Ich bin gerade am Durcharbeiten des Anhanges meines Buches über die Reformation. Da fand ich wieder viele Perlen. Hier die vermutlich letzten Worte, die Luther vor seinem Tode notiert hat. Man fand die Notizen, als Luther gestorben war:
"Vergil in seinem Bucolica und Georgica kann niemand verstehen, wenn er nicht fünf Jahre Hirte oder Bauer gewesen ist. Cicero in seinen Briefen, denke ich, versteht niemand, wenn er nicht zwanzig Jahre lang sich in seinem hervorragenden Staatswesen betätigt hat. Die Heiligen Schriften meine niemand genügend geschmeckt zu haben, wenn er nicht hundert Jahre lang mit den Propheten die Kirche regiert hat. Deshalb ist es ein ungeheures Wunder um erstens Johannes den Täufer, zweitens Christus, drittens die Apostel. Du versuche diese göttliche Aeneis nicht, sondern verehre gebeugt ihre Spuren. Wir sind Bettler. Das ist wahr."
Martin Luther hatte die Bibel nicht im Griff. Er verehrte sie und war sich im Klaren, dass er noch lange nicht alles verstanden hatte.
Wer hätte das Gedacht von Luther.
Und wie ist es heute? Glauben wir, indem wir in unserer postmodernen Oberflächlichkeit einen Bibelvers suchen, um unsere eigenen Gedanken damit untermauern zu können, dass wir damit die Bibel verstanden haben? Hier schreibt Martin Luther, der in 11 Wochen (!!!!) das neue Testament übersetzt hat. Dabei hat er aus der sächsichen Kanzleisprache eine wirklich Sprache geformt, d.h. neue Begriffe "erfunden", Worte zusammengefügt und den Menschen aufs Maul geschaut, wie der korrekte Fachbericht im Haushalt, beim Schreiner usw. lautet. Und dieses Genie gibt freimütig zu, wie komplex sie ist.
Es mag stimmen: Das wichtigste i.S. Gnade und im Glauben kann als Kleinkind "verstanden" werden. Wer aber älter wird, d.h. im Leben reift und mehr Verstand und Weisheit dabei gewinnt, der merkt, wieviel tiefer die Bibel doch geht, als man selber zu verstehen vermag. Selbst im reiferen Zusand, ist sie immer wieder neu und überraschend. (Das zeichnet ja jedes gute Buch aus. Da die Bibel das Buch der Bücher ist, können wir dies auch in ihr erleben.)
Beten wir dafür, dass wir wirklich die Bibel lesen und Exegese anstelle Aisegese vornehmen.
Sonntag, 12. Januar 2020
Freitag, 10. Januar 2020
Die sichtbare und unsichtbare Kirche
(I Ich bin gerade am Überarbeiten meines neuen Buches zum Thema Reformation. Dabei bin ich auf folgende Definition der "Kirche" von Huldrych Zwingli, dem Reformator von Zürich und grossen Teilen der Schweiz gestossen.
Die Kirche.
"Wir glauben auch, dass die eine heilige Kirche
eine katholische, das heisst: eine allgemeine Kirche ist, und dass sie entweder
sichtbar oder unsichtbar ist. Unsichtbar ist jene Kirche, die nach der Lehre
des Paulus vom Himmel herabkam, das heisst: unter der Erleuchtung des Heiligen
Geistes erkennt und umfasst. Zu dieser Kirche gehören alle Gläubigen über den
ganzen Erdkreis hin. Sie heisst unsichtbar, nicht weil die Gläubigen unsichtbar
wären, sondern weil es den menschlichen Augen verborgen ist, wer glaubt; nur
Gott und sich selbst sind die Gläubigen bekannt. Die sichtbare Kirche ist nicht
der römische Papst mit den übrigen Bischöfen, sondern alle, die sich auf dem
ganzen Erdkreis durch die Taufe zu Christen bekennen. Dazu gehören auch solche,
die sich fälschlicherweise Christen nennen, da sie innerlich keinen Glauben
haben. Es gibt also in der sichtbaren Kirche solche, die nicht Glieder der
erwählten oder unsichtbaren Kirche sind.“
I Es war seine letzte Schrift vom Juli 1531, die er an Franz
I. von Frankreich gewidmet hat. Dabei geht Zwingli u.a. auf das Thema Kirche ein. Auf Seite
38 zitiert Herr Willy Hirzel in seiner Schrift: Huldrych Zwingli. Wir sind
Gottes Handgeschirr. J. F. Steinkopf Verlag Stuttgart, daraus.
Freitag, 3. Januar 2020
Das Herz aller Dinge
Es handelt in der Zeit der Reformation in Schweden. Bo Giertz, ein lutherischer Bischof, lässt uns in drei Leben hineinschauen. Besonders eingehend wird der römisch-katholische Priester Andreas beschrieben. Der damalige König Gustav wird von verschiedenster Seite kritisiert. Der Bruder des Priesters wird manchmal als Schreiber angesprochen, weil er eine Zeitlang Schreiber des Königs war, sich dann aber von einem äusserlichen Protestantismus zu einer schwärmerische Form bekehrte. Im Roman erfährt man, wo sich die römische und schwärmerische Religiosität gleichen. Ich hätte gewissen Aspekten des Schwärmers als Gesetzlichkeit genannt. Allerdings, zu glauben, aus eigener Kraft sich heilig machen zu können, kann natürlich auch als eine Form der Schwärmerei betrachtet werden.
Pfarrer Peter ist ein lutherischer Pfarrer. Bei ihm kommt zum Ausdruck, wie er die alte Kirche wieder beleben will. Allerdings erst in diesem 6. und letzten Kapitel kommt dies so klar zum Vorschein. In den vorangehenden Kapitel hört man andere Meinungen und viele Anfragen zu dieser Haltung.
Ein geniales Buch. Und es bringt mir als reformiert Geprägter das lebendige Luthertum näher. Ich hab auch das Buch von einem pietistischen Lutheraner aus Hannover bekommen, der mir bei meinem Buch zur Reformation Korrektur gelesen hat (in dem ich u.a. auch das Luthertum kritisch betrachte. Wobei ich es - so hoffe ich - wie überall mache, dass ich versuche "positiv" zu kritisieren, d.h. nicht Menschen herunterreissen um mich selber zu erhöhen, sondern um die Wahrheit zu suchen. Faire kritische Anfragen helfen auf der Wahrheitssuche. Wenn es um Personen geht, benützt die Bibel im griechischen ein Wort, dass Ermahnung, Trost und Ermutigung einschliesst! Das ist wohl die Idealform jeder Kritik, die ich als sündiger Mensch nie so rein hinbekommen werde. Aber zum Glück ist auch Jesus für das gestorben und man kann ihm diesen Mist auch hinlegen, damit Jesus daraus guten Dünger macht. In diesem Sinne hoffe ich, dass auch alle Kritik auf diesem Blog etwas zu dieser biblischen und positiven Kritik sein darf, obwohl ich natürlich aus mir selber nur ein sündiger Mensch bin, der vor Erschaffung der Welt von Gott auserwählt wurde, von der Dunkelheit der Sünde befreit zu werden. Aber zur Zeit besteht, dass aus Hoffnung und Glauben und noch nicht im Sehen. Erst wenn Jesus wiederkommt, wird beim Schon-jetzt-und-noch-nicht-Aspekt, der Noch-nicht-Aspekt abgetan. Nun aber bin ich froh, dass Busse tun ein fröhlich Ding ist, wie vor bald 500 Jahren Martin Luther meinte.
Samstag, 28. Dezember 2019
Ist gemeinsames Suchen nach Wahrheit möglich?
Gestern war ich
schwer enttäuscht. In einem Thema waren wir zu ca. 90% gleicher Meinung, trotz
dieser hohen Übereinstimmung spürte ich von meinem Gegenüber eine beinahe
feindliche Stimmung mir gegenüber. Zuerst konnte ich das nicht einordnen. Er
betonte seine Äusserungen so, als ob wir in einem extremen Streitgespräch uns
befunden haben.
Was bewog ihn, so
emotional zu werden?
Ich habe seine
Argumente kritisch hinterfragt und ich habe auf andere Sichtweisen aufmerksam
gemacht und diese ebenfalls mit ihm hinterfragen wollen. Dazu musste ich
natürlich auch deren Argumentation klar darstellen. Aber schon bei dieser Darstellung
merkte ich, dass ich mich etwas zurückhalten musste. Ich hatte mich vermutlich
zuwenig zurückgehalten, da er nicht mal diese alle eingehendst überprüfen
wollte. Ich muss aber zugeben, dass seine Argumentation so gut war, dass ich wie
erwähnt in dieser Sache zu 90% mit ihm übereinstimmen konnte.
Was mich aber
dann doch enorm enttäuschte, war die Erkenntnis, dass er sich eine feste
Schablone, eine feste Ansicht angeeignet hatte. Und zwar nicht zur über das
Thema, sondern wohl auch über mich als Person. Er nahm nun diese Schablone und
überprüfte nicht, wie weit ich diesen Ansichten und wie weit ich dieser
Schablone entspreche. Was sicher ist, dass ihm der heutige Zeitgeist und die „offiziellen“
Medien sowie vermutlich sein Stammtisch ihn zu einem grossen Teil in dieser
Schablone unterstützen (oder muss ich sagen: gefangen halten?), anstelle ihm zu
helfen, die Komplexität der Sachlage zu betrachten.
Mit anderen
Worten: Ich konnte durch seine grosse Erkenntnis einiges lernen, aber ein
wirkliches gemeinsames Suchen nach der Wahrheit, war es nicht. Als ich das
begriff, spürte ich, dass es eigentlich nicht möglich ist, mit jemanden der so
gepoolt ist, gemeinsam nach der Wahrheit zu suchen. Und das war eine sehr
grosse Enttäuschung. Es war wie eine Erschütterung einer tiefen Überzeugung
oder Selbstverständlichkeit auf der mein Weltbild und unter anderem mein demokratisches
Verständnis aufgebaut ist.
Ähnliches habe
ich von einem Vertreter des offenen Theismus gelesen. Er gab zu, dass er eine
Schablone hat, wie er die Bibel liest und meinte, dass seine theologischen
Gegner ebenfalls solche Schablone haben. Die Differenz sei also, dass man
verschiedene Schablonen habe. Was sicherlich festzuhalten ist, dass dieser
Theologe zurücktreten kann und seine eigene Schablone mit anderen vergleichen
kann. Damit kann er mehr, als die erste Person, weil er seine Position auch von
Aussen her betrachten kann. Er würde wohl sagen: Er kann sie auch neutral
betrachten.
Aber kann man mit
dieser Person auch gemeinsam die Wahrheit suchen? Nein, ebenfalls nicht. Denn
für ihn gibt es keine absolute Wahrheit, die man gemeinsam suchen könnte. Er
glaubt tatsächlich, dass es nur Schablonen, d.h. nur Ansichten gibt und nicht
auch eine Wahrheit, die man suchen könnte! Das ist typisch für das postmoderne Denken.
„Man glaubt: Es gibt keine Wahrheit!“
Dieser Satz kann,
wenn er wahr wäre, nicht wahr sein. Viele sind sich dieser Logik nicht bewusst.
Aber selbst, wenn man sie dann darauf aufmerksam macht, sind sie im Idealfall
erstaunt, aber halten weiter an dieser unlogischen Überzeugung fest.
Ähnliches spürte
ich, als ich gestern einen Kommentar in der Baz (Basler Zeitung) zur Umwelt und
Greta las. Auch viele der darzu geäusserten Kommentaren atmeten diesen Geist:
Nur meine Erkenntnis ist wahr. Wer nicht zu 100% mit mir übereinstimmen kann, ist
ein schlechter Mensch. Der Titel des Baz-Beitrages lautete auch in diesem
Sinne: „Wer Greta verspottet, ist faul und ignorant“. Verspottung finde ich
prinzipiell nicht anständig. Allerdings: Ist das wirklich gemeint? Geht es
nicht darum, dass jeder, der eine andere Ansicht vertritt als faul und ignorant
abgetan wird? Ja noch mehr: Nur schon, wenn es jemand wagt, kritische Anfragen
zu stellen, der verspottet und ist faul und ignorant? Wenn das gemeint ist,
dann haben wir ein echtes Problem. Es mag schwierig sein, positive Kritik zu
üben. Im Neuen Testament wird ein Begriff dazu verwendet, der zugleich
ermahnen, trösten und ermutigen bedeutet. Durch unseren Sündenfall neigen wir
dazu, die Kritik zu pervertieren, d.h. den anderen „herunterreissen“ zu wollen.
Manchmal wollen wir mit der Kritik unseren eigenen Minderwert ausgleichen,
indem wir den anderen erniedrigen. Und manchmal kann sich in unserer Kritik ein
Mobbing-Verhalten einschliessen: Das ist ein Böser, an dem darf ich nun meine Sündhaftigkeit
auslassen.
Jede Kritik muss
kritisch nach diesen Perversionen gefragt werden. Auch dieser Titel des
Baz-Beitrages und meine Kritik an diesem Kommentar. Und als Menschen, die in
Sünde gefallen sind, werden wir wohl die positive Kritik nie zu 100% erreichen.
Auch dafür musste Christus ans Kreuz. ABER man sollte sich dennoch danach
richten und unsere menschliche Gerechtigkeit nach dieser göttlichen
Gerechtigkeit ausrichten (s. hierzu Zwingli). Diese zutiefst reformatorische
Erkenntnis ist in unserer Gesellschaft vergessen. Nun scheinen aber auch die säkularisierten
Fundamente dieser Sichtweise zu verschwinden. Haben wir das alles vergessen?
Es ist
beängstigend, was sich für eine Denkweise im Westen breit macht. Man sucht
nicht mehr nach der Wahrheit. Auf meinem letzten Blog habe ich u.a. ein Link zu
einem Gespräch zwischen vier Theologen erwähnt. Das Gespräch wird durch John
Piper geleitet und hält dabei mit seiner eigenen Ansicht (= Schablone) zurück.
Was dabei eindrücklich ist: Dieses Gespräch findet in einer Kirche statt. Es
ist öffentlich und von uns allen im Internet nachvollziehbar. Und sie hören
sich wirklich zu. Da sieht man u.a. John Piper, der nachfragt, die Bibel vor
sich hat, und sinngemäss sagt: „Das muss ich nochmals nachgehen. Du meinst, dass dies so und so zu verstehen ist, weil dies und das.“ So genial.
(Hier links zu sehen.)
In meinem Umkreis kenne ich sehr wenige Christen, selbst unter den Theologen und Predigern, die sich so eingehend mit der Eschatologie beschäftigt haben, wie diese vier Herren. Und wenn, dann ist es meistens nur eine Sichtweise, der Dispensationalismus. Alle vier haben sicherlich jahrelang an ihren Ansichten gearbeitet. Drei der Theologen vertraten offiziell und voller Überzeugung je drei unterschiedliche eschatologische Ansätze: Postmillianismus, Prämillianismus und Amillianismus. Aber dennoch können sie so ehrlich auf die Bibel schauen und gemeinsam nach der Wahrheit suchen. Keiner muss dem anderen unterstellen, er habe seine Überzeugung aus böser Absicht zusammengestellt. Sie versuchen sich zu verstehen und suchen gemeinsam nach der Wahrheit. Dabei fragt John Piper auch nach den Gemeinsamkeiten! Und man staunt: In wesentlichen Punkten stimmen sie trotz aller Gegensätze überein! Das beweist nebenbei, dass die Eschatologie der Bibel nicht so detailliert ist, wie wir das wünschen, ABER es ist dennoch so detailliert, dass man das Wesentliche erkennen kann. Damit hilft uns Gott, damit wir lernen, demütig zu studieren und dort, wo Gott nicht alles offenbart hat, auch aufzuhören, irgendwelche selbsterfundene Behauptungen absolut setzen zu wollen. Und es hilft, gemeinsam nach der Wahrheit zu suchen. Bereits vor 500 Jahren wurde in diesem Geist in Zürich die Bibel übersetzt: Im Grossmünster trafen sich die Gelehrten und übersetzten gemeinsam die Bibel ins Deutsch: die Zürcher Bibel. Jeder, der wollte konnte ins Grossmünster gehen und sie bei ihrer Arbeit, ihren Diskussionen usw. mitverfolgen. So wurden nicht nur wöchentlich ihre neuen Bibelerkenntnisse mitgeteilt, sondern man konnte direkt die Arbeit der Gelehrten mitverfolgen. Heinrich Bullinger, der Nachfolger von Zwingli, sollte dann sogar ein Bulletin herausgeben, indem er sein Wissen über die Welt herausgab. Bullinger schrieb mehr als jeder andere Reformator und war europaweit mit seiner Korrespondenz vernetzt. Dadurch konnte er in seinem Bulletin über die Welt informieren. Noch heute bieten seine Schriften einen interessanten Einblick in die damalige Zeit. Obwohl Bullinger für die Einheit von Kirche und Staat war und darüber mit Leo Jud gestritten hat, der eine gewisse Trennung wollte, trat Bullinger für die freie Predigt ein. Diese Kombination aus freier Predigt (Zwingli würd sogar vom prophetischen Dienst sprechen, d.h. aufbauende Kritik) und Informationsweitergabe machte Bullinger zu einem Vorgänger unserer Zeitungen. Und als genau das, wurde er an der Landi (Landesausstellung) vor dem zweiten Weltkrieg geehrt. Sein Portrait hing dort gross und war eine Gegenposition des damals „neuen“ Europas der Faschisten und Nationalsozialisten.
Zum Abschuss
möchte ich noch der Ansicht nachgehen, ob die Gegenpositionen des offenen
Theismus einfach eine andere Art von Schablonen besitzen. Hierzu muss man
wissen, dass der offene Theismus in den USA entstanden ist. Hier haben die
südliche Baptisten eine Art Reformation durchgemacht und sich bewusst auf die
reformierte (calvinistische) Glaubensbekenntnisse zurückbesinnt. Sie bemerkten,
dass Gemeindewachstum nicht automatisch ein Zeichen der Orthodoxie ist. Wer das
Gemeindewachstum ins Zentrum steht, wird pragmatisch. Und dieser Pragmatismus
kann die Rechtgläubigkeit untergraben. Sobald man dies korrigieren wollte,
wurden die Pragmatiker nicht mehr so freundlich und ein Kampf entstand. Der
Offene Theismus ist also als Gegenkonstrukt zur klassischen reformierten
Theologie entstanden. Darum können wir uns fragen, ob die klassische
reformierte Theologie einfach eine andere Schablone als der offene Theismus
ist. Das der Calvinismus eine Schablone ist, können wir sicherlich zustimmen. Aber
wird er von den Reformierten (= Calvinisten) auch in jeder Weise gleich
verstanden, wie die Schablone des offenen Theismus? Inhaltlich sicherlich
nicht. Da ist man sich einig, sonst wäre der offene Theismus keine
Gegenposition. Aber ich meine jetzt nicht in erster Linie die konkreten
Überzeugungen, sondern die Art, wie man die Schablone nutzt: Wird die Schablone
des Calvinismus wie die Schablone des offenen Theismus genutzt? Und ist die
Schablone auf die gleiche Weise entstanden?
Gerade letzteres
können wir verneinen. Zumindest Calvin würde sich die Haare raufen, wenn seine
Überzeugungen nur eine menschliche Überzeugung wäre. Calvin würde sicherlich
wie Bullinger sagen, dass er sich irren kann und seine Schablone an der Bibel
überprüft werden muss! Bullilnger sagte es im Eingang zu seinem Zweiten
Helvetischen Bekenntnis so:
„Vor allem aber
bezeugen wir, das wir immer völlig bereit sind, unsere Darlegungen im allgemeinen
und im Besonderen auf Verlangen ausführlicher zu erläutern, und endlich denen,
die uns aus dem Worte Gottes eines Besseren belehren, nicht ohne Danksagung
nachzugeben und Folge zu leisten im Herrn, dem Lob und Ehre gebührt. Gegeben am
1. März 1566.“
Die reformierte
Schablone hat also nur dritte Priorität. Erste Priorität hat immer die Bibel.
Zweite Priorität haben die Kirchenväter und dann kommt erst Bullinger, Calvin
usw. Und dann, würde ich meinen, kommen meine Erkenntnisse, die vierte Priorität
haben.
Die Idee dahinter
ist also: Das die Bibel Gottes Wort ist und sie sich selber auslegt. Als
Menschen können wir uns irren und sind daher darauf angewiesen, ständig mit
Hilfe des Heiligen Geistes die Bibel zu lesen und uns dadurch zu erneuern und
zu lernen. Das versteht übrigens auch Johannes Calvin unter „reformiert sein“,
sich ständig durch den Heiligen Geist an Gottes Wort zu reformieren = zu
erneuern. Calvin spricht von der Bibel als Schule des Heiligen Geistes. Interessanterweise
vergessen wir auch sehr schnell, was wir durch die Bibel und den Heiligen Geist
gelernt haben, wenn wir uns nicht immer wieder im Gebet auf die Bibel
einlassen.
Und alles, was
wir hier nicht lernen konnten, werden wir dann bei Jesus in seinem Reich
lernen.
Die Entstehung
der reformierten Theologie ist also nicht das Gleiche. So statisch die
Grundüberzeugungen scheinen mögen – und sie sind es auch, weil sie uns eine
gute Grundlage geben – so dynamisch sind sie durch den erwähnten Prozess!
Natürlich kann es zu einer leblosen Orthodoxie mutieren. Aber wenn der Heilige
Geist die Orthodoxie belebt, dann kommen Leben, Liebe und Wahrheit zusammen!
Denn gesunde Lehre tut uns gut! So lernen wir, was Gott ehrt. Und was Gott
ehrt, tut uns so gut!
Daraus erklärt
sich auch – dass es zwar möglich ist, dass die reformierte Theologie zur gleichen
Schablone wie der offene Theismus „verkommen“ kann, aber ihrem ursprünglichen Wesen
nach ist es überhaupt nicht so. Wenn das geschieht, dass ist es eine Aushöhlung
oder Entleerung des eigentlich gemeinten.
Interessant ist, als ich zum ersten Mal über den offenen Theismus las, fand ich die ersten Worte noch interessant. Mit der Zeit war dann aber ein unsachlicher Angriff auf John Piper. Schon da spürte ich, dass der offene Theismus als Antrieb nicht nur die Wahrheitssuche hatte, sondern auch noch etwas anderes verarbeitet.
Es ist auch darum nicht das Gleiche, weil diese Schablone (= klassische reformierte Theologie) sich hinterfragen lässt: Entspricht es wirklich Gottes Wort? Zugleich hilft diese Schablone, den Gesamtzusammenhang der Bibel im Auge zu behalten. Das ist eigentlich auch der eigentliche Sinn. So kann zum Beispiel von seiner Institutio sagen, dass jeder andere auch auf all das kommen kann, wenn er die Bibel im Zusammenhang und als sich selbstauslegend und unter dem Heiligen Geist liest, aber er erkennt so schneller den Gesamtzusammenhang. Und natürlich, dass ist eine Schablone, die aber keine Eisegese machen will, sondern eine Exegese! Und es gehörte immer schon zum Christentum, dass man seine Überzeugungen in Worte fasste. Die Bibel selber ist in Worte gefasst und Jesus ist der Logos. Das wir dabei unsere Glaubensbekenntnisse immer wieder an Gottes Wort ausrichten (eichen) müssen, ist logisch. Somit ist es statisch und zugleich dynamisch, weil es viel komplexer ist, als unsere Worte ausdrücken können.
Vielleicht wird jemand entgegnen, dass er hier kein Unterschied sieht. Dann möchte ich darauf aufmerksam machen, dass er Unterschied darin liegt, dass man nicht nur in der eigenen Denkfähigkeit die Wahrheit sucht, sondern auch in der Offenbarung Gottes. Und man wirklich lernen will und nicht nur die eigenen Ideen bestätigt sehen will. Ich gebe zu, das ist nicht einfach. Aber wär täglich gewöhnt ist über seine bösen und guten Werke Busse zu tun, wird trotz aller Anfälligkeit zur persönlichen Logik das Wunder erleben, durch Gottes Hilfe echtes Wissen und Leben zu finden, das bis in alle Ewigkeit durch Jesus Christus tragen wird.
Es ist auch darum nicht das Gleiche, weil diese Schablone (= klassische reformierte Theologie) sich hinterfragen lässt: Entspricht es wirklich Gottes Wort? Zugleich hilft diese Schablone, den Gesamtzusammenhang der Bibel im Auge zu behalten. Das ist eigentlich auch der eigentliche Sinn. So kann zum Beispiel von seiner Institutio sagen, dass jeder andere auch auf all das kommen kann, wenn er die Bibel im Zusammenhang und als sich selbstauslegend und unter dem Heiligen Geist liest, aber er erkennt so schneller den Gesamtzusammenhang. Und natürlich, dass ist eine Schablone, die aber keine Eisegese machen will, sondern eine Exegese! Und es gehörte immer schon zum Christentum, dass man seine Überzeugungen in Worte fasste. Die Bibel selber ist in Worte gefasst und Jesus ist der Logos. Das wir dabei unsere Glaubensbekenntnisse immer wieder an Gottes Wort ausrichten (eichen) müssen, ist logisch. Somit ist es statisch und zugleich dynamisch, weil es viel komplexer ist, als unsere Worte ausdrücken können.
Vielleicht wird jemand entgegnen, dass er hier kein Unterschied sieht. Dann möchte ich darauf aufmerksam machen, dass er Unterschied darin liegt, dass man nicht nur in der eigenen Denkfähigkeit die Wahrheit sucht, sondern auch in der Offenbarung Gottes. Und man wirklich lernen will und nicht nur die eigenen Ideen bestätigt sehen will. Ich gebe zu, das ist nicht einfach. Aber wär täglich gewöhnt ist über seine bösen und guten Werke Busse zu tun, wird trotz aller Anfälligkeit zur persönlichen Logik das Wunder erleben, durch Gottes Hilfe echtes Wissen und Leben zu finden, das bis in alle Ewigkeit durch Jesus Christus tragen wird.
Was also im
ersten Blick gleich erscheint, ist bei genauerem Hinsehen doch nicht genau das
Gleiche.
Nun ist zum Glück
nicht unser grösse unseres Wissens Massstab für unsere Errettung. Alleine unser
alleiniges Vertrauen in Christus und seine Tat und sein Wirken rettet uns. Aber
gesunde Lehre tut uns gut. Daher ist das Suchen danach und das Festhalten der
gesunden Lehre so gesund und wichtig. Dabei gilt, was vor bald 500 Jahren
Martin Bucer sagte:
„Wenn man sofort denjenigen als vom Geist
Christi verlassen verurteilen will, der nicht ganz genau so urteilt, wie man
selbst, und sogleich bereit ist, gegen den als Feind der Wahrheit anzugehen,
der vielleicht etwas Falsches für richtig hält: Wen, frage ich, kann man denn
noch als Bruder ansehen? Ich habe jedenfalls noch nie zwei Menschen gesehen,
von denen jeder genau dasselbe denkt. Und das gilt auch in der Theologie.“
(Martin Bucer 1530 im Vorwort zu seinem Evangelienkommentar)
Nur schon diese
Beschäftigung mit diesen Gedanken helfen uns, den Westen als eine denkende,
freie und demokratische Welt zu erhalten, selbst wenn Sie im Detail mit mir
nicht übereinstimmen sollten.
Freitag, 27. Dezember 2019
Interessante Internet-Seiten
Es ist eine wild zusammengewürfelte Liste. Vielleicht werde ich sie demnächst erweitern:
https://theoblog.de/
https://hanniel.ch/ueber-mich/
Internetseite über Werke von Huldrych Zwingli: http://www.irg.uzh.ch/static/zwingli-werke/index.php?n=Site.Search
https://www.thegospelcoalition.org/
Internetseite über Johannes Calvin: Hier die Institutio: http://www.calvinismus.ch/ubersicht/unterricht-in-der-christlichen-religion/
Wort und Wissen: https://www.youtube.com/channel/UC-bfnkB8pODcQi9QDHD2Sfg
https://www.thomasschirrmacher.info/
https://www.bibelundbekenntnis.de/
Timothy Keller:
Donald Carson, John Pipper und Thimoty Keller im Gespräch zum Thema "Ministries of mercy":
Hier führ John Piper ein Gespräch mit drei Theologen Jim Hamilton (Premillianismus), Doug Wilson (Postmillianismus) und Sam Storms (Amillianist) zum Thema "Millienium". Sie repräsentieren die drei grossen Richtungen: Premillianismus, Postmillianismus und Amillianismus (Ich hoffe, ich habe es richtig geschrieben) Sie selber schreiben:
"This video is a discussion regarding the different interpretations of the "Millennium" found in Revelation 20. The three major views throughout church history are Premillennialism (defended here by Jim Hamilton), Postmillennialism (defended here by Doug Wilson), and Amillennialism (defended here by Sam Storms). The discussion is moderated by John Piper.". Besonders eindrücklich finde ich, wie sie brüderlich diskutieren. Ich kenne kaum Evangelikale Kreise in meinem Umfeld, welche über solch unterschiedliche Meinung so gut diskutieren können. Das Hauptproblem ist, dass die meisten sich gar nicht mit diesen Themen auseinandersetzen. Und wenn sie etwas besser informiert sind, sind sie oft nur über eine Richtung informiert: Den Dispensationalismus, welcher zum Premillianismus gehört. Nur selten haben Prediger, Pfarrer und Theologen sich in dieses Thema vertieft. Und daher hört man wohl auch sehr wenig darüber, was eigentlich schade ist. Es ist natürlich nicht ganz einfach, weil Gott in der Bibel i.S. Eschatologie nicht so viel und systematisch offenbart hat. (Schon die Juden hatten Mühe Jesus als ihren Messias anzuerkennen, obwohl er im AT offenbart wurde.) Dadurch entstehend die Differenzen. Damit ist es ein gutes Thema, um echt mit verschiedenen Herangehensweisen umgehen zu lernen. Das ehrt Gott und fördert unsere Barmherzigkeit und unser Verständnis. Und soweit ich das sehe, wurde dieses Gespräch bewusst IN der Kirche abgehalten: Alle sollen dieses Gespräch mitverfolgen können. Das ist eine zutiefst reformierte Tradition. Auch in Zürich wurde vor 500 Jahre die Bibel in der Kirche übersetzt. Jeder konnte hinzu sitzen und zuhören. Auch die Neuentdeckungen aus der Bibel wurden regelmässig weitergegeben. Damals in Zürich muss besonders Leo Jud sich stark in der Bildung der Menschen eingesetzt haben.
Paul Washer, ein besonderer Prediger sagt in diesem Beitrag etwas sehr wichtiges: So wichtig die Wahrheit der Lehre ist, so ist das noch nicht das Leben als Christ! Darum wird man eher sagen, dass man zuwenig gebetet hat, anstelle zuwenig studiert. (Und das sagt jemand, der die Lehre sehr wichtig ist). Hier zu sehen und hören. Darum kann er als reformierter (ich vermute baptistischer Calvinist) sagen:
Auch dieser Pfarrer aus der Bremer Landeskirche ist ein besonderer Pfarrer. Er tritt stark auf und ist zugleich demütig und seiner eigenen Sündhaftigkeit bewusst, wie man hier sehen kann. Ich weiss nicht genau, ob ich seine Meinung über das Zuckerfest teile, weil ich es nicht kenne. (Zudem kommt mir spontan Paulus in den Sinn, wie er im NT bekundet, dass es unproblematisch ist, heidnisches Opferfleisch zu essen. Man solle aber Rücksicht auf Menschen mit einem schwächeren Glauben nehmen: Verwirt mein Verhalten? Und ich würde anfügen: Wie beeinflusst es mein Verhältnis zu Jesus Christus? Das Evangelium Christi macht uns frei und befreit uns von der Gesetzlichkeit. Alles ist uns erlaubt, aber wir sollen uns von nichts gefangen nehmen! Oder wie später Augustin meinte: In der richtigen Reihenfolge lieben: Zuerst Gott und dann die anderen guten Dinge und Personen usw. Wer Gott nicht an erster Stelle hat, wird - vielleicht sogar etwas sehr Gutes - zu einem Götzen machen, der ihn ähnlich wie ein Drogensüchtiger versklavt. Das hängt mit unserem Sündenfall zusammen. Seitdem neigen wir dazu, das von Gott geschaffene Gute zu pervertieren. Darum können wir den Nächsten auch wirklich nur im vollen Mass beginnen zu lieben, wenn wir zuerst Gott lieben. So lautet ja auch das die wichtigste Zusammenfassung der Bibel: Liebe Gott den Herrn der Welt und Deinen Nächsten wie Dich selbst.) Aber wenn evangelische Schulen nicht mehr trauen Weihnachten zu feiern und dafür islamische Feste feiern, finde ich das schon bedenklich. Darf man noch Weihnachten feiern? Interessant ist, dass er von seiner eigenen Kirche angegriffen wurde und zugleich musste ihn die Polizei vor Islamisten schützen. Kann es sein, dass man die Römisch-Katholischen kritisieren darf, aber den Islam und den Zeitgeist nicht mehr? Das ist - ob der Zeitgeist recht hat oder nicht - sehr problematisch. Denn Kirchen müssen eine prophetische Stimme erheben können. Echte Pfarrer waren immer auch "Stimmen in der Wüste". Selbst ein Heinrich Bullinger, der für die Einheit zwischen Staatskirche und Staat Zürich vor 500 Jahren war, trat für die freie Predigt ein.
Ein Gespräch zwischen Charles Simeon und John Wesley: "Calvinist" und "Arminianer": Charles Simeon arbeitet in diesem Gespräch mit John Wesley heraus, dass er trotz seinem arminianischen Vokabular die wichtigen biblischen Grundprinzipien glaubte. Darum stelle ich die These auf,dass Wesley in diesem Sinne ein praktischer "Calvinist" war. Es ist einer der vielen Indizien, dass viele Arminianer (zum Glück) keine konsequenten Arminianer sind:
Auch Spurgeon geht dieser "These" nach (s. zweiter Verweis). Aber zuerst das Thema der persönlichen Sühne von Spurgeon, dem reformierten Prediger (konkreter: calvinistischer Baptist) aus England des 19. Jahrhunderts:
Hier eine starke Predigt gegen die arminianische Sichtweise. Praktisch sieht er auch die Arminianer im Gebet vereint, weil echte Gläubige den gelichen Heiligen Geist haben und theologische Irrtümer (nicht immer) konsequent ausgelebt werden. Wenn es nicht so wäre, würde ein arminianisches Gebet so aussehen, wie von Spurgeon beschrieben. Aber es sieht anders aus, besonders wenn die Arminianer mit Gott wirklich beten. Dann lässt sie der Heilige Geist wie es Christi will, beten und nicht wie ihre arminianische Theologie es erfordern würde:
Zur Abrundung noch etwas musikalisch
https://theoblog.de/
https://hanniel.ch/ueber-mich/
Internetseite über Werke von Huldrych Zwingli: http://www.irg.uzh.ch/static/zwingli-werke/index.php?n=Site.Search
https://www.thegospelcoalition.org/
Internetseite über Johannes Calvin: Hier die Institutio: http://www.calvinismus.ch/ubersicht/unterricht-in-der-christlichen-religion/
Wort und Wissen: https://www.youtube.com/channel/UC-bfnkB8pODcQi9QDHD2Sfg
https://www.thomasschirrmacher.info/
https://www.bibelundbekenntnis.de/
Timothy Keller:
Donald Carson, John Pipper und Thimoty Keller im Gespräch zum Thema "Ministries of mercy":
Hier führ John Piper ein Gespräch mit drei Theologen Jim Hamilton (Premillianismus), Doug Wilson (Postmillianismus) und Sam Storms (Amillianist) zum Thema "Millienium". Sie repräsentieren die drei grossen Richtungen: Premillianismus, Postmillianismus und Amillianismus (Ich hoffe, ich habe es richtig geschrieben) Sie selber schreiben:
"This video is a discussion regarding the different interpretations of the "Millennium" found in Revelation 20. The three major views throughout church history are Premillennialism (defended here by Jim Hamilton), Postmillennialism (defended here by Doug Wilson), and Amillennialism (defended here by Sam Storms). The discussion is moderated by John Piper.". Besonders eindrücklich finde ich, wie sie brüderlich diskutieren. Ich kenne kaum Evangelikale Kreise in meinem Umfeld, welche über solch unterschiedliche Meinung so gut diskutieren können. Das Hauptproblem ist, dass die meisten sich gar nicht mit diesen Themen auseinandersetzen. Und wenn sie etwas besser informiert sind, sind sie oft nur über eine Richtung informiert: Den Dispensationalismus, welcher zum Premillianismus gehört. Nur selten haben Prediger, Pfarrer und Theologen sich in dieses Thema vertieft. Und daher hört man wohl auch sehr wenig darüber, was eigentlich schade ist. Es ist natürlich nicht ganz einfach, weil Gott in der Bibel i.S. Eschatologie nicht so viel und systematisch offenbart hat. (Schon die Juden hatten Mühe Jesus als ihren Messias anzuerkennen, obwohl er im AT offenbart wurde.) Dadurch entstehend die Differenzen. Damit ist es ein gutes Thema, um echt mit verschiedenen Herangehensweisen umgehen zu lernen. Das ehrt Gott und fördert unsere Barmherzigkeit und unser Verständnis. Und soweit ich das sehe, wurde dieses Gespräch bewusst IN der Kirche abgehalten: Alle sollen dieses Gespräch mitverfolgen können. Das ist eine zutiefst reformierte Tradition. Auch in Zürich wurde vor 500 Jahre die Bibel in der Kirche übersetzt. Jeder konnte hinzu sitzen und zuhören. Auch die Neuentdeckungen aus der Bibel wurden regelmässig weitergegeben. Damals in Zürich muss besonders Leo Jud sich stark in der Bildung der Menschen eingesetzt haben.
Paul Washer, ein besonderer Prediger sagt in diesem Beitrag etwas sehr wichtiges: So wichtig die Wahrheit der Lehre ist, so ist das noch nicht das Leben als Christ! Darum wird man eher sagen, dass man zuwenig gebetet hat, anstelle zuwenig studiert. (Und das sagt jemand, der die Lehre sehr wichtig ist). Hier zu sehen und hören. Darum kann er als reformierter (ich vermute baptistischer Calvinist) sagen:
Auch dieser Pfarrer aus der Bremer Landeskirche ist ein besonderer Pfarrer. Er tritt stark auf und ist zugleich demütig und seiner eigenen Sündhaftigkeit bewusst, wie man hier sehen kann. Ich weiss nicht genau, ob ich seine Meinung über das Zuckerfest teile, weil ich es nicht kenne. (Zudem kommt mir spontan Paulus in den Sinn, wie er im NT bekundet, dass es unproblematisch ist, heidnisches Opferfleisch zu essen. Man solle aber Rücksicht auf Menschen mit einem schwächeren Glauben nehmen: Verwirt mein Verhalten? Und ich würde anfügen: Wie beeinflusst es mein Verhältnis zu Jesus Christus? Das Evangelium Christi macht uns frei und befreit uns von der Gesetzlichkeit. Alles ist uns erlaubt, aber wir sollen uns von nichts gefangen nehmen! Oder wie später Augustin meinte: In der richtigen Reihenfolge lieben: Zuerst Gott und dann die anderen guten Dinge und Personen usw. Wer Gott nicht an erster Stelle hat, wird - vielleicht sogar etwas sehr Gutes - zu einem Götzen machen, der ihn ähnlich wie ein Drogensüchtiger versklavt. Das hängt mit unserem Sündenfall zusammen. Seitdem neigen wir dazu, das von Gott geschaffene Gute zu pervertieren. Darum können wir den Nächsten auch wirklich nur im vollen Mass beginnen zu lieben, wenn wir zuerst Gott lieben. So lautet ja auch das die wichtigste Zusammenfassung der Bibel: Liebe Gott den Herrn der Welt und Deinen Nächsten wie Dich selbst.) Aber wenn evangelische Schulen nicht mehr trauen Weihnachten zu feiern und dafür islamische Feste feiern, finde ich das schon bedenklich. Darf man noch Weihnachten feiern? Interessant ist, dass er von seiner eigenen Kirche angegriffen wurde und zugleich musste ihn die Polizei vor Islamisten schützen. Kann es sein, dass man die Römisch-Katholischen kritisieren darf, aber den Islam und den Zeitgeist nicht mehr? Das ist - ob der Zeitgeist recht hat oder nicht - sehr problematisch. Denn Kirchen müssen eine prophetische Stimme erheben können. Echte Pfarrer waren immer auch "Stimmen in der Wüste". Selbst ein Heinrich Bullinger, der für die Einheit zwischen Staatskirche und Staat Zürich vor 500 Jahren war, trat für die freie Predigt ein.
Hier Theo Lehmann, ein lutherischer Pfarrer, der lange in der DDR Evangelist war und noch heute Evangelist ist. Er hat seine Doktorarbeit in der DDR über Jazz geschrieben, wobei in der DDR dis als dekadente Musik galt. Ich habe ihn einmal in der Schweiz persönlich kennen lernen dürfen. Vorher hatte er einen interessanten Vortrag. Er hatte erstaunlich viel Homor. Er hat zwei autoritäere Staatssysteme erlebt: Nationalsozialismus des Deutschen Reiches und Kommunismus der DDR.
Er wagte in der DDR einen Jugend-Gottesdienst, der für die damalige Zeit revolutionär war: Mit moderner Musik und mit moderner Form das Evangelium verkünden und das vis-â-vis des Stasi-Büros. Die Kirche selber hatte Mühe mit diesen neuer Form, obwohl damit die jungen Leute erreicht wurden! Er war nicht musikalisch, brachte aber neue Lieder in die Kirche! Dabei hatten wenig Geld und daher alles sehr einfach organisiert. Anstelle der Konfirmanten usw. waren im ersten Gottesdienst 500 bis 600 Leute. Er weiss bis heute nicht, woher die alle kamen. Später war er auch an den Friedensgebeten und damit inderekt mit der Erfolgreichen Revolution in der DDR sehr verbunden. Und er hat auch heute noch etwas zusagen: Auch zu Pegida.
Hier noch ein Schweizer Pfarrer (reformiert): Pfarrer Sieber, der mit 91 Jahren gestorben ist:
Hier noch Pfarrer Sieber zum Thema Weihnachten in Züri-Dütsch:
Ein Gespräch zwischen Charles Simeon und John Wesley: "Calvinist" und "Arminianer": Charles Simeon arbeitet in diesem Gespräch mit John Wesley heraus, dass er trotz seinem arminianischen Vokabular die wichtigen biblischen Grundprinzipien glaubte. Darum stelle ich die These auf,dass Wesley in diesem Sinne ein praktischer "Calvinist" war. Es ist einer der vielen Indizien, dass viele Arminianer (zum Glück) keine konsequenten Arminianer sind:
Auch Spurgeon geht dieser "These" nach (s. zweiter Verweis). Aber zuerst das Thema der persönlichen Sühne von Spurgeon, dem reformierten Prediger (konkreter: calvinistischer Baptist) aus England des 19. Jahrhunderts:
Hier eine starke Predigt gegen die arminianische Sichtweise. Praktisch sieht er auch die Arminianer im Gebet vereint, weil echte Gläubige den gelichen Heiligen Geist haben und theologische Irrtümer (nicht immer) konsequent ausgelebt werden. Wenn es nicht so wäre, würde ein arminianisches Gebet so aussehen, wie von Spurgeon beschrieben. Aber es sieht anders aus, besonders wenn die Arminianer mit Gott wirklich beten. Dann lässt sie der Heilige Geist wie es Christi will, beten und nicht wie ihre arminianische Theologie es erfordern würde:
Zur Abrundung noch etwas musikalisch
Mittwoch, 4. Dezember 2019
Willst Du wissen, ob Du erwählt bist?
"Willst Du Gewissheit darüber haben, ob du erwählt bist, dann sieh dich selbst in Jesus Christus an!"
Wer hat das gesagt? Johannes Calvin. Zu lesen in Calvin Studienausgabe, E. Busch./C. Link (Hg.), seit 1994, Neukirchen-Vluyn 4,141; Calvin opera, Bd. 1-59, Braunschweig/Berlin 1863-1900 8,114: Seite 17)
Hier spührt man, dass Cavlin ein guter Seelsorger war, was wir heute gerne vergessen und dass die biblische Prädestinationslehre ein wichtiger seelsorgerlicher Apekt ist. Zudem ist sie komplexer, als unsere menschlichen Denkschablorenen es fassen können.
Hier ein weiteres Muster:
"Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue im Name meines Vaters, diese geben Zeugnis von mir;
aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen; wie ich euch gesagt habe:
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach;
und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorgengehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reissen.
Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist grösser als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reissen. Ich und der Vater sind eins." (Johannes 10,25-30)
Ich glaube, diese Bibelstelle belegt die Richtigkeit von Calvins Aussage. Gleichzeitig möchte ich darauf aufmerksam machen, dass in Johannes 10,25-30 Jesus selber spricht! Wir Christen haben nicht die Autorität wie Gott zu sprechen und jemanden - so wie es hier Jesus tut - ins Gesicht zu sagen, dass sie nicht erwählt seien. Wir wissen nicht, ob jemand erwählt ist oder nicht. Das steht nicht in unserer Kompetenz. Wir dürften höchstens sagen: Ihr gehört noch nicht zu den Schafen! Bekehrt Euch zu Jesus! D.h. geht zu Jesus mit Euren Sünden. Er ist dafür gestorben. Lasst Euch durch Christus mit Gott versöhnen. So wird der zornige Gott zu Eurem Papi! Ob der allgemeine Ruf dann durch den Heiligen Geist zu einem inneren Ruf wird, ist wiederum nicht unsere Sache sondern eine Sache zwischen Gott und dem Angesprochenen. (Arminianer werden wohl darauf hinweisen, dass Jesus dies so gemeint habe. Aber ist das der tatsächliche Sinn? Wird hier nicht eher eine Eisegese gemacht, d.h. seine eigene Meinung in den Text gelesen? Die Genfer Studienbibel legt denn auch zu 10,26 aus: "Sie verschlossen ihre Augen vor diesen klaren Beweisen ... Nur diejenigen, die der Vater Christus gegeben hat, werden auch gläubig. Die anderen sind durch ihre sündigen Vorurteile so verblendet, dass sie sich weigern zu glauben. Nur die von neuem Geborenen, die der Heilige Geist neu gemacht hat (3.3.7), glauben."
Ich finde dies eine gute Auslegung. Es kommt dabei auch die eigene Verantwortung und eigene Aktivität der Ablehnung des Heils zum Ausdruck! Und zugleich sehen wir, wie Gott der Rettende ist. Und darum ist die Rettung auch sicher, weil sie in Gottes Hand liegt. Wer in Christus ist, ist sicher. Darum: Zu Jesus!
Wer hat das gesagt? Johannes Calvin. Zu lesen in Calvin Studienausgabe, E. Busch./C. Link (Hg.), seit 1994, Neukirchen-Vluyn 4,141; Calvin opera, Bd. 1-59, Braunschweig/Berlin 1863-1900 8,114: Seite 17)
Hier spührt man, dass Cavlin ein guter Seelsorger war, was wir heute gerne vergessen und dass die biblische Prädestinationslehre ein wichtiger seelsorgerlicher Apekt ist. Zudem ist sie komplexer, als unsere menschlichen Denkschablorenen es fassen können.
Hier ein weiteres Muster:
„Der
Vater, der uns in die Obhut seines Sohnes übergeben hat, ist grösser als alle
und der Sohn wird es nicht dulden, dass irgendeines verloren geht.“ (13: Joh
6,39; Calvin Studienausgabe, E.Bsuch,/C. Link (Hg.), seit 1994,
Neukirchen-Vluyn 3,187; Calvini opera, Bd. 1–59, Braunschweig/Berlin 1863–1900
7,464: Seite 15)
"Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue im Name meines Vaters, diese geben Zeugnis von mir;
aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen; wie ich euch gesagt habe:
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach;
und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorgengehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reissen.
Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist grösser als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reissen. Ich und der Vater sind eins." (Johannes 10,25-30)
Ich glaube, diese Bibelstelle belegt die Richtigkeit von Calvins Aussage. Gleichzeitig möchte ich darauf aufmerksam machen, dass in Johannes 10,25-30 Jesus selber spricht! Wir Christen haben nicht die Autorität wie Gott zu sprechen und jemanden - so wie es hier Jesus tut - ins Gesicht zu sagen, dass sie nicht erwählt seien. Wir wissen nicht, ob jemand erwählt ist oder nicht. Das steht nicht in unserer Kompetenz. Wir dürften höchstens sagen: Ihr gehört noch nicht zu den Schafen! Bekehrt Euch zu Jesus! D.h. geht zu Jesus mit Euren Sünden. Er ist dafür gestorben. Lasst Euch durch Christus mit Gott versöhnen. So wird der zornige Gott zu Eurem Papi! Ob der allgemeine Ruf dann durch den Heiligen Geist zu einem inneren Ruf wird, ist wiederum nicht unsere Sache sondern eine Sache zwischen Gott und dem Angesprochenen. (Arminianer werden wohl darauf hinweisen, dass Jesus dies so gemeint habe. Aber ist das der tatsächliche Sinn? Wird hier nicht eher eine Eisegese gemacht, d.h. seine eigene Meinung in den Text gelesen? Die Genfer Studienbibel legt denn auch zu 10,26 aus: "Sie verschlossen ihre Augen vor diesen klaren Beweisen ... Nur diejenigen, die der Vater Christus gegeben hat, werden auch gläubig. Die anderen sind durch ihre sündigen Vorurteile so verblendet, dass sie sich weigern zu glauben. Nur die von neuem Geborenen, die der Heilige Geist neu gemacht hat (3.3.7), glauben."
Ich finde dies eine gute Auslegung. Es kommt dabei auch die eigene Verantwortung und eigene Aktivität der Ablehnung des Heils zum Ausdruck! Und zugleich sehen wir, wie Gott der Rettende ist. Und darum ist die Rettung auch sicher, weil sie in Gottes Hand liegt. Wer in Christus ist, ist sicher. Darum: Zu Jesus!
Freitag, 1. November 2019
Erkenntnis Wahrheit
Um die Wahrheit zu erkennen, gibt es einige Hindernisse. Da ist mal eine offensichtliche Lüge. Manchmal ist es aber auch nur das Unvermögen, die Wahrheit zu erkennen. Hinzu kommt, dass ich in mir Bedürfnisse und Wünsche haben, die meinen Blick zur Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis erschweren kann. Dazu gehört, die eigenen Fehler nicht so gut erkennen zu können, wie von anderen Menschen. Dies ist vermutlich auch ein psychologischer Eigenschutz, denn wenn wir alle unsere tiefen Abgründe kennen würden, hätten wir sehr mühe mit uns zu leben. Erst, wenn wir in Jesus Christus ganz sicher wissen, dass dies alles vergeben und gerecht gesprochen ist, können wir hier mehr Erkenntnis gewinnen, ohne völlig zu verzweifeln. Dann kann es sogar, wie Luther meinte, eine freudige Sache sein: Busse tun (= zu Jesus gehen) ist eine freudige Sache! (sinngemäss).
Persönlich glaube ich, dass die Bibel Gottes Wort ist. Vor 500 Jahre kritisierte mal jemand, dass die Reformatoren einen "papierenen Papst" haben, nämlich die Bibel. Das ist gar nicht mal so schlecht. Die Bibel ist das von Gott inspirierte Wort. Das bedeutet, es ist wohl von Menschen geschrieben und man merkt den jeweiligen Schreiber und Zeitgeist. Zugleich schaffte Gott aber das Wunder, dass der Heilige Geist die Schreiber, dass schrieben, was Gott wollte. Dieser komplexe Vorgang ist vielleicht mit diesen Worten zuwenig getroffen. Aber es gibt doch eine Ahnung, dass wir, um Gottes Wort richtig zu verstehen, nun auch den Heiligen Geist benötigen. Interessant ist nun, dass der Heilige GEist gerade diese Bibel braucht, um direkt zu uns zu sprechen. D.h., es kann passieren, dass wir die Bibel lesen, und uns diese Bibelstelle zu klar wird, dass wir merken, dass Gott selber zu uns spricht. Darum kann Johannes Calvin sagen, dass die Bibel die Schule des Heiligen Geistes ist. Also gerade indem wir die Bibel lesen, können wir mehr vom Heiligen Geist lernen. Dazu gehört auch unsere Selbsterkenntnis. So fördert das Bibellesen unsere Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis. Hierzu dürfen wir auch ganz einfach Gott bitten, dass er uns beim Bibellesen hilft und dieses Wunder tut.
Die Reformatoren vor 500 Jahren hatten ein interessantes Prinzip: Sie sagten, Gottes Wort ist die Grundlage und hat erste Priorität. Dabei muss man die gesamte Aussage der Bibel berücksichtigen. D.h., dass die Bibel sich selber auslegt. Wenn wir also eine unklare Bibelstelle haben, erklärt eine klare Bibelstelle diese Unklarheit.
Die Bibel hat also erste Priorität.
Als zweite Priorität galten für die Reformatoren die Kirchenväter. Sie waren näher am Geschehen dran. Aber auch sie müssen anhand der Bibel überprüft werden. Dies war ein Streitpunkt mit der römischen Kirche, welche die Kirchenväter auf die gleiche Höhe der Bibel stellen wollten. Daraus gibt es die beinahe paradoxe Situation, dass Johannes Calvin mit den Kirchenvatern gegen diese römische Tendenz argumentierte: Denn die Kirchenväter selber wollten anhand der Bibel überprüft werden.
Die dritte Priorität waren für die Reformatoren die eigenen konfessionallen Glaubensbekenntnisse, die anhand der Kirchenväter (2. Priorität) und natürlich vorallem anhand der Bibel überprüft werden müssen (1. Priorität). Und leider ist irren menschlich. Darum schreibt Heinrich Bullinger in seinem persönlichen Glaubensbekenntnis, dass von vielen so akzeptiert wurde, dass sie es mitunterschrieben und in der Schweiz bis ins 19. Jahrhundert verbindlich war und es noch in Oesterreich und Ungarn verbidnlich ist, dass man sein Bekenntnis (= 3. Priorität), anhand der Bibel überprüfen muss. Mit "wir" ist Heinrich Bullinger und die Reformierten gemeint, die sich hinter dieses Zweite Helvetische Glaubensbekenntnis stellten:
"Vor allem aber bezeugen wir, dass wir immer völlig bereit sind, unsere Darlegungen im allgemeinen und im besonderen auf Verlangen ausführlicher zu erläutern, und endlich denen ,die uns aus dem Worte Gottes eines Besseren belehren, nicht ohne Danksagung nachzugeben und Folge zu leisten im Herrn, dem Lob und Ehre gebührt. Gegeben am 1. März 1566." (S. 12)
Als vierte Priorität würde ich meine eigene Erkenntnis einordnen. Ich staune manchmal, wenn jemand sagt, dass er nur an die Bibel glaube. Praktisch kann das das Gleiche sein, wie ich mit meinen vier Prioritäten glaube, einfach etwas abgekürzt. Doch manchmal fällt mir auf, dass damit auch gemeint sein könnte, dass die vierte Priorität, das eigene Erkannte mit Gottes Wort gleichgesetzt wird. Und das empfinde ich als gefährlich. Natürlich: Wer an Christus glaubt und nicht auf seine eigene Leistung sondern auf die Leistung von Jesus Christus traut, wird gerettet sein. Aber unsere Irrtümer im Glauben können unsere Lebensqualität einschränken. Ich staune, wie die alte Kirche über Origenes sagen konnte, dass er trotz einiger sehr erheblichen Irrlehren, ein wahrer Christusgläubiger war (soweit wir das als Menschen überhaupt können und dürfen.). Nach unserer Erkenntnis hatte er Jesus wirklich lieb. Er hat sogar viele zum Glauben an Jesus Christus helfen können. Aber er hatte ernsthafte Irrtümer vertreten, die bis heute zu Irrungen führen. Es führte auch dazu, dass sich Origenes sehr weh tat. Vielleicht hat er diesen Irrtum (seine Entmannung) sogar noch erkannt. Aber wie Schrmezhaft musste das sein? Darum ist gesunde Lehre wichtig für ein gesundes Leben. Und daher ist es auch wert, dem nachzugehen. Aber in allen Streitgesprächen darüber, was eine Form der Wahrheitsfindung sein kann (manchmal auch nicht, weil es auch sinnlose Streitfragen gibt), so darf diese Prioritätenliste nicht vergessen werden: Es gibt Heilsnotwendige Fragen, wichtige Fragen und Fragen, die uns Gott völlige Freiheit gab. Es gibt Tendenzen unter Christen, die gerne alles zu Heilsfragen machen. Das erschwert aber erheblich, die Sachlage und dient nicht der Wahrheitsfindung. In diesem Sinne finde ich es auch gut, dass wir unterschiedliche sichtbare Kirchen haben, wo weniger wichtige Aspekte verschieden ausgelebt werden. Das kann zur Entspannung führen. Letztendlich gab es dies auch in der alten Kirche, wo verschiedene Strömungen vorhanden waren - und vermutlich jede Kirche und christliche Gemeinschaft hat unterschiedliche Strömungen. Martin Bucer, der Reformator von Strassbourg, meinte, dass er niemand finde, der in jedem Punkt als Christ übereinstimme.
Ein Beispiel: Ich wurde gestern gefragt, was die Kirche über die letzte Zeit lehre. Das konnte ich nicht so eindeutig sagen, weil ich von keiner so genauen Lehre weiss. Die verschiedenen Glaubensbekenntnisse, die ich kenne, sind sehr knapp gehalten. Ich weiss, dass die meisten Christen an den Amillianismus glauben und glaubten. Unter den Evangelikalen verbreite sich ab Anfang des 20. Jahrhundert eine Form des Prämilianismus, der Dispensationalismus, der im 19. Jahrundert entstanden ist. Viele FEG-Prediger vertreten eine abgeschwächte Form des Dispensationalismus. Persönlich finde ich diese Variante problematisch, weil er nicht der Gesamtaussage der Bibel entspricht (Der gemässigte Dispensationalismus versucht dies zu korrigieren.). Und er entspricht nicht einmal den historischen Prämillianismus (Der lehrte nicht, dass die Christen vor der grossen Drangsal entrückt würden.)
Hinzukommt, dass beim Thema Eschatologie, der Lehre der letzten Dinge, die Bibel sich nicht so genau äussert, dass man damit einen genauen Fahrplan ablesen könnte. Jesus warnt sogar davor, dass niemand den letzten Tag berechnen soll, weil hier auf dieser Welt das niemand weiss. Gott hat also in der Bibel ganz bewusst nicht alles so deutlich offenbart. In der Bibel selber merkt man ein Erstaunen, dass Jesus nicht schon zu Lebzeiten der ersten Christen zum zweiten Mal gekommen ist. Petrus geht u.a. in seinen Briefen im Neuen Testament darauf ein. Auch wenn wir die Vorhersagen zu Jesus Christus nehmen und seinem ersten Kommen, so war dies für die alte Kirche nicht so klar. Bis heute soll es jüdische Theologen geben (die nicht glauben dass Jesus Christus ihr Messias ist), die Mühe haben, weil das Alte Testament wie von zwei Messias schreibt: einer der leidet und einer der triumpfiert. Genau diese Mischung sehen wir beim ersten Kommen von Jesus und erleben wir in dieser Zwischenzeit, bis dann Jesus triumpfierend zum zweiten Mal kommt. Nach dem Eintreffen, versteht man es richtig, wie es gemeint ist. Das liegt auch am Charakter der Offenbarung Gottes. Gott hat seit dem Sündenfall immer mehr offenbart. Die allersten Verheissung an Adam und Eva, dass ein Sohn von Eva der Schlange den Kopf zertreten würde und selber in die Ferse gebissen werde, deuten auf Jesus Christus hin. Dies wurde aber weder von uns Menschen und vermutlich auch nicht von den Engeln verstanden. Selbst der Teufel wird es nicht verstanden haben, da er mit der Kreuzigung von Jesus (vermutlich) sogar glaubte, gesiegt zu haben. Dabei erfüllte sich dort die Erfüllung und der Teufel, der unser Tod will und der Tod, der der Stachel der Sünde ist, wurde besiegt. Natürlich ist dies nun in einem geistlichen Sinne, in einem Schon-jetzt-und-Noch-nicht-Aspekt. Wenn Jesus dann zum Zweiten Mal kommen wird, wird auch das "Noch-Nicht" wegfallen.
(Aber man kann natürlich schon Ermutigung für die letzte Zeit durch die Bibel erhalten: Zum Beispiel, dass schlimme Zeiten wie Wehen der Geburt der neuen Zeit, des Reiches Gottes sind. Und es ist ein Prinzip Gottes, dass er das Böse immer wieder einschränkt. Danach war fertig. Würde das Gott nicht machen, würde das Böse so wüten, bis es kein Leben mehr gäbe.)
Aus diesen Gründen kann Calvin sogar vom gelehrten Nicht-Wissen sprechen. (s. Institutio). Wir wissen nicht alles, weil uns Gott noch nicht alles offenbart hat. Und selbst was er uns alles in der Bibel offenbart hat, ist ein Projekt des Lernens, dass wir bis zu unserem Tode oder der zweiten Wiederkunft von Jesus Christus nicht beenden werden können. Aber dann, wenn Jesus wiederkommt, werden wir das wissen (oder lernen?), was wir noch nicht lernen konnten. So ist es gut, zu lernen, zu leben, beschenkt zu werden, Gottes Gaben zu geniessen, als Form der Dankbarkeit. Dabei staune ich immer wieder, wenn ich etwas Neues lerne und Erfahre. Es ist wie ein Glücksgefühl. Es ist ein Glücksgefühl und kann dafür Gott die Ehre geben.
(PS 3: am 23. April 2016 habe ich zum Tehma Tausendjähriges Reich Millennium Eschatologie etwas veröffentlicht.)
Persönlich glaube ich, dass die Bibel Gottes Wort ist. Vor 500 Jahre kritisierte mal jemand, dass die Reformatoren einen "papierenen Papst" haben, nämlich die Bibel. Das ist gar nicht mal so schlecht. Die Bibel ist das von Gott inspirierte Wort. Das bedeutet, es ist wohl von Menschen geschrieben und man merkt den jeweiligen Schreiber und Zeitgeist. Zugleich schaffte Gott aber das Wunder, dass der Heilige Geist die Schreiber, dass schrieben, was Gott wollte. Dieser komplexe Vorgang ist vielleicht mit diesen Worten zuwenig getroffen. Aber es gibt doch eine Ahnung, dass wir, um Gottes Wort richtig zu verstehen, nun auch den Heiligen Geist benötigen. Interessant ist nun, dass der Heilige GEist gerade diese Bibel braucht, um direkt zu uns zu sprechen. D.h., es kann passieren, dass wir die Bibel lesen, und uns diese Bibelstelle zu klar wird, dass wir merken, dass Gott selber zu uns spricht. Darum kann Johannes Calvin sagen, dass die Bibel die Schule des Heiligen Geistes ist. Also gerade indem wir die Bibel lesen, können wir mehr vom Heiligen Geist lernen. Dazu gehört auch unsere Selbsterkenntnis. So fördert das Bibellesen unsere Gotteserkenntnis und Selbsterkenntnis. Hierzu dürfen wir auch ganz einfach Gott bitten, dass er uns beim Bibellesen hilft und dieses Wunder tut.
Die Reformatoren vor 500 Jahren hatten ein interessantes Prinzip: Sie sagten, Gottes Wort ist die Grundlage und hat erste Priorität. Dabei muss man die gesamte Aussage der Bibel berücksichtigen. D.h., dass die Bibel sich selber auslegt. Wenn wir also eine unklare Bibelstelle haben, erklärt eine klare Bibelstelle diese Unklarheit.
Die Bibel hat also erste Priorität.
Als zweite Priorität galten für die Reformatoren die Kirchenväter. Sie waren näher am Geschehen dran. Aber auch sie müssen anhand der Bibel überprüft werden. Dies war ein Streitpunkt mit der römischen Kirche, welche die Kirchenväter auf die gleiche Höhe der Bibel stellen wollten. Daraus gibt es die beinahe paradoxe Situation, dass Johannes Calvin mit den Kirchenvatern gegen diese römische Tendenz argumentierte: Denn die Kirchenväter selber wollten anhand der Bibel überprüft werden.
Die dritte Priorität waren für die Reformatoren die eigenen konfessionallen Glaubensbekenntnisse, die anhand der Kirchenväter (2. Priorität) und natürlich vorallem anhand der Bibel überprüft werden müssen (1. Priorität). Und leider ist irren menschlich. Darum schreibt Heinrich Bullinger in seinem persönlichen Glaubensbekenntnis, dass von vielen so akzeptiert wurde, dass sie es mitunterschrieben und in der Schweiz bis ins 19. Jahrhundert verbindlich war und es noch in Oesterreich und Ungarn verbidnlich ist, dass man sein Bekenntnis (= 3. Priorität), anhand der Bibel überprüfen muss. Mit "wir" ist Heinrich Bullinger und die Reformierten gemeint, die sich hinter dieses Zweite Helvetische Glaubensbekenntnis stellten:
"Vor allem aber bezeugen wir, dass wir immer völlig bereit sind, unsere Darlegungen im allgemeinen und im besonderen auf Verlangen ausführlicher zu erläutern, und endlich denen ,die uns aus dem Worte Gottes eines Besseren belehren, nicht ohne Danksagung nachzugeben und Folge zu leisten im Herrn, dem Lob und Ehre gebührt. Gegeben am 1. März 1566." (S. 12)
Als vierte Priorität würde ich meine eigene Erkenntnis einordnen. Ich staune manchmal, wenn jemand sagt, dass er nur an die Bibel glaube. Praktisch kann das das Gleiche sein, wie ich mit meinen vier Prioritäten glaube, einfach etwas abgekürzt. Doch manchmal fällt mir auf, dass damit auch gemeint sein könnte, dass die vierte Priorität, das eigene Erkannte mit Gottes Wort gleichgesetzt wird. Und das empfinde ich als gefährlich. Natürlich: Wer an Christus glaubt und nicht auf seine eigene Leistung sondern auf die Leistung von Jesus Christus traut, wird gerettet sein. Aber unsere Irrtümer im Glauben können unsere Lebensqualität einschränken. Ich staune, wie die alte Kirche über Origenes sagen konnte, dass er trotz einiger sehr erheblichen Irrlehren, ein wahrer Christusgläubiger war (soweit wir das als Menschen überhaupt können und dürfen.). Nach unserer Erkenntnis hatte er Jesus wirklich lieb. Er hat sogar viele zum Glauben an Jesus Christus helfen können. Aber er hatte ernsthafte Irrtümer vertreten, die bis heute zu Irrungen führen. Es führte auch dazu, dass sich Origenes sehr weh tat. Vielleicht hat er diesen Irrtum (seine Entmannung) sogar noch erkannt. Aber wie Schrmezhaft musste das sein? Darum ist gesunde Lehre wichtig für ein gesundes Leben. Und daher ist es auch wert, dem nachzugehen. Aber in allen Streitgesprächen darüber, was eine Form der Wahrheitsfindung sein kann (manchmal auch nicht, weil es auch sinnlose Streitfragen gibt), so darf diese Prioritätenliste nicht vergessen werden: Es gibt Heilsnotwendige Fragen, wichtige Fragen und Fragen, die uns Gott völlige Freiheit gab. Es gibt Tendenzen unter Christen, die gerne alles zu Heilsfragen machen. Das erschwert aber erheblich, die Sachlage und dient nicht der Wahrheitsfindung. In diesem Sinne finde ich es auch gut, dass wir unterschiedliche sichtbare Kirchen haben, wo weniger wichtige Aspekte verschieden ausgelebt werden. Das kann zur Entspannung führen. Letztendlich gab es dies auch in der alten Kirche, wo verschiedene Strömungen vorhanden waren - und vermutlich jede Kirche und christliche Gemeinschaft hat unterschiedliche Strömungen. Martin Bucer, der Reformator von Strassbourg, meinte, dass er niemand finde, der in jedem Punkt als Christ übereinstimme.
Ein Beispiel: Ich wurde gestern gefragt, was die Kirche über die letzte Zeit lehre. Das konnte ich nicht so eindeutig sagen, weil ich von keiner so genauen Lehre weiss. Die verschiedenen Glaubensbekenntnisse, die ich kenne, sind sehr knapp gehalten. Ich weiss, dass die meisten Christen an den Amillianismus glauben und glaubten. Unter den Evangelikalen verbreite sich ab Anfang des 20. Jahrhundert eine Form des Prämilianismus, der Dispensationalismus, der im 19. Jahrundert entstanden ist. Viele FEG-Prediger vertreten eine abgeschwächte Form des Dispensationalismus. Persönlich finde ich diese Variante problematisch, weil er nicht der Gesamtaussage der Bibel entspricht (Der gemässigte Dispensationalismus versucht dies zu korrigieren.). Und er entspricht nicht einmal den historischen Prämillianismus (Der lehrte nicht, dass die Christen vor der grossen Drangsal entrückt würden.)
Hinzukommt, dass beim Thema Eschatologie, der Lehre der letzten Dinge, die Bibel sich nicht so genau äussert, dass man damit einen genauen Fahrplan ablesen könnte. Jesus warnt sogar davor, dass niemand den letzten Tag berechnen soll, weil hier auf dieser Welt das niemand weiss. Gott hat also in der Bibel ganz bewusst nicht alles so deutlich offenbart. In der Bibel selber merkt man ein Erstaunen, dass Jesus nicht schon zu Lebzeiten der ersten Christen zum zweiten Mal gekommen ist. Petrus geht u.a. in seinen Briefen im Neuen Testament darauf ein. Auch wenn wir die Vorhersagen zu Jesus Christus nehmen und seinem ersten Kommen, so war dies für die alte Kirche nicht so klar. Bis heute soll es jüdische Theologen geben (die nicht glauben dass Jesus Christus ihr Messias ist), die Mühe haben, weil das Alte Testament wie von zwei Messias schreibt: einer der leidet und einer der triumpfiert. Genau diese Mischung sehen wir beim ersten Kommen von Jesus und erleben wir in dieser Zwischenzeit, bis dann Jesus triumpfierend zum zweiten Mal kommt. Nach dem Eintreffen, versteht man es richtig, wie es gemeint ist. Das liegt auch am Charakter der Offenbarung Gottes. Gott hat seit dem Sündenfall immer mehr offenbart. Die allersten Verheissung an Adam und Eva, dass ein Sohn von Eva der Schlange den Kopf zertreten würde und selber in die Ferse gebissen werde, deuten auf Jesus Christus hin. Dies wurde aber weder von uns Menschen und vermutlich auch nicht von den Engeln verstanden. Selbst der Teufel wird es nicht verstanden haben, da er mit der Kreuzigung von Jesus (vermutlich) sogar glaubte, gesiegt zu haben. Dabei erfüllte sich dort die Erfüllung und der Teufel, der unser Tod will und der Tod, der der Stachel der Sünde ist, wurde besiegt. Natürlich ist dies nun in einem geistlichen Sinne, in einem Schon-jetzt-und-Noch-nicht-Aspekt. Wenn Jesus dann zum Zweiten Mal kommen wird, wird auch das "Noch-Nicht" wegfallen.
(Aber man kann natürlich schon Ermutigung für die letzte Zeit durch die Bibel erhalten: Zum Beispiel, dass schlimme Zeiten wie Wehen der Geburt der neuen Zeit, des Reiches Gottes sind. Und es ist ein Prinzip Gottes, dass er das Böse immer wieder einschränkt. Danach war fertig. Würde das Gott nicht machen, würde das Böse so wüten, bis es kein Leben mehr gäbe.)
Aus diesen Gründen kann Calvin sogar vom gelehrten Nicht-Wissen sprechen. (s. Institutio). Wir wissen nicht alles, weil uns Gott noch nicht alles offenbart hat. Und selbst was er uns alles in der Bibel offenbart hat, ist ein Projekt des Lernens, dass wir bis zu unserem Tode oder der zweiten Wiederkunft von Jesus Christus nicht beenden werden können. Aber dann, wenn Jesus wiederkommt, werden wir das wissen (oder lernen?), was wir noch nicht lernen konnten. So ist es gut, zu lernen, zu leben, beschenkt zu werden, Gottes Gaben zu geniessen, als Form der Dankbarkeit. Dabei staune ich immer wieder, wenn ich etwas Neues lerne und Erfahre. Es ist wie ein Glücksgefühl. Es ist ein Glücksgefühl und kann dafür Gott die Ehre geben.
(PS 3: am 23. April 2016 habe ich zum Tehma Tausendjähriges Reich Millennium Eschatologie etwas veröffentlicht.)
Hier noch Gedanken in Englisch von Timothy Keller, der noch genereller ans Thema herangeht
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