Samstag, 7. März 2015

Eschatologie

Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen oder wie es der kleine Duden für Fremdwörter beschreibt: Lehre vom Endschicksal des einzelnen und der Welt (Rel.), eschatologisch:  die Letzten Dinge, die Eschatologie betreffend.

Hier ist eine Betrachtung auf Englisch, der den Amillennialismus vertritt.



Zum Thema Eschatologie kann ich auch das Buch von Roland Hardmeier "Zukunft. Hoffnung. Bibel. Endzeitmodelle im biblischen Vergleich" empfehlen. Wie im You Toub Beitrag, gibt er auf Seite 16 eine einfache Uebersicht dieser Varianten. Hardmeier zeigt es so und damit etwas detaillierter auf:

Grundmodelle:                         und ihre Varianten:

Amillennialismus                      klassischer Amillennialismus
                                                 präteristischer Amillenialismus

Prämillennialismus                   klassischer (historischer) Prämillennialismus
                                                 dispensationalistischer Prämillennialismus

Postmillennialismus                  klassischer Postmillennialismus
                                                     päteristischer Postmillennialismus

Das gesamte Buch befasst sich mit diesen Endzeitmodellen. Auf Seite 16 gibt er einen ultrakurzen Abriss dazu:

Amillennialisten erwarten kein (a-) irdisches Tausendjähriges Reich. Sie glauben, dass die tausend Jahre von Offenbarung 20 symbolisch für die gegenwärtige himmlische Herrschaft Christi sowie das Gemeindezeitalter stehen. (Anmerkung von mir aus "Der Tempel aller Zeiten von Gregory K. Beale, s. Seite 15 und 10. Dies bedeutet, dass das Reich Gottes mit Jesus Christus angebrochen ist. Das passt auch gut zum jetzt schon und noch nicht Aspekt  oder der inaugurierten Eschatologie. Siehe u.a. dazu auch Hebräer 12,22-24, wo der Neue Bund mit dem Alten Bund verglichen wird: "Ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, der Festversammlung; und zur Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten; und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zu dem Blut der Besprengung, das besser redet als das von Abel.)

Prämillennialisten erwarten die Wiederkunft Christi vor (prä-) dem Tausendjährigen Reich. Sie glauben, dass das Tausendjährige Reich eine länger geschichtliche Epoche zwischen Wiederkunft und Vollendung ist.

Dispensationalisten erwarten die Wiederkunft Christi ebenfalls vor dem Tausendjährigen Reich. Sie glauben, dass sich im Tausendjährigen Reich die an Israel ergangenen Prophezeiungen in vollem Mass erfüllen werden.

Postmillennialisten erwarten die Wiederkunft Christi nach (post-) dem Tausendjährigen Reich. Sie glauben, dass sich das Tausendjährige Reich im Laufe der Geschichte Bahn bricht und der grösste Teil der Menschheit für Gott gewonnen wird.

Präteristen glauben, dass  die grosse Trübsal im ersten Jahrhundert n.Chr. stattfand und beziehen auch die Offenbarung des Johannes auf diese Zeit. Der Präterismus führt zu einer ähnlichen optimistischen Sicht wie der Postmillennialismus.

Ich habe mich lange Zeit nicht mit der Offenbarung und der Endzeit beschäftigt. Das, was ich so hörte, schien mir viel zu spekulativ. Dieses Buch und auch der You Toub Beitrag gehen gründlich an dieses Thema heran. Wobei der You Toub Beitrag den Amillennialismus erklärt, während das Buch alle diese Modelle gründlich erklärt. 

Was hat dies aber mit uns und unserem heutigen Leben zu tun?
Sehr viel. Je nachdem, was wir glauben, werden wir positiver oder pessimistischer unser leben hier auf Erden gestalten. Entweder werden wir Gottes Wirken durch die Zeit erkennen und uns dankbar in Gottes Hände begeben oder aber wir werden zu einer kleinen verängstigen Gruppierung, die auf eine schreckliche Zeit wartet. Ersteres ist mir sympatischer. Und einige der Modelle unterstützen dies, während andere den Pessimismus und damit auch eine Machtlosigkeit Gottes unterstellen.

Ich habe mich noch nicht so intensiv mit den verschiedenen Endzeitmodellen auseinander gesetzt. Sicher ist, dass man das gesamte Neue UND Alte Testament für diese Betrachtung heranziehen muss. Eine Beschränkung auf eine Bibelstelle, wie zum Beispiel Offenbarung 20 widerspricht dem reformatorischen Prinzip, dass sich die Bibel selber auslegt. Meine bisherige oberflächliche Betrachtungsweise stützt sich auf Aussagen, die Jesus gesagt hat, dass das Reich Gottes im Herzen der an ihn Glaubenden heranbricht. Hebräer (s.o.) 12,22-24 verdeutlicht dies auf eine grandiose Art, was mit Jesus und seinem Leben und Sterben angebrochen ist. Daher neige ich zur inaugurierten Eschatologie und zum Amilliannismus: Jesus Christus regiert. der Teufel ist gebunden. Wir, die Gläubigen sind der dritte Tempel Gottes, weil der Dreieinige Gott in uns wohnt. Die unsichtbare Gemeinde/Kirche ist ebenfalls der Tempel Gottes. Wenn wir beten, treten wir vor Gott im Himmel, wie es der jüdische Tempel einst symbolisierte und uns aufzeigte. Leben verändern sich und erleben Heil und Heiligung. Ganze menschliche Gesellschaften werden in Liebe und Wertschätzung umgestaltet.  Dies alles ist angebrochen, doch auch das Alte ist noch da. Noch gibt es Tränen und Krieg. Der Teufel ist gebunden, aber er schlägt in seiner Verzweiflung wild um sich. Aber mitten im Krieg und einer der grössten Christenverfolgung entsteht neuer Glaube und liebevolle Taten. Mitten im Reich der Finsternis herrscht doch das Gute und nichts geschieht, dass Gott nicht überragt. 

Es ist eine Zwischenzeit: Das Neue ist angebrochen, aber das Alte ist auch noch da: In 
unserer Welt und sogar in den Wiedergeborenen selber (s. Römer 7 und 8 zum Beispiel). Gerade weil Gott im Leben eines Wiedergeborenen etwas Neues geschafft hat, ist der geistliche Kampf so heftig. Mögen (noch) nicht gläubige Philosophen von ihrer Zerrissenheit zwischen Bösem und Gutem klagen, als wahrer Christ ist die Diskrepanz um ein vieles grösser! Weil nun der wirklich Gute Gott in ihm wohnt und das Alte immer noch da ist. Daher können wahre Gläubige den gleichen Misst machen, wie alle anderen. UND darum sind wir wirklich nicht besser als alle anderen. Aus uns sind wir gleich verloren. Daher nützten all unsere Anstrengungen nichts, um wirklich Gutes zu tun oder gar uns wirklich Gut zu machen. (Eine gute Tat ist noch nicht wirklich gut Sein.)
Natürlich schaffen auch unsere unvollkommenen guten Werke eine angenehmer Welt, sofern wir sie nicht überhöht werden. Denn was könnte schlimmer sein, als eine selbstgerechte gute Tat, die von Hochmut stinkt? (Bsp.: Eine übertriebene und erdrückende Liebe schafft nicht Leben, sondern benutzt den anderen für seine selbstsüchtigen Triebe. Damit ist nicht die hilflose Liebe eines Babys gemeint. Diese "egoistische" Liebe ist gerade in ihrer Einfachheit und Bedürftigkeit viel edler, als manch "unegoistische" Liebe. Vielleicht auch darum sagt Jesus, dass wir wie Kinder werden sollen... )
Daher dürfen wir auch hier christliche Hedonisten sein und uns von Gott beschenken lassen. Bis wir so beschenkt sind, dass wir nicht mehr die Gaben und Werke von Gott sehen, sondern Gott selber! Damit wir Gott wegen seiner grandiosen Liebe zu uns beginnen zu lieben. Denn die grösste Gabe, die uns Gott geben kann, ist Gott Wert zu schätzen und ihn zu lieben. 
Wir mögen dies in dieser Zwischenzeit nie vollkommen erreichen. Aber es ist angebrochen und Jesus Christus wird es bei seinem zweiten Kommen sein gutes Werk in uns vollenden, dann wenn er uns an Leib und Seele verherrlicht! 

Gebet:

Ja lieber Heiland komme bald. Komme jetzt in unsere Herzen. Beschenke uns, dass wir wirklich leben. Dass wir zur Ruhe kommen von unseren eigenen Werken. Damit wir in Deinen Frieden eingehen und leben. Hilf unserer Unzulänglichkeit. Mache aus unserem Misst etwas Fruchtbares und Gutes! Danke Herr, machst Du das!

Danke vergibst Du meine vergangen, aktuellen und zukünftigen Sünden. 

Danke bist es Du, der mich liebt. Hilf mir, dass ich dies immer weniger vergesse und in diesem Bewusstsein lebe!
Lass mich auf Dich sehen und nicht auf die Probleme! Hilf mir die Probleme Dir zu geben. Hilf meinem Unglauben. Denn die Probleme sind Chancen für Dein Wirken, Herr, mein Meister und Gott!

Dir allein gehört die Ehre in Ewigkeit.

Danke bin ich so uneigennützig von Dir geliebt und Wert geschätzt. Danke für diese Würde, die Du mir und allen Menschen zusprichst. Und wenn ich sterbe oder Du wieder kommst, lieber Heiland, dann werde ich sehen, was ich jetzt hoffe und glaube. Das, was jetzt schon begonnen hat, wird dann für alle sichtbar! Danke Herr!

Und hilf mir Herr, dass ich nicht Deine Gaben suche, sondern Dich!

Amen



Das Buch der Mitte von Vishal Mangalwadi (Dritter Bericht)

Das Buch der Mitte von Vishal Mangalwadi (Dritter Bericht)

Auf Seite 243 geht er auf den Nationalismus ein. Dabei unterscheidet er den sekularisierten, egoistischen Nationalismus, wie er im 19. und 20. Jahrhundert schrecklich wirkte. Er beschreibt aber - und das ist interessant - einen biblisch begründeten und demütigen Nationalismus, der sich selbstkritisch hinterfragt und die eigene Kultur als Reichtum unter anderen Kulturen und Nationen versteht. Dabei wird die Unterschiedlichkeit als ein Reichtum Gottes geschätzt. Wie weit nun ich meine Gedanken in diese Interpretation einfliessen liess, bitte ich zu überprüfen. Auf jedenfall wirkte der Zugang für die Massen zur Bibel in der Reformation eine Demokratisierung des Wissens und die Entstehung von Nationen.
Interessant ist hierzu auch ein Betrag im ZDF. Es beleuchtet allerdings, dem Titel gemäss, sehr stark der Einfluss der Bibel auf die Entstehung von Deutschland. Im Film selber wird der Einfluss der Bibel manchmal mit Luther "verwechselt", der die Bibel ja "nur" ins Deutsche übersetze. Diesen Film habe ich auf meinem Blog "http://www.filmund.blogspot.com/" am 7.3.15 ebenfalls beschrieben. Zudem findet man dort auch die Verknüpfung zum Film auf Youtub. Der Film veranschaulicht eigentlich das, was Mangalwadi hier allgemein schreibt, anhand der Entwicklung in Deutschland während der Reformationszeit.

Ab Seite 253 wendet sich Mangalwadi dem Einfluss der Bibel auf die Literatur zu. Dabei vergleicht er auch den Einfluss der klassische Literatur der Griechen und Römer mit dem asiatischen Buch der Bibel. "Die frappierende Einfachheit bestätigt, vielmehr die Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit der Schrift: Die biblischen Berichte sind Wahrheit und keine Mythen. Ihre Wirklichkeitsnähe ist eben nicht ausgeklügelt, sie sind nicht dem Einfallsreichtum eines Künstlers zu verdanken." (Seite 255 folgert er und fasst damit seine Gedanken über den Wahrheitsgehalt der Bibel zusammen.
Dazu gehört auch, dass er als Erwachsener zunächst einmal schockiert war, als er das erste Buch Mose las: Wie verschüchtert doch Abraham und Isaak waren. Im indischen Epos Ramayana tritt der Held ganz anders auf. Dies wurde dann auch als eine Grundlage für den Film "Avatar". Auf Seite 256 zitiert er auch Erich Auerbach, der ebenfalls zwischen Homers Odysseus und Abraham machte: Entweder ist der biblische Bericht war, oder aber "ein bewusster Lügner sein, kein harmloser Lügner wie Homer, der log, um zu gefallen, sondern ein zielbewusster, politischer Lügner, der im Interesse eines Herrschaftsanspruchs log."

Auf jedenfall kommen die biblischen Helden im Gegensatz zu den klassischen, uns sehr nahe. Denn Gott schreibt mit "normalen", sündhaften Menschen seine Geschichte. "Die Bibel besass auch deswegen diese einzigartige Position, weil sie immer wieder Denker aus unterschiedlichen Kulturen befähigte, die Welt, in der sie lebten, zu verstehen. Der biblische Bericht setzt am Anfang an, beleuchtet mit realistischem Blick das Böse - seine Ursachen, die schrecklichen Folgen und das Heilmittel dagegen - und schliesst mit der prophetischen Schau einer herrlichen Zukunft." (Seite 257)

Dabei sind Charakterveränderung und -entwicklung in der Bibel wichtige Themen. "Homers Helden ändern sich nicht, Jakob sehr wohl." (Seite 257)

Er geht dann darauf ein, wo überall in der Literatur die Bibel Einfluss nahm. U.a. beschreibt er, wie Dr. Louise Cowan ihren Kinderglauben durch ihre Universiätsstudium zu hinterfragen begann. Ihre eigenen Vorlesungen über Hamlet öffneten ihr die Augen für biblischen Glauben und biblischen Heldenmut. Mittlerweilen nimmt die Zahl der Wissenschaftler zu, die Shakespeare dem christlichen Glauben zuordnen (Seite 262). Und die Nachwirkungen scheinen sogar bis heute in der Literatur zu bemerken. Er nennt Beispiele von Stephen King, was mich überraschte. (Seite 270 - 271).

Auf jedenfall liesst Herr Khushwant Sing (geb. 1915), ein säkularer Sikh, der über viele Jahrzehnte an der Universität in Delhi englische Literatur lehrte, täglich mindestens zwei Kapitel in der Bibel, da niemand die englische Literatur verstehen könne, ohne die Bibel zu kennen. (s. Seite 253)

"In 'Puritans as Democrats' kommt der Historiker Jacques Barzun zu dem Schluss, dass die sozialen und wirtschaftspolitischen Reformen, die unsere Zeit der Aufklärung zuschreibt, tatsächlich aus der Bibel stammt." (Seite 266) Das sie diese in einer religiösen Sprache verpackten, mögen sie viele nicht mehr lesen. Aber in der frommen Sprache liegt es vergraben: "... gingen auch mit der Zukunft schwanger. Die Sekten und ihre Führer gliederten sich in Puritaner, Presbyterianer (= Reformierte, meine Anmerkung) und Unabhängige auf und waren soziale und politische Reformkräfte, die sich im Wesentlichen im Grad  ihrer Radikalität unterschieden." (Jacques Barzun, zitiert auf Seite 267)

"Angenommen, Barzun hat recht - haben dann weltliche Universitäten nicht mehrere Generationen zu der (irrigen) Annahme verführt, es seien die grossen Gedanken der Aufklärung gewesen, die die moderne Welt entstehen liessen?" (Seite 267) Als Antwort zeigt Mangalwadi etwas vom Leben von Herrn John Lilburnes (1614 - 1657). Als radikaler puritanischer Autor hielt er Menschenrechte hoch und forderte er sie ein. So stark, dass er selber ins Gefängnis kam. Barzun schreibt u.a. dazu:
"Sein Nachteil ist, dass, obwohl er das Naturrecht beschwört, seine Argumente voller Biblizismen sind." (Seite 267)

"Moderne Historiker schaffen es wegen ihrer Befangenheit nicht, diese Gedanken den puritanischen Schriften zuzuschreiben, aus denen sie in Wirklichkeit stammen, sondern leiten sie lieber von säkularen quellen ab. Man führt den freien Handel lieber auf Adam Smith zurück als auf Lilburnes Erörterung des Gleichnisses von den Talenten. Aufgrund ihrer Voreingenommenheit sehen sie auch John Locke als Urheber des Gedankens, dass alle Menschen frei und gleich geboren sind, und nicht einen in ihren Augen obskuren Wiedertäufer-Prediger." (Seite 268)

Am Schluss dieses Abschnitts folgert Mangalwadi:
"eine Ablehnung der Bibel hingegen mündet in moralischer und intellektueller Anarchie. Deshalb suchen Muslime der  zweiten Generation im Islam nach einer Möglichkeit, das Vakuum zu füllen, das durch die säkulare Bildung entstanden ist." (Seite 272)

Dies bestätigt mein eigener Eindruck dazu.

Die eigene Verwirrung und Orientierungslosigkeit des Westens treibt die Welt in ihre alten Traditionen, Religionen und Ideologien.
Leider hat der Westen die Türe zu ihrer eigenen biblischen Grundlage in intellektueller Weise zugeschlagen.
Möge Gott es schenken, dass es andere (oder auch der Westen selber) wieder öffnen, wie es Mangalwadi als Inder macht.



PS: Warum schaft es die EU bis heute nicht, ihre Institutionen sauber demokratisch aufzustellen? Vielmehr scheinen Intellektuelle und Politiker das Sagen zu haben, während die Bevölkerung eine Statistenrolle zu spielen scheinen. Das ganze wird nicht von Unten getragen und inspiriert, wie es sich für eine echte Demokratie gehört. Nur schon wie die EU auf Volksentscheide aus der Schweiz reagiert, zeugt von einem Demokratieverständnisdefizit. Nur wenn das Volk genau das entscheidet, was einem in die Tagespolitik passt, ist es achtenswert. (Ich rede jetzt nicht von unveräusserlichen Menschenrechten, wie sie die Bibel lehrt. Hier hat jede Regierung und Demokratie ihre Grenzen. Aber ich meine generell die Haltung und den Aufbau der Institutionen. Und auch ganz konkrete Entscheide, die man so oder so lösen könnte. Ein ganz banales Beispiel: Wie wurde die Sommerzeit eingeführt? Oder wie wurde das Verbot der Glühbirnen demokratisch besprochen und dann nach  reiflicher Prüfung entschieden? War es nicht viel mehr ein einsamer Entscheid in Brüssel, vielleicht noch von Interessengruppen gesponsert? Unsere Schweizer Regierung konnte ja dann nicht anders, als diesen Unsinn zu übernehmen, anstelle es demokratisch auszuhandeln. Dann hätte man vielleicht gemerkt, dass die Einsparung der Energie durch das Verbot der Glühbirne gerade im kalten Norden mehr statistisch ist, als effektiv. Man muss ja so oder so in den meisten Monaten heizen. Zudem war der Ersatz durch Sparlampen alles andere als umweltfreudnlich, denn diese Dinger sind Sonderabfall und hoch giftig. Ihre Produktion und Entsorgung ist viel belastender als dies von Glühbirnen. Man hätte mit dem Verbot der Glühbirne mindestens solange warten müssen, bis andere Alternativen als die Sparlampen da gewesen wären. Aber wenn diese da gewesen wären, wären sie wohl von alleine als Ersatz angewandt worden. Dann hätte man ein Stück Freiheit bewahren können und immer noch die Möglichkeit gehabt, Glühbirnen mit ihrem besonders angenehmen Licht kaufen zu können. Und so könnte man noch andere Beispiele aufführen.)

Freitag, 6. März 2015

Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich


Ein interessantes Porträt über ihn findet sich auf Seite 16 und 17 im ideaSpektur 05.2015. Er ist ein Theologe, der das Leben aus verschiedenen Fassetten erlebt hat. So hat er mit 19 Jahren eine Krebsdiagnose erhalten. 

Nun mit 50 Jahren möchte er etwas kürzer Treten: "Ich machte die Rush Hour meines Lebens durch." Kürzer treten bedeutet, dass er ein für mich sehr erfreuliches Thema angehen will. Ich zitiere:

"Er will jetzt 'ein einjähriges Fasten ausrufen': Keine Vorträge mehr. Dafür endlich Zeit haben zum Bücherschreiben. Er möchte dem Gemeindeverständnis nachforschen, das stark geprägt sei von der Zürcher Reformation, aber auch mit dem helvetischen Hintergrund zusammenhänge. Eine ausgeprägte Kultur von unten nach oben. Doch diese Kommunen seien heute gefährdet - nicht nur die kirchlichen, sondern auch die Schul- und die politischen Gemeinden. 

'Es geht um den Zusammenhalt, um ganz Grundsätzliches.'"

Meine Gedanken dazu:
Reformierte Theologie entstand in der Auseinandersetzung mit vorallem kirchlichem Machtmissbrauch. Man entdeckte die Ekklesia (= Kirche, Gemeinde, im Französischen: église) als Gemeinschaft der wahlberechtigten Verantwortlichen. Daher haben alle reformiert geprägten Länder diese dynamische Kultur von unten nach oben. Es mag im Kanton Bern etwas hierarchischer zu und her gegangen sein. Dafür sind sie bis heute gemütlicher. Aber  Ausnahmen bestätigen die Regeln... Zudem waren es dort eher verschiedene mächtige mit sich konkurrierende Familien, die die Macht ausbalancierten.

Ich denke, es wird auch durch die Tendenz von Gemeindezusammenlegungen (politische Gemeinden) dieser Trend der Nähe der Politik und dem System von unten nach oben leider entgegen gearbeitet. Es gibt geradezu eine Tendenz des Zentralisierens und Professionalisierens. Oft mit dem Argument man fände keine Ehrenamtliche mehr - oder es sei professioneller und billiger. Tatsächlich aber sehen wir vielleicht eine Form der Europäisierung, d.h. Angestellte in weiter Entfernung übernehmen die Verantwortung. Dabei sind Entscheidungen und Problemlösungen vor Ort normalerweise effektiver und billiger. Zudem muss der Staat immer mehr Aufgaben übernehmen. Gleichzeitig gibt es eine starke Stossrichtung, die Steuern zu senken.

Selbst die Kirchen, welche sich im schweizerischen Kirchenbund zusammengeschlossen haben (Landeskirchen und einige wenige Freikirchen), wollen sich nun zu einer Kirche zusammenschliessen. (Es nimmt mich wunder, ob die methodische Kirche und die reformierte Freikirche in Genf da mitmachen?(1)) Es geht dabei sogar darum, dass dann ein Bischof  ausgerufen wird (2). In ihrer Konsequenz würde diese Kirche dann auch keine reformiert-evangelisch mehr sein, sondern nur noch eine evangelische. Zumindest hat man über diese Namensänderung diskutiert. (3) Ehrlich wäre es, da ja keine der reformierten Glaubensbekenntnisse angewandt werden. Oder wie es der Präsident des Schweizerischen Kirchenbundes, Herr Locher, einmal sagte: Die Bekenntnisfreiheit ist manchmal schwer von der Bekenntnislosigkeit zu unterscheiden. 

Laut Herr Ralph Kunz sei die reformierte Kirche in Zürich noch nicht so schlimm dran, wie die schottische: 

"'Schottland säkularisiert sich stark, die presbyterianische Kirche hat in den letzten 30 Jahren massiv Mitglieder verloren.' In der Schweiz seien wir noch nicht ganz so weit."

Ich kenne zwei Schwestern, die mit einem Alter von gut 90 Jahren noch in ihrem eigenen Haus leben. Sie meinten zur sozialen Entwicklung: "Ihr werdet es noch schwer haben." Ich hoffe, sie irren sich. 

Anhang:
(1) "Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK ist der Zusammenschluss der 24 reformierten Kantonalkirchen, der Evangelisch-methodistischen Kirche und der Église Évangélique Libre de Genève in der Schweiz." aus 
http://www.ref.ch/die-reformierten-kirchen/kirchen-institutionen/kirchenbund/

(2) Der Basler Kirchenratspräsident hat im Kirchenboten ebenfalls für ein Bischof geworben. Hier zu lesen: http://www.kirchenbote-online.ch/dedi/projekt01/index.php?idcatside=50&nid=2556
Meiner Meinung nach versteht die alte reformierte Theologie den Bischof als Aeltester. Die Gemeinde wird von einem Aeltestenrat (oder Kirchenpflege) geleitet. Einer der Aelteste hält dabei den Vorsitz und setzt das um, was gemeinsam beschlossen wurde. Wobei natürlich die Kirchgemeindeversammlung dieses Gremium wählt und damit die Oberaufsicht hat.
Calvin äussert sich in der Insitutio in etwa so. Wobei er der Meinung ist, dass für Ueberregionale Fragen, überregionale Räte, Synoden in der alten Kirche eingesetzt wurden. 

(3) Ich habe soeben die Schriften gesucht, wo dies berichtet wurde. Aber ich fand sie nicht mehr (Wahrscheinlich schon im Altpapier). Auch auf den entsprechenden Homepage des Kirchenbundes und des Kirchenbotes fand ich nichts. Was ich aber fand, ist unter:
http://www.reformiert.info/artikel_12725.html    zu finden.
Hier sieht man, wie über dieses Vorhaben gestritten wurde: "


SEK-Reform wirbelt die Kirchen auf
Kirchenbund/ Die geplante Zentralisierung der Schweizer Reformierten gefällt nicht allen Kantonalkirchen."
Dieser Beitrag vom 26.6.13 ist nicht ganz aktuell.

Nun fand ich doch etwas: 
http://www.ref.ch/gesellschaft-politik/reformierte-erhalten-gesamtschweizerisches-parlament/

Dies ist nun aktueller: 4.11.14 (das so etwas nicht in den Zeitungen kommt? Ist dies keine Meldung mehr wert? Oder habe ich sie nur nicht gesehen?:

"Die Reformierten Kirchen der Schweiz beschliessen die Errichtung einer Schweizer Synode. Kirche ist auch national – dieses Zeichen setzte die Abgeordnetenversammlung des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes in Bern."

Interessant ist dabei ein Leserbrief von einem, der für etwas anderes gestummen habe: Hansruedi Haru Vetsch:

"Ich glaube, ich war an einer anderen Abgeordnetenversammlung des anderen SEK, als die Reformierte Presse. Bei meiner Abgeordnetenversammlung haben wir kein neues Parlament/Synode beschlossen. Bei meiner Abgeordnetenversammlung wurde zum Kirche-Sein beschlossen: 
Die Abgeordnetenversammlung stimmt den folgenden Grundaussagen zum gemeinsamen Kirche-Sein zu:
a. «Die evangelisch-reformierte Kirche lebt als Kirchgemeinde (bzw. kirchliche Orts- oder Regionalstruktur), als Mitgliedkirche (bzw. Kantonalkirche) und als Kirchengemeinschaft.»
b. «Unsere Kirchengemeinschaft ist gesamtschweizerisch.»
c. «In Ergänzung zu den Synoden der Mitgliedkirchen hat die Kirchengemeinschaft eine Schweizer Synode.»
d. «Die Kirchengemeinschaft wird synodal, kollegial und personal geleitet.»
Das ist ermutigend und wie bei der "anderen Abgeordnetenversammlung" ein Meilenstein."
Es sieht so aus, dass vom eigentlichen Vorhaben sicherlich nur ein Teil umgesetzt worden ist. Irgenwie habe ich den Eindruck von einem Durcheinander. Aber vielleicht ist es auch der Ausdruck, dass man lieber von unten eine Reform hätte. 

Ich würde mir eine Reformation von ganz innen wünschen: Indem man die Bibel liest und Gott bittet dadurch zu reden. Dann kämen neue Impuls von ganz oben durch unten. (Die einzelnen Glieder würden zusammen wirken.) 

Dies  ist möglich. Gerade letzthin hatten wir eine interessante Diskussion. Dabei haben wir das Weltgeschehen sehr stark unterschiedlich gesehen. Danach lasen wir die Bibel. Aus einem Kapitel wurden drei Kapitel des Römerbriefes. Und wir bekamen von Gott Impulse, wo wir uns fanden und die unterschiedlichen Sichtweisen nicht mehr so wichtig waren.

So häftig habe ich dies auch einmal mit einer asiatischen Frau erlebt. Da ging es um unterschiedliche religiöse Betrachtungen. Sie sagte ihre Meinung und ich die meine. Ich wusste bereits etwas über ihre Haltung, da ich sie in einer Freikirche heftig mit einem Prediger und einem Aeltesten streiten sah. Rein theologisch war es wirklich anspruchsvoll. Ihre Haltung war eine Mischung aus vernöstlichem Gedankengut und biblischen Verständnis. Auf jedenfall schien es mir, dass sie wirklich das Wirken des Heiligen Geistes erlebt hatte. 
Also erklärte sie mir, wie sie den Menschen und Gott und die Welt sah und ich erzählte ihr meine Sicht. Dann lasen wir die Bibel und durften dabei dieses Sprechen von Gott erleben. Gemeinsam erkannten wir, wie es Gott gemeint hatte. Wir fanden Einheit, die Gott schuf. Es war so schön.  

Ein Wunder? 

Augustinus sprach über kleine Wunder und grosse Wunder: Wir sind eigentlich täglich von grossen Wundern umgeben. Die kleinen Wunder, dass seien Heiligungen und so. Die grossen Wunder aber, dass wir jeden Tag aufstehen können. Sehen können. Leben dürfen. Diese Wunder, sind immer da. Gerade ihre scheinbare Selbstverständlichkeit ist zu bestaunen.

Gebet:

Herr hilf uns, dass wir mit offenen Augen durchs Leben gehen. Dass wir Deine Wunder sehen können. Deine Liebe zu uns. Dein Wirken. 
Danke Herr, für Deine vielen Gaben. Dein Durchtragen. All das, was Du mir gabst und laufend  gibst. Die Fähigkeit zum Denken und arbeiten. Die Fähigkeit zu Ruhen und zu geniessen. Und so viel mehr. Danke für jedes gute Wort! Und danke bist Du  grösser als jedes böse Wort.

Amen




Donnerstag, 5. März 2015

Should we batize infants? Sollten wir Kinder taufen?

Eine entspannte und freundliche Diskussion über den Zeitpunkt der Taufe.

Ist es nicht schön, wie humorvoll und verständnisvoll diese zwei Theologen über ihre unterschiedliche Standpunkte diskutieren? Der Presbyterianer (= Reformierte) zieht die Argumentation der Baptisten nach und kann deren Vorteile sehen. Damit zeigt er, dass er die andere Argumentation völlig verstanden hat. Und ebenso offen ist der Baptist, wie er sich auf die Argumentation des Presbyterianers einlässt.

Leider ist es nur in englischer Sprache. Aber ich habe bis heute nichts vergleichbares in Deutscher Sprache gefunden. Schade.

Vielleicht ist das der Vorteil der US-amerikanischen Christen, dass sie ohne den grossen historischen Ballast denken können (Wir Reformierten haben mit Lutheraner und Katholiken gegenüber den Täufern uns versündigt, als wir sie verfolgten. Papst, Lutheraner und auch von Zürcher Reformierten weiss ich, dass sie sich dafür entschuldigt haben.). Oder ist es einfach die Liebe und der Respekt vor einem anders denkenden Bruder im Glauben, an dem die Welt erkennen wird ... (s. Johannes 17)



Bibelstellen zum Thema:
12 „Im Alter von acht Tagen soll alles, was männlich ist, bei euch beschnitten werden, durch eure Generationen, der im Haus geborene und der von irgendeinem Fremden für Geld gekaufte (Sklave, der nicht von deiner Nachkommenschaft ist;
13 beschnitten werden muss, der in deinem Haus geborene und der für dein Geld gekaufte (Sklave)! Und mein Bund an eurem Fleisch soll ein ewiger Bund sein.“
(1.    Mose 17,12-13)

18 „Und Jesus trat zu ihnen) und redete mit ihnen und sprach: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.
19 Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes,
20 und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“
(Matthäus 28,18-20)

11„In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, (sondern) im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus,
12 In ihm begraben in der Taufe, in ihm auch mit auferweckt durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes der ihn aus den Toten auferweckt hat.“
(Kolosser 2,11-12)

„Der wird Worte zu dir reden, durch die du errettet werden wirst, du und dein ganzes Haus.“ (Apostelgeschichte 11,14)

„Als sie aber getauft worden war und ihr Haus, bat sie und sagte: wenn ihr urteilt, dass ich an den Herrn gläubig sei, so kehrt in mein haus ein und bleibt! Und sie nötigte uns.“
(Apostelgeschichte 16,15)

„Sie aber sprachen: glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus.“
(Apostelgeschichte 16,31)

„Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, glaubte an den Herrn mit seinem ganzen Haus; und viele Korinther, die hörten, wurden gläubig und liessen sich taufen.“
(Apostelgesichte 18,8)

„Ich habe aber auch das Haus des Stephanas getauft; sonst weiss ich nicht, ob ich noch jeamnd getauft habe.“
(1.    Korinther 1,16)

„Denn der ungläubige Mann ist durch die Frau geheiligt, und die ungläubige Frau ist durch den Bruder geheiligt; sonst wären ja eure Kinder unrein, nun aber sind sie heilig.“
(1.    Korinther 7,14)

13 „Dann wurden Kinder zu ihm gebracht, damit er ihnen die Hände auflege und bete; die Jünger aber fuhren sie an.
14 Jesus aber sprach: lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen! denn solchen gehört das reich der Himmel.“

(Matthäus 19,13-14)

Was Calvin zum Thema dachte:

„Daher muss man fort und fort fleissig darauf achthaben, was den Juden und uns gemeinsam ist und was jene gesondert von uns besitzen. Der Bund ist gemeinsam, gemeinsam ist auch die Ursache zu seiner Bekräftigung. Nur die Art und Weise solcher Bekräftigung ist unterschieden: Das war nämlich für sie die Beschneidung, an deren Stelle dann für uns die Taufe getreten ist. Sonst, nämlich wenn das Zeugnis, vermöge dessen die Juden über das Heil ihres Samen Gewissheit bekamen, uns entrissen würde, hätte Christi Kommen die Wirkung gehabt, dass Gottes Gnade für uns dunkler und schwächer bezeugt wäre, als sie es früher für die Juden war. Das kann nun aber nicht ohne die schlimmste Schmähung Christi aussprechen; denn durch ihn hat sich doch die grenzenlose Güte des Vaters deutlicher und freundlicher auf die Erde ergossen und den Menschen kundgetan als je zuvor. Wir müssen also notwendig zugeben, dass solche Güte Gottes heute wahrhaftig nicht engherziger verborgen gehalten und auch nicht mit einem geringern Zeugnis verherrlicht werden darf, als es einst unter den dunklen Schatten des Gesetztes geschehen ist.“ (Institutio IV16,6)


„Wieviel Schaden jener übelerdachte Glaubenssatz mit sich gebracht hat, nach welchem die Taufe heilsnotwendig sein soll, das merken nur wenige, und deshalb nimmt man sich auch recht wenig vor ihm in acht.“ (Institutio IV,15)

„Gottes Gnade ist nicht dergestalt an die Sakramente gebunden, dass wir sie nicht (auch ohne sie) im Glauben aus dem Worte Gottes erlangten!“
(Insitutio IV,15,22)

Mit dieser Sicht kann auch ein geistig-behindertes Kind getauft werden, das vermutlich nie verstandesmässig die täuferische Bedingungen für eine Taufe erfüllen kann. wenn dies die Mutter oder der Vater wünschen. 


Mittwoch, 4. März 2015

J.I. Packer - Weakness is the Way = Die Schwäche ist der Weg.


J.I. Packer - Weakness is the Way= Schwäche ist der Weg.

James I. Packer, der Verfasser von einigen Büchern unter andrem das sehr zu empfehlende: "Gott erkennen Das Zeugnis vom einzig wahren Gott". Er berichtet in diesem Lebensbericht, wie er durch einen Unfall schwach wurde...

Gott antwortete ihm: Meine Stärke macht es perfekt in Deiner Schwäche.

So wurde er ein alter Theologe.

Damit setzt er einen gesunden Kontrapunkt zu unserem Leistungsdenken.

Samstag, 28. Februar 2015

Margaret Thatcher, die eiserne Lady und die Bibel

Margaret Thatcher, die eiserne Lady und die Bibel

Wir erinnern uns sicher noch an diese Premierministerin von Grossbritannien. Sie war die erste und bis jetzt einzige Frau, die dieses Amt ausgefüllt hat. Zudem hat sie es länger, als jeder andere Premier ausgeübt. Sie hatte vieles in Bewegung gebracht. Vielleicht hätte sie ein wenig weniger verstaatlichen sollen... Aber das gesunde Verhältnis zwischen staatlichen Aufgaben und privatwirtschaftlicher ist nicht so einfach zu finden. Und wie so oft kann man, wenn man ein Extrem korrigieren will, von einem Extrem in das entgegen gesetzte fallen. 

Die "poll tax", eine Art Kopfsteuer und auch ihr Verhältnis zu den Schotten, waren keine Glanzleistung von ihr. War hier ihre Stärke zu einer Schwäche geworden? 

Doch das muss wohl jeder zugeben - während ihrer Regierungszeit erholte sich die britische Wirtschaft entscheidend. Interessant ist auch, dass sie die Staatsausgaben im Griff hatte und - zumindest bis 1987 - die Steuern nicht senkte (laut Wikipedia). Wie man auch immer über sie denken mag: Wir sind alle nur Menschen... Wir können von allen etwas lernen - und vielleicht auch von dieser Aussage von ihr, die sie 1988 gemacht hatte, welches Vishal Mangalwadi in seinem Buch "Das Buch der Mitte" auf Seite 231 und 232 zitiert:

"Wir sind eine Nation, deren Wertvorstellungen sich auf die Bibel gründen. Ohne  dieses Verständnis ist es nahezu unmöglich, unsere Literatur zu begreifen. Dies ist der Hauptgrund, warum wir sicherstellen möchten, dass unsere Kinder in ausreichendem Masse darin unterwiesen werden, welche Rolle die jüdisch-christliche Tradition in der Entstehung unserer Gesetze, unserer Verhaltensweisen und in unseren Institutionen gespielt hat. Wie wäre es sonst möglich, Shakespeare, Sir Walter Scott oder die konstitutionellen Konflikte des 17. Jh. in Schottland wie auch in England zu verstehen?

Ich möchte sogar noch einen Schritt weitergehen. Die Wahrheiten der jüdisch-christlichen Tradition sind unermesslich kostbar - nicht nur weil sie, wie ich glaube, der Wahrheit entsprechen, sondern auch weil sie den moralischen Antrieb liefern, der allein im wahrsten Sinne des Wortes zu diesem Frieden führen kann, nachdem wir uns alle sehnen. (...)

Es gibt wenig Hoffnung für die Demokratie, wenn Männer und Frauen in demokratischen Gesellschaften keine Berufung spüren, die von etwas Höherem kommt. Politische Strukturen, staatliche Institutionen, gemeinsame Ideale allein reichen nicht aus (..) (Demokratie erfordert) ein Glaubensleben (...) für das irdische wie für das geistliche Wohlergehen einer Nation."

Interessant ist, dass Mangalwadi diese Haltung als politisch "incorrect" bezeichnet. Thatcher war sicher jemand, die sich nicht einschmeichelte und dadurch auch ihre ehrliche Meinung sagen konnte. Ich frage mich nur, was an dieser Meinung unkorrekt sein soll? Vor nicht allzu langer Zeit, diskutierten wir in der Schweiz sogar, ob das Christliche nicht als Leitkultur definiert werden sollte. Ist dies heute nicht mehr möglich? 

Könnte es sein, dass wir mit der "politicle correctness" das Denken einschränken? Und wenn wir uns nicht mehr zu unserem jüdisch-christlichen Erbe stellen können: Schneiden wir uns damit nicht von der eigenen Vergangenheit ab? Dabei ist nicht einmal das Wichtigste, ob wir dieses Erbe bejahen oder verneinen. Viel einschneidender ist, dass wir das generelle Vorhandensein verneinen. Natürlich wissen viele in der Schweiz noch davon. Aber es gibt schon deutliche Stimmen, die dieses Wissen ablehnen und so tun, als ob es nie einen jüdisch-christlichen Kulturkreis in Europa gegeben hat. Ich glaube auch schon gespürt zu haben, dass diese Menschen glauben, dass das jüdisch-christliche Erbe gefährlich sei. Wieviel Missverständnis sich wohl dahinter verbirgt?

Und was ist, wenn Margaret Thatcher recht hatte? Was wird unsere Kultur verlieren, wenn wir nicht mehr darüber nachdenken können, was den Westen in der Vergangenheit gut und schlecht gemacht hat? Und wie positiv sich die Bibel in diese Auseinandersetzung auswirkte? Was wird anstelle von dem treten? 

Mittwoch, 25. Februar 2015

Behindert und glücklich - Computerspiele, wie sie uns behindern können

Vor zwei Wochen nach dem Gottesdienst habe ich etwas eindrückliches erlebt.

Ein mir schon länger bekannter Behinderter kam auf mich zu und erzählte voller Freude, wie die Predigt ihn berührt hatte. Ich glaube, er sagte, es seien ihm Tränen aus dem Herzen geflossen. Ich konnte bisher noch nie so lange und ausführlich mit ihm reden. Sein Herz quoll über, über dem, was ihn beschäftigte.

Jetzt muss man wissen, dass er für gewöhnlich durch seine Behinderung  nur sehr wenig und undeutlich spricht. Auch jetzt musste ich hin und wieder einmal nachfragen. Aber ansonsten war es ein Wunder, wie ich er auf einmal über sich, seinen Glauben sprechen konnte.

Zusammen freuten wir uns, dass wenn Jesus Christus einmal wieder kommt, es eine bessere Erde und einen besseren Körper für uns geben wird.

Die Predigt war übrigens wirklich gut. Es ging um Jom Kippur, wie er in den Mosebüchern beschrieben wird. An diesem Versöhnungstag für Gottes Volk wurde zwei Sündenböcke geopfert. Der letztere wurde mit den (symbolischen) Sünden des Volkes Gottes in die Wüste geschickt. Jesus Christus erfüllte dies Geschehen, indem er als Gott selber zu unserem Sündenbock wurde. Er sühnte die Beleidigungen und Verletzungen, die wir uns und anderen Menschen antun. Und er sühnte auch die Beleidigungen und Verachtung, die wir damit gegen Gott unseren Schöpfer vollbracht haben. Denn wer des Schöpfers Schöpfung verachtet und misshandelt, missachtet und beleidigt auch deren Schöpfer.Hier liegt auch die Grundlage für unsere Menschenwürde: Wir sind Gottes Geschöpfe. Zu Gottes Ehre geschaffen.

Dabei haben wir eine Religion nicht mit 5 Buchstaben, sondern eine Religion mit 3 Buchstaben: 

3 Buchstaben bedeuten: TUN: Man muss tun.
Bei Jesus gilt: GETAN: Jesus hat es getan!

Gott kann aus unserem Mist Dung machen. Das bedeutet, Gott kann mit unserem Unvollkommenen etwas Gutes tun. Ja noch mehr: Er verwandelt durch seine Kraft unsere Abgründe zu etwas Gutem. Dass schafft Jesus, weil er zu unserem Sündenbock geworden ist.
Wir müssen nur alles ihm übergeben. Damit uns sein Tun gilt.

Am letzten Sonntag konnte ich ein Computerspiel für Kinder kennen lernen. Der 5-jährige Junge - übrigens sehr intelligent, der seine Wünsche erstaunlich klar und differenziert ausdrücken kann - fuhr in diesem Spiel mit einem Legoauto durch eine Stadt. Die Animation war genial. Wenn jemand in den Weg kam: Fussgänger, andere Fahrzeuge usw., so überfuhr er sie. Oder er hielt an. Stieg aus und zertrümmerte das andere Fahrzeug. Dann konnte er noch in andere Spielprogramme, wo er durch ein finstere Welt sich kämpfen durfte. Das Positive war hier, dass man sich als Team durchkämpften konnte. 
Einmal hatten wir Freude, als er ein Feuer löschte. Es schien, als ob er nun nicht nur zerstörte, sondern etwas aufbauendes tat. Die Eltern haben ihm dieses Spiel gekauft, da es ja nur eine Lego-Welt war. Es gibt also noch schlimmere Spiele.

Mittlerweile ging mir durch den Kopf, dass man mit solchen Computerspielen interessante Ideen für die Zukunft schaft. Besonders, wenn man noch bedenkt, dass für uns Männer Gewalt manchmal auch ein Ausdruck von Depression sein kann. Anstelle mit unserer Energie zu schützen, aufzubauen und für das Gute zu kämpfen, wird man gehalten, zu zerstören, sinnlos Dinge von anderen kaputt zu hauen. 

Irgendwie erinnert mich das an jene, die Abfall bedenkenlos der Allmend überlassen. Oder wenn Menschen sinnlos auf offener Strasse zusammen geschlagen werden. Vielleicht haben Anhänger von Terrororganisationen sich auch zuerst durch solche Ideen ihre zukünftige Realität geschaffen. In diesem Computerspiel fehlt sowieso nur die Möglichkeit, sich ein Sprengstoffgürtel umzuhängen, um dann in den Himmel zu kommen. - Man frägt sich, was die Entwickler solcher Computerspielen sich dabei denken. Hauptsache Umsatz? Denken hat ja sowieso kein Sinn? Es macht mir selber Spass alles zusammenzuhauen. Warum kann man nicht Computerspiele machen, indem die Kinder Lust am Guten bekommen? Am Aufbauen (Wozu ja Lego eigentlich steht.) Warum nicht das spielerisch kreative Fördern? Dort kann schon auch ein Kampf zwischen gut und böse sein. Aber einfach sinnlos drein zu hauen - ohne irgend eine Konsequenz, dass ist kein gutes pädagogisches Spiel. Es müsste etwas sein, was auch Lust macht, um es nachzubauen. Das müsste ja dann auch für Lego interessant sein. Und für unsere Gesellschaft erst recht. 

In der aktuellen Migroszeitung las ich, wie Rothaarige als Kinder ausgelacht werden. Als Erwachsene erkennt man eher, wie schön dies ist. Kinder neigen dazu alles, was anders ist, zu verachten. So können sie ein Gemeinschaftsgefühl erleben und vielleicht ihrer eigenen Unsicherheit entfliehen - zumindest für einen Moment. Nicht selten verbirgt sich dahinter die Angst, nicht dazu gehören zu können. 

Halten wir also fest:

Auf der einen Seite, die Verachtung von Kindern für etwas andere Kinder. Dann diese sinnlose Gewalt, von jemanden, der soviele Gaben hat und nicht behindert ist. Auf der anderen Seite jemand, der so reich ist und behindert ist. Da kann man sich schon fragen, wer denn eigentlich wirklich behindert ist...

Sehen wir die Ironie? Besonders, wenn wir uns dem Glauben verschrieben haben: "Nur wer etwas leistet, ist wertvoll?" Oder "nur jener, der es geniessen kann, ist wertvoll." Oder: "Nur wer mächtig und schön ist, ist wertvoll." Oder der klassische Held, der alle besiegt (, ganz im Gegensatz zu einem Luther oder Jan Hus, die für ihr Gewissen bereit sind zu sterben.)

Das sind alles menschliche Wahnvorstellungen, die uns vom realen Leben abhalten.  Gott hat uns als Menschen geschaffen. Punkt. Darum sind wir wertvoll. Ob rote Haare, weisse oder was weiss ich für Haare. Ob Leistungsfähig oder nicht. Ob für unsere Massstäbe schön oder nicht: Wir sind von Gott geschaffen und wer in den Himmel kommt, wird einen neuen Leib bekommen. Dort wird kein Makel mehr sein und keine Krankheit, nur noch wertschätzende Liebe.

Zu ideal? Interessant ist, dass Gott uns Menschen diese Sehnsucht nach einer sinnvollen Ewigkeit ins Herz gelegt hat. Darum machen wir ja auch Ideologien und Religionen. Diese tiefste aller Sehnsüchte kann nur unser Schöpfer befriedigen. Dafür kam er zu uns und liess sich als Sündenbock von uns behandeln. Dafür trägt die Menschheit die Verantwortung. Doch zugleich hat es Gott auch geplant, damit er an seinem Sohn, seine Gerechtigkeit ausüben konnte. Damit er uns, die wir dies einsehen und Jesus als Herrn akzeptieren, nicht mehr bestrafen muss. 

Gott tat es aus Liebe zu uns. Natürlich kann ich Gott nicht ganz verstehen. Aber das kann ich: Jesus Christus trug meine Schuld für mich. Dafür reicht mein Verstand. Und dafür kann ich danken.

Gott segne Sie. 

Gebet:

Lieber Heiland
Gib uns Menschen Weisheit, dass wir mit dem, was Du uns gegeben hast, vernünftig umgehen. Dass wir Dankbarkeit für das verspüren können, was Du uns gegeben hast und das wir Dir, dem Geber von allem, auch danken können.
Vergibt unsere Hartherzigkeit. Unsere Unvernunft. Unsere Lieblosigkeit. Unsere Selbstverliebtheit.
UND danke Herr, ist es schon vergeben, weil Du Herr, lieber Jesus, dafür gestorben bist! 
Jetzt komm Heiliger Geist und schaff Dein Werk in uns, damit Gott, der Herr, durch das Gute verherrlicht wird. 
Mach aus uns so kreativ verschiedenen Menschen Dein gutes Werk. Wir geben Dir alles. Unsere Möglichkeiten, die wir von Dir erhalten haben und unser ganzes Unvermögen. Bei Dir wird alles gut. Und Dir allein gehört die Ehre in Ewigkeit!
Hilf uns Herr, dass wir alles von Dir erwarten und nicht von uns Menschen, die Du doch auch gebrauchen kannst.
So wollen wir uns von Dir lieben und leiten lassen.

Amen.