre. Aber das ist nicht so schlimm, weil es uns von uns selber befreit und uns um Gott kreisen lässt. Und das „verrückte“ ist, dass unser Dreieiniger Gott genauso mit sich handelt. Dass heisst, Jesus verherrlicht den Vater. Der Vater verherrlicht den Sohn. Der Heilige Geist verherrlicht den Sohn usw. Und das Ziel unseres Christsein, ist uns von diesem Dreieinigen Gott, der ewig Mächtig und ewig Liebe ist, von diesem Allmächtigen Gott uns lieben zu lassen. Er wird uns dann auch am Ende unserer Tage auf dieser Erde verherrlichen. Und dann werden wir nur noch das Gute wollen. Jetzt ist alles geistlich da und doch noch die da. Alles noch ein wenig auf Hoffnung. Geistlicher Kampf und Vertrauen in Jesus üben.

Für die Gemeinde in Jerusalem wird es folgerichtig nun noch mehr Herausforderungen geben. Während sie Wunder erleben und in einem gewissen Sinne sich schon im Himmel fühlen – und tatsächlich ist mit dem ersten Kommen von Jesus das Himmelreich Gottes geistlich angebrochen, gibt es immer wieder Einschnitte von Probleme. Mit der Steinigung von Stephanus brechen die Dämme und die  ganze Gemeinde wird verfolgt. Die Gemeindeglieder werden aus Jerusalem vertrieben. Die harmonische Gemeinschaft wird empfindlich gestört. Der Schlimmste ihrer Feine ist Saulus. Ein religiöser Fanatiker. 

Stephanus macht nun etwas während seiner Steinigung, dass mich tief berührt: Er betet für jene, die so grausam verachten und töten! Vermutlich ist ihm bewusst, dass die Verleugnungen einige aufgebracht hat. Und dann war er in seiner Rede vor Gericht auch nicht gerade zimperlich mit Schuldaufdeckung. Es ist leider so, dass unsere menschliche Natur seit dem Sündenfall wohl die Fehler der anderen deutlich sehen kann. Aber mit der Erkennung der eigenen, haben wir sehr Mühe. Man könnte sogar sagen, wir sind für viele unserer Sünden blind. Aber wie könnten wir sonst auch anders leben? Unsere Seele muss unsere Sünden verdrängen, sonst könnten wir uns nicht im Spiegel betrachten. Dies wird erst möglich, wenn wir zutiefst wissen, dass wir mit unseren Sünden von Gott geliebt werden. Erst dann, wenn wir wissen, dass Gott dieses Problem gelöst hat, wird unsere Sünde zu einer positiven Herausforderung. D.h., dass wir sie erkennen und gerne Jesus bringen und loswerden wollen.

Dies weiss Stephanus zutiefst. Sicherlichh hat er diesen Prozess der Selbsterkenntnis, die auch eine Sündenerkenntnis über sich selber ist, durchgemacht. Darum kann er mit den Menschen, die ihm Unrecht antun, so barmherzig umgehen. Er weiss, dass er aus sich nicht besser ist, als jene, die ihn steinigen. Und zualldem wissen sie nicht einmal, wie unrecht sie handeln. Sie sind so verblendet. 

Stephanus macht aber nicht den unter Christen bekannten Fehler Unrecht zu verharmlosen. Dies beweist seine Rede vor Gericht, wie auch sein Satz:
„rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“

Es ist auch für Stephanus eine Sünde, die ihm angetan wird. Es ist unrecht. Aber er muss so viel Liebe für sie haben, dass er nicht auf sein Recht der Rache beharrt. Als gottesfürchtiger Mensch hätte er auch das Recht zu sagen, dass Gott sich an ihnen rechen soll. Er tut es aber nicht. Sondern betet für sie. Das ist zutiefst beeindruckend.

Während der Steinigung steht Saulus dabei. Und ihm gefällt es, wie Stephanus gesteinigt wird. Danach setzt er sich ein, die Christen persönlich zu verfolgen. Und auch für diesen von Hass zerfressenen Saulus betet Stephanus. „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!“

Wir wissen es, Jesus selber wird dieses Gebet auf eine ganz besondere Art erhören. Als Saulus auf dem Weg nach Damaskus ist, um auch dort die Christen zu verfolgen, wird er von Jesus Christus vom hohen Ross geholt. Jesus blendet ihn und fragt ihn, warum er ihn, Jesus, verfolge.  Später wird Saulus zum grössten Missionar der Christen. Die meisten Briefe im neuen Testament sind von ihm geschrieben. Sein hebräischer Name lautet Saulus und sein griechischer Name ist Paulus. Auf eine besondere Art ist er sogar einer der zwölf Apostel geworden.

Damit Paulus zu diesem Mann Gottes wurde, gebraucht Gott übrigens auch einen Leviten Namens Barnabas. Er fördert Paulus. Barnabas ist ein derart begnadigter Förderer , dass er auch mit der Zeit hinter Paulus zurücktreten kann. Dies wiederspiegelt sich sogar in der Apostelgeschichte: Anfänglich wird immer zuerst Barnabas vor Paulus oder Saulus genannt. Später dann wechselt dies und Paulus wird vor Barnabas genannt. Und wer kennt heute Paulus nicht? Aber wer kennt Barnabas? Gott kennt ihn! Später wird sogar diese barmherzige Förderungswille einen Streit zwischen Barnabas und Paulus auslösen. Paulus als Choleriker wolle einen Versager, der ihn enttäuscht hatte, nicht mehr auf eine Missionsreise mitnehmen. Barnabas bestand darauf, dass man diesen Mann weiter fördere. Schlussendlich ging Barnabas mit diesem Mann auf Missionsreise und Paulus wählte sich einen anderen Begleiter aus. Interessant ist, was aus diesem Versager geworden ist: Er hat dann später das Markus-Evangelium geschrieben. Barnabas hatte also recht behalten. Auch Paulus musste dies noch lernen… So schreibt Paulus, der von seinem Charakter her soviel mit seinem Willen glaubt erreichen zu können:

„Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn (meine) Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne.
Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Aengsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ (2. Korinther 12,9-10)

Paulus hat also von Gott gelernt, dass Gott durch seine Schwachheit wirken kann. Dass muss für einen Choleriker eine ganz schwere Erkenntnis sein. Zugleich ist es auch eine Befreiung! Und das merkt man diesem Text von Paulus an: Gott kann viel mehr, als Paulus mit seiner Kraft. Und es ist auch eine Entlastung: Paulus darf schwach sein, damit Gott wirken kann.

Und auch in der Schwachheit und Verfolgung dieser ersten Gemeinde wirkt Gott: Mit den Vertriebenen geht das Evangelium hinaus aus Jerusalem in die Welt. Und in einem gewissen Sinne hat der Ausbruch dieser Verfolgung, die Steinigung von Stephanus, schlussendlich sogar Paulus gerettet. Was für ein Mann war dieser Stephanus!

Es heisst über ihn:

Στέφανος δὲ πλήρης πίστεως καὶ δυνάμεως ἐποίει τέρατα καὶ σημεῖα μεγάλα ἐν τῷ λαῷ.

Uebersetzung laut Elberfelder: „Stephanus aber, voller Gnade und Kraft, tat Wunder und grosse Zeichen unter dem Volk.“ (Apostelgeschichte 6,8)


PS: Der Lehrer von Paulus hiess Gamaliel. Er hatte als Pharisäer eine ganz andere Haltung als sein Schüler Paulus. In Apostelgeschichte 5,34 ff wird erzählt, wie er im Hohen Rat, der damaligen Kirchenleitung (d.h. Judentum) des Alten Bundes in Jerusalem aufstand und zur Mässigung gegen die Christen aufrief. Obwohl Jesus gerade die Pharisäer so stark angegriffen hat, hatte es Gelehrte unter ihnen, die die Grösse hatten, sich die Kritik von Jesus anzuhören und es richtig einzustufen. Und das ist nicht eine kleine Leistung, da wir Menschen berechtigte Kritik für gewöhnlich nicht gerne hören und gerne aggressiv darauf reagieren.
 Im ersten christlichen Konzil der Christen in Jerusalem gab es übrigens auch viele ehemalige Pharisäer. Und auch diese stimmten dann der Lösung zu, dass die nichtjüdischen Christen nicht zuerst Juden werden müssen, bevor sie Christen werden konnten.
Als ich als Teenager Christ wurde, hätte ich eigentlich auch erwartet, dass man zuerst Jude werden müsste, um dann Christ sein zu können. Es ist eine logische Folgerung aus dem Alten Testament. Aber Gottes Logik ist noch logischer: Seine Gnade ist so gross, dass sie allen gilt, die Glauben. Juden wie Nicht-Juden. 

Nicht-Juden werden oft als Heiden oder Menschen aus den Nationen angesprochen. Das ist nicht entwürdigend. Sondern einfach eine realistische Beschreibung: Die Juden sind das physische von Gott auserwählte Volk. Abgesondert und darum auch mit speziellen Geboten geehrt, die Heiden wie ich, nicht halten müssen. Ich darf zum Beispiel Schweinefleisch essen…  So wie es wohl zu früheren Zeiten auch andere Gottesfürchtige Leute durften. Aber es gab auch eine Zeit, wo der Mensch kein Tier gegessen hat. Dies war sicherlich so vor dem Sündenfall, wo kein Tod herrschte. Offiziell erlaubt wurde das Essen von Tieren aber erst einige Zeit nach dem Sündenfall (s. Mosebücher). Interessant ist, dass die Menschheit schon lange vor dem Bund am Sinai wusste, dass es reine und unreine Tiere gab. Noah zum Beispiel war dieser Unterschied sehr klar. Es ist daher logisch, dass Gott dann später bei der „Erschaffung“ seines jüdischen Volkes sie besonders ehrte, indem er ihnen das Essen der unreinen Tiere verboten hatte. Zu diesen unreinen Tieren, wie bereits erwähnt, gehört auch das Schweinchen. 

Ueberhaupt lehrt uns Gott durch das Alte Testament viel über sich, seine Heiligkeit, seinen Himmel, seine Wertvorstellungen. In Christus wird dann dies alles erfüllt.

Sonntag, 13. April 2014

Nur wer glaubt wird seelig?

Nur wer glaubt wird selig?

Eine interessante Sendung des WDR's.

Zuerst berichtet jemand, wie er zum Glauben an Gott gefunden hat. Danach diskutieren sechs Personen über ihren Glauben. Wobei drei nicht an einen Gott glauben und drei an einen Gott. Zu letzteren gehört ein römisch-katholischer Bischof, eine ehemalige Muslimin und ein gläubiger Rocker/Motorfahrradfahrer. Letzter kommt vorallem am Ende zur Sprache und beeindruckte mich sehr.

Aber auch die anderen Teilnehmer sind interessant. Die gesamte Sendung ist bemerkenswert.

Die drei Gläubigen entsprechen nicht dem gängigen Bild von Christen. Sie representieren eine grosse Breite des "realexistierenden" Christentums.

U.a. finde ich die Bemerkung eines Atheisten erwähnenswert, der die Meinung äusserte, dass man nur als Atheist ein freies und selbstbewusstes Leben führen könne. Die Christin versicherte ihm daraufhin, dass sie als Christin eben ein solches Leben führen kann. (Sie fand sich gar nicht von ihm verstanden.) Der Atheist versuchte dann zu erklären, dass es nur daher käme, weil sie früher Moslemin gewesen sei. Nach meiner Meinung wollte (oder konnte?) er nicht sehen, was ganz offensichtlich vor ihm war: Eine selbstbewusste Frau. Vermutlich hätte es seiner eigene Ueberzeugung zu fest widersprochen, als dass er seinen eigenen Augen glauben hätte können. Schade für ihn. Aber interessant war es dennoch. Eine der Atheistin, die auch Fernsehmoderatorin war, war mir sehr sympatthisch. Sie hatte auch keine Hemmungen festzustellen, dass alle in diesem Gespräch etwas glauben: Die einen glauben an Gott, die anderen glauben nicht an Gott, dafür an anderes.

Wenn ich mich recht erinnere, äusserten alle drei Atheisten, dass sie enttäuscht wurden. Vorallem die zwei Frauen konnten von realen Erlebnissen berichten. Eine grosse Tragödie. Ich wünsche ihnen, dass Gott ihnen ermutigend begegnet..

Diese Sendung ist toll. Die Unterhaltung war fair geführt, was der persönlichen Aeusserungen auch geschuldet war. Ich möchte an disem Platz dem WDR und dem Moderator einen grossen Dank aussprechen.




Nehemia 2. Teil

Interessant ist es zu beobachten, was nun geschieht, nach der Herausforderung des Mauerbaus (der gesunden, schützenden Mauern).

Es ist logisch, dass sich unter diesem Schutz die Stadt ökonomisch und geistlich entwickeln konnte. Dazu gehörte, dass in der Bibel gelesen wurde. In Kapitel 8 wird berichtet, wie sie dem Wort Gottes zuhören und wie sie dies getroffen hatte. Es wurde ihnen bewusst, was sie und ihre Vorfahren an Fehlern begangen haben. Interessant ist nun, wie die Leiter reagierten: Sie erhoben sich nicht gegen sie, sondern ermutigten sie:

"Gehet hin, esset Fettes und trinket Süsses und sendet Teile davonauch denen, die nichts für isch zubereitet haben, denn dieser Tag ist unsserm HERRN heilig, darum bekümmert euch nicht,

DENN DIE FREUDE AM HERRN ISTT EURE STAERKE!

Und die Leviten beruhigten alles Volk und sprachen: Seid stille, denn der Tag ist heilig; bekümmert euch nicht!"

(Nehemia 8,9b-10)

Es ist wie bei einer Erweckung: Die Gläubigen werden von der Realität der Sünde überführt und getroffen. Dann erleben sie die Barmherzigkeit Gottes, wie er sie doch in dem allem liebt. Er hat schon lange darauf gewartet, vergeben zu können. Aber wie oft laufen wir davon und wollen uns nicht von der Realtität des Wortes Gottes treffen lassen (bezw. können es gar nicht.) Und dann bricht das Licht herein und alles wird gut.
In Jerusalem erleben sie dies sehr tief und in mehreren Wellen. Ab Nehemia 9,28 (in anderen Bibeln auch Nehemia 10,1) beschliesssen sie, einen neuen Bund, eine feste Abmachung mit Gott zu schliessen.

Laut Nehemia 10,29 (besonders in Bezug mit Esra) könnten auch nicht Juden sich den Juden angeschlossen haben und sich in diesen Bund mit Gott hineinnehmen lassen. Danach wird die Geschichte der Menscheit und des Volkes Gottes zusammengefasst: Es ist Gott der gibt und würdig wäre dafür Dank zu erhalten, aber sobald es den Menschen  gut geht, werden sie übermütig und lassen Gott links liegen und tun Gott weh. Dann geraten die Menschen in Schwierigkeiten und schreien zu Gott. Gott erhöhrt sie und hilft ihnen. Sobald es ihnen wieder gut geht, glauben sie Gott nicht mehr nötig zu haben und tun ihm wieder weh. So geht es hin und her. Auch dieser neue Bund wird dann wieder gebrochen und Nehemia wird flippt aus. Während Esra in einer ähnlichen Situation sich selber die Haare ausrauft und für sein Volk Busse tut, rauft Nehemia den anderen die Haare. (Ein interessanter charakterlicher Unterschied).

Zuletzt wird das Heilig sein, und sich von der Welt abgrenzen wichtig. Es wird beschrieben, wie sie sich sogar von Frauen trennen, die sie von Gott abhalten.
Vermutlich gab es auch Frauen aus anderen Völkern, die sich zu Gott hielten und diese Ehe wurden sicherlich nicht geschieden. Es gibt ja sogar ein Buch Rut, wo von einer solchen Frau geschrieben wird: im alten Testament / im jüdischen Tenach.

Zugleich sind diese zwei Bücher Nehemia und Esra (die vor Origenes als ein Buch galten)auch ein Neuanfang Gottes mit seinem Volk. Dies drückt sich auch im Begriff Jude aus. Vorher sprach man von Israel als Gottes Volk, danach bildete sich der Begriff Jude. Das kam daher, dass Isaarel nach dem König Salomo in zwei Königreiche gespalten war. das Nordreich, Israel,  mit den meisten Stämmen wurde zuerst zerstört. Danach das kleinere Südreich, Judäa. In Judäa waren vorallem die Stämme Juda und Benjamin sowie die Leviten. Daher war es wohl logisch vom Stamm Juda auf Judentum zu schliessen. Gleichzeitig erklärt dieses Buch auch, warum sich das Judentum zur Zeit Jesu so entwickelt hatte: Die Abgrenzung wurde mit der Zeit sehr stark betont. Die Pharisäer wollten es nun richtig machen. Dies führt zur Gefahr der Gesetzlichkeit, mit dem sich Jesus sehr stark auseinandersetzte. Hier sehen wir wieder, wie schwer es ist, die gesunde Balance zu halten. Wir Gläubige neigen dazu, von einem oder dem anderen Pferd hinunter zu fallen: Entweder wir werden untreu und nehmen Gott und sein Wort nicht mehr ernst, oder wir kippen ins andere Extrem und werden gesetzlich. Dabei wird das Gesetz zu einem Mittel missbraucht, um unsere (zum Teil auch unbewussten) Verlangen sich selbstgerecht zu verhalten. Wer es genau betrachtet, wird feststellen das die Gesetzlichkeit und Gesetzlosigkeit in ihrem Wesen nach sehr ähnlich sind: Wir lösen uns von Gottes Liebe und wollen ohne Gottes Liebe leben. Dabei verletzten wir Gott, andere Menschen und auch uns selber.
Gott will das aber nicht, darum hat er in aller Klarheit seinen Sohn gesandt, damit wir an ihm erkennen können, wie barmherzig und liebevoll Gott ist. Aber schon im Vorfeld hat dies Gott gezeigt. Ein Beispiel ist das Buch Nehemia. Dabei ist Gott so ehrlich, dass er uns auch über die Realität dieser Welt aufklären möchte: Unser Handeln hat Konsequenzen für uns und andere. Wir sollen dieser Verantwortung bewusst werden. Dazu gehören auch gesunde Mauern und gesunde Gesetze und die Einsicht, dass wir es selber nicht machen können. Dazu gehört auch Busse zu tun, d.h. zuzugeben, wo wir diese Verantwortung nicht gelebt haben (und das werden wir bis zu unserer Verherrlichung beim Wiederkommen Jesu oder unserem Tod immer tun).
Wenn wir so zu Gott gehen, dann werden wir die Barmherzigkeit und Liebe Gottes erleben: Weil er uns liebt, auch wenn wir Sünder sind. Wichtig ist nur, dass wir zu Jesus Christus kommen. Wenn wir dann bei ihm sind, wird er uns lieben und in seiner Liebe  werden wir Gutes tun lernen: an uns und an unseren Nächsten. Wir werden selbst über unsere guten Werke Busse tun, weil wir erkennen werden, wieviel besser es Gott meint. Wir aber bleiben Menschen, die auf unverdiente Liebe angwiesen sind. Und dies ist so herrlich: Mich liebt Gott! Punkt! Danke lieber Heiland, für diese überschwängliche Liebe zu mir. Und jeder der zu Jesus geht, darf sich dessen sicher sein..

So segne Sie der Allmächtige. Der Schöpfer aller Dinge. Der Gott, der auch sie erschaffen hat und mit Würde ausgestattet hat! Der für Sie ans Kreuz ging, damit alles gut werde - in Ewigkeit! Sagen Sie ihm Dank dafür. Jesus Christus ist würdig von uns Dank und Lob zu erhalten. Gott der Vater ist würdig diesen Dank zu erhalten. Danke lieber heiliger Geist für Dein Wirken, dass oft so still ist, dass wir es kaum bewusst sind!

AMEN, so sei es.

PS: Nehemia macht dies alles für Gott und spricht es sogar dann auch aus, dass er von Gott erbittet, dass es ihm vergolten wird. In seinem Charakter ist es seine Art zu sagen, wie er auf Gott angewiesen ist: Er möchte von Gott bekommen, was er nicht selber schaffen kann. An diesem Punkt müssen wir aufpassen, wenn wir ähnlich "funktionieren": Gott liebt uns, bevor wir etwas getan haben. Es kann bei den Werken nur darum gehen, dass zu tun, was Gott schon vorbereitet hat. Dazu gehört, dass wir das tun, wofür wir von Gott begabt wurden und unsere Gaben Gott wieder geben. Damit verbesseren wir aber nicht unsere Beziehung zu Gott. Die hat Gott ja mit dem Kreuzestod wieder hergestellt. Das ist ganz wichtig. Sonst glauben wir, wir können mit Leistung uns Gott wohlgefällig machen oder uns mit Leistung Gott nähern. Dabei ist es gerade umgekehrt: Es ist Gottes Leistung, damit wir Gott nahe sein können. Und ihm allein gehört der Dank.
Dabei dürfen wir uns mit den Gaben, die wir von Gott erhalten haben, frei entfalten. Wir dürfen dankbar sein, für alles war wir haben und sind, weil es uns Gott gegeben hat. Dazu gehören auch gute Werke, die aber, wenn wir sie im Lichte Gottes betrachten, auch immer noch Heiligung brauchen. Denn wir sind immer noch Sünder und Heilige und daher ganz auf Jesus Christus angewiesen.